Fachwerk dämmen

22.01.2015 Historia



ich gehe so nach und nach meine Punkte durch die ich bis zum Baubeginn geplant haben sollte. Eichenfachwerk als Sichtfachwerk vermutlich 18. Jh. letzte größere Renovierung des Fachwerks war wohl 1954 oder früher und außer ein paar Verwitterungsschäden hat sich in der Zeit nur wenig getan.

Jetzt würde ich gerne doch ein ganz wenig isolieren. Ich habe mir gedacht die Wand (Gips, Kalk?, jedenfalls älter) die ca. 2 cm Unebenheit Richtung Mitte aufweist mit Lehm egalisieren, trocknen lassen und dann eine Holzfaserplatte 20 mm mit Lehm aufkleben und mit ca. 5 mm Jute verstärktem Lehm verputzen. Jetzt ist noch eine Styropor Untertapete aus den 70er Jahren drauf, die aber wohl noch nicht so viel Schaden angerichtet hat aber natürlich nicht bleiben kann. An den Fenstern kommt noch genügend Luft in die Konstruktion.

Nach allem was ich so gelesen habe ist die Dämmwirkung gering, dafür ist das ganze dann winddicht und das Fachwerk kann im Sommer wieder abtrocknen. Die Giebelwand geht nach Süden und so sollte eine Abtrocknung sogar teilweise noch im Winter möglich sein.

Hat schon jemand eine solche Konstruktion erfolgreich verwendet oder lohnt das den Aufwand nicht?

Danke schon mal



Dämmung



Hallo,

erst mal: wirklich süßes Haus hast du da.

Dämmung ist ein "Gesamtkunstwerk", da kannst du nicht einzelne Teile nur für sich betrachten. Bei deinem Haus wäre vermutlich die Dämmung des Daches und der Kellerdecke deutlich sinnvoller als eine Innendämmung der Außenwände, davon hast du ja nicht so viel.

Eine Innendämmung sollte kapillaraktiv und hohlraumfrei sein, du solltest dich also bei deinen Wänden bis zum Lehmputz vorarbeiten und vor allem prüfen, ob der noch fest ist. Aber warum nur 2cm? Und was meinst du mit "An den Fenstern kommt noch genügend Luft in die Konstruktion"?

Grundsätzlich funktioniert so eine Innendämmung, aber erst mal muss ein Gesamtkonzept her. Wenn es an den Fenstern zieht wäre z.B. da erst einmal anzusetzen. Aber für nur 2cm würde ich mir die Arbeit nicht machen, da ist der Nutzen zu gering im Vergleich zum Aufwand.

Wie schaut es eigentlich mit Denkmalschutz aus?

Gruß,
Tina



Innendämmung



Hallo Tina,

Dachdämmung ist schon in einem anderen Post bearbeitet worden. Das muss ich mit meinem Zimmermann noch durchsprechen. Das wird wohl vor allem mit Holzweichfaser gemacht. Nur die Innenschicht ist mir noch nicht ganz klar.

Denkmalschutz ist natürlich auch da und ich werde das Fachwerk nicht unter einer Außendämmung verstecken. Als die Vorbesitzer in den 70er Jahren umgebaut hatten ist das Denkmalamt aufgewacht und hat es danach unter Denkmalschutz gestellt.

Ich denke kaum, dass ich auf einen Lehmputz kommen werde. Vermutlich eher Kalkputz, aber so weit ich klopfen konnte ist das ziemlich fest. Ich kann im Moment nicht einmal feststellen mit was das Fachwerk ausgemauert ist, da ich einfach zu wenig Schäden habe um mal reinzusehen. Das ganze ist auch recht dünn, das sind vermutlich kaum mehr als 1-2 cm Putz von innen auf dem Fachwerk. Die hinter Wand gegen das Nachbarhaus ist jedenfalls Ziegelmauerwerk. Da gibt es einen kleineren Feuchteschaden und dort trocknet es nicht so gut. Im Dachspitz ist die Ausmauerung Feldsteine und Ziegel, aber unten hoffe ich auf Lehm.

Kellerdecke werde ich vermutlich nicht isolieren. Da unten ist es schön angenehm temperiert, sogar im Winter. Außerdem ist der gesamte Keller über der Erde und damit gibt es auch keine Probleme mit Feuchtigkeit. Ein Teil des Kellers ist mittelalterlich, das hat also schon um die 600 Jahre gehalten und da will ich dann nicht eingreifen.

