Fasebretter für den Fußboden geeignet?

29.03.2021 Niklas

Fasebretter für den Fußboden geeignet?

Liebe Experten, liebe Leute,

ich möchte die Osterzeit nutzen, um den Boden einer älteren, beiliegenden Waldhütte auszubauen. Nachdem letztes Jahr ein neues Dach inkl. Dachstuhl installiert wurde, soll nun ein Fußboden auf der "Dachbodenetage" installiert werden. Dieser ist von unten vom Erdgeschoss sichtbar, da keine Zwischendämmung.

Die lichte Breite zwischen den Sparren beträgt ca. 80cm. Eigentlich hatte ich an Fichte Hobeldielen, N/F, in einer Stärke von ca. 28mm (Breite 14,6cm) gedacht, beidseitig gehobelt. Ein Angebot liegt vor (18,5€/qm), Lieferzeit jedoch leider 8 Wochen. Nun hat mich heute mein Sägewerk des Vertrauens angerufen. Da ein Kunde weniger abgenommen als angefordert hat liegt aktuell noch kurzfristig Douglasien-Holz zur Abholung bereit:
- 50mm Stärke, 14.6cm Breite, 5m lang, beidseitig gehobelt, 15% Feuchte, Doppel Nut-Feder, und(!!!) eine sehr prägnante Fase (auf der Oberfläche je ca. 4mm, also ca. 8mm im Zusammenspiel).

Das Sägewerk hat mir einen sehr(!) fairen Preis gemacht. Ich denke die zwei cm mehr Stärke haben nicht viele Nachteile - eher im Gegenteil. Aber was ist mit der Fase. 8mm Fase, wird man sich da irgendwann drüber ärgern. Klar, wenn noch einmal geschliffen wird reduziert sich die Fase etwas. Viele Böden werden heute ja mit Microfase angeboten. Aber diese hat wahrscheinlich regulär nicht mehr als 2mm.

Was ist eure Meinung/Erfahrung? Ist die Fase einfach viel zu breit, auch für den eher "rustikalen" Fußboden?
Anbei ein Bild. Leider erkennt man nicht all zu viel.

Besten Dank für eine Einschätzung!!!



Fase beidseitig?



ich kann leider nicht erkennen, ob die Fase beidseitig angebracht ist.
Wenn nein, dann die Fase einfach nach unten sichtbar machen und oben eine geschlossene Fläche haben.

Wieviele qm sind denn zu verbauen - ich (sehr persönlich) würde die Dielen bei doppelter Fase einfach durch den Dickenhobel schieben und die 4mm runtermachen. Bei 50mm Dicke ja kein Problem.

Ich habe einige untergeordnete Decken in der Scheune mit Rauhspunddielen gebaut, die haben auch eine ausgeprägte Fase, ich finde das optisch nicht störend von unten.



Beidseitig gefast!



Vielen Dank für die Antwort, Georg! Tatsächlich sind die Bretter leider von beiden Seiten gefast.
Ja die Idee mit dem "runterhobeln" hatte ich auch schon, sind wir ja immer noch über 40mm.
Netto sind es ca. 40qm. Leider habe ich selber nicht die Möglichkeit. Aber ich werde mal beim Sägewerk fragen, also auch wegen Zusatzkosten.



Hobeln



Sägewerk wäre naheliegend, nur sind dort (und in Zimmereien) die Hobelmesser oft nicht die besten.

Schreinerei wäre da wahrscheinlich zielführender.
Dickenhobel bedienen ist jetzt nicht die Welt, wenn man das gezeigt bekommt, kann man das auch selber bedienen (vom Maschinenschein und sonstigen BG-Vorschriften mal abgesehen), dann fallen nur die Maschinenkosten an und nicht die Arbeitszeit vom Fachmann.

Wenn die Oberfläche gut gehobelt ist, fallen wenig Nacharbeiten an - wenn die Hobelmesser stumpf oder schartig sind, dann kommt halt noch eine ziemliche Schleiferei im nachhinein.



