Material für Kellerdeckendämmung in feuchtem Keller?




In unserem Haus von 1910 mit Hochpaterre und eine Kellerraumhöhe von 232 cm soll die Kellerdecke von unten gedämmt werden. Der Keller ist im Sommer relativ feucht, es gibt dann Wasserflecken am Boden. Im Winter merkt man nichts von der Feuchtigkeit.
Nun gibt es Handwerker, die Mineralwolle empfehlen, die zwar im Sommer die Feuchtigkeit aufnimmt, im Winter aber angeblich(?) wieder trocknet und dann ihre Dämmfunktion erfüllt.
Andere Handwerker empfehlen Styropor oder Polyurethan-platten.
Diese nehmen meines Wissens kaum Feuchtigkeit auf aber kann da nicht Schimmel oberhalb der Platten entstehen?
Eine zusätzliche Schwierigkeit in dem Keller ist, daß unterhalb der Kellerdecke ganz viel Rohre verlaufen: v.a. die Heizungsrohre vom EG, aber auch Gasleitung, Wasserleitung, Stromleitung.
Ich danke im voraus für Infos und Anregungen!



Heizungsrohre...



Ist der Keller im Winter denn überhaupt so kalt, dass eine Dämmung Sinn ergäbe?



Lüften?



Vielleicht hilft es auch schon, im Sommer an Ihren Lüftungsgewohnheiten zu arbeiten?! Kellerfenster im Sommer nur dann öffnen, wenn es draußen kühler ist, als im Keller (abends, nachts oder vor Sonnenaufgang), ansonsten schlägt sich die warme Außenluft im kühleren Keller nieder und es wird feucht/muffig/schimmelig.
Im Sommer keine Wäsche im Keller trocknen und die Türen zum Wohnraum/Treppenhaus geschlossen halten. Mich deucht, dass Sie nur dämmen wollen, um Sommerfeuchtigkeit entgegenzuwirken. Die o.g. Maßnahmen sollten das Problem schon beheben.

Anne...Fenster



Dämmung der Kellerraumdecke gemäß Auskunft eines Energieberater sinnvoll



Ich danke für die ersten Rückmeldungen und möchte gleich darauf reagieren:
Der Keller hat im Winter eine Temperatur von ca. 10 Grad Celsius und die Wohnung darüber ist ziemlich fußkalt.

Ich danke für die Informationen bezügl. Kellerlüften. Wir verhalten uns bereits seit vielen Jahren gemäß dieser Angaben und haben dadurch die Feuchtigkeit im Keller reduzieren können.
Die Kellerdeckendämmung soll nicht die Feuchtigkeit im Keller im Sommer weiter reduzieren sondern den Heizungsenergieverbrauch in der EG-Wohnung drosseln.



Eventuell



sollte man auch noch die Kaltwasserleitungen dämmen, an denen kondensiert im Sommer gerne Luftfeuchtigkeit.

Zum eigentlichen Problem: die Idee Mineralwolle ist mir da nicht sehr sympathisch, aber Platten sind mit den ganzen Leitungen definitiv nicht einfach.



Keller dämmen



Ich empfehle Ihnen Topdec- Deckenlamellen. Die Dämmung wird unten auf die Decke geklebt und an den Stößen verspachtelt. Das ist zwar eine Fummelei wegen den Leitungen aber machbar.

Viele Grüße



Keller dämmen



Die Multipor Dämmplatten, die wir haben, könnten auch gut geeignet
sein. Lassen sich wie Ytong sägen/feilen (noch leichter und poröser) und
werden mit einer Art Mörtel angeklebt. Nachteil ist der Preis und die
schlechteren Dämmwerte. Vorteil kapillaraktiv, keine Fasern (bei der
Verarbeitung angenehm). Wo Rohre oder anderes im Weg ist, hab ich
mit Stopfhanf gearbeitet. Die Dämmung der Heizungs/WW Rohre im
Bild ist denke ich auch verbesserungswürdig. Wenn möglich und der
Kellernutzung nicht abträglich, die Dämmung an den Wänden ein Stück runterziehen, um die Wärmebrücke zu entschärfen.

