Innendämmung Flachdach

11.05.2013 diapedese



Hallo in die Runde,
unser Fachwerkhaus ist als solches etwas unkonventionell und verfügt über einen etwas neueren Anbau (1909) mit Flachdach und einer Dachterrasse, auf der Bitumenbahnen liegen. Wir haben es kürzlich gekauft und jetzt alle Gipskartonplatten rausgeholt.
Unter den Gipskartonplatten an der Decke des Zimmers unter der Dachterrasse fand sich folgendes (s. Bild): Lattung, Plastikfolie, offenbar als Dampfsperre, Deckensparren mit Zwischensparrendämmung, 16cm Glaswolle-Klemmfilz, darüber Holz, wahrscheinlich Hobelbretter. Was dann kommt, ist nicht einzusehen. In einer Ecke konnte man etwas Tageslicht sehen nach Entfernen der Gipskartons, jetzt mit Holzfaserresten gestopft. Trotz des unkonventionellen Aufbaus gab es offenbar bislang 16 Jahre keine Probleme mit Feuchtigkeit und Verrotten, allerdings habe ich unter der Folie ein paar Ameisen gesehen, alles in allem gibt es also Hinweise, dass es irgendwo einen Kontakt zur Außenluft gibt, ohne dass Feuchtigkeit eindringt. Wir haben die Wände mit 40mm Holzweichfaserplatte gedämmt und mit Lehm Verputzen lassen, gleiches ist mit der Decke geplant
Unser Dachdecker sagt, ich solle die Lattung abmachen, die alte Plastikfolie entfernen und stattdessen eine diffusionsoffene Folie dicht anbringen, dann die Latten wieder drauf. Meine Variante ist die folgende: Die Plastikfolie wird großflächig perforiert ("gefenstert"), 2cm Dämmung mit Holzweichfaserplatten zwischen den Latten, dann die Folie und weitere 2cm Holzweichfaser, darauf der Lehm. Die Funktion der Folie ist mir nicht ganz klar (Dampfbremse/Dampfsperre?!). Kann mir jemand das erklären? Richtig dicht bekomme ich die doch auch nicht..., und die Folie war auch schlampig verlegt und hatte diverse Löcher. Um welche Dachform handelt es sich hier (Warm-/ Kaltdach) formal am ehesten? Ist unser Plan vor diesem Hintergrund akzepabel oder ist mit Problemen zu rechnen?
Das Dach soll im Übrigen ebenfalls demnächst neu gemacht und mit Holz belegt werden.
Herzlichen Dank



Die Konstruktion ...



... mutet schon etwas "abenteuerlich" an, insbesondere die Verlegung der Mineralwolle.
Dass es hier nicht zu Feuchteschäden gekommen ist, ist vermutlich der angesprochenen Zwangsbelüftung zu verdanken. Solche "Zwangsbelüftungen" führen allerdings jede Dämmmaßnahme ad absurdum.

Ich halte einzig und allein eine grundhafte Sanierung des Decken- / Flachdachaufbaus für zielführend, d. h. alles Andere für vergeblich und schadensträchtig.

Im Übrigen sollte sich das Ganze mal jemand zumindest ansehen, der sich mit dererlei Konstruktionen bestens auskennt und der auch in der Lage ist, den Konstruktionsaufbau wärmedurchgangs- und dampfdiffusionsmäßig durchzurechnen.

Wenn gewüscht, könnten wir uns der Angelegenheit annehmen.
Unsere Kontaktdaten finden sich im Profil bzw. auf unserer Homepage.

i. V. Dirk Meisinger



Warum



will Ihr Dachdecker an dieser Stelle eine diffusionsoffene Folie anordnen?

