Eichenbalken weg saugen

19.04.2019 Thomas



Liebe Forumsgemeinde,

uns ist ein ehemaliger Pfälzer Bauernhof zugelaufen. Alle vier Gebäude sind in Lehm-Eichenfachwerk ausgeführt. Der Hof steht unter Denkmalschutz. Unser Plan ist, das Haupthaus für eine Weile zu bewohnen um ein Nutzungskonzept zu finden und dann den Hof denkmalgerecht zu sanieren. Der Hof ist weitgehend in der ursprünglichen Bausubstanz erhalten. An einigen Stellen ist jedoch in den 60ern renoviert worden.

In einem Raum war in den 60ern ein Estrich gegossen worden. Der Nachbarraum war zur selben Zeit zu einem Badezimmer gebaut worden - ebenfalls mit Estrich und zusätzlich Fliesen. Beim Entfernen der Tapeten im ersten Raum fiel auf, dass die Zwischenwand unten über dem Fußboden sehr weich und bröselig war.

Es ist klar, dass die Schwellbalken sowieso fast alle kaputt sind. Hier aber konnte ich ohne Werkzeug - nur mit einem Spachtel und einem Staubsauger - alles ausräumen bzw. weg saugen.

Das in der Mitte des Loches befindliche Abflussrohr eines Waschbeckens ist zwar rostig aber jetzt trocken (offenbar nicht undicht).

Meine These:
Wegen der Estrichböden in beiden Räumen und zusätzlich Fliesen auf der Badezimmerseite konnte die aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Boden (wenn es sie denn gibt) nur oberhalb des Balkens entweichen. Somit war der Balken ständig feucht.

Fragen:
1. Wie denkt Ihr über meine These zur Herkunft der Feuchtigkeit?
2. Wie würdet Ihr die Wand temporär (evtl. für ein paar Jahre) ertüchtigen und die Balkenköpfe stabil unterfangen?
3. Würdet Ihr das Bruchsteinfundament gegen weitere Feuchtigkeit absperren oder für Abtransport sorgen?

Herzlichen Dank.

Beste Grüße

Tom



Bild 2



Die Rückseite der Wandöffnung sind die Fliesen von hinten.



Bild 3



drittes Bild



Bild 4



viertes Bild



Bild 5



fünftes Bild



Bild 6



sechstes Bild



Zementputz?



Hallo, zu deinen Fragen kann ich leider nicht viel sagen. An der Wand sieht man allerdings verrostete Putzzräger. Wenn hier Zementputz aufgetragen wurde, hast du auch noch das Problem, dass die Feuchtigkeit dort " gefangen" ist. Sicher wäre es sinnvoll, hier eine diffusionsoffene Lösung zu finden- also ein anderer Wandaufbau bzw. Putz. Viel Erfolg noch!



Danke Stefan



Ja, so ist es. Das was Du auf der Rückseite siehst, sind Fliesen (in Mischung auf den Putzträger gelegt). Die Feuchtigkeit konnte nicht weg.

Jetzt ist meine Frage:
1. Kommt die Feuchtigkeit von unten?
2. Soll ich jetzt gegen das Fundament absperren oder für Abtransport sorgen?
3. Oder beides?



Absperrung beseitigen



Hallo,

wir hatten bei uns eine ähnliche Situation: Ein Teil einer Eichenfachwerkwand war beiderseitig in den 60ern befliest worden (eine Seite Küche, andere Seite Bad). Als wir die Fliesen auf einer Seite abgenommen hatten konnten wir sehen, dass die Wand nur noch von Fliesen und dem Kleber gehalte wurde - vom Eichenholz war da nichts mehr zu sehen.

Wir haben damals das Fachwerk weiträumig saniert und dann mit Lehmputz verputzt. Kalkputz geht natürlich auch. Auf jeden Fall muss ein Feuchtigkeitsausgleich möglich sein ... Daneben haben wir, wo Schwellen saniert werden mussten, diese konsequent über den Estrich gehoben.

