Innenputz Rotkalk oder Kalk-Gips




Hallo,
wir stehen im Moment vor der Entscheidung welchen Innenputz wir für unseren Neubau anbringen lassen sollen.
Wir wollten grundsätzlich einen Kalkputz. Wir haben bei mehreren Verputzern in der Umgebung nachgefragt - alle arbeiten bei einem Kalkputz mit dem Rotkalk, alternativ wurde uns ein Kalk-Gips empfohlen. Da wir keinen Verputzer gefunden haben der etwas anderes anbietet haben wir nur diese 2 Möglichkeiten. Der Rotkalk ist um ca. 1/3 teuriger als der Kalk-Gips.
Habt ihr eine Empfehlung für uns ob sich dieser Aufpreis lohnt? Merkt man hier wirklich einen Unterschied bezüglich Raumklima? Wir werden auch eine KWL bekommen.
Wir wären sehr dankbar für alle Tipps und Ratschläge!
Liebe Grüße



Innenputz



Kalkgipsputz funktioniert ebenfalls.
Nehmen Sie eine Firma die damit arbeitet und Erfahrungen hat. Nennenswerte Unterschiede im Raumklima zu reinem Kalkputz oder Rotkalk werden Sie nicht feststellen können.
Was bitte ist eine KWL, eine Lüftung?





Wenn ihr einen Kalkputz wollt, dann solltet ihr euch auch einen solchen anbieten lassen.

Die zwei "Tüten" die jetzt zur Auswahl stehen sind nicht vergleichbar.

Die Baunormen lassen vieles als Kalkputz gelten. Der Bergriff "Kalkputz" ist kein Qualitätsmerkmal.

Es gibt da viele Ansprüche die von den Wohnbesitzern gestellt werden. Auf dieser Grundlage ermittelt man geeignete Produkte.

Da gibt es viele Vorstellungen von Qualität und Harmonie an die "Wandbekleidung" seiner Lebensräume.

Wie ist der Untergrund? Wie möchte man die Oberfläche gestalten.

Das Material könnte man ja bauseitig bereitstellen und sucht sich einen spezialisierten Verarbeiter.

Der Rotkalkputz ist ein Edelputz, so kann bei sorgfältiger (!) Ausführung, die Putzfläche oberflächenfertig, hergestellt werden.

Da ist dann auch der Mehrpreis, wieder relativiert. Und man hat in Struktur und Farbenspiel, vielleicht einzigartige Anmutung.

Da braucht es spezielle Erfahrung des Verarbeiters, die nicht immer vorausgesetzt werden können.



Innenputz



Nur Werbegedöns, mehr nicht ("Edelputz").
"Wenn ihr einen Kalkputz wollt..." dann nehmt keinen Rotkalk, das ist kein Kalkputz PI sondern ein hydraulischer Kalkputz PII.
Einlagige, oberflächenfertige Kalkgipsputze sind der übliche Standard im Neubau.



Darf ich mal



eine kurze Frage einwerfen? Ich will mal mit Kalk, Ziegelmehl und Sand rumexperimentieren. Welches Mischungsverhältnis wäre sinnvoll für Mörtel / Innenputz / Fugenmörtel außen? Ziegelmehl hab ich massig zur Verfügung.





Als Mörtel 3,5 Teile Sand, 1 Teil Kalk und 0,2-0,3 Teile Ziegelmehl.

Als dekorativer Oberputz (Cocciopesto) 2 Teile feiner Sand, 1 Teil Ziegelmehl und 1 Teil (Sumpf-) Kalk.

@Methusalem Lebst du auf dem Tennisplatz?



Danke



ja, nebenan gibt´s das Zeug, was die zuviel bestellt haben umsonst, da hab ich gleich den ganzen Volvo vollgeschüppt :-)



Innenputz



Ja genau KWL ist eine Lüftungsanlage.

