Fachwerk aussen im Giebel

27.10.2009



Hallo Leute,
vielleicht kann mir jemand von euch weiterhelfen:
wir haben vor ein paar jahren ein schönes altes, aber auch sehr zerfallenes Bauernhaus in mecklenburg gekauft, das wir uns so nach und nach wieder instandsetzen.
Im Zuge der Dacherneuerung haben wir beschlossen, die Giebelwand im Dachgeschoss unterhalb des Walmes mit einem aussenliegenden Fachwerk zu versehen. Teilweise sollen die Gefache verglast werden, die restlichen gefache sollen entsprechend der Fassade mit den alten Ziegelsteinen ausgemauert werden. Das Fachwerk wurde aus Konstruktionsvollholz 14x14 cm erstellt.
Nun habe ich einige Fragen dazu:
Muss ich das Holz mit irgendwelchen Holzschutzmitteln behandeln?
Kann ich das freiliegende Fachwerk aussen und innen mit einer Lasur entsprechend eventuell einzubauender Fenster versehen?
Wenn ich die Fachungen ausmauern will, soll ich dann nur mit Kalkmörtel oder mit Kalkzementmörtel arbeiten?
Da das Dachgeschoss früher oder später ausgebaut werden soll sollten wir die Giebelwand wohl von innen dämmen, wie mache ich das am sinnvollsten?

Über konkrete Hinweise wäre ich sehr erfreut, denn je mehr ich mich damit beschäftige um so unsicherer werde ich...

Liebe Grüsse und Vielen Dank

Sebastian



Kannst



Du bitte dann zu Deiner Frage auch ein Foto vom Giebel einstellen?



Ja klar!



Ich bin am Freitag wieder in Mecklenburg, mache dann ein Foto und stelle es ein!

bis dann

Sebastian



KVH



(Konstruktionsvollholz) gibt es nur aus Nadelholz, meistens aus Fichte/Tanne und wird daher der Feuchtebelastung in einer bewitterten Fachwerkwand auf Dauer nicht gewachsen sein.
Es tut mir leid, das sagen zu müssen, aber auch eine Oberflächenbehandlung mit Holzschutzmitteln wird den zwangsläufig stattfindenen Fäulnisprozeß nur wenig verzögern können. Jeder kleinste Schwindriss überbrückt die mit Holzschutzmitteln durchwirkte Oberfläche (viel mehr als 1-2mm werden sie es auch bei mehrmaligem Streichen nicht reinbekommen) und bietet Eindringmöglichkeiten für Pilze.

KVH in freier Bewitterung mag bei einem Carport funktionieren (alle Balken luftumspült) aber nicht bei einer Fachwerkwand, schon gar nicht im exponierten Giebelbereich, bei dem die Schlagregenbeanpruchung erhöht ist.

Gruß
Boris Blenn



Fachwerk aussen im Giebel



Hallo Leute,

hier nun ein Foto vom Giebel, weitere Details in meinem Profil.
Der Giebel ist nicht so sehr dem Schlagregen ausgesetzt (ich weiß, alles ist relativ). Die Negativseiten vom KVH leuchten mir ein, aber nun ist es da...
Ich hoffe die Fotos helfen weiter und ihr könnt mir hilfreiche Ratschläge geben.

Danke!

Sebastian



Fachwerk im Giebel



Hallo Leute,

ich wollte nochmal nachfragen ob mir nicht jemand helfen kann...
Boris Blenn hat mich ja freundlicherweise auf die Nachteile von KVH als Fachwerk hingewiesen. Aber leider ist es nun da und ich muss versuchen aus den gegebenheiten das Beste zu machen...
Aber je mehr ich mich mit dem Thema beschäftige um so unsicherer werde ich...
Vielleicht hat ja jemand von euch Erfahrung damit und kann mir weiterhelfen.
Die Situation nochmal kurz skizziert:
Im Giebelbereich wurde ein Fachwerk aus KVH gestellt. Das Holz ist unbehandelt. Frage: Womit sollte ich das Holz am besten behandeln? Kann ich das freiliegende Fachwerk aussen und innen mit einer Lasur entsprechend eventuell einzubauender Fenster versehen?
Einige Fachungen sollen mit Glas versehen werden. Den Rest würden wir gerne entsprechend der Fassade mit den alten Ziegelsteinen ausmauern.
Frage: Wenn ich die Fachungen ausmauern will, soll ich dann nur mit Kalkmörtel oder mit Kalkzementmörtel arbeiten?
Das Dachgeschoss soll früher oder später ausgebaut werden.
Frage: Wie dämme ich die Giebelwand am sinnvollsten von innen?

