Innendämmung

11.06.2008



Hallo Fachwerkfreunde. Wir haben ein kleines Fachwerkhaus und sind dabei, eine Innendämmung anzubringen. IST-Zustand: von außen 2 cm Kalkputz, 13 cm Eichenholzfachwerk mit Vollziegelgefachen. Lehmausgleichsputz ca. 3 cm.
Das sind unsere Überlegungen:
Variante 1: Holzfaserdämmplatte und Lehmputzsystem.
Variante 2: Thermohanf zwischen Lattung, Lehmbauplatte und Lehmputz.
Wie können wir den U-Wert im Rahmen der CO2-Sanierung am besten erreichen und damit den Energiepass erhalten?Welche der beiden Varianten ist die kostengünstigere und ist am einfachsten umzusetzen? Grüße von Christian, Astrid und Dorothea



CO2-Sanierung ???



Nach den KfW-Bedingungen müsste mindestens eine _zusätzliche_ Dämmung mit Wärmeduchlasswiederstand von 4,0 (m²K)/W eingebaut werden. Das ergäbe laut KfW-Tabelle z.B. bei Dämmung WLG 045 (Holzweichfaserplatte) eine Dämmstärke von 18 cm.
Da widerum glaube ich sind die Kapillareigenschaften der Dämmung doch schon nicht mehr ausreichend, das anfallende Tauwasser sicher zu verteilen.

Bei der Dämmung nach KfW-Vorgaben unterstützen Sie die notleidende Dämmstoffindustrie auf Kosten Ihrer Bausubstanz.
Da sind die (nachgerechnet garnicht so hohen) Zinsverbilligungen und die (eher geringer als berechnet ausfallenden) Energieeinsparungen Peanuts gegenüber den Kosten für die Folgeschäden an der Substanz in den nächsten Jahren.

Empfehlenswert wäre ein Kompromiss, der dämmt, ohne die Substanz zu schädigen, z.B. 6 cm Holzweichfaserdämmplatte mit Lehmaufbau.

Gruß, Marc Sattel





Das seh ich auch so, 6 cm sind eher schon ein bisschen viel. Ich empfehle immer 4, wenn Holz in der Wand ist.
Den Energiepaß kriegen Sie ja, nur steht da nicht drin Effizienzklasse A.
Der Gesetzgeber hat es eingesehen und sieht bei denkmalgeschützten Fachwerkhäusern (und sonstiger erhaltenswerter Bausubstanz !!) vom Nachweis ab, wenn es
- die Substanz schädigen könnte
- unwirtschaftlich ist
- mit der Denkmaleigenschaft unverträglich ist.

Grüße vom Niederrhein



Innendämmung und Energiepass



Hallo Herr Ferenszkiewicz,

weniger ist da halt manchmal mehr. 4 bis 6 cm sauber angearbeitet reichen wirklich aus - wenn´s denn sein muss. Was haben Sie denn mit dem Energiepass vor? Einrahmen? Brennwert des Kamins verbessern?

Das mit dem KfW-Kredit sollten Sie mal mit und von Ihrer Hausbank durchrechnen lassen ob sich das überhaupt lohnt und welcher Zinssatz bei Ihnen angewandt wird.
Bei meinem eigenen Haus haben wir übrigens darauf verzichtet, weil das Angebot der Bank über die Gesamtsumme letztlich in den Rückzahlungsmodalitäten ein wenig günstiger war.

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer



Problematisch



Die Herren Sattel und Beckmann haben recht. Die Wanddämmung innen nach den Mindestvorgaben des CO2-Programms sind baupraktisch und auch theoretisch nicht vertretbar (siehe auch WTA-Merkblätter zu Fachwerk-Innendämmung)
Es gibt aber zwei Möglichkeiten, wie sie die Anforderungen ggf. doch erreichen:
1. Dachdämmung mind. 16cm WLG 035 (unproblematisch machbar) + Fußbodendämmung auf Rohboden (von oben) und Einbau einer ökologisch besser bewerteten Heizung. Damit wird vermutlich der Neubaustandard nicht erreicht, aber Sie können die oben genannten Maßnahmen über die KFW finanzieren.
Vielleicht wird ja auch mit 5cm Weichfaserdämmung an den Wänden und neuen Fenstern dann der ENEV-Standard möglich. Genaueres müssen Sie berechnen lassen.
2.Die KFW lässt für Baudenkmale bei entsprechender Begründung auch Abweichungen von den Anforderungen zu und verweist dazu an die DENA.
Holen Sie sich einen Fachmann an Ihre Seite der Sie berät und die nötigen Berechnungen durchführt. Suchen Sie sich jemanden mit entsprechender Qualifikation und Referenzen. Wenn ein Energieberater für eine Fachwerkwand mehr wie 5cm Innendämmung vorschlägt oder mit Dampfbremsen auf der Innendämmung anfängt, würde ich mir jemand anderes suchen.
Viel Erfolg.



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- leider doppelt -





Hallo Fachwerkfreunde,

besten Dank für die guten Vorschläge. Wir sind froh, dass wir eine Bestätigung unseres Unbehagens mit der Energieberatung erhalten haben und die Vorschläge unter Zuhilfenahme Eurer Ideen noch einmal sorgfältig überprüfen können. Grüße von Christian, Astrid und Dorothea



Nachtrag zur Innenwanddämmung



Den gesamten Meinungen der Plattformer stimmen wir aus praktischer (Hendwerker) Sicht voll und ganz mit zu.
Doch sollte bei dem Einsatz eines Innenwanddämmsystemes stets darauf mit geachtet werden, daß die Boden- und Deckenbereiche stets mit in die Dämmmaßnahmen mit einbezogen werden müssen!
Sonst ergeben sich gerade in den Wandanschlüssen der Deckenbalkenanbindungen thermisch kritische Bereiche (Tauwasserausfall).

Als Innenwanddämmsystem aus Holzweichfaser bewährt sich seit einiger Zeit das System von DHD Doser sehr erfolgreich, denn es baut auf einem Stufenfalz auf und nicht wie die anderen, mit N + F.

Bilder dazu sind hier in der Plattform einige zu finden.

Handwerklicher Gruß

Udo Mühle