Zwischensparrendämmung mit Blähton?

07.02.2006



Ich möchte das zu erneuernde Sparrendach meines 140 jährigen Bauernhauses mit Bähton dämmen, für die Decke/ Dachoden ist das ja klar, aber geht das auch zwischen den Sparren? Ich will von aussen: Biberschwänze, Dachlatten auf Konterlatten, Dachpappe auf Rauhspund/Schalung, Sparren, Innenschalung und zwischen die beiden Schalungen den Blähton schütten.
Benötigt man bei Blähton eine Dampfsperre? Er soll ja Wasser aufnehmen und abgeben können...
Ansonsten würde ich die Folie innen an die Sparren tackern und Innenschalung drauf.
Belastung wäre etwa 60kg/qm plus 35kg Biberschwänze/qm. Ist das Normal? Oder hängen davon später die Sparren 12x18 durch?
Hat jemand damit Erfahrung?
Danke.



von Blähton als Dachdämmung würde ich abraten



da dieser Baustoff keine guten Wärmedämmwerte hat
und Wasser zu lange in den oberen Kapillaren festhält (siehe die kapillaren Blähtonkügelchen,die man in den Blumentopf schmeißt,damit man 4 Wochen in Urlaub gehen kann und die Blumen dennoch nicht vertrocknen)
Bei Dämmdicke von 18cm ist der K-Wert der Dachdämmung zu schlecht.



Heisst ...



das, mit Dampfsperre davor waere es besser, weil trocken?
Der K- Wert stoert mich weniger, Schallschutz ist wichtiger und schwerer als Mineralwolle ist Blähton auch, sollte also Waerme speichern. Da gab es ja diese endlose Diskussion zwischen den Experten, davon schwirrt mir jetzt noch das Gehirn ;-)



Lastaufnahme



Eine Zwischensparrendämmung mit Blähton würden wir nicht empfehlen, da die Aufwände für die Herstellung der Gesamtkonstruktion ein Wesentliches gegenüber anderen sinnvollen Alternativen.
Zellulose oder auch Holzfasern eingeblasen bringen auch einen guten Schallschutz und dazu noch guten sommerlichen Wärmeschutz.
Dazu kommt noch, daß PE- bzw. artgleiche Unterspannbahnen nach gewissen Zeiträumen unter der eintretenden sogenannten "Weichmacherverflüchtigung" leiden und eine Versprödung dieser Ebenen erfolgt.
Damit besteht die Gefahr, daß das Blähtonmaterial absackt und in unkontrollierte Verrieselungen fällt.
Sommerlicher Wärmeschutz ist bei diesen Material bestimmt auch nicht so effizient.

Grüße Udo



Ich stimme



Udo Mühle zu, wie so oft. Bläton ist für eine Sparrendämmung nicht geeignet. Schon alleine dass Gewicht von 60 kg/m² ist normaler Weise nicht von einem Dachstuhl zu tragen. 12*18 ist allerdings kein schlechter Querschnitt. Es kommt dann aber noch auf die Abstände und Spannweiten an, so dass auch dazu nichts definitives zu sagen ist.



Vielen Dank,



also etwas Leichteres, hmm...
Ich hatte Blähton auch wegen der Schimmelresistenz ausgewält, denn dass die Dampfsperre irgenwann undicht wird, ist klar, das wäre dann für Zellulose und Holzfasern doch eher das Ende.
Sparrenabstände sind noch nicht festgelegt, koennen durchaus 80cm sein, soll ja ne Weile halten, nicht bloss 30 Jahre.
Was mich wundert ist, dass original die Balkendecke über der Stube (Riesenkachelofen) lediglich mit Spreu vollgeschüttet war, Bretterlage drueber, die Sparren natürlich frei, trotzdem hat sich scheinbar nie eine Taupunktschweisswasserebene in der Decke gebildet.
Da war keine Dampfsperre, wie geht das dann? Ein anderer Deckenteil ist Rollholz mit Spreu und Lehm drauf, da sehe ich den Lehm als Wasseraufnehmendes und abgebendes Medium.
Daher meine Idee, den Blähton ohne Dampfsperre zwischen die Schalungen an den Sparren einzuschütten.
Die geschlossenen Schalungen werde ich auf jeden Fall machen, unabhängig von der Dämmung. Das sehe ich nicht als Aufwand, eher als Investition.
Fragen bleiben bez. Dampfsperre...