Mario, wir haben Mauerziegeln. Die fertige Oberfläche möchten wir gerne nur Streichen oder wenn möglich an bestimmten kleinen Wandflächen "Natur" lassen da mir die Farbe des Putzes sehr gut gefällt.
Leider haben wir keinen Verputzer gefunden der sich auf Kalkputze spezialisiert hat, alle die wir nach Kalkputz gefragt haben, haben nur Erfahrungen mit Rotkalk oder möchten grundsätzlich keinen Kalkputz Verarbeiten da es zu aufwändig sei.
Falls wir uns für den Rotkalk entscheiden würdet ihr diesen auch im Badezimmer machen? Hier erhielten wir verschiedene Antworten. Ebenso wie auf die Innenfarbe, 1 Verputzer hat uns empfohlen die passende Farbe von Rotkalk zu nehmen da sonst der Putz reissen kann?
Vielen lieben Dank für eure Antworten!



Innenputz


Innenputz

Aha, KWL heißt normalerweise Konstruktionswasserlinie.
Mit "Mauerziegeln" meinen Sie sicherlich Hochlochziegel. Bei ordentlicher Verarbeitung reicht ein einlagiger Innenputz aus. Falls die Wand so uneben oder krumm sein sollte das ein Vorputz erforderlich ist gehen die Kosten dafür normalerweise an den Maurer bzw. wurden ihm schon vom Werklohn abgezogen.
Kalkgipsputz ist auch im Bad anwendbar wenn der Putz vor der Beschichtung entsprechend behandelt wird.
Sicherheitshalber kann man hier natürlich auch Kalkzementputz oder hydraulischen Kalkputz nehmen.

"1 Verputzer hat uns empfohlen die passende Farbe von Rotkalk zu nehmen da sonst der Putz reissen kann?"
Quatsch.
Natürlich ist man resp. der Putzer auf der sicheren Seite wenn man das vom Hersteller empfohlene Material nimmt, was die Gewährleistung betrifft.
Aber das der Putz reißt wenn man nicht die passende Farbe nimmt ist völlig absurd. Na ja, die Putzer bzw. die Materialhändler wollen Geld verdienen.
Jede übliche Innenwandfarbe geht, egal ob auf Kalkgips- oder Rotkalkputz.

Das Putzerfirmen keinen reinen Luftkalkputz herstellen und Verarbeiten wollen kann ich verstehen. Es ist aufwändiger für den Putzer und (viel) teurer für den Kunden. Vorteile für den Kunden bringt es auch nicht, dafür noch den Nachteil längerer Bauzeiten.

Ich glaube einer der Rotkalkputzer hat bei Ihnen mittlerweile ganze (Überzeugungs)Arbeit geleistet. Da kann ich Ihnen nur gutes Gelingen wünschen.





Der Herr Böttcher hat es ja schon erklärt. Was die Rationalität angeht ist der Kalk-Gips unschlagbar. Und vom Preis konkurrenzlos.

Ein Kalkputz lässt sich nunmal nicht einlagig verarbeiten, dass liegt in der Natur der Sache. Dies erfordert zumindest eine andere Baustellenorganisation.

Das mit der Farbe ist totaler Pfeffer, dass stimmt. Hatten wir auch gerade hier im Forum. Die Aussage ist im günstigsten Fall dem Gewinnstreben des Anbieters zuzuschreiben oder der hat schlichtweg keinen Plan.

Risse im Kalkputz gelten dann als hinzunehmen und werden als materialtypisch bezeichnet. Diesen Ärger kenne ich zur genüge von Bauherren die sich von ihrem "Putzer" den Kalk wie einen Gips haben Verarbeiten lassen.

Für so was habe ich keine Nerven.

Ein Mehrpreis wird sich wohl nicht vermeiden lassen. Aber etwas aufgeschlossener sollte der begabte Handwerker schon sein.

Schade eigentlich, wo doch in Bayern auch die Kalkkompetenz zu hause ist.

Da fällt mir der "Gräfix" ein, der ist bei Regensburg, da fahre ich öfters an seiner Grube vorbei. Auch den "Altmannsteiner Sumpfkalk" vom Robert Körndl verarbeiten wir hier in Sachsen gerne, da kann man nicht meckern.



Entscheidung



Ich würde mich freuen von deiner Entscheidung zu hören und ein Bild wenn es fertig ist zu bekommen.



Wo Kalk drauf steht....