Wegen kapillaraktiv dachte ich auch an Lehm und Weichfaser vollflächig verklebt. Da werde ich dann wohl besser die 4 cm verwenden. Dadurch dass die Untertapete an den Kanten offen ist konnte das Fachwerk vermutlich immer wieder austrocknen, trotz Styropor.

Fenster sind Doppelfenster aus den 50er Jahren und in gutem Zustand. Die werden ich beibehalten, aber der Anschluss ans Mauerwerk muss natürlich mit Flachs oder Hanf ausgestopft werden.



Energieberater



Hallo,

gerade eine Innendämmung muss sehr genau geplant und berechnet werden, ansonsten besteht die Gefahr, dass es irgendwo feucht wird und dann das Fachwerk Schaden nimmt. Sowas lässt sich nich übers Internet lösen. Du kannst nicht einfach sagen, ich nehme die Platten in Stärke X. Und es ist wichtig, dass unter der Dämmung ein homogener Putz ist. Du musst dir also sicher sein, dass da nicht z.B. mit Gips überspachtelte Tapeten oder Ölfarbsockel sind (hatte ich alles).

Willst du das wirklich selber machen? Sofern du nicht vom Fach bist würde ich mir das sehr gut überlegen. Ich habe mein halbes Haus selber mit Lehm verputzt (sämtliche Innenwände), ich weiß also genaus, was das für eine Arbeit ist. Ich wüsste kein Gewerk bei dem es einen größeren Unterschied zwischen selber machen und machen lassen gibt, was die Dauer angeht (zumindest sofern man sich keine Putzmaschine besorgt). Es macht auch Spaß, aber nochmal würde ich das im großen Stil nicht ohne Maschine machen. Und es ist auch nicht so einfach eine krumme Wand zu begradigen. Denn die Wand muss gerade sein, die Dämmplatten sind starr.



Gibt es wirklich etwas zu berechnen



bei einer Innendämmung im Fachwerk? Eigentlich wird auch nach langem hin und her im Prinzip überall gesagt dass man es besser gar nicht macht oder möglichst wenig. Oder es wird Wandheizung vorgeschlagen mit dem expliziten Nebeneffekt die Außenwand mit Heizungswärme zu trocknen, also die Außenseite zu heizen. (Mal abgesehen von den hinterlüfteten Außenfassaden wo eine komplette zweite Außenmauer vorgemauert wird)

Bei einer bisherigen gut 15 cm dicken Wand sollte eine Dichtungsschicht, die als Innendämmung ja vor allem die Konvektion an der kalten Außenwand vermindert einen guten Effekt haben. Auch wenn diese nur 2+2 Dämmung+Lehm stark ist. Alle ernsthaften Versuche von denen ich bisher gelesen habe warnen vor jeglicher Isolation mit mehr als 6 cm Isolierplatte. Also heize ich auch lieber mein Fachwerk von der Innenseite und versuche das Kondenswasser eher an den Fenstern zu haben als in den Zimmerecken.

Alle Energieberater und Handwerker müssen natürlich auch die EnEv bzw. den sogenannten Stand der Technik berücksichtigen, dürfen also aus professionellen Gründen einen derartigen Aufbau gar nicht vorschlagen, oder sehe ich das falsch? Ich habe jetzt mal Spaßeshalber einen Aufbau eines solchen Systems in U-wert.net eingegeben

http://www.u-wert.net/berechnung/u-wert-rechner/?&d0=1&L0=540030514&mid0=4034&d1=6&L1=1806434127&mid1=4063&d2=1&L2=1634468018&mid2=4034&d3=14&L3=779968745&mid3=774&x3=50&d4=14&L4=779968745&mid4=35&x4=14&d5=0.5&L5=1&mid5=75&bt=0&T_i=20&RH_i=50&T_e=-10&RH_e=80&outside=0

Das ist extrem optimiert und kommt bei 60 mm Weichfaser auf eine U-wert von 0,45. Vermutlich ist aber der Dämmwert des Fachwerks eher schlechter als die angenommenen Leichtlehmsteine NF 700, dann wären es eher in Richtung 0,60. Das geht gar nicht ... :-(

Unter der Styroportapete ist homogener Putz. Es gibt einen Riss in einer Zimmerecke, aber dort muss der Eckständer überprüft werden, das ist am Übergang zu einem Feuchteschaden an der Westwand. Tapetenreste und ähnliches sind offenbar weitestgehend vor der Isolation mit der Styroportapete entfernt worden. Jedenfalls habe ich bei den Sondierungen nichts anderes gefunden. Den Dispersonskleber muss ich natürlich mechanisch entfernen, da führt kein Weg dran vorbei.

