Hohlraum in 2-schaliger Bruchsteinwand - wie auffüllen

19.10.2020 ITG

Hohlraum in 2-schaliger Bruchsteinwand - wie auffüllen

Guten Tag zusammen,

ich renoviere gerade ein Bauernhaus von ca 1870. Da keine Isolierung vorhanden ist, bekommen die Außenwände eine Innenisolierung mit Lehm/Holzweichfaser mit Wandheizung/Lehm.

Die vorhandene ursprüngliche Innenschalung besteht anscheinend aus einem Kalk-Sandputz.
Beim Abtragen von altem Gipsputz des Vorbesitzers habe ich entdeckt, dass es teilweise Hohlräume zwischen den Schalungen gibt. Eine Probefühlen mit Draht hat ergeben, dass sich der Hohlraum vermutlich über die eingezeichnete Fläche erstreckt.

Wie fülle ich diese Hohlräume am Besten auf?
Kalkmörtel?
Ich würde zu Lehmmörtel tendieren (relativ trocken, ähnlich Stampflehm), da ich ja ohnehin eine Ausgleichsschicht mit Lehm einbringen möchte.

Für Tips und Anregungen bin ich sehr dankbar!

Viele Grüße



Detailaufnahme Fehlstelle


Detailaufnahme Fehlstelle

Detailaufnahme Fehlstelle



Tiefe der Fehlstelle


Tiefe der Fehlstelle

Tiefe der Fehlstelle



Verstehe ich nicht



wie kommst Du drauf, dass die Bruchsteinwand zweischalig ist? Wie dick ist sie denn insgesamt? Die Innenschale besteht unter keinen Umständen nur aus einem Kalkputz. Wie dick ist denn die "Innenschale" Deiner Meinung nach?





Hallo Roland,

vielen Dank für Deine Rückfrage!

Die Wand ist insgesamt ca. 70-80cm dick - da bin ich bisher von 2-schalig ausgegangen. Auch finde ich nach ca. 5cm Kalkputz an manchen Stellen einen Stein - nur eben an dieser Stelle anscheinend nicht



Bruchsteinwand



wir haben ähnlich dicke Bruchsteinwände und als ich mal einen Durchbruch gemacht habe, habe ich gesehen, dass die innere und die äußere "Schale " oft in Mörtel gesetzt war , ab und an ein "Binderstein" und in der Mitte der Mauer größtenteils kleines Steinzeugs in Lehm gepackt wurde. Dadurch entstanden möglicherweise kleine Hohlräume. Du kannst ja mal vorsichtig mit dem Maurerhammer das vorhandene Loch etwas öffnen, um einen besseren " Durchblick" zu bekommen. So klein, wie das Loch jetzt ist, kannst Du eh keinen Mörtel reinstopfen. Wenn verstopft werden soll würde ich normalen Kalk-zement-Mörtel Mörtelgruppe II aus dem Baumarkt nehmen.





Vielen Dank für die Info!

Verstehe ich Deine Ausführungen richtig?
Du vermutest, die Mauer ist mehr oder weniger in der kompletten Dicke gemauert (einschalig), aber nicht durchgängig mit Bruchstein durchsetzt, sondern in nach Innen hin viel mit Mörtel und kleineren Steinen hochgezogen, und ab und zu ein Bruchstein für die Stabilität eingefügt ("Binderstein"). Richtig verstanden?

Ich gucke mir das mal vorsichtig an, in dem ich das Loch vergrößere.

Sollte ich ab einer gewissen Größe direkt mit Mörtel auffüllen oder kann ich einfach fröhlich erstmal alles freilegen?

Aber die grundlegende Frage wurde beantwortet: Auffüllen der Fehlstellen mit Kalk-Zement-Mörtel und NICHT mit Lehm!

Vielen Dank!



Wie soll ich es erklären



unsere Vorfahren haben drauf geachtet, dass die innere und die äußere Oberfläche der Mauer einigermaßen eben war, dazu wurden teils die Bruchsteine auch behauen. Nun gab es neben den großen Steinen, die mit Mörtel vermauert wurden, ja auch kleiner Bruchsteine, die wurden in die Mauermitte mit Lehm ( der stand oft massenweise zur Verfügung, im Gegensatz zum Kalkmörtel) vermauert. Es wurde halt alles was da war verbaut, weil die Materialien mit Pferdefuhrwerken rangekarrt werden mußten. Verschwendung und Verschnitt, so wie wir ihn heute kennen, konnte man sich nicht leisten.
Von 2-schaligem Mauerwerk spricht man in der Regel, wenn es wirklich Außen- und Innenmauer mit einer mehreren Zentimetern dicke Luftschicht dazwischen gab.
Warum willst Du alles ( meinst Du damit die gesamte Wand ?) freilegen. Der Putz sollte abgeklopft( im Sinne von abgetrommelt) werden um Hohlstellen und lose Areale zu finden, die Innendämmung muss einen tragfähigen Untergrund haben. Es wird voraussichtlich nicht so viele solcher Löcher geben.





Moin!

Super Erklärung, danke :-)

Nein, ich will nicht alles aufmachen. Auf das Loch bin ich auch nur gestoßen, weil die Vorbesitzer wohl alles Mögliche mit Gips repariert haben, den ich jetzt entfernen muss. Ich würde lediglich das Loch nach und nach erweitern und dann wieder ausfüllen.

Nur Interesse halber, um auch was zu lernen: warum Kalkmörtel für diese Art der Reparatur oder Wand und nicht Lehm? Festigkeit? Feuchtigkeitsresistenz?

Viele Grüße



Devise



meine Devise bei solchen Reparaturmaßnahmen ist immer, das zu verwenden, was vorher verwendet wurde. Ich nahm an, es würde sich um einen Kalkmörtel handeln. Du kannst auch Lehm nehmen, wenn Du welchen da hast. Mit der Feuchteresistenz hat das nichts zu tun, wenn das Mauerwerk trocken ist. Bei Feuchte im Mauerwerk allerdings würde ja Lehm nicht trocknen, dort wäre ein hydr. Kalk oder Kalk-Zement angebracht. Auch wäre, wenn das Loch sehr tief ist, mir die Trocknungszeiten von Lehm an dieser "versteckten" Stelle zu lang. Wenn sich die Fehlstelle als sehr groß erweist, müßte sowieso mit kleinen Steinen ausgezwickelt werden, da würde ich der Festigkeit wegen auf jeden Fall Kalkmörtel nehmen.