Eine Dampfsperre



ist bei Zellulose oder Holzweichfaser nicht erforderlich, ledigliche eine leichte Dampfbremse. Ich gehe von einem Sd-Wert von 2-4 m aus. Zellulose und Holzweichfaser gehören zu den Produkten, die etwas Feuchtigkeit gut vertragen und vor allen Dingen schnell wieder abgeben können. Voraussetzung ist allerdings, dass nach außen diffusionsoffen gearbeitet wird. Ist hier eine Schalung incl. Dachpappe geplant sollte unter der Schalung für eine gute be- und entlüftete min. 4 cm starke Hinterlüftung gesorgt werden.
Gibt es einen Statiker an der Baustelle? Wenn die Sparren noch nicht liegen, ist der Dachaufbau noch ganz frei? Der Querschnitt von 12/18 ist für Sparren nicht üblich.

Empfohlener Dachaufbau (von innen nach außen):
- Schalung als sichtbare Bekleidung (?)
- Konterlattung
- Dampfbremse z.B. ProClima DB+
- Zellulosedämmung min 16 cm
- latexvergütete Holzweichfaserplatte 22 mm über den Sparren
- 4 cm Konterlattung zur Unterlüftung (Be- und Entlüftung beachten)
- Rauhspund
- Dachpappe
- Biberschwänze



Vollsparrendämmung



Also das Ganze steht noch im Original in Tschechien, vorerst ist das Dach temporär abgedichtet. Aber um unterm Dach zu wohnen, ist es nicht zugelassen, zu grosse Sparrenabstände. Der Zimmerer und die Architektin sagen, besser wäre, es komplett neu zu setzen, da auch einige Balken Schäden aufweisen. Damit würde aber ein Stück Seele verschwinden, meine ich.
So habe ich schon etwas für die Stubendecke gefunden, dort sind nur fünf dicke Balken drauf, aber man kann ja unsichtbar welche dazwischenlegen, die eben mit eingeputzt werden und nicht aussen überstehen.
Das kann man auch im Dachstuhl ähnlich machen. Er soll ohnehin zehn Zentimeter höher wegen Betonkrone auf der Mauer, da könnte man die guten alten Sparren innen lassen und aussen den neuen Stuhl setzen/ aufdoppeln, der später dann innen nicht zu sehen wäre.
Das spezielle Mass der Sparren entstand durch mich, da im Wald eine Menge Bäume umgefallen waren und gesaegt werden mussten. So kamen wir auch zu etlichen Deckenbalken und Sechszentimeterbohlen. Das liegt schon drei Jahre trocken im Garten...
Sind ja auch noch diverse andere Sachen zu tun, aber planen kommt eben zuerst, auch fürs Dach.
Nach all den guten Tips habe ich mich umgetan und gründlich informiert, Holzweichfaserplatten aller Art besehen und denke, dass es wohl eine Vollsparrendämmung mit Holzweichfasern wird, aus der die alten Balken innen sichtbar bleiben.
Das wäre dann von aussen nach innen: Bieberschwänze auf Dachlatten und Konterlatten, Dachpappe auf Rauhspund (ich traue der Holzfaserplatte nicht so obendrauf), Sparren mit Holzweichfaserplatten dazwischen, Dampfbremse, Innenverkleidung.
Hab ich da noch was Wichtiges vergessen?



Klar:



die Unterlüftung!





Tun Sie sich das mit dem Aufbau mit Rauhspundbrettern und Dachpappe nicht an, verwenden Sie lieber Holzfaserplatten am besten mindestens 40mm (durchtrittssicher und robuster). Der Aufbau wird dann wesentlich diffusionsoffener und ist ebenso robust. Darüber eine Konterlattung 80 bzw. 60X40mm als Hinterlüftung. Als Dämmung Zellulose - Einblasdämmung, Rauminnenseitig wird dann keine Dampfsperre benötigt sondern nur eine Luftdichtungsbahn (z.B. ProClima DB+).

Grüße

Jochen Engelhardt



Diffusionsoffene Vollsparrendämmung



Das kommt ja meiner ursprünglichen Vorstellung sehr nahe, ECHT gut!
Mit Hinterlüftung ist also der Bereich zwischen dem äusseren Abschluss der Dämmung (z.B. Unterdeckplatte 40mm) und den Dachziegeln gemeint?
Die Luftdichtungsbahn ganz innen lässt dann den Dampf durch, wofür brauche ich sie dann noch?
Sorry für die nervige Fragerei, aber ich muss es hinterher auch den anderen Zweiflern erklären...



Der Sinn ist,,



dass die Dampfbremse nur soviel Dampf durchläßt, wie nach außen auch abgeführt werden kann, damit es nicht zu Kondensatbildung in der Konstruktion kommt. Die Qualität der Dampfbremse ist also abhängig von der Unterdeckplatte.



