Denkmalschutz Fluch oder Segen?

08.03.2020 Milafrieda



Liebe Fachwerk-Community, ich schreibe zur Zeit meine Facharbeit zum Thema Fachwerk und bin jetzt häufiger auf conträre Meinungen zum Thema Denkmalschutz gestoßen und würde mich freuen wenn ein paar aus der Community ihre Erfahrungen/Meinung mit/über den Denkmalschutz mit mir teilen würden.

Viele Grüße!



Es kommt drauf an



Meine Erfahrung ist folgende.
Der Denkmalschutz und dessen Ausführung hängt sehr stark von den Restauratoren und Verantwortlichen Denkmalpflegern ab.
Wo wir unser Haus gekauft haben haben wir 5 Seiten Auflagen bekommen die wir teilweise nur schwer wegargumentieren konnten und die an einzelnen Stellen sogar die wirtschaftliche. Ortung des Gebäudes extrem beeinträchtigt hätte.
Aber wir waren damals auch etwas zu kritisch dem Denkmalamt gegenüber.
Heute, 10 Jahre später, haben wir sehr umgängliche Denkmalpfleger die uns mit Rat, Tipps usw. unterstützen sowie sich flexibel zeigen.
So ergibt sich ein gemischtes Bild das am Ende sich von Behörde zu Behörde stark unterscheidet.



Segen



Hallo ich wohne in einem Dorf am Harzrand.. Unser Dorfkern hat sehr viele Fachwerkhäuser.. Zu 95% nicht mehr sichtbar. Zugepappt, zugemauert leider. Ich habe vom Heimatverein eine CD bekommen, wo fast alles Häuser drin sind wie sie noch in den 50-60er Jahre aussahen.. Das macht mich echt traurig so viele schöne Häuser, echt schade. Hatte man die ganzen Straßen wie z. B. In Goslar unter Denkmalschutz (die Fassaden hätten ja gereicht) gestellt haetten wir ein super schönes Dorf..
Aus dieser Sicht wäre es ein Segen für das ganze Dorfbild gewesen..



Denkmalschutz - sinnvolle Sache



Denkmalschutz hilft Kulturgüter zu bewahren.
Im Alltag in der Sanierung, haben wir viele Wünsche und Fakten zu beachten und uns, die wir als diejenigen die das Ganze managen müssen, unter einen Hut bringen wollen. Bei denkmalgeschützten Häusern ist dann faktisch mind. ein Ansprechpartner in Form der Unteren Denkmalbehörde (UDB) mehr mit am Tisch.
In NRW im Grunde auch immer die Landschaftsverbände, wenn auch ein wenig im Hintergrund.
Und alle haben unterschiedliche Vorstellungen.

Die Vorstellungen des Bauherren sind baulich meist laienhaft geprägt und vom Anspruch eher optisch durch Vorstellungen aus Zeitungen und Internet naiv an Hochglanzwerbebildchen angelehnt. Zum Objekt passen diese Vorstellungen im Detail nur bedingt. Der Ansatz ist immer ein kurzfristiger.
Viele Handwerker wollen am liebsten ihre geprägten Bearbeitungen und Materialien anwenden die schon mehrfach angewendet wurden und scheuen aufwendige Einzellösungen die auch flexible geistige Umsetzungsansätze brauchen. Auch hier ist der Ansatz immer kurzfristig.
Die UDB hat sich in NRW .mit den Landschaftsverbänden und deren Vorgaben abzustimmen. Ziel fast jeden Sachbearbeiters einer UDB die ich bisher kennen gelernt habe, war es immer das Objekt zu erhalten.
Das das Objekt nur erhalten wird, wenn es genutzt werden kann, ist jedem in der UDB klar.
Aber der Ansatz ist immer ein sehr langfristiger. Ja - Dauerhafter. Besitzer, Handwerker und Ingenieure wechseln. Das Objekt bleibt.
Die UDB hat immer das Ziel zu vertreten für das Objekt nicht nur jetzt und hier für ein Detail eine Lösung zu finden sondern das Objekt dauerhaft in seinen Alleinstellungsmerkmal zu erhalten. Dauerhaft.
Man sieht - da gibt es ganz unterschiedliche Schwerpunkte.
Treffen Handwerker und Bauherrn ungefiltert auf UDB oder die UDB entdeckt "einfach mal" umgesetzte Maßnahmen der Bauherrn oder Handwerker, wundert es nicht, dass es Reibungen zwischen den Parteien gibt die in offenen Konflickten enden können.
Wir als Ingenieure und Architekten sitzen dazwischen und planen mit einem mittelfristigen Konzept die kurzfristigen Vorstellungen des Bauherrn in seinem Gebäude umzusetzen und dabei dieses dauerhaft zu erhalten.
Die Stellung der UDB kann und muss man dabei jederzeit akzeptieren. So und in produktiver Kommunikation finden und fanden sich häufig die besten Lösungen für die Objekte.
Aber egal wer. Bauherr, UDB, Handwerker und auch wir, die wir dazwischen sitzen - sind nur Menschen. Mit dem einem funtioniert die Kommunikation besser mit dem anderen schlechter. Der Eine reagiert schneller angefressen und überzogen und der Andere ist eher lösungsorientiert.
Meine Erfahrung ist und war - wenn man mit allen Menschen offen spricht und sich mal in seinen Standpunkt hinein versetzt, kommt man auch miteinander gut klar.
Und genau so ist es auch mit DEM Denkmalschutz. Frühzeitig mit Ihnen sprechen und eine gemeinsame Lösung finden, geht in 95 % der Fälle.
Manchmal muss man auch streiten.
Manchmal ist die Findung einer Lösung auch ein geben und nehmen.
Eigentlich wie im normalen Leben.
Meine Oma sagte immer "Drum prüfe wer sich ewig bindet". Das muss man auch jedem Käufer von denkmalgeschützten Immobilien sagen. Wenn seine Vorstellungen nicht zum Objekt passen, dann sollte er sich doch lieber etwas kaufen bei dem er jeden Balken raus hauen kann. Das ist dann sinnvoller als über den Denkmalschutz zu schimpfen.
Denkmalgeschützte Gebäude stehen oft auch wunderschönen Grundstücken. Denkmalgeschützte Gebäude haben oft ihren eigenen Charme. Haben Geschichte und Flair. Das alles haben diese Gebäude, eben weil sie unter Schutz stehen. Ohne diesen Schutz wären ganz viele dieser aufgezählten Punkte längst über die Jahrzehnte dem Hammer zum Opfer gefallen.
Damit der Besitzer diese Einschränkungen hinnimmt bekommt er Gegenleistungen. Bekommt Förderungen, Sondervergünstigungen und man hat steuerliche Vorteile. Gut so.

Fazit - Denkmalschutz ist ein Segen für die Gebäude. Denkmalschutz kann ein Fluch für falsche Vorstellungen von Besitzern sein.

Jetzt reicht es aber sonst wird es doch ein Roman.