Dämmung neues Fachwerkhaus, 2. Teil

22.10.2006



Hallo,
ich hatte ja schon mal beschrieben, was wir tun. Da als Antwort nur "am besten gleich wieder abreißen" kam, haben wir nach Rücksprache mit Restauratoren und anderen Fachwerkhausbesitzern nun so weitergemacht und ich führe den Monolog mal fort.

Das Haus haben wir "so" als Rohbau gekauft, d.h. die Wände mit Fenstern, Türen und Dach waren bereits schon "fertig", an der Ausfachung haben wir nach Rücksprache erstmal nichts geändert. Das Haus steht bereits seit vier Jahren so da, Schäden sind nicht zu beobachten. Wir haben an einigen Stellen die Gefache entfernt, um Türen und Fenster zu versetzen, auch hier war weder Feuchtigkeit noch Gammel zu sehen. Evtl. werden diese Ausfachungen nochmal gegen einfache Ziegelsteine ausgewechselt, dazu muß dann aber die Innendämmung nicht mehr herausgenommen werden.

Vorgabe war eine trotz Fachwerk möglichst gute Dämmung (Erfüllung nach neuer EnEv und KfW), die bezahlbar bleiben musste. Als Heizung ist eine Gasheizung Junkers Ceratherm mit Schichtpeicher und Solarregelung, oder eine SBS-Pelletheizung ebenfalls mit Schichtpeicher und Solarregelung vorgesehen. Erdgeschoß Fußbodenheizung, oben (bis auf Bad) Heizkörper.

Aufbau der Wände:

1. Ständerwerk:
Eiche, 15 cm.
2. Aufbau der Gefache:
Zwei cm Riemchen ausgemörtelt, mit Flexkleber auf 5.5 cm Styrodur, darauf 3x2cm Holzlatten (waagerecht, senkrecht, waagerecht, mit Zwischenraum)
Die Ausfachungen sind als Flächen in sich stabil und mit Nägeln im Eichenständerwerk befestigt.

Am Ständerwerk wurde innen dann senkrecht 4x6 cm Rauhspundlattung mit Edelstahlschrauben angebracht, auf der Innenseite wurde diese Lattung mit diffusionsoffener Unterspannbahn (Delta maxx) belegt (Richtung Dampfdurchlässigkeit von innen nach draußen). Diese 4 cm "Belüftung" ist nach oben hin offen, d.h. am Oberende der Dämmung mit Kunststoffgitter abgedeckt.

Dahinter kam 10x10 cm Lattung mit entsprechender G+H Dämmung (Lagen 6 und 4 cm versetzt).

Dahinter nochmals 6x6 cm Lattung mit 6 cm G+H Dämmung, hinter dieser Ebene wird auch die Elektrik verlegt. Mit dieser Lattung wurden Kurven und Unregelmäßigkeiten ausgeglichen, um innen gerade Wände zu bekommen.

Dahinter kommt jetzt 1,5 cm OSB-Platte, die winddicht verbaut wird und als Dampfbremse wirkt, als Abschluß dann Rigips oder Putz.

Ein Problem ist die Dämmung an den Dachschrägen, die Giebelfenster wurden so weit an die Außenseite gesetzt, daß die Dämmung nicht mehr als 16 cm (in den 18 cm Dachsparren) betragen wird. Dahinter kommt dann Dampfbremsfolie oder ebenfalls OSB mit entsprechender Abdichtung an den Stößen.
Nach Berechnung per Computer wird das Haus so den KfW60-Standard erfüllen.

Viele Grüße,
Kai



Problem ?



Könnten Sie Ihr Problem mal kurz in Frageform kleiden ?

Grüße vom Niederrhein



kein Problem



Hallo,
das "Problem" waren fehlende Antworten bzw. Begründungen und keinerlei Diskussion - dieses Forum hat uns insofern nicht geholfen. Deswegen auch der Monolog.
Ich hatte anfangs gefragt, was von so einer (oben beschriebenen) Dämmung zu halten ist, allerdings gab es darauf wie schon gesagt nur die Antwort, "am besten gleich abreißen" - natürlich ohne genauere Begründung (was ganz besonders hilfreich war).

Lehmziegel, Lehmputz, Lehmwickel, Hanf und andere "natürliche" (Blähton natürlich? Hanf als Dämmung original?) Dämmstoffe habe ich in einem historischen Zweiständerhaus auch schon verarbeitet - das hatte mit Originalität dieses Hauses allerdings auch nichts mehr zu tun. Original wurde gefroren.

Wir wollten anfangs eigentlich nur anfragen, ob man auch ein (neues) Fachwerkhaus mit modernen Stoffen gut und bezahlbar dämmen kann. Das das nicht traditionell, natürlich etc. ist und manchen wohl nicht gefällt ist klar, wir haben es hier nunmal so gemacht.

Während des Ausbaus haben wir auch festgestellt, das die in der Gegend ansässige Firma, die ursprünglich das Fachwerk mitsamt Ausfachungen gebaut hat, wohl nicht alles richtig verstanden hat - auf dem noch vorhandenen Firmenschild stand jedenfalls "Hier entsteht nach traditioneller (!) Bauweise ein neues Fachwerkhaus".