...muss noch lange kein reiner Kalkputz drin sein.
Großhersteller sind da meist sehr erfinderisch und die Bbeschriftungen sind da auch sehr irreführend.
Was haben Plastifizierer oder kunstoffhaltige Zuschläge oder -zusätze in solchen Produkten verloren?
Und warum schimmeln mittlerweile auch angeblich "reine Kalkputze"?
Ich möchte sie hier nicht verunsichern, aber wenden sie sich doch ganz einfach mal vertrauensvoll an die Firma Hessler Kalk.
Lassen sie sich da telefonisch beraten und dann geben sie diese Information an ihren Verputzbetrieb weiter.
In diesen Produkten ist wirklich nur reiner Klak und reiner Kalkstein als Stützkorn.
Und Streichen können sie dann ebenfalls freskal oder anderweitig mit Klakfarben.

Viel Glück und Erfalg





Ja das ist wirklich sehr schade, den Altmannsteiner Sumpfkalk habe ich auch gefunden im Internet, da wir aus der Gegend kommen, nur leider habe ich keinen Verarbeiter dafür gefunden. Vielleicht sollte ich dort mal direkt nachfragen ob er einen Tipp für uns hat. Ist der Gräfix empfehlenswerter als der Rotkalk? Welchen würdest du hier genau nehmen? Dann könnte ich den Putzer direkt darauf ansprechen.





Vielleicht sucht ihr aber gleich jemanden der den Hessler Kalk oder Gräfix auch verarbeitet. Wie gesagt etwas Kalkerfahrung sollte der schon mitbringen, sonst ist Betrübnis am Ergebnis eventuell schon vorprogrammiert.

Mit der Kalklinie vom Gräfix (Gräfix 61 grob und fein) macht ihr nicht verkehrt, genauso mit dem Hessler Kalk. Das sind kleine Firmen die beschäftigen sich mehr mit ihren Produkten als mit dem Marketing.



Es kommt auf den Handwerker an...



...ob er das halt auch will!!
Viele sträuben sich vor der Verantwortung, mal die Alternativen zu versuchen zu verarbeiten.
Den Großindustriekram beherrschen sie ja alle mittlerweile blind!!

Machen sie doch ganz einfach mal selbst die Abfragen bei den benannten Herstellern.
Maschinengängigkeit sollte schon eine Rolle spielen.
Wie gesagt, Hessler oder auch Gräfix sind da wirklich zu empfehlen.





Okay, dann werde ich hier noch nachfragen.
Dankeschön für eure Ratschläge, ihr habt mir sehr geholfen!
Eine kurze Frage hätte ich allerdings noch an euch - falls ich wirklich keinen anderen Putzer finde, würdet ihr dann trotzdem den Rotkalk nehmen oder eher den Kalk-Gips? Preislich gesehen tut uns der Aufpreis zum Rotkalk nicht so sehr weh, aber umsonst soll es dann auch nicht sein :)



Rückmeldung direkt möglich...



...falls sie keinen Verputzer dafür finden.
Ich könnte da vielleicht weiterhelfen.



Innenputz



Hallo Susanne,
mittlerweile müsste es sich herumgesprochen haben das wir in zwei verschiedenen Welten leben, da ist einmal der "appetizing space, " die schöne heile Welt der Werbung und dann der "dark space", die Realität.
So ist es auch mit dem Innenputz.

Nehmen wir als Beispiel Gräfix:
A) Werbung
Da wird der Gräfix Grundputz mit allerlei wohltätigen Eigenschaften beworben, das Übliche halt und die meisten die das lesen denken natürlich das sei ein reiner Kalkputz. Komisch nur das im technischen Merkblatt (in der Werbung sowieso)nicht die Klassifizierung als PIa- Luftkalkputz- auftaucht. Im Kleingedruckten steht was von "verarbeitungsfördernden Zusätzen" Was denken Sie wohl was das sein kann?
Indirekt kann man sich das schon denken.
Es gibt einen weiteren Grundputz von Gräfix, diesmal mit dem Zusatz "Bio". Das klingt natürlich noch besser, dafür ist man bereit auch mehr auszugeben, es geht ja um die Gesundheit. Wenn Bio draufsteht ist es gesund, das wissen wir aus dem Supermarkt.
Dann kommen die üblichen Lobeshymmnen über Atmungsaktivität, allergiefrei, luftreinigend, feuchteregulierend, schimmelfrei... Eigenschaften die ALLE Innenputze mehr oder weniger haben, vielleicht nicht gerade reine Zementputze. Aber die benutzt niemand als Innenputz im Wohnbereich.
Und dann diese üblichen Vorteile was alles NICHT drin ist. Vieles davon in den meisten anderen Putzen auch nicht drin aber es macht sich natürlich gut. Das ist das Prinzip "alkohohlfreie Leberwurst". Der Metzger bewirbt sein Produkt mit einem Vorteil der gar keiner ist da es den Normalfall darstellt.
Immerhin wird hier die Sorte benannt: PIa, das heißt Luftkalkputz. Und dann wird die Zementfreiheit betont.
Aha.
Wieso wird beim normalen Grundputz diese Eigenschaft nicht betont?
Womit wir bei den Zusätzen wären.
Das zur Werbung oder sollte man besser den Begriff Gehirnwäsche benutzen?