Wenn sich eine Dämmung lohnt, dann eine Kellerdeckendämmung
in Eigenleistung. Neben der finanziellen Seite ist es einfach auch
wohnwertsteigernd.



wie ist das mit Wärmebrücken?



Ich danke für die neuen, anregenden Beiträge.
In dem letzten Beitrag von Jens Decker verstehe ich nicht so ganz, was Sie damit meinen: " die Dämmung an den Wänden ein Stück runterziehen, um die Wärmebrücke zu entschärfen."
Könnten Sie mir das bitte näher erklären?
Mit bestem Dank im voraus!





Das Problem mit den Leitungen läßt sich nur mit Fummelarbeit erledigen! Bei dieser Gelegenheit gleich mal die WW-Dämmung überarbeiten, da in meinen Augen aktuell praktisch wertlos (hängt lose, Stöße/Ecken nicht geschlossen).

Zu der Sache mit der Feuchtigkeit: Kunststoffe wie Styropor oder Polyurethan schimmeln normalerweise nicht. Allerdings kann es zu einem Feuchtestau kommen, da der Dampfdurchgang behindert ist. Dies in Zusammenhang mit Nährstoff & Sporen Angebot aus unvermeidlichen Ansammlungen von Dreck und Staub kann zu Schimmel führen.

In Ihrem Falle würde ich zu nichtbrennbaren Dämmstoffen aus Mineralfaser oder Steinwolle greifen. Im Bereich des Rauchabzuges sollten Sie hierauf besondere Rücksicht nehmen. Dabei auch an den Schornsteinfeger denken. Die vorherrschende Feuchtigkeit sollte dabei kein wirkliches Problem sein. Der Feuchteausfall wegen Kondesation wird sich mit Dämmung sehr warscheinlich weiter in Richtung Wand oder Boden verlagern.



Dämmung an der Wand



Die Wände sind unterhalb der Dämmung ja weiterhin kalt und wenn man
da nichts macht, fungiert die Wand als Wärmeleiter vom EG in den Keller
(da der Weg nicht weit ist). Dämmt man z.B. noch einen halben Meter
nach unten, muß die Wärme bildlich gesprochen einen deutlich weiteren Weg zurücklegen und reduziert man entsprechend die Verluste. Ist an den
Außenwänden natürlich nur relevant wenn auch außen gedämmt wird.

http://www.passiv.de/downloads/05_altbauhandbuch.pdf, Seite 94

Wo es vom Platz/Nutzung her nicht geht, geht's halt nicht.



Angesichts…



… des Herumfrickel-Aufwandes wegen der vielen Rohre und des wahrscheinlich trotzdem nicht perfekten Ergebnisses würde ich von einer Deckendämmung absehen und, wie Jens Decker ebenfalls schrieb, lieber die Kellerwände, vor allem die oberirdisch liegenden dämmen. Was für Kellerfenster sind verbaut? Etwa die zugigen alten Luken mit Einfachverglasung und Zinkblechrost davor? Durch Fenstertausch wird man zusammen mit der Wanddämmung die Kellertemperatur an sich etwas erhöhen können. Ob das ausreicht, um die Fußkälte oben zu bekämpfen, lässt sich schwer abschätzen, ebenso evtl. Folgen des inzwischen durchgehend wärmeren Kellers. Was ist es denn im EG überhaupt für ein Fußboden? Ein unversiegelter Holzfußboden fühlt sich auch bei 10°C noch warm an, wogegen alter Steinfußboden à la Terrazzo fast immer fußkalt ist.

Es werden ja tausendfach Kellerdecken gedämmt, bei den meisten darf davon ausgegangen werden, dass dort ebenfalls Rohre verlaufen. Wie lauten denn die echten Erfahrungsberichte, insbesondere in Bezug auf Effektivität?

Ich würde die ganzen Rohre (nach erneuerter und verbesserter Einzeldämmung auch der Kaltwasserrohre) komplett dick in Hanf verpacken und die ganze Konstruktion anhand eines Stützgestells einpacken (Revisionsöffnungen für die Regler nicht vergessen). Eigentlich würde ich aber an der Decke gar nichts machen, denn 10°C im Winter ist für einen Keller nicht wirklich kalt, da bringen Maßnahmen in der Wohnung selber evtl. mehr.