Mit Grüßen
Danilo





Hallo,
danke für die Antworten.
Unsere Dachdeckerin schlägt eine dynamische Dampfsperre vor, die im Winter zu macht und im Sommer Feuchtigkeit nach draußen lässt (Isover Vario KM Duplex UV), also eine Klimamembran. Hört sich eigentlich ganz gut an, wenn es so klappt, wie beschrieben.
Ich habe jetzt nochmal den U-Wert-Rechner im Internet bemüht
Der sagt mir bei

0,5 cm Claytec Lehm-Oberputz fein
2 cm Claytec Lehm-Unterputz (Grundputz)
2 cm STEICOtherm internal
0,02 cm pro clima Intello
2 cm STEICOtherm internal
16 cm Steinwolle/Fichtensparren (8 cm)
2 cm Kiefernholz
mit/ohne Hinterlüftung (3cm)
5 mm Dachbahn/Bitumen

einen U-Wert: 0,219 W/m²K voraus.
Ohne Hinterlüftung habe ich einen problematischen Taupunkt und 100 Tage Trocknungszeit (statt max. empfohlenen 90 Tagen), Berechnung nach Glaser mit der Einschränkung, dass das Feuchtigkeitsproblem bei Verwendung diffusionsoffener Schichten meist überschätzt wird. Mit Hinterlüftung ist alles voll im grünen Bereich. Dass die Dämmung damit ad absurdum geführt würde, stellt sich so nicht dar. Im Gegenteil: Ich habe mal nachgelesen und sehe im Prinzip ein Kaltdach/zweischaliges Dach, möglicherweise nicht nur unbeabsichtigt, sondern sogar so konstruiert. Da müsste ich mal den Vorbesitzer fragen. Was mich bestärkt, ist die Tatsache, dass bisher alles gut war, ich nur eine Innendämmung anbringen will und die bestehende Dampfsperre verbessert haben werde - sofern ich sie korrekt anbringe. Und da muss ich mich nochmal informieren. Zum anderen würde ich ggf. die Sache nochmal von oben angehen, wenn das Dach (Außenhaut und neue Holzabdeckung) neu gemacht wird - unsicher, ob noch dieses oder erst nächstes Jahr.
Was haltet Ihr von diesem Plan?
Was mich allerdings etwas irritiert, ist, dass die jetzige Dampfsperre und auch die Lattung quasi über der Raumwand in den Nachbarraum (kleiner Korridor) und möglicherweise bis ins daneben liegende Bad zu gehen scheint. Das kann ich mir aber gar nicht vorstellen. Das hieße, dass die überspannte Fläche ziemlich groß ist und ich den Deckenaufbau sinnvollerweise überall gleich gestalten müsste, oder? Ist aber eine eine ziemlich alte Bestandsmauer, was wieder dagegen spricht.



Wenn ich lese ...



... dass man von unten durch die Dämmung Tageslicht erblicken kann bzw. konnte und dann noch auf dem Bild sehe, wie die Dämmung eingebaut ist, kommen mir doch erhebliche Zweifel an der Tauglichkeit der Konstruktion.
Hier kann davon ausgegangen werden, dass die Dämmebene löchrig ist und damit die bestimmungsgemäße Wirkung nicht erfüllen kann.


Im Übrigen sollte auf jeden Fall abgeklärt werden, ob es zwischen der Steinwolle und der Dachschalung eine funktionierende, d. h. wirksame Hinterlüftungsebene gibt und wenn ja in welcher Höhe und mit welchen Ein- / Auslaussöffnungsquerschnitten in Bezug zur Dachfläche.

Falls es keine Hinterlüftung geben sollte, wäre zur genauen Festlegung der raumseitigen Dampfbremse / - sperre zu recherchieren, um was für eine Dachdichtungsbahn es sich handelt.
Falls eine zweifelsfreie Typisierung nicht möglich sein sollte, würde ich auf Nr. Sicher gehen und raumseitig eine hochwirksame Dampfsperre anbringen.

Aber wie gesagt: Für sinnvoll würde ich eh eine Sanierung halten.

i. V. Dirk Meisinger



Das sehe ich genauso



wie Herr Meisinger. Die Art wie gedämmt wurde und dann eine einfache PE- Baufolie als Dampfsperre macht mir nicht den Eindruck das es vom Fachmann erstellt wurde und auf noch lange Sicht funktionieren wird.?

Würde auch zu einer komplett Sanierung raten zumal ich glaube das Ihre Bitumenabdichtung mit ca. 16 Jahren schon über die Hälfte ihrer Lebensdauer hintersich hat.
Das eine Hinterlüftung sinnvoll ist, hat Ihnen ja auch schon der U-Wert-Rechner angezeigt, ganzegal welche und wieviel Dachdichtungsbahnen verwendet wurden oder bei einer Sanierung noch verwendet werden.