Viele Grüße,
Kai



Bedenken bei dem Wandaufbau



Hallo Kai,
leider konnte ich dir erst jetzt auf deinen Eintrag antworten.
ich habe durch mein Haus Einblicke in die Abläufe der Feuchtigkeitsaufnahme und -abgabe bei Fachwerksbauten erhalten.
bei einem sichtbaren Außenfachwerkt ist in der Wand immer die Fuge zwischen den Ausfachungen und den Stielen und Riegeln. Sie ist auf Dauer nicht gegen eindringende Feuchtigkeit zu schützen. Bei Schlagregen und entspechendem Wind mimmt sie ca. 10% der Wasserlast je m² Wandfläche auf. Das können in entsprechenden Lagen 80l Wasser im Jahr sein. Diese Wassermenge muss die wand auch wieder abgeben können. Das Material in den Feldern sollte eine gute kapilare Leitfähikeit mitbringen um dieses Wasser vom Holz her wegzuleiten. Es stellt sich die Frage wo es bleibt. Ein Teil wird über Verdunstung durch die Oberfläche des Feldes nach außen abgegeben daher braucht es eine diffusionsoffen Oberfläche. Der andere Tei durch die kapilare Leitfähigkeit des Wandaufbaut an die Inneren Oberflächen geleitet um dort abzudunsten. Dieses setzt voraus, das es keine Unterbrechungen (Luftschichten oder Sperrschichten) in der Wand vorhanden sind.
Der Wandaufbau den du beschreibst stellt für die Fachwerkbesitzer einfach die totale Katastrope da (leider) Eindringendes Wasser kann nicht verteilt und abgegeben werden. Duch die Befestigung mit Nägeln in den Eichenbalken sind noch zusätzlichen Kondensationspunkte entstanden.
Jeder, der sich an diesem Forun beteiligt hat sicherlich seine eingen Vorstellungen von der idealen Sanierung.
Über den weiteren Wandaufbau und seiner (aus meiner Sicht) Vor- u. Nachteile können wir uns bei Bedarf gerne unterhalten da es ein zu komplexes Thema ist um es so aufs geratewohl niederzuschreiben. Melde dich einfach bei mir.

Gruß aus Lippe
Frank



Dicht oder undicht ...



Hallo,
vielen Dank erstmal für die Antwort. Ich muß das wohl nochmal erklären: Es handelt sich um ein 5 Jahre altes nicht von mir gebautes Fachwerkhaus als Rohbau, d.h. die Ausfachungen waren schon mit den beschriebenen "modernen" Materialien ausgefüllt.

Wie schon beschrieben ist der Gefachaufbau zwischen dem gehobelten und lasierten 15x15 cm starken Eichenständerwerk (von außen nach innen):
Riemchen (gebrannt) miteinander vermörtelt und mit Flexfugenkleber auf eine 5,5 cm starke Styrodurträgerplatte geklebt. Innen dahinter kommen die besagten drei Lagen aus Holz.

Die Abdichtung der Gefache rundum besteht aus Silikonkautschuk (Abdichtung gebrannte Riemchen zum Fachwerk), dann ein rötlicher bombenfester Kleber, der die Styrodurschicht rundum mit dem lasierten Eichenbalken verbindet.
Die dann innen folgende Schicht aus drei rechtwinklig gekreuzten Lattenschichten mit Hohlräumen ist mit vier Nägeln pro Fach mit dem Eichenbalken verbunden (also ein Nagel pro Seite), auch hier innen gibt es rundrum eine Abdichtung, aber aus PU-Schaum.

So haben wir das Haus übernommen - das sieht zunächst natürlich zumindest ungewohnt (*grins*) aus, und ich hätte es auch nicht so gemacht - allerdings ist das Ganze tatsächlich wasserdicht (mit scharfem Wasserstrahl und Eimerweise Wasser ausprobiert - lief alles außen ab, innen war es trocken).

Wir haben außerdem während der Umbauten an vier verschiedenen Stellen Gefache mit einem Elektrofuchsschwanz herausgeschnitten, um Fenster zu versetzen und Türen zu verändern - keine feuchten Stellen und kein Gammel zu sehen.

Wir hatten trotzdem gleich anfangen wollen, die Gefache gegen Ziegel in Ständerdicke auszutauschen, bis wir ein paar Leute aus der Gegend von Aurich getroffen haben, die in ihren Fachwerkhaus seit knapp zehn Jahren genau diesen Gefachaufbau haben.
Ein Vorteil dieser Bauweise ist ja, das man das Gefach von außen im Stück herausnehmen und ersetzen kann, ohne die Innendämmung zu beschädigen. Wir haben uns jetzt also entschlossen, das erstmal so zu lassen - nach ein paar Jahren werden wir auf der Wetterseite mal nachsehen, was in den Gefachen so passiert.

Vielen Dank und viele Grüße aus Winsen/Aller,
Kai