Ist aber nur meine laienhafte Meinung.

Beste Grüße

Peter



Schädling



Da war aber sicher auch ein Schädling drin?
Ich seh da deutliche Frasgänge...



Der Schädling kommt



meist dann, wenn das Hölz feucht wird. Die Schweller sollten immer oberhalb des fertigen Fußbodenss angeordnet sein, nie in Estrich o.ä. eingießen/verschließen. Eine Feuchtesperre nach unten kann nicht schaden. Sie sollte vorzugsweise nicht unmittelbar unter dem Schweller liegen. Besser einer Lage Ziegel in Kalkmörtel dazwischen oder die Schwelle in Kalkmörtel auf die Dichtbahn legen. Nie direkt unter den Schwellbalken legen. Ihre Annnahme ist richtig. Durch die gewählte Konstrúktion wurde in den 60ern ein "Schnellkomposter" für Eichenschwellen gebaut. Diese Kostruktion war und ist leider bis heute noch oft anzutreffen. Die Feuchte können sie nach unten absperren bitte aber konsequent. Sie darf nicht über einen Verputz o.a. sorptionsfähigenMaterial die Sperre überwinden können. Das passiert immer dann , wenn die Sperre z.B. überputzt oder mit HWF Dämmplatten überbrückt wird.

Gruß
Det



Der Schädling kam



als Folge der Nässe. Dort, wo die Balken des Raumes mal feucht waren, gibt es ein paar Frasgänge. Dort, wo es immer trocken war, gibt es sie nicht.

Ich tendiere auch dazu, der Feuchtigkeit eine Möglichkeit zu geben, oberhalb des Estrichs aus der Wand heraus zu diffundieren. - Nur zu einer Seite der Wand, also nur in einen der beiden Räume. Die Fliesen auf der Badseite würde ich im Moment nicht entfernen.

Wie oben bereits geschrieben, handelt es sich zurzeit um eine Renovierung. Eine Sanierung ist erst für später geplant.

Also werde ich wie folgt vorgehen:
1. Die Balkenkopfe etwas kürzen bis ich auf mehr gesundes und stabiles Holz treffe. Eine waagerechte Fläche schaffen.
2. Mit Zementmörtel und Kalksandsteinen jeweils einen Sockel unter jeden Balkenkopf ohne Sperre auf das Fundament aufmauern.
3. Die oberste Lage der Sockel absperren (es werden vermutlich insgesamt 4 Lagen)
4. Zwischenräume mit Lehmziegeln in Lehmmörtel ausmauern.
5. Mit Lehmputz verputzen.

Ich bin gespannt, wie das funktionieren wird.

Über andere Meinungen oder Anregungen würde ich mich freuen.



Bauen sie die Schwelle wieder ein



. Sie hat die Aufgabe Zug- und Schubkräfte auszugleichen sowie Punktlasten aus den Stielen zu verteilen. Das geht nicht mit "Punktfundamenten" unter den Stielen. Die Feuchtigkeit kann da bleiben wo sie herkomt, im Erdboden und im Streifenfundament. Sie braucht keine Möglichkeit zu haben in den beheizten Bereich zu gelangen um dort auszutrocknen. Den Erdboden können sie nicht austrocknen . Es stellt sich immer wieder eine Ausgleichsfeuchte ein.



Das wäre



auch meine erste Wahl.

Die Köpfe der Stiele sind alle faul. Um einen neuen Schwellbaken einzusetzen und neue Köpfe an die Stiele zu bringen, braucht man mehr Platz. Hierzu müsste ich einen Teil des Badezimmers auf der anderen Seite der Wand und einen Teil der links angrenzenden Außenwand erneuern.

Das wird im Zuge einer Sanierung des Hauses gemacht. Im Augenblick geht es darum eine temporäre Reparatur durchzuführen, die bis zur Sanierung hält.

Vielen Dank für Ihren Beitrag.