Einblasdämmung - welches Dämmmaterial

27.08.2012



Hallo!

Wir wollen gern unsere Zimmerdecke der Küche mit einer Einblasdämmung versehen lassen. Bisheriger Deckenaufbau: 1 cm Kalkputz auf Schilfrohrmatten, Schalungsbretter, 10 cm Fehlboden, Schalungsbretter, Schlacke (ich weiß nicht wie hoch, schätze wieder ca. 10 cm), Dielen. Der Raum über der Küche ist ungedämmter Dachboden. Einen Rießelschutz konnte ich nicht ausmachen.

Der 10 cm hohe Fehlboden soll nun mit der Einblasdämmung versehen werden, da wie schon erwähnt im Dachboden die Wärme völlig ungebremst entschwinden kann. Welches Material sollte man nun für die Dämmung verwenden? Der Fachbetrieb rät zu Mineraldämmung. Laut dessen Auskunft würde eventuell eindringende Feuchte einfach "durchsickern" ohne das Dämmmaterial zu durchfeuchten.

Nach allem, was ich bisher hier im Forum gelesen habe, soollte man in Fachwerk doch wohl besser zur Zellulose greifen, oder?

Die Zimmerdecke soll dann noch abgehängt werden. Bnötigt man hier noch eine Dampfbremse? Es gibt doch diese variablen (nicht die PE-Folien). Da es sich um die Küche handelt, steigt sicherlich einiges an Feuchtigkeit nach oben.

Ich bin auf euren Rat gespannt und bedanke mich schon jetzt!



Zellulose



Zellulose eignet sich in diesem Fall als nachträgliche Dämmung da sie in Hohlräume eingeblasen werden kann und gewisse Mengen an Feuchtigkeit die durch Diffusion eindringen, aufnehmen und wieder abgeben kann.
Der Kalkputz sollte intakt sein um einen unkontrollierten Feuchteeintrag durch Konvektion (Luftströmung) zu verhindern. Wenn die Decke abgehängt wird sollte eine Dampfbremse eingebaut werden. Wichtig ist der Anschluss an die Wände.
MfG
SB



So funktioniert das nicht



Fehlboden heißt die Bretterlage auf der die Schlackeschicht liegt. Zwischen der Schalung für den Deckenputz und dem Fehlboden ist eine Luftschicht. Wenn die Luftschicht an den Seiten, da wo die Decke an die Außenwände stößt, geschlossen ist, dann ist das eine sogenannte ruhende Luftschicht, die dämmtechnisch erst einmal von Vorteil ist.

Die Schalung für den Deckenputz ist für keine zusätzliche Belastung ausgelegt. Wie will man außerdem gescheit an die Luftschicht rankommen, ohne viel Schaden anzurichten?

Wer unbedingt seine Decke abhängen will, kann die ganze Dämmung von unten erledigen. D.h. Abhängkonstruktion anbringen und Mineralwolle, Dampfbremse und Gipskarton einbauen. Für einen einzelnen Raum ist das wahrscheinlich das billigste und stellt keinen Handwerker vor irgend welche Fragen.

Falls der Dachboden nie bewohnt werden soll, kann man überlegen, ob man die Decke von oben dämmen will. D.h. Bodendielen aufnehmen, erhöhte Traghölzer auf Deckenbalken anbringen, 16-20cm Hanfdämmwolle ausbringen und Bodendielen wieder aufbringen. So hat man eine Konstruktion ohne Dampfsperre und erhält die Raumhöhe und den Deckenputz.
Bei der Gelegenheit sollte man vom Dachboden aus kontrollieren, ob die Luftschicht unter dem Fehlboden tatsächlich seitlich geschlossen ist und nicht etwa seitlich zum Dachkasten hin offen ist. Wenn das der Fall ist, muss im Zuge der Dämmung von oben auch etwas Dämmwolle seitlich in die Luftschicht gestopft werden, so dass die horizontale Durchlüftung gestoppt wird.