Fräsen



Hallo Niklas,
bei einem Balkenabstand von 80 cm würde ich die Dielendicke erhalten.
Die Fasen kannst du auch von der Seite her kleiner fräsen. (Hochkant hobeln wird nicht gehen, da die Dielen nie 100% gerade sind)
Dazu auf der Nutseite die Dielen in voller Höhe/Dicke 2-3 mm und auf der Federseite Vorder- und Rückseite nur bis auf die Feder "verschmälern". Evtl. musst du die Feder dann auch noch etwas kürzen (auf der Tischkreissäge), wenn die Nut nicht tief genug ist.
Mit einer Tischfräse geht das fast genauso schnell wie hobeln.
Wenn du keine Tischfräse hast, kannst du das zur Not auch mit einer Oberfräse machen. Die hast du vielleicht eher selbst, oder kriegst sie für relativ wenig Geld zu kaufen. Mit der Oberfräse ist es halt wesentlich zeitaufwändiger als mit einer Tischfräse.
Mache aber nicht den Fehler und entferne die Fasen komplett!
Die scharfen Kanten splittern schnell (gerade bei Douglasie), oder machen gerne mal Löcher in Strümpfe und nackte Fußsohlen......



Lieber Karl-Heinz,



bleib besser beim Lehm.

Das Verfahren, daß Dir da vorschwebt, ist nicht praktikabel, und für ein Laien definitiv unausführbar. Es gibt auch keinen statischen Grund, von der Stärke nix wegzunehmen. Selbst 28mm wären schon sehr solide dimensioniert für die gegebenen Balkenmaße.

Lieber Fragesteller, wenn Dein Preis gut ist, dann wird er nicht viel schlechter werden, wenn die Dielen noch 1x durch die Dickte geschoben werden. Der Sägewerker will den Posten ja loswerden. 3mm Spanabnahme sollten alle professionellen Hobelmaschinen hinbekommen, also 1x durch und einpacken. Die kleine Restfase sollte willkommen sein. Die Hobelmesser in Sägewerken wie in jeder Tischlerei sind im übrigen nicht zu unterscheiden. Es gibt scharfe und stumpfe, hier wie da. Ganz ohne Schleifen wird es vermutlich eh nicht gehen.

Allerdings: Wieviel Holz bleibt denn bis zur Feder/Nut stehen, wenn man 3mm weghobelt?

Du solltest auch bedenken, daß sich bei einer HF von 15% jahreszeitlich Fugen auftun werden. Für eine (vermutlich) minderbeheizte Jagdhütte ist die HF jedoch insgesamt in Ordnung.


Grüße

Thomas



DANKE



Danke Karl-Heinz, danke Thomas, danke Georg!
Das Sägewerk hat mir zu letzt einen Preis von brutto 22€/m2 angeboten (ich vermute es waren Blockbohlen/dielen für eine Art Blockhütte oder ähnlich, und ja, die sollen wohl zeitnah Platz machen), daher bin ich überhaupt ins Überlegen gekommen. Ich denke das ist sehr fair und sie liegen abholbereit.

Ich werd morgen mal fragen, was er für das zusätzliche hobeln haben möchte. Kenne auch noch einen Hobby-Schreiner mit Gerätschaften den ich mal frage. Und ich muss wirklich noch einmal genau messen, was dann von der N/F stehen bleibt. nicht dass das langfristig zum Problem wird!? (Sorry, hobeln ist leider nicht mein Steckenpferd - da bin ich ehrlich).

Auf das zusätzliche Schleifen bin ich eingestellt und werde ich dann mit dem ersten Ölprozess verbinden. Apropos Schleifen: wenn ich z.B. zweimal mit einem großen Parkettschleifer über die fertige Fläche gehen, werde ich wohl max 1,5mm runterbringen, oder? Auch keine Lösung oder?

@Karl-Heinz: eine kleine Fase kann sehr gerne stehenbleiben. Es ist und bleibt halt auch eine Waldhütte.

