Unterlüfteter Boden

07.06.2004



Hallo,

für den neuen Bodenaufbau im Erdgeschoss wurden uns in Tschechien, wo auch unser Haus steht, Plastikmatten mit Noppen empfohlen. Die Matten werden zwischen kapillarbrechende Schicht und Bodenplatte gelegt und sollen mit Lufteinzug von aussen, Luftabzug in den Kamin, unterlüftet werden (Bodenaufbau nach oben isoliert – nicht diffusionsoffen).
Da ich sonst im Internet auf keine ähnliche Lösung gestossen bin, wollte ich mir hier unabhängige Meinungen einholen und wäre also sehr froh über Kommentare...



Probleme



Folgende Probleme sehe ich und frage mich natürlich, wie die gelöst werden sollen:
1. Die Biegezugfestigkeit des Estrichs könnte überansprucht werden, weil dieser nicht mehr vollflächig aufliegt. Jedenfalls kennt die Estrich-DIN sowas nicht. In Deutschland wäre die Konstruktion experimentell und würde als besonders risikobehaftet die Haftpflicht des Planers auslösen.
Falls trotzdem eine ausreichend Biegezugfestigkeit nachgewiesen werden kann, würde dies wohl um den Preis großer Estrichnenndicken erreicht werden (> 6 cm).
2. Was sagen denn die kleinen Krabbeltierchen dazu ? Antwort: sie werden wohl an den seitlichen Randanschlüssen das heimelige Zimmer besuchen oder, wenn der Kamin gerade unbeheizt ist, diesen Weg wählen.
3. Wie soll eine Wärmedämmung funktionieren ?
wahrscheinlich muß man sie auflegen und hat dann ein ganz dickes Dämmpaket, auf dem noch eine Nutz- und Lastverteilschicht aufgebracht werden muß.



Unterlüfteter Boden?



Ob eine solche Unterlüftung funktioniert? Warum überhaupt? Ich würde das ganze als Betonsohle betrachten. Kiesfilterschicht, z.B. Noppenbahn oder einfach eine PE Folie, damit die Zementbrühe nicht in die kapillarbrechende Schicht läuft. Dann eine Abdichtung z.B. Bitumenschweißbahn (natürlich nach entsprechenden Trocknungszeiten), Dämmung und Bodenaufbau nach Wunsch.



Beton vergessen!



Jetzt habe ich glatt die Betonsohle (10-12 cm)über der Folie vergessen.



--> Probleme



Vielen Dank für die Antworten.
Ich glaube, die Festigkeit ist mit dem Bodenaufbau, den man uns vorgeschlagen hat, gegeben:

Bodenaufbau von unten nach oben:

Kies 10cm
Sand 5cm
Geotextil
Noppenmatten
Beton mit Armierung ca. 7cm
Isolation 10cm
Folie
Beton mit Armierung ca. 7cm

In der Tat soll die Dämmschicht also zwischen zwei Schichten Beton liegen.

Über Kriechtierchen habe ich mir auch schon Gedanken gemacht. Ich hoffe sehr, dass z.B. eine der Schichten Fugenlos an den umgebenden Mauern anliegt, bzw. Fugen abgedichtet werden. Falls dies also dicht wäre und man z.B. anstelle des Kamins sonst einen Luftabzug direkt ins Freie legen würde, glaube ich die "Kriechtierbelastung" wäre nicht höher, als sonst in einer Natürlichen Umgebung. Wobei ich das mit den Fugen noch abklären werde... (habe im Internet gesehen, dass bei Massnahmen gegen Radon Drainagerohre in der Kiesschicht ausgelegt und durchlüftet werden, sah auch ganz interessant aus – vielleicht würde das auch gegen Feuchtigkeit helfen?).



--> Ob eine solche Unterlüftung funktioniert?



Das ist halt die Frage, die mich auch beschäftigt. Das Erdgeschoss unsers Hauses ist auf 1 1/2 Seiten bis zur Decke von Erdreich umschlossen. Bevor wir es erworben haben, stand es lange Jahre leer – wurde nicht beheizt, hatte ein beschädigtes Dach/Dachrinnen und noch dazu hat jemand in neuerer Zeit die Böden in zwei der drei Räume im Erdgeschoss mit einer Betonschicht überzogen. Es ist also aus verschiedensten Gründen Feucht (Kondensat, aufsteigende Feuchtigkeit, Feuchtigkeit von oben...).
Eine Drainage ums Haus kommt aus finanziellen Gründen noch nicht in Frage (fast vier Meter tief), Feuchtigkeit von oben können wir aber etwas "bremsen". Heizen wird sicherlich auch helfen.

Was den unterlüfteten Boden angeht:
Der eine Raum mit "atmendem" (teilweise vergammeltem) Holzboden ist wesentlich weniger Feucht (allerdings ist an dieser Seite des Hauses ein Anbau "angeklebt", der beheizt wird). Ich schliesse daraus, dass die Betonschicht in den anderen Räumen wesentlich zur Feuchtigkeit beiträgt – die Feuchtigkeit wird ins Mauerwerk gedrängt.
Deshalb würde eine Absperrung, z.B. eine Bitumenschicht, genau den gleichen Effekt haben - die Feuchtigkeit würde ins Mauerwerk gedrängt werden. Für einen ganz diffusionsoffenen Bodenaufbau ist es zu feucht, denke ich. Nun scheint also der unterlüftete Boden ein Ausweg zu sein.



Trockenlüften



Also zuerst: Trockenlüften ist nicht neu und wird (nach meinem Wissen gerade in Tschechien) häufig angewendet und zwar sowohl für Fußböden als auch für Mauern. Liegt an der traditionellen Bauweise der alten Häuser: Flache Steinfundamente häufig mit Erde statt Mörtel, Lehmziegel, Tonziegel obendrauf.
Also sind viele alte Häuser bis 1,5 m hoch nass, dazu eben fast nie Regenrinnen... alles klar.
Der Abzug über den Schornstein sichert Kontinuität und der Eintritt in den Lüftungskanal ist innen und außen möglich, manchmal auch zwei Stück pro Zimmer. Weiterhin lassen sich auch mittels vorgesetzter Ziegelwand angelegte Spaltablüftungen zum Trocknen ganzer Gewölbekellerwände nutzen, haben Freunde und Verwandte vielfach erfolgreich verwendet. Bei isolierten Betonfußböden ist eine Innenwandbelüftung meist ausreichend, bestehend aus wandseits verlegtem Drainrohr unter einem Schrägziegelkanal entlang der Wand, Fußboden obendrauf. Sollte aber immer mit Außendrainage verbunden werden, Schotter ist ja billig, Vlies nicht vergessen und die berühmte Noppenfolie an der Wand hoch zum Ablüften. Allerdings sind entgegen landläufiger Mode Holzdielenböden den Fliesen vorzuziehen, trocknet sich besser und schont die Holzbalkendecke, weniger Wasser im Haus.
Krabbeltiere sind überall, hatte ich auch in meinem neuen Haus in Deutschland, ohne Hektik und nach etwas Beobachten sollte man den Knackpunkt finden, kein Grund für Chemie!
Für unser 1862 gebautes Familienerbstück ist der Plan:
Aufräumen, Dachreparatur, Regenrinne, Drainage außen, Putzaußen 1m ab, innen Putz und Deckenraus, Innendrainagen in allen Räumen und dann 2-3 Jahre trocknen lassen. Das sollte es tun. Vorzeigeobjekte sind schon jahrelang (20) problemfrei trocken und Bullerjahn ist nicht das Schlechteste für Härtefälle.