Mit Grüßen
Danilo



eine Dachsanierung...



...in Form einer neuen Dichtung steht ohnehin auf der Agenda. Dabei soll auch Holz auf dem Dach verlegt werden, das macht ein Dachdeckerbetrieb. Es würde dann praktisch ein überschattetes Flachdach entstehen, was ja offenbar wieder etwas schlechter bzgl. der Tauwasserentstehung ist, nach jetziger Einschätzung würde ich eine dunkle diffusionsoffene Folie oben Verlegen lassen. Ist das im Wesentlichen mit dem Ratschlag „komplette Dachsanierung“ gemeint?

Das Problem, das sich jetzt für mich auftut, ist folgendes: Die bestehende Dampfsperre liegt zwischen Sparren und der raumseitigen Lattung (ehemals für Gipskartonplatten an der Decke). Die Folie ist zu allen Seiten am Rand praktisch nicht geschlossen sondern hing nur lose hinter der Gipskartonwand runter, die ja jetzt weg ist. Sowohl die Lattung als auch die Folie enden nicht an der einzigen Innenwand des Zimmers sondern gehen einfach weiter. Ich kann entlang der Folie einen Zollstock mindestens bis über die Decke des Bads schieben, das erst nach einem kleinen Korridor kommt.
Muss die Dampfsperre nicht etwa als „Gesamtkunstwerk“ verstanden und demnach komplett nahtlos getauscht werden oder kann ich jedes Zimmer (es sind insgesamt 3 in L-Form) einzeln betrachten und dort jeweils für eine luftdichte Verlegung mit Spezialklebeband und Kitt sorgen? Muss ich die Lattung abnehmen und die neue Folie an gleicher Stelle verlegen oder kann ich sie raumseitig unter die Lattung (also zwischen die beiden Holfaserdämmplatten - siehe oben) bringen? Letzteres wäre einfacher, weil sonst die Steinwolle evtl. rausfällt. Oder kann ich die alte Folie dranlassen (ggf. festtackern) und großzügig löchern, damit letzteres nicht passiert?

Noch ein paar Fragen dazu, wie ich die Dampfsperre dicht bekomme:
An 2 Wänden ist schon Lehmunterputz, bei einer Wand soll grobes altes Mauerwerk (steinfühlig lehmverputzt) sichtbar bleiben und an einer Wand ist Kalkputz, der mit Lehm überputzt werden soll. Wie soll ich da die Folie ankleben? Vorbehandlung der Oberflächen?
Egal, ob ich die Dampfsperre nun zwischen der Lattung und den Dachsparren oder unter der Lattung zwischen 2 Holzfaserplatten anbringe, in beiden Fällen perforiere ich sie doch - entweder mit den Schrauben der Lattung oder den Tellernägeln zur Befestigung der Holzfaserplatten. Kann man das vernachlässigen (weil etwa der Anpressdruck der Befestigungen für Dichtigkeit sorgt) oder muss ich hier vorsorgen? Es würde sich theoretisch noch anbieten, die Folie komplett unter der Innendämmung anzubringen. Aber darauf kann dann ja nicht verputzt werden.



Guten Abend,



Ein " überschattetes Flachdach " ist doch schonmal schön für die Dachabdichtungsbahn, diese werden dadurch vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt, was die Lebensdauer der Bahnen etwas verlängern wird.

- eine dunkle diffusionsoffene Folie oben verlegen lassen-
Wird mir nicht klar was damit bezweckt werden soll?
Ob dunkel oder hell spielt doch keine Rolle, kommt ja Holz drüber. Eine diffusionsoffne Dachdichtungsbahn zu finden wird auch schwierig, bei Bitumenbahn unmöglich.

Ihr Agendaplan hört sich so an, als ob nur noch eine Lage Bitumenbahn draufgeklebt wird und dann der Holzbelag folgt.?

Mit kompletter Dachsanierung meinte ich jedenfalls, eine Erneuerung aller nötigen Dachdichtungsbahnen,eventl. der Dachverschalung, der Dämmung zwischen den Sparren, Einbau einer Hinterlüftung(Dämmung/Holz), Dampfsperre und der ganze Kleinkram drumherum( Dachentwässerung usw.).