Zum Selbermachen denke ich, dass das gerade hier möglich ist. Die Zimmer im Obergeschoss sind relativ klein und damit ist der Aufwand überschaubar (ca. 25qm Wandfläche nach Abzug der Fenster).

Ich denke für einen Gipser ist es nicht rentabel 3 mal wegen 25 qm zu kommen, das lohnt sich nicht. Putz egalisieren, 2 Wochen warten, Platten ankleben und Unterputz mit Armierungsgewebe, 2 Wochen warten und danach noch mal für den Fertigputz.

Vielleicht kann mir ja das Denkmalamt da noch ein paar Informationen geben.



Planung



Klar muss man das berechnen. Auf der latten Wand ist das auch weniger kritisch. Elemantar sind Anstlusstellen an Fenstern, Überganz zu Decke etc. Es sollen keine Kältebrücken entstehen.

Und natürlich kann man auch hier einen Fachbetrieb beauftragen. Ich hab in meinem Haus ich glaube 5cm Holzfaser auf der Wand. Der Betrieb deiner Wahl wäre hier übrigens ein Lehmbauer.

Die ENEV gilt zum einen erst mal für das gesamte Gebäude, und außerdem kann du dich als Besitzer eines Denkmals auch davon befreien lassen.





Ich habe mich schon fast zu viel mit u-wert.net beschäftigt und festgestellt dass auch Handwerker mit solchen Berechnungen ihre Probleme haben. Die arbeiten lieber mit Erfahrung als mit komplizierten Berechnungen.

Übergang an der Decke sind durchlaufende Holzbalken, ganz schlecht zur Dämmung. Die sieht man deutlich auf dem Photo und die gehen ohne thermische Trennung durch bis ins Zimmer. Ebenso ist am Boden ein Dielenboden den ich auch nicht rausreisen möchte. Gut ich muss noch schauen ob sich über der Decke ein Blindboden versteckt hat, auch wenn die Balken freigelegt sind. Aber im Dach werde ich den Boden in jedem Fall untersuchen. Aber den Blindboden Richtung Keller werde ich nicht freilegen. Aber der war auch bei deutlichen Minusgraden draußen immer noch angenehm.

Gut Anschlussstellen an Fenster, Wand und Decke werden wahrscheinlich mit Kalfaterhanf oder etwas ähnlichem abgedichtet. Die Innenwände sehe ich nicht so als Kältebrücken bei dem zu erwartenden Baumaterial.

Vorarbeiten
- Raufaser und Styropor entfernen;
- Reste von Dispersionskleber, alte Tapete und Farben entfernen (falls sich nicht etwas interessantes fürs Denkmalamt findet);
- Fenster-innenrahmen abnehmen. Spalt neben Fensterlaibung ausstopfen;
- Evtl. Risse ausstopfen und mit Lehm ausbessern, dazu alle Anschlussstellen auf loses Material überprüfen.
Neuaufbau:
- Lehm Ausgleichsschicht, trocknen lassen;
- 4cm HWP mit Lehm verkleben, Unterputz und Jute oder Glasfasergewebe einarbeiten, trocknen lassen;
- Lehm Feinputz, evtl. Lehmfarbe oder Kalkfarbe

Ich werde wohl nicht um einen Energieberater herum kommen und so ist das mal nur die Planung. In der näheren Umgebung gibt es zwei Lehmbauer, da kann ich ja auch nachfragen. Dass bei so einem Haus Geld in die Hand genommen werden muss war von Anfang an klar.

Leider bin ich erst wieder im April in der Gegend und sollte noch einiges davor vorbereiten. Im Moment bin ich nur mit der unteren Denkmalbehörde im Kontakt, aber wenn es dann losgeht sind die Fachleute dann auch mit im Boot. Da ist dann wahrscheinlich die Enev das kleinste Problem.

Fragen zu Fenstern werde ich in einem gesonderten Post ansprechen.



Artikel



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Dämmung