Liebe Grüße



Fräsen, die Zweite



Thomas schreibt: "Allerdings: Wieviel Holz bleibt denn bis zur Feder/Nut stehen, wenn man 3mm weghobelt?"
Du schreibst: "Ich bekomme aber keine Probleme, dass die obere Nut bzw. Feder dann durch die -3mm zu "dünn" werden oder?"
Und vermutlich meinen wir Drei das Gleiche.
Genau deshalb habe ich Fräsen vorgeschlagen.
Um eine Alternative aufzuzeigen, falls Hobeln nicht geht, oder das Hobelwerk nicht mehr nachhobeln will (z. B. weil die Bretter mittlerweile verdreckt sind), oder es zu teuer wird.

Mir ist schon klar, dass das Fräsen mit einer (Hobby-)Oberfräse bei 40 m² länger dauert, aber wenn sonst nichts geht, was sonst?
"Praktikabel" ists auf jeden Fall, wenn man mit einer Oberfräse umgehen kann... ;-)



Doppelnut braucht Spezialfräser



im ersten text schreibt er doch, daß die Dielen eine Doppelnut haben, das kann er doch nicht so einfach nachprofilieren, da braucht es den passenden Scheibenfräser erstens für die Nutseite, zweitens für die Federseite.

Außerdem ist Fräsen (auch mit Vorschubapparat) deutlich gefährlicher für unbedarfte Menschen als ein Dichenhobel.



Tja,



" Und ich muss wirklich noch einmal genau messen, was dann von der N/F stehen bleibt." Ja.

Sinn der Maßnahme ist, daß die obere Nutwange stark genug bleibt, um nicht bei punktueller Belastung wegzubrechen. 5mm sollten reichen.

Arbeitet man sich an den Seiten ab, ist nicht nur je 2x Nut und 2x Feder nachzuarbeiten. Vermutlich in einer Stärke. die weit über dem liegt, was es als Scheibennutfräser für kleine Handoberfräsen gibt. Diese Doppelnutprofile sind für Bohlenhäuser häufig auch Spezialprofile mit schrägen Fugenflanken. Deren Nacharbeiten mit der HOF ist sowieso ausgeschlossen.

Und bei 40m² und geschätzt je 280 laufenden Metern Nut und Fase (und dazu x2, weil Doppelnut) in jedem Fall unrealistisch.

Grüße

Thomas



Parkettschleifer



Lieber Karl-Heinz, ich habe nach möglichen Alternativen gefragt, und deine ist bestimmt für einen geübten Handwerkern eine gute Überlegung wert. Da mir selber leider noch etwas das Spezialwerkzeug und die Erfahrung als 25 jähriger Hobbyhandwerker fehlt, habe ich trotz meiner Experemtierfreude etwas Respekt vor deiner Lösung. Aber trotzdem danke!!!

Ich hatte heute meine Entscheidung dem Mann vom Sägewerk angedeutet. Da ich das Preis/Leistung Verhältnis im Vergleich zu anderen Angeboten (und dem "Baumarkt-Schrott") gut finde, versuche ich mich gedanklich immer mehr mit der Fase anzufreunden.

Daher meine letzte Frage: Macht es Sinn evtl. nach dem Verlegen zwei (oder sogar dreimal) mit einem professionellen Paketschleifer über die Fläche zu gehen um noch etwas Material abzunehmen, oder kann man das einfach nicht mit einem Hobel- oder Fräsvorgang vergleichen.



@ Nicklas



Ich bin ein professioneller Massivholzverarbeiter mit den Spezialisierungen auf massive Holzböden und Holzrestaurierung. Für mich ist nicht das Sinnlose, wohl aber das Ungewöhnliche das Normale. Individuelle Lösungen sind das, womit ich mich überwiegend beschäftige. Aus dieser sicheren Perspektive heraus kann ich Dir versichern, daß Du über die Breitenreduzierung und Nutnachbearbeitung in der oben geschilderten Form nicht weiter nachdenken musst. Das wäre auch für mich, mit entsprechendem Bestand an mobilen und stationären Maschinen, keine Lösung. Weder für Geld, noch für gute Worte.