Zum Problem mit der vorhandenen PE-Baufoliendampfsperre, hierzu wären ein paar Fotos hilfreich.

Dampfsperre dicht bekommen...., kommt auf das gewählte Produkt/System an. Gibt eigentlich für jede Anschlusssituation schon ein passendes Klebeband/Quellband oder Dichtungsmittel aus der Kartusche.

Es verbleibt mit Grüßen
Danilo





"Ein " überschattetes Flachdach " ist doch schonmal schön für die Dachabdichtungsbahn, diese werden dadurch vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt, was die Lebensdauer der Bahnen etwas verlängern wird."

Das ist die eine Seite der Medaille. Zum anderen bewirkt die direkte Sonneneinstrahlung aber eine schnellere Trocknung der darunterliegenden Bauteile und wirkt damit der Taubildung entgegen. Es muss ja das gesamte gesehen werden. Ist ja schön, wenn die Bitumenbahn noch hält, aber wenn es darunter verrottet, dann trägt die dichte Bitumenbahn nur dazu bei, diesen Schaden im Verborgenen zu halten.

"Ob dunkel oder hell spielt doch keine Rolle, kommt ja Holz drüber. Eine diffusionsoffne Dachdichtungsbahn zu finden wird auch schwierig, bei Bitumenbahn unmöglich."

http://www.wolfin.de/wolfin-einfuehrung-67.html

Ihr Agendaplan hört sich so an, als ob nur noch eine Lage Bitumenbahn draufgeklebt wird und dann der Holzbelag folgt.?

wie genau das aussieht, kann mein Dachdecker sagen.

"Mit kompletter Dachsanierung meinte ich jedenfalls, eine Erneuerung aller nötigen Dachdichtungsbahnen,eventl. der Dachverschalung, der Dämmung zwischen den Sparren, Einbau einer Hinterlüftung(Dämmung/Holz), Dampfsperre und der ganze Kleinkram drumherum( Dachentwässerung usw.)."

schreckliches Szenario. Aber mit dieser Möglichkeit muss ich mich wohl oder übel befassen.

"Zum Problem mit der vorhandenen PE-Baufoliendampfsperre, hierzu wären ein paar Fotos hilfreich."

Zu spät, ich habe sie entfernt.

"Dampfsperre dicht bekommen...., kommt auf das gewählte Produkt/System an. Gibt eigentlich für jede Anschlusssituation schon ein passendes Klebeband/Quellband oder Dichtungsmittel aus der Kartusche."

Das beruhigt mich, ich denke, es klappt mit dem vorhandenen Material. Ich habe sowohl Dichtmasse als auch Klebeband.
Danke für die Gedanken.



Wolfin auf Bitumenbahnen..... noch ein paar Gedanken



"Zum anderen bewirkt die direkte Sonneneinstrahlung aber eine schnellere Trocknung der darunterliegenden Bauteile und wirkt damit der Taubildung entgegen. "

Einer Taubildung entgegenwirken bzw. abtrocknen lassen soll die bereits erwähnte funktionierende Hinterlüftung.( das Gesamte sehen...)

Eine Feuchtigkeitsregulierdende Wolfinbahn auf bestehender Bitumenabdichtung wird nicht dazu Beitrag, nichteinmal bei bester Sonnenstrahlung, dass darunterliegenden Bauteile schneller nach außen abtrocknen können. Die Bitumenbahnen behindern dies.
Es könnte eventl. nur klappen wenn alle vorhandenen Bitumendachbahnen entfernt werden und eine alleskönner Wolfinbahn/Vlieskaschiert direkt auf die Holzschalung verlegt wird. Weiter sollte das Dach genung Gefälle haben, ist dies nicht der Fall wird sich Regenwasser auf der Bahn sammeln und stehen, was die Feuchtigkeitsregulierdende Eigenschaft auch einschränken kann.
Durch direkte Sonneneinstrahlung/ Wärmestrahlung werden die Bahnen zusätzlich stärker durch Dehn und Zusammenziehen(Längenänderung) belastet.

...aber da muss ja das Gesamte gesehen werden......



ich gehe davon aus, ...



dass die Bitumenbahn abgenommen wird.