Ich bedanke mich im Vorraus für eure Hinweise!

Sebastian





Weshalb liegt denn die Dachrinne "dort wo sie liegt" ?



Die Dachrinne



liegt "dort wo sie liegt" weil diese Häuser , die ursprünglich keine Dachrinne hatten, dafür mit sehr schönen Sims-Formsteinen ausgestattet sind. Diese wollte ich sichtbar lassen, darum diese Lösung.

Sebastian



Lösungsansatz?



Alle Probleme wären beseitigt, wenn der Giebel vor dem Fachwerk verglast werden würde. Z.B. mit großen Glasscheiben in einer filigranen Metallrahmenkonstruktion. Ich könnte am WE dazu Bilder einstellen, wie Freunde von mir das gemacht haben. Nicht billig, gibt aber einen fantastischen Blick nach draußen.

Liegt der Giebel denn auf der Wetterseite?

Gruß



Wetterseite



Der Giebel liegt nach Osten, der Wetterseite abgewandt.
Die Bilder wären interessant, allerdings sind unsere finanziellen Mittel eher beschränkt...
Wäre es denn für das Holz besser, wenn wir in alle Felder mit Glas einsetzen und auf ausgemauerte Felder verzichten würden? Dann wäre das Holz nicht "eingepackt", die Dämmung von innen würde auch entfallen...

Sebastian





Hallo Sebastian,
Ostseite ist schon mal gut. Wenn in allen Feldern Glas eingesetzt wird, ist das Fachwerk (Ausnahme: Unterkante Schwelle) eher mit einem Fensterrahmen vergleichbar, und im Fensterbau wird z.B. Fichtenholz mit Erfolg eingesetzt. Die Hölzer können viel schneller abtrocknen und der Feuchtepuffer in Form einer Gefachausmauerung entfällt.

Ein chemischer Holzschutz der Außenflächen sollte dennoch durchgeführt werden. Ich würde zusätzlich die Verbindungspunkte Riegel/Stiele mit Borsalzdübeln bestücken, um an diesen Punkten einen Tiefenschutz zu erreichen. Auf der Seite www.lavtox.com sind unter "IMPEL-BORdepots" alle notwenigen Informationen verfügbar, auch zur Spezialanwendung an Fensterrahmen. Diese Borsalzdübel sind darüber hinaus meines Wissens nach bisher die einzigen, die für tragende Bauteile zugelassen sind (Fa. Remmers folgt evtl. in Kürze?).

Sorgen macht mir dann aber noch die Schwelle, denn diese liegt durch die vorspringende Außenwand im Spritzwasserbereich. Die Verblechung ist hoffentlich ausreichend nach außen abgeschrägt. Liegt die Schwelle auf dem Blech oder ist das Blech an der Außenkante eingeschlitzt? Gibt es vielleicht eine Skizze oder ein Detailfoto (bitte mit höherer Auflösung)?

Gruß



Skizze



Hallo Boris,
hier eine Skizze von der Situation.
Wir haben uns jetzt entschieden alles zu verglasen.
Du hast uns jetzt schon so viele hilfreiche Hinweise gegeben, danke!
Kannst Du uns auch noch einen Tip geben (vielleicht sogar mit Produkten) wie ich den Anstrichaufbau gestalten sollte: Holzschutz und Anstrich innen und aussen?
Viele Grüsse
Sebastian



Glasfassade



Ein Foto während der Bauphase.

@Anstrichsystem: Die Frage möchte ich lieber an erfahrene Praktiker oder Planer weitergeben. Oder mal hier im Forum suchen unter: Fachwerk - Holzfenster - Anstrichsystem - diffusionsoffen etc. Holzschutz Innen auf den Sichtflächen jedoch auf keinen Fall.

@Skizze: Sieht vom Prinzip nicht schlecht aus. Würde sich aber auch sehr gut für eine vorgesetzte Glasfassade eignen, denn ein ebenes Auflager wäre vorhanden.
Ich würde aber die gesamte Schwelle und die Fußpunkte der Stiele zusätzlich mit Borsalzdübeln bestücken, sowie Bohrungen in die Zapfenlöcher zur Entwässerung vornehmen.





Noch ein Foto.
Zu den Kosten kann ich allerdings nichts mehr sagen.





Ich bin mir nicht sicher ob das Sichtfachwerk optisch zum Gebäude passt. Könnte mir vorstellen das der Giebel mit einer Holzverschalung durchaus stimmiger wäre.
Bei der richtigen Holzauswahl wäre dann wieder alles gut.