Alles klar,



das leuchtet ein.
Also kann ich dann innen auf der Dampfbremse Konterlattung und den Putzträger meiner Wahl aufbringen, oder Holzfaserplatte und weissen.
Vielen Dank an alle, die mich mit Rat geschlagen haben!
Werde wohl noch oft viel fragen, aber der letzte Anbau hat gezeigt, Hast beim Bauen ist verschwendete Energie und besser dreimal vorher denken als sich hinterher einmal aufregen...



Achtung!!!!



Noch ein Nachsatz: die verwendete Abbildung war lediglich zur Verdeutlichung gedacht, sie stammt von www.gutex.de, dass soll hier nicht verschwiegen werden.
Jan F. Schubert



Endbeschichtung



Sollte innenseitig eine Holzweichfaserplatte als Endbeschichtung gewählt werden, so wäre es aus unserer handwerklicher Erfahrung heraus betrachtet sinnvoll, diese mit einem lehmdünnschichtputz zu versehen. Riß- und Stoßüberarbeitung damit geklärt.
Nachher dann nur noch farblich Endbehandeln.
Oder mittels Heraklithplatten beplanken und ebenfalls Lehm-oder Kalkputze aufbringen.
Die sogenannte Luftdichtungsbahn diehnt zur Schaffung der gebäudewinddichtung. Soll erreicht werden, daß keine Luftströhmung entsteht, bei der somit sonst Feuchtigkeitsausfall sich einstellt.

Grüße Udo



Thema Lehm und Dampfsperre



Sie haben eindrucksvoll geschildert,wie sich Naturbaustoffe wie Lehm und Weizenspreu feuchtespezifisch äußerst positiv verhalten.Wenn Sie z.B. unter die Sparren z.B. auf Putzträger wie Heraklith oder Schilfplatten einen Lehmputz d=15-20mm oder alternativ vollflächig eine 2cm Lehmbauplatte montieren,ist eine Dampfsperre nicht notwendig. Jetzt wäre noch die Luftdichtheit des gesamten Dachaufbaus zu gewährleisten, was ein guter Lehmputz oder gute,diffusionsoffene Dampfbremspappen machen.
Blähton alleine,ohne Dampfsperre würde ich nie empfehlen, da die Kügelchen wie schon gesagt, Feuchtigkeit zu lange in den Kapillaren festhalten,was bei extremen Wetterverhältnissen zu Schimmelbildung führen kann.





Also kann ich den Blähton in die Decke schütten, bei gedämmtem Dachboden ist der Temperaturunterschied geringer?
Ich hab da ganz schlechte Erfahrungen mit leichten Dämmungen und Lärmschutz...



Blähton als Deckenschüttung in Speicherdecke DG



ist dann kein Problem,wenn von oben keine Feuchtigkeit den Blähton erreichen kann. Also flugschneesichere Dachdeckung und gut abgedichtete Deckenfüllung (z.B. mit Verlegeplatten oder Brettlagen mit N+Feder). Ein guter Feuchtepuffer wäre auch ein Lehmestrich ca 2-3cm dick auf den Blähton als obere Abschlußschicht.



Blähtone



Bei den Blähtonen besteht trotzdem stets die Situation, daß durch Kondensatbildung dieses in dieser Ebene verstärkt hängen bleibt.
Es gibt eine Vielzahl besserer Alternativen, auch hinsichtlich der statischen Situationen und deren Machbarkeiten.
Pellito (Holzpellettschüttung), Liaver (Blähglas), Lehmbefüllungen nach baulichen Gegebenheiten (Gewichtseinstellungen), geblasene Dämmstoffe (Holzfasern, Zellulose etc.).

Grüße Udo



Zwischensparrendämmung mit Lehm-Hobelspandämmung



Hallo allerseits,

es besteht auch die Möglichkeit mit Lehm-Hobelspandämmung das Dach zu dämmen.
Diese Dämmung kann Feuchtigkeit aufnehmen und reguliert die relative Luftfeuchtigkeit auf ca. 50%, d.H. positv für das Raumklima. Durch das Einblasverfahren erhalten wir ein Gewicht von ca. 95-100 kg/m³ das sich wiederum positiv auf den sommerlichen Hitzeschutz auswirkt.

mit freundlichen Grüssen
tak



Lehm-Hobelspäne



Blast Ihr dieses Material ein?
Dazu hätten wir gern nähere Kontakte zu Euch.
Waren letze Woche erst im Allgäu (Pfronten).

Grüße in die Region
Udo