Bei uns habe ich in einem Werkstattanbau XPS-Dämmungen an der Decke entfernt (es hingen Wassertropfen darunter) und dahinter zwischen den Klebepunkten fiesen Schimmel gefunden.

Da Eure geplante Maßnahme ja sowieso ziemlich aufwändig werden wird, würde ich statt diverser Handwerksfirmen mit ihren diversen Vorschlägen lieber mal einen unabhängigen Energieberater hinzuziehen.



Anhand...



... des Fotos scheint eine Deckendämmung mit außerordentlichem Aufwand verbunden zu sein...

Macht es nicht eher Sinn nach der Feuchteursache zu forschen und diese zu beheben?

Allein die nötigen Revisionsöffnungen für den hier sichtbaren Sperrschieber und die Abgasführung werden zu einem suboptimalen Ergebnis führen; die Feuchteführung wird sich an solchen (Schwach-)Punkten noch deutlicher bemerkbar machen...

Lieber den Keller trocken legen... hat wahrscheinlich einen ähnlichen Effekt für die "Fußkälte" oben drüber und ist obendrein hilfreich für ein besseres Hausklima...

Gutes Gelingen & LG,
Sebastian Hausleithner



Photo zeigt Stelle mit den meisten Rohren



Danke für die neuen durchdachten Beiträge - es sind dadurch soviel neue Fragen aufgeworfen und ich merke, daß es nicht einfach ist, die richtige Lösung zu finden.
Ein paar Ergänzungen: Im Keller sind alte, einscheibige, kleine Holzfenster, die relativ gut schließen. Wir möchten diese gerne erhalten, weil sie zum Stil des Hauses sehr gut passen.
In der EG-Wohnung ist Fertigparkett verlegt.
Hab ich Sie, Christian Bisping, richtig verstanden, daß Sie nur die Bereiche um die Heizungsrohre besser dämmen würden?
Wir hatten in 1995 mal einen Energieberater da, der ganz pauschal gemeint hat, daß die Kellerdecke gedämmt werden sollte, hat aber nichts genaueres zur Methode gesagt.

Jens Decker möchte ich danken für den Link zu dem Altbauhandbuch.

Und ich möchte noch darauf hinweisen, daß ich ein Photo reingestellt habe von dem Bereich mit den meisten Rohren. In den meisten Deckenbereichen laufen nur die Heizungsrohre entlang.

Über den Vorschlag, den Keller trocken zu legen, haben wir schon viel nachgedacht. Man müsste dann ums Haus herum aufbaggern, was sehr viel Aufwand wäre.
Doch die Sommerfeuchtigkeit würden wir damit auch nicht wegbekommen, denn da steigt die Feuchtigkeit von unten in den Keller.
Wir haben die Sickergruben letztes Jahr erneuern lassen, dadurch haben wir bei heftigen Regengüssen nun keine Wasserpfützen mehr im Keller, aber die permanente Feuchtigkeit ist dadurch nicht weniger geworden.

Wenn ich nun lese, daß hinter XPS-Dämmplatten Schimmel war ... oh je. Vom Arbeitsaufwand wäre es halt viel einfacher, mit Mineralwolle zu dämmen, aber ob die im Winter und auch schon in der Übergangszeit ganz trocken wäre? Gibt es hierzu Erfahrungsberichte?



Kellerdeckendämmung



Ja, ich denke das in etlichen tausend Kellern die Decken mit dem von mir vorgeschlagenen System gedämmt wurden.

Lassen Sie sich von diesen Parolen mit dem Schimmel nicht verunsichern.
So eine Dämmung der Kellerdecke ist auf der kalten, also bauphysikalisch richtigen Seite. Schimmelbildung ist praktisch ausgeschlossen, es sei denn das Wasser über eine andere Feuchtequelle in die Dämmung eingetragen wird.
Auch den Bereich der Rohre mit Dämmung zu versehen ist machbar, wenn man ein oder zwei Stunden mehr Zeit einplant. Die Dämmplatten werden passend zugeschnitten bzw. ausgeklinkt und eingeklebt, das wars.
Warum ein einfaches, alltägliches Problem so verkomplizieren?

Viele Grüße