Anstrich für Holzteile von Dachgauben

07.04.2009



Hallo miteinander,
bei unserem Haus (Gründerzeitbau) müssen die Holzteile der Dachgauben dringenst gestrichen werden. Seit vielen Jahren hatten die Vorbestitzer (bzw. die mit der Verwaltung beauftragte Firma) die Sachen vor sich hingammeln lassen. Das Holz war über Jahre blank. Es handelt sich um senkrechte Balken links und rechts an den Gauben und über den spitzen Giebelchen über den Gaubenfenstern. Auf der Nordseite ist der Zustand aber immer noch einwandfrei, das Holz hat keine direkte Sonne abgekriegt und konnte außerdem immer wieder schön trocknen. Auf der Südseite ist das Holz oberflächlich zerstört und hat eine Oberfläche, die praktisch nicht mehr gestrichen werden kann.
Zwei Handwerksbetriebe, denen ich die Sache (unabhängig voneinandern) gezeigt habe, haben wir u.a. geraten:
1. An der verfaulten Südseite die Seiten entweder verblechen zu lassen oder das zerstörte Holz abzutragen auf die Balken Holzbretter zu anzubringen, also praktisch mit Holz zu verschalen. Letzteres sei auch durchaus das übliche Vorgehen, bei oberflächlich zerstörtem Sichtfachwerk, hernach könnten die Holzteile, also sowohl die intakten der Nordseite, als auch die verschalten der Südseite mit Wetterschutzfarbe gestrichen werdeb, und zwar mit "Consolan". Diese Farbe wurde auch in der Nachbarschaft (alles Gründerzeitbauten) überall eingesetzt.

Meine Frage ist nun:
Was ist von dem Vorgehen mit der Bretterverschalung zu halten (mir persönlich ist das sympathischer als eine Verblechung) und was ist von der Consolan Wetterschutzfarbe zu halten?

Danke und Grüße
Stephan



Consolan



Hallo,
die Farbe ist so gut: Wenn das Holz schon weg ist, ist die Farbe immer noch da??

Streichen Sie mit Leinölfarben.

viele Grüße



Anstrich auf Holz



Wir sind ein Meisterbetrieb /Naturbaustoffhandel .Meine Firma verarbeitet und handelt mit Leinölfarben. Diese besitzen eine sehr gute Qualität.Sie sind sehr langlebig und lassen sich gut pflegen, Hergestellt werden diese von der Fa.Ottosson in Schweden und finden Ihre Anwender im Bereich der Denkmalpflege,Sanierung und Neubau.Es wäre für Sie als erste Maßnahme sinnvoll, das geschädigte Holz zu sanieren und die Schadens-Ursachen zu beseitigen.Aufrund unserer Erfahrung haben sich die Leinölfarben gegenüber anderen als optimalere Lösung entwickelt. Bei Interesse helfen wir gern weiter.

Mit freundlichen
Torsten Selle



Streichereien



Hallo Stephan

Nun solche Vorblendungen sind ein wenig heikel, besonders wenn sie nicht stark genug (dafür gibt es eine Faustformel) und nicht innig genug mit dem Untergrund verbunden sind. Auch ist die Holzart von enormer Bedeutung.

Der Fachwerk-de Naturfarbenabteilung will ich nach ihren eindeutigen Empfehlungen noch einmal die sd-Werte der verschiedenen Anstrichmaterialien entgegensetzen. Auf der Tabelle rechts sind die entsprechenenden sd Werte (Diffusionswiderstandszahl) aufgeführt. Hier zeigt sich deutlich wie bei exakten Messungen der vage Begriff der "Atmungaktivität" verschiedener Materialien einzuschätzen ist.
(Was nicht heißen soll, das ich Naturfarbenanstriche grundsätzlich ablehne, sondern nur um differenzierte Betrachtung bitte.)

Der nachfolgende Auszug stammt aus einem Beitrag von Dr. P. B ö t t c h e r ehem. Leiter der Abteilung Oberflächen- und Holzschutztechnik am renomierten Wilhelm-Klauditz-Institut in Braunschweig. Der Beitrag ist veröffentlicht im WTA Almanach 2006 unter dem Titel "Anstriche und Beschichtungen auf Holz". Die Einschätzung harmoniert mit vielen anderen Veröffentlichungen und Empfehlungen wie z.B. auch den Arbeitsblättern des Deutschen Zentrums für Handwerk und Denkmalspflege in Fulda:

"...Fachwerkkonstruktionen sind von ihrer Funktionalität begrenzt maßhaltige Holzbauteile. Allerdings besteht aufgrund der großen Abmessungen der Fachwerkhölzer in der Regel nicht die Gefahr, dass das ungeschützte Holz in seiner Tragfähigkeit durch die wetterbedingte Vergrauung der Oberfläche an Festigkeit verliert. Haupteintragsorte für Wasser in die Fachwerkkonstruktion sind die Fugen zwischen Holz und Ausfachung (Sichtfachwerk ist nicht schlagregendicht) und innenseitige Kondensatwasserbildung wegen ungenügender Wärmedämmung, z.B. durch geänderte Nutzungsbedingungen. Auch Fugen zwischen zwei Holzteilen sind Aufnahmewege für Wasser. Das Eindringen von Wasser in das Holz ist also kaum zu vermeiden. Anderseits kann das in der Regel in flüssiger Form in das Holz eingedrungene Wasser nur über die Außenflächen abdunsten. Um so wichtiger ist es, dass das Wasser über diese Holzflächen möglichst ungebremst wieder abdampfen kann. Das ist nur durch die Verwendung von Beschichtungssystemen mit sehr geringen Diffusionswiderständen möglich. Bei dichten Anstrichschichten wird dieser Vorgang mehr oder minder stark behindert. Dadurch werden die Bedingungen für ein Pilzwachstum begünstigt. In den besonders kritischen Bereichen der Anschlusspunkte von Pfosten und Streben an Schwellen können selbst die für Außenfachwerk häufig eingesetzten Eichenkemhölzer innerhalb kurzer Zeit stark zerstört werden.

Als obere Grenze des Diffusionswiderstandes der Anstrichschichten wurde ein SD-Wert von 0,5 m empirisch ermittelt. Damit muss Fachwerk als nicht maßhaltiges Bauteil behandelt werden. Besonderer Sorgfalt ist dabei auf die Einhaltung der maximalen Schichtdicke zu legen. Da für diese Anwendung heute vor allem wasserverdünnbare Beschichtungssysteme eingesetzt werden, besteht die Gefahr, dass beim Auftrag des Mittels auf eine raue, ausgewitterte Holzoberfläche ein Teil des Verdünnungswassers schnell in das Holz wegschlägt. Dadurch wird die Viskosität rasch erhöht und erschwert den Auftrag von hinreichend dünnen Anstrichschichten. Um dennoch nicht zu hohe Schichtdicken aufzutragen, sind ein sorgfältiges Verstreichen des Anstrichstoffes und gegebenenfalls ein Vorwässem der Holzoberfläche erforderlich. Dies benötigt zusätzliche Zeit und ist häufig nicht in der Kalkulation vorgesehen. Bei richtiger Ausführung sind Renovierungsintervalle von ca. zehn bis zwölf Jahren erreichbar.

Die oben stehende Tabelle gibt für einige an Fachwerkgebäuden eingesetzte Beschichtungssysteme die Diffusionswiderstandszahl an. Daraus folgt, dass die meisten Anstrichsysteme, so auch so genannte historische Olanstriche, für diesen Einsatz ungeeignet sind. Untersuchungen an historischen Fachwerkbauten zeigen, dass diese Erkenntnis bis weit in das 19. Jahrhundert als Erfahrung vorlag. Entsprechend wurden an Fachwerkbauten hauptsächlich die Zierstücke farblich gefasst. Der eigentliche Feuchteschutz des Gebäudes wurde durch konstruktive Maßnahmen (z.B. Dachüberstände, vorspringende Geschosse und Wandbekleidungen mit unterschiedlichsten Materialien) erreicht.

Erst im 20. Jahrhundert wurden viele dieser historisch authentischen und technisch sinnvollen Vorhangschalen zugunsten einer Fachwerksichtigkeit entfernt. In ungünstigen Fällen war eine rasche Zerstörung der wertvollen Substanz die Folge.

An Beschichtungen für Fachwerkhölzer sind folgende spezielle Anforderungen zu stellen:
• Sie dürfen die Wasserdampfdiffusion nicht oder nur gering behindern (niedrige Diffusionswiderstandszahlen / hohe Durchlässigkeitswerte).
• Sie sollen nach Möglichkeit einen Schutz vor Schlagregen bieten.
• Sie sollen einen ausreichenden UV-Schutz für das Holz bieten.
• Sie sollen möglichst dünn und gleichmäßig auch auf rauen Oberflächen aufgebracht werden können.
• Sie sollen mindestens fünf Jahre bei direkter Wetterbeanspruchung halten.
• Sie sollen möglichst allen Wünschen einer fachwerkspezifischen, farblichen Gestaltung gerecht werden....."


Mit besten Grüßen

L. Parisek



Nicht schlauer



Ist das Vorgehen, Balken mit (maßigen) Brettern zu verblenden nun üblich oder nicht? Unabhängig davon: Ist das auch empfehlenswert.
Dass bezüglich Farbe nur das übliche Hick-Hack kommt, war abzusehen.
Grüße
Stephan



Schlauheit



Hallo Stephan

Der erste Teil der Frage, ob etwas üblich ist oder nicht, hat nicht unbedingt etwas damit zu tun ob es empfehlenswert ist.

Noch einmal:
Flächige Fachwerkaufblendungen sind immer kritisch zu beurteilen, unterscheiden sich jedoch in der Qualität ihrer Nachhaltigkeit grundsätzlich durch den Anteil des investierten Hirnschmalzes.

Und:
Hick - Hack ist Teil eines Forums, daher (verzeih mir bitte, aber) wer es nicht mag sollte Foren besser meiden. Anderseits spiegelt ein Forum (für den Fragesteller recht preiswert) nur die Beratungspraxis im baulichen Alltag wieder. Daher wird man in der Vielfalt der Meinungen und Empfehlungen immer seine eigenen Schlüsse und Entscheidungen treffen müssen.

Viel Glück und Erfolg mit deinem Bauvorhaben.

Lutz Parisek