Bei 50mm Gesamtstärke sollte das Abhobeln von 3 (oder 2)mm Deine Nutwangen nicht zu sehr schwächen. Die Nuten liegen nach meiner Erfahrung nicht ganz so nah am Rand. Da die Unterseite auch sichtbar sein soll, würde ich die Dielen auch noch einmal drehen und bei geringerer Spanabnahme auch auf der Unterseite hobeln, weil die, zumindest auf dem Bild, nicht eben sauber aussehen. Das geht schneller und wird gleichmäßiger, als hier und da ein bisschen rumzuschleifen.

Im eingebauten Zustand wirst Du sicher vor dem Ölen einen Reinigungsschliff 120er Körnung oder ggf. auch 2 Schleifgänge 80/120 machen. Den Abtrag von 3-4mm Fase aber solltest Du nicht versuchen. Auch eine Parkettschleifmaschine will mit Erfahrung bedient werden, und der Aufwand ist ungleich höher als beim Hobeln. Ausserdem: Wenn für das Abhobeln die Nutwange zu flach wäre, dann wäre sie das auch für einen vergleichbaren Schleifabtrag.

Anderere Denkansätze dazu, wenn eine Überarbeitung in 2-3 Jahren denkbar wäre:

Du könntest die Bretters erstmal so einbauen und schauen, wie sich die Fugenbildung gestaltet. Nochmal zur Erinnerung: 15% HF sind im nicht- oder schwachklimatisierten Bereich nicht zuviel, aber obere Grenze des Normalen. Nach 2 bis 3 Jahren siehst Du sicher, wie weit die jahreszeitlichen Schwankungen der Fugenbreite gehen. Drunten im Tale wirds weniger sein als droben auf der Höh'. Dann könntest Du entweder (DAS kann auch der ambitionierte Laie) mit einer Handoberfräse, Führungsschiene und 10er oder 12er Nutfräser gleichmäßige Nuten im Fugenbereich schaffen und diese dann einseitig mit passgenauen Nutleisten einleimen und verschleifen.

Oder, geringerer Aufwand, Du lässt den Boden erstmal roh (ungeölt) und füllst die Fugen nach 2-3 Jahren aus der Kartusche: Bostik PK Profi Seal SMP 1K Hybrid Parkett Dichtstoff. Das gibt es in versch. Farbtönen, für Douglasie würde ich "Kirschbaum" wählen. Das Ganze ist schleifbar, silikonfrei, dauerelastisch und im Gegensatz zu mancher anderen Kartuschenware für diese Anwendung auch sehr gut geeignet. Das anschließene Ölen verträgt der Dichtstoff gut, wenn High- oder Pure-Solidöle ohne(oder mit geringfügigem Anteil von) Orangenschalenöl verwendet werden.

Oder, geringster Aufwand: Du lebst mit Fasen und Trocknungsfugen. Ist ja eher eine rustikale Location...

Vergiss über all dem nicht, das Waldesrauschen zu geniessen.

Viel Erfolg wünscht

Thomas



Verschraubung???



@Thomas: Besten Dank für diese ausführliche Antwort. Vllt. freunde ich mich auch mit der Fase an und am Ende ist es nicht zu wild. Ich schau mir die Dielen/Bohlen am Wochenende noch ein letztes Mal an bevor ich zuschlage.

Eine Frage noch zur Montage. Der ursprüngliche Plan war eine unsichtbare Verschraubung - dann würde ich ja über die obere Feder gehen - richtig? Dann brauch ich ja mindestens Dielenschrauben von 4,5x80, wahrscheinlich noch länger?!

Kann man statt Dielenschrauben auch Terrassenschrauben nehmen. Da habe ich welche in 5x100 gefunden. Bei den klassischen Dielenschrauben habe ich noch nichts gefunden.



Die Schrauben...



Ich Schraube ja sehr Vieles verdeckt.

Ob das auch hier geht, hängt ja im Wesentlichen von der Größe des Schraubenkopfes ab.

In Deinem Falle wäre das wohl eine Lösung:

Dielenschraube HECO TOPIX plus mit Zusammenzieheffekt 4,5 x 80 mm | 200 Stück

Ob es die auch noch länger gibt, weiss ich nicht. Ist jedenfalls eine gute Schraube mit kleinem Kopf.

Grüße

Thomas