Fachwerk Festsaal Brandschutz im Bestand

03.09.2018



hallo liebes forum,

wir besitzen eine fachwerkhalle die vor 15-20 jahren als festhalle/tanzsaal genutz wurde. so ist sie auch ausgestattet. eine beeindruckende deckenkonstruktion und eine bühne, allerdings nicht alles im besten zustand, da liegt ne menge arbeit vor uns .
wir haben das Grundstück mit der festhalle dieses jahr gekauft und wollen diese wieder zum leben erwecken, damit unser dorf auch wieder große feste in der geschichtsträchtigen halle feiern kann.
wir, das sind eine kleine gruppe von freund_innen, die zum teil im handwerklichen bereich arbeiten und zum teil das hobby-mäßig machen. da die halle über 300m2 umfasst und wir auch in der lage sein wollen größere veranstaltungen darin zu organisieren, müssen wir die niedersächsische versammlungsstättenverordnung beachten.

ich habe angefangen diese durchzuarbeiten und nun stelle ich mir die frage, ob es ggf. sonderregelungen gibt, damit wir mit unserem bestandsgebäude (kein denkmalschutz) nicht jede brandschutzmaßnahme erfüllen müssen, denn im moment scheint mir das schwer möglich zu sein.

allerdings kenne ich mich mit diesem thema auch sehr wenig aus, doch wenn ich sehe, welche bauteile feurbeständig sein müssen, oder nicht brennbar sein dürfen, dann frage ich mich, ob am ende noch was von unserer alten fachwerkkonstruktion übrig bleibt.

irgendwie habe ich die hoffnung, dass es da so was wie einen Bestandsschutz gibt. es findet ja auch keine Umnutzung statt, allerdings war der betrieb über viele jahre eingestellt, vielleicht ist das auch ein kriterium.

ich bin gewillt ein architekturbüro zu beauftragen, allerdings befürchte ich, dass das dann wieder so unglaublich viel geld kosten wird, aber vielleicht ist es das dann auch wert, ich bin mir unsicher.
eigentlich vertrete ich die auffassung : do it yourself - wenn es irgendwie geht! ich selbst habe vor vielen jahren ein paar semester Architektur studiert und ich bin in der lage grundrisse, schnitte, ... im computer zu zeichnen, aber was bauanträge und brandschutz, besonders für versammlungsstätten angeht, fühle ich mich recht überfordert.

wir wollen eigentlich den charakter der festhalle beibehalten und sowieso den bestand mit traditionellen materialien sanieren und nun habe ich angst, dass uns die brandschutzmaßnahmen einen gehörigen strich durch unsere Rechnung machen werden.

falls ihr mir also infos, tips, ratschläge habt, wie ich da am besten vorgehen sollte, also ob es sowas wie bestandsschutz für Brandschutz gibt, oder an wen ihr euch wenden würdet (architekt_innen, brandschutzbeauftragte, zimmereien, ... ), dann würde ich mich sehr über eure meinung freuen.

1000 dank und schöne grüße,
luca.



Ganz heißes Thema



Die Schlacht um den Brandschutz haben schon viele verloren. Da kommt ihr ohne einen erfahrenen Architekten nicht weit. Ich sollte mal eine Fototour im Umkreis starten, wieviel denkmalschütze Häuser mit den den wildesten Stahltreppen versehen wurden. Zwei mir bekannte Gasthäuser haben die Festsäle gesperrt, weil die Auflagen nicht zu erfüllen waren.

Brandschutz ist wichtig, aber - meine Meinung- da haben sich ähnliche Strukturen gebildet, wie bei dem Dämmwahn.



Brandschutz



es gibt ein neues Referat bei der WTA die sich mit dem Thema Brandschutz tiefgründiger Beschäftigt (siehe aktuelle Ausgabe Bausubstanz) - WTA-Merkblatt 8-12 Brandschutz von Fachwerkgebäuden und Holzbauteilen. Vielleicht hilft dir das auch etwas weiter.

Mein alter Arbeitgeber hat in Baden-Württemberg ein altes Mühlengebäude bzw. Scheune mit Kleinkunstbühne zum Veranstaltungssaal umgebaut. Wir haben hier nicht viele Auflagen gehabt, da der Bestand nunmal da ist und sich an der Substanz nichts ändern lässt. An folgende Auflagen kann ich mich konkret erinnern:
- RWA im Dach für den Rauchabzug im Saal
- Lüftungsgerät im auf der Kehlbalkenlage wurde speziell eingehaust Brandschutzklasse A1
- BMA mit direkter Aufschaltung zur Feuerwehr
- Feuerlöscher an wichtigen Punkten
- 2 unabhängige Fluchtwege
- Festverglaste Fenster zum Nachbargebäude das war etwa 8 Meter entfernt

Es gab an den Bestand noch einen Neubau der angebaut wurde, zu diesem gab es dann noch Auflagen wie Brandschutztüren mit elektr. Feststeller, ein zugewandtes historisches Fenster musste hier ausgetauscht werden durch eine Festverglasung (Brandüberschlag). Brandabschnitt zwischen Neu- und Altbau (wurde dann mit dem Neubau natürlich leicht realisiert).

Wichtig ist in erster Linie die Personenrettung. Diese muss gewährleistet sein.

Wir haben in diesem Gebäude alles (bis auf das Lüftungsgerät) mit Naturmaterialien gedämmt.
- Innendämmung aus Holzfaserplatten am Mauerwerks sowie Fachwerk (Steico)
- Einblasdämmung im Dachstuhl (Holzfaserdämmung)
- Holzfußboden im Veranstalgunssaal

also alles eher leicht brennbar, wurde aber so genehmigt und steht noch.