Fachwerk-Aussendämmung

16.05.2007



Hallo,
besitze bei Monschau ein Fachwerkhaus (ehemaliges Bauernhaus und Elternhaus meiner Mutter), das mit Eternit verkleidet ist. Dahinter befindet sich im EG Ziegelmauerwerk und im 1. Geschoss Fachwerk. Nach dem Entfernen des Eternits soll das EG mit Neopor und vorgesetztem Ziegelmauerwerk gedämmt werden. Mein Problem und gleichzeitig Frage ist die Aussendämmung der 15 cm-Fachwerkwände im 1. OG. Innendämmung scheidet aus.
In der Gegend haben viele Fachwerkhausbesitzer ihre Häuser mit Vorsatzfachwerken versehen. Das habe ich auch geplant, da die Fachwerkoptik erhalten werden soll. Also richtiges Fachwerk vor das tragende Fachwerk. Sowohl was das Ausfüllen der Gefache als auch die Dämmung anbelangt gibt es die unterschiedlichsten Varianten in der Gegend. Auch heimische Sägewerksbetriebe, Bauingenieure haben die verschiedensten Meinungen dazu.
Wer hat Erfahrung mit "vorgesetztem Fachwerk" bzw. kann mir einen Rat geben ?

Dieter Ueberschär



Jodlerstil, Blendfachwerk und andere Wohn- und Bau-Alpträume



Sehr geehrter Herr Ueberschär,
warum wollen Sie sich so etwas antun? Weil es die anderen auch tun?
Wie wurde denn früher in Ihrer Region ein Wetterschutz für diese Häuser hergestellt?
Dieser (Schiefer, Holzschalung o.ä.) könnten dann mit einer WD versehen werden.
Eine Gestaltungsempfehlung auf diesem Wege kann ich Ihnen aber nicht geben. Bei diesem Vorhaben sollte mindestens ein ordentlicher Fachplaner mit eingerechnet werden, damit sich der Ärger später in Grenzen hält.
Mit freundlichen Grüßen
Bernd Kibies



Fachwerk-Aussendämmung



Sehr geehrter Herr Kibies,
danke für Ihre Meinung. Diese Gedanken gehen mir natürlich auch durch den Kopf und deswegen bin ich hier im Forum gelandet. Gleichwohl sind die Fachwerkhauseigentümer mit diesen tlw. vor vielen Jahren installierten Vorsatzfachwerken bauphysikalisch zufrieden - und jeder lobt
natürlich seine Variante. Äußerlich sind diesen Häusern auf jeden Fall keine Bauschäden anzusehen.

MfG
Dieter Ueberschär





Sehr geehrter Herr Ueberschär,
Schäden zeichnen sich nicht unbedingt vorzeitig an den Außenwänden ab.
Oftmals sieht man sie erst, wenn es zu spät ist.
Hat jemand, auf die Gestaltung gehe ich jetzt nicht mehr ein, schon einmal die Wandkonstruktionen nach Jahren geöffnet?
Durch zahlreiche Schadensuntersuchungen ist mir schon so einiges untergekommen.
Die von Ihnen bevorzugte Variante sollte in jedem Fall von einem Bauphysiker gerechnet werden, evtl. findet sich dann auch noch eine fachwerkverträgliche Gestaltungsvariante, die
reversibel ist.
Das Geld für einen fähigen Fachplaner ist dann in jedem Fall gut angelegt.
Gutes Gelingen wünscht,
Bernd Kibies



Fachwerkvorsatzschale



1) Derartige Fassaden halten auch optisch einem zweiten Blick i.d.R. nicht stand. Meistens sind die neuen Balken zu gerade und regelmäßig, die Fassaden sind trotz exakter Orientierung am Vorbild leblos und eintönig.

2) Im Gegensatz zu Innenräume bildenden Fachwerkwänden ist die Fachwerkvorsatzschale deutlich kälter (durch Dämmung), hat aber die gleichen Feuchtigkeitsmengen zu verkraften (Diffusion von innen, Beregnung von außen). Dadurch verringert sich das Trockvknungspotential der äußeren Schale. Zumindest an der äußeren Schale sind daher langfristig Schäden zu erwarten. (evtl. Hinterlüftung zwischen Dämmung und neuer FW-Wand, um zumindest die von innen eindiffundierende Feuchtigkeit abzuführen ???)

3) Lichteinfall verringert sich drastisch aufgrund der hohen Laibungstiefe.

Schließe mich dem ersten Beitrag an, mal alte Bilder aus ihrer Gegend ansehen, so manche nachträglich angebrachte Verbretterung dürfte mitlerweile denkmal- bzw. nacharmungswürdig sein.

Frohes Fest
Frank



Vorgesetztes Fachwerk



Dank für die bedenkenswerten Ratschläge. Ziehe mittlerweile
auch eine Dämmung mit hinterlüfteter Holzschalung aus Douglasie oder Lärche in Betracht.

Freundliche Grüße
Dieter Ueberschär