Freilegung Fachwerk Außen

16.03.2005



Hallo Zusammen,

wir haben ein ca. 1880 gebautes Bauernhaus gekauft. Das Fachwerk war offensichtlich von Anfang an außen verputzt. Wir haben nun am gesamten Gebäude den Putz runtergemacht um evtl. Schäden am Fachwerk zu richten. In den Balken sind viele, viele kleine Holznägel, damit der Putz gehalten hat.
Wir würden jetzt gern das Fachwerk außen sichtbar lassen. Wie sind da so eure Ehrfahrungen. Ist das ratsam oder gibts da gravierende Probleme ?? Wie muss man die Balken behandeln ?? Und wie ist das mit den Holznägeln, können wir die rausmachen oder gibts durch die entstehenden "Löcher" ein Feuchtigkeitsproblem.
Vielen Dank schon jetzt für eure Ratschläge.
Andreas Krebs





Hallo Andreas Krebs,
es kann durchaus Probleme geben, wenn eine Fachwerkkonstruktion immerzu, Jahrzehnte lang völlig verputzt war und nun dauerhaft freiliegen soll. Das kann man nur sehr genau in den Details beobachten, wie sich die Anschlüsse Balken-Ausfachungen verhalten. Eventuell gibt es kleine Setzungen und neue Spannungen im Holz. Oder die Ausfachungen "arbeiten" anders als sonst, weil das Holz entsprechend Klimaänderungen stärker reagiert. Es kann - aber es muß nicht.
Die vielen kleinen Eisennägel würde ich nach Möglichkeit alle herausziehen, nicht abbrechen, weil das auch wieder kleine, unschöne Veränderungen ergibt.

Wie man die Holzoberfläche behandelt, hängt wirklich von Gesamtzustand ab. Ein natürlicher, verdünnter Leinölfirnisüberzug gibt dem Holz guten Schutz. Dazu an anderer Stelle ausführlich in diesem Forum.
Gutes Gelingen wünscht
D.Fr.

PS. Holznägel sind übrigens etwas anderes: Das sind diejenigen ganz wichtigen Bauteile, die das gesamte Fachwerk an den Holzverbindungen zusammenhalten. Und die müssen unbedingt drin bleiben.!



Danke für die Nachricht



Danke, Herr Fröhlich, für die Nachricht.

Die "Holznägel" sind aber tatsächlich aus Holz. Ca. 3 cm lang und im Durchmesser ca. 5 mm. Nennen wir sie mal Holzstifte. Wenn ich die rausmach, entstehen dementsprechend auch kleine Löcher mit ca. 5 mm Durchmesser. Ist das ein Problem ?





Hallo Andreas Krebs,
das ist ja wirklich etwas Neues für mich: Daß zur Putzbewehrung kleine Holzstifte eingeschlagen wurden.(?!) Offensichtlich aus Hartholz. Dies hab ich noch nicht gesehen. - Wie alt etwa ist das Haus ?
Woraus bestehen die Balken selbst ? Ist es Eiche oder Nadelholz ?
Probleme mit den Löchern, wenn diese bleiben, dürfte es trotzdem nicht geben. Es sind ja keine Fraßgänge. Sie gehören zur Geschichte des Hauses dann einfach dazu. Wenn es stört, kann man sie mit einem traditionellen Fensterkitt aus Leinölfirnis und Kreide angeknetet schließen. Aber diesen Kitt müßte man auch wieder entsprechend des Holzfarbtons einfärben, sonst hat man zahllose helle Punkte auf den Balken.
Haben Sie mal ein Foto: Holzstifte in den Balken. ?
Grüße wieder
D.Fr.



Plister



Dachog, einen Haftgrund brauch nun mal der Putz. Ich schätze mal es sind Stifte aus Weidenholz. Damit der Putz nun auf die Fachwerkbalken angeworfen werden konnte, wurden diese Stifte in vorgebohrte Löcher eingeschlagen. Ich kenne diese nun als Plister, womöglich gibt es in anderen Regionen, dafür andere Bezeichnungen. Der Putz wurde in mehreren Lagen dünn, scharf angeworfen. Die nächste Lage erst nach vollständigem Durchtrocknen der vorherigen. Ein weiteres umfangreiches Anwendungsgebiet ist die sogenannte Plisterdecke. Ob Innen- oder Außenputz, ob Lehm-oder Kalkputz, es wurde bis ins 19. Jahrhundert hinein geplistert. Wie man nun die Löcher wegbringt weiß ich nicht. Sollte man die Plister nicht nicht drinnlassen und mit der Feinsäge in Höhe der Balkenoberfläche absägen? Problem bleibt dann, die unterschiedliche Färbung der Holzarten. Aber bestimmt findet sich in diesem Forum auch ein Hinweis. MfG ut de ole Mark



Müsste



man nicht auch noch einmal darüber nachdenken, ob es nicht sinnvoller ist, ein von vorne herein für den Verputz vorgesehenes Fachwerk, auch wieder zu verputzen. Ist das Fachwerk überhaupt in einem ansehnlichen Zustand. Wenn man weiß, es wird versteckt, kann man ja hier und da auch ein wenig pfuschen.
Was sagt der Denkmalschutz dazu?



Fachwerk mal ohne Putz



Hallo

Also hier in Nürnberg gibt es die Holznägel auch zu finden in manchen Gebäuden - Stahlnägel mit breitem Kopf kamen erst viel später, was auch gemacht wurde ist ja das "beilen" ....
Unsere - ode rdie Einstellung mancher Dankmalämter und anderer Institutionen bezüglich Fachwerk, Fachwerk über alles, über alles auf der Welt ... kan ich manchmal nicht verstehen, da sehr viele Fachwerkbauten - aus was für eienm Grund auch immer - früher einfach verputzt waren!

Sie sollten sich überlegen: Sehen lassen oder nicht!
Wenn nicht lassen sie die Holznägel drinnen - kein Streckmetall etc drüber...

Wenn sie es sichtbar haben wollen würde ich die Stifte rausziehen, die Balken etwas überarbeiten, schleifen, bürsten ... ?? (müsste man sehen) und dann Ölen (Leinölfirnis, oder Fußbodenöle ....??)

Dem Holz macht das Wasser eigentlich nur was, wenn es nicht abtrockenen kann.
Die Gefache würde ich überprüfen - und dann, wenns sinnvoll ist richtig putzen. (sind die Gefache balkenbündig??)

Das ist das was ich aus der Ferne sagen kann?
Die Balken auch überprüfen und anschauen lassen!
Was wollt ihr innen machen??

grüsse aus Nbg

Florian Kurz



was



die gründe des verputzens angeht - bei uns (naumburg/saale), ehemaliges herzogtum (zu der zeit in personalunion mit dem kurfürstentum sachsen) sachsen, ganz einfach: per erlaß nach einem großem stadtbrand (1714). seitdem ist generell verputzung angesagt. ich darf meinen fachwerkanbau, der schon verputzt erstellt wurde, auch nicht nicht verputzen, dass hat mir der denkamlpfelger schon um die ohren gehauen. ich finde auch, dass er recht hat - bis auf ausnahmen in den wirklichen fachwerstädten mit repräsentativem fachwerk ist fachwerk doch hauptsächlich ein konstruktives element.