B) Realität
Gräfix Grundputz ist wie alle anderen Werktrockenmörtel ein Produkt mit hohem qualitativem Standard. Das sichern zum einen die Prüfungs- und Zulassungskriterien des Staates und zum anderen die Selbstverpflichtung die sich die Hersteller über ihren Verband der Werktrockenmörtelhersteller selbst auferlegen. Gräfix, Hessler, Solubel, Knauf... alle sind sie mit dabei und achten peinlich darauf das die Konkurrenz sich keine unerlaubten Vorteile verschafft. Wenn Sie also ein Produkt einsetzen das die selbe Spezifikation nach DIN hat können Sie sich sicher sein das die Kriterien wie Druckfestigkeit, Hygroskopizität, Diffusionswiderstand... bei allen Produkten gleicher Klassifizierung eingehalten werden. Was sie unterscheidet sind leichte Unterschiede in der Verarbeitung, den Rohstoffen und anwendungsspezifische Unterschiede.

Für Putze sind folgende Eigenschaften wichtig:
Festigkeit (Druck- und Biegezugfestigkeit)
Wasseraufnahmefähigkeit
Diffusionsfähigkeit
Rohdichte

Warum eiern dann die Firmen in der Werbung so rum?
WEIL SIE ALS KUNDEN DAS SO WOLLEN.
Zur Zeit ist Zement was ganz böses (Gips ist auch böse), wehe wenn da was im Putz ist. Für die Qualität, den Preis und die Verarbeitungsfähigkeit sind hydraulisch abbindende Zusätze (Calcium- und Aluminiumsilikate) aber erforderlich. Das können sein bestimmte Zemente (es gibt ein paar Dutzend Zementsorten mit unterschiedlichen Eigenschaften),hydraulische Kalke oder latenthydraulische Zusätze wie Puzzolan oder Ziegelmehl.
Sie verbessern die Produkte, sie verschlechtern sie nicht. Warum sollten Hersteller kostensteigernde und eigenschaftsverschlechternde Zusätze verwenden? Aus reiner Bosheit? Diese Denkrichtungen fallen mehr unter die Kategorie Verschwörungstheorie.
Also eiern die Firmen in der Werbung rum.
Wenn der Trend plötzlich dahin gehen würde Kalk als unmodisch, uncool und schädlich anzusehen würden die Hersteller ebenfalls auf diese Kundenwünsche reagieren, sie wollen Geld verdienen. Die würden dann eben die Zugaben von Kalkhydrat versuchen zu verschleiern und mischen auch getrocknete Kamelköttel in den Putz wenn es verkaufsfördernd und gewinnsteigernd ist.
Ich habe jedenfalls keine ideologisch geprägten Vorurteile gegen Zement oder sonstwas im Putz, nur technische.

Wenn Sie sich mit der Auswahl von Materialien beschäftigen dann lesen Sie die technischen Merkblätter.
Aber: Das ist schon für einen Fachmann schwierig genug aus der großen Menge von verschiedenen Putzen sich für seine spezielle Anwendung den richtigen auszuwählen.
Bei einem einfachen Innenputz im Neubau und um Eigenschaften mit Werbeaussagen zu vergleichen ist das für einen Laien aber ein gangbarer und hilfreicher Weg.

GLAUBEN SIE NIEMALS DAS WAS IHNEN DIE HERSTELLERWERBUNG EINREDET!