Wenn die Decke intakt ist, sollten Sie wirklich überlegen, ob Sie nicht die Dachgeschoßdecke von oben dämmen (wie vor beschrieben).
Dieses ganze Konstruktion mit Dampfsperre ist doch Murks und in einem Fachwerkhaus bzw. unter einer Holzbalkendecke nicht wirklich auf Langfristigkeit ausgelegt.
Wenn der Putz beschädigt ist, erneuern Sie ihn. Hanf gibt es auch als Einblasdämmung.

Bernd Kibies



Einblasdämmung?



Wie könnte man in diesem Fall Hanf als Einblasdämmung sinnvoll verwenden?

In der beschriebenen Luftschicht unterhalb des Fehlbodens, ist m.E. jede Form von Einblasdämmung fehl am Platze. Einmal wegen Aufwand und Beschädigung der Decke und dann auch wegen Tauwasserploblematik. Ohne Dampfsperre unter der Decke hätte man wahrscheinlich einen nennenswerten Tauwasseranfall in der eingeblasenen Dämmstoffebene. Diese Ebene liegt aber wahrscheinlich zu tief um ausreichend schnell wieder abtrocknen zu können.





Der Hinweis, Hanf als Einblasdämmung, war allgemeiner Art und bezog sich nicht auf die beschriebene Konstruktion.

Bernd Kibies



Ich dachte, ich hätte alles beschrieben...



Nun noch mal ausführlicher. Die einblasdämmung soll rein, da der Raum vergrößert wurde. Ich konnte ein Eingestellte Ziegewand einfach entfernen, somit habe ich auch den Zugang von unten zur "Luftschicht", welche nun mit Dämmmaterial gefüllt werden soll.
Ich möchte die Decke nicht komplett abreißen - das wird zu viel Aufwand, daher der Entschluss zur Einbalsdämmung. Um die Decke auf gleiche Höhe zu bringen soll diese noch abgehängt werden, also wieder mit einer ruhenden Luftschicht versehen werden.
Die Unterkonstruktion für die Abhängung wird natürlich nicht an den Schalungsbrettern angebracht, sondern an den Balken.

Welches Dämmmaterial eignet sich nun am besten? Wenn diese Frage überhaupt so pauschal beantwortet werden kann.
Was würde passieren, wenn die Dämmung per Einblasung mit nicht dampfdissusionsoffener Mineralwolle erfolgt? Steigt der Dampf weiter nach oben in die darüberliegenden Schichten und verfault mir nach und nach das dortige Holz?

Der Dachboden soll nie bewohnt werden. Dato kann ich aber auch nicht die Schlacke ausbauen und von oben Dämmen, da dort unser Materiallager und Abstellraum ist. Da komm ich nicht ran. Man muss eben Kompromisse schlagen.





In deinem Profil steht ja etwas von einem richtig alten Fachwerkhaus, das du nachhaltig sanieren willst.
Von daher verbieten sich m.E. alle dampfsperrenden Konstruktionen.
Wenn du direkt oberhalb des Deckenputzes eine Dämmebene einbringst, dann würde ohne Dampfsperre viel Tauwasser in dieser Ebene anfallen. D.h. du musst bei dieser Variante zwingend eine Dampfsperre unterhalb des Deckenputzes anbringen. Sollte die auf die Dauer nicht richtig funktionieren, wovon auf lange Sicht auszugehen ist, dann wird die Dämmung oberhalb des Deckenputzes feucht und kann viel Schaden in der Decke anrichten.

Zu deinen 2 Räumen, die jetzt einer sind. Wenn du jetzt an alle Deckenzwischenräume herankommst, dann müssten die Deckenbalken ja im rechten Winkel zu der herausgerissenen Wand verlaufen und müssten durchgehend über beide Räume sein. Die Decken dürften dann ja nicht so sehr unterschiedlich hoch sein.
Um wieviel wolltest du die Decken jeweils in den Räumen abhängen?

Um die Decke von oben zu dämmen, würde ich die Schlacke nicht entfernen sondern nur die Bodendielen. Die Dämmung wird dann auf der Schlackeschicht ausgebracht, auf die Deckenbalken kommen zusätzliche Traghölzer und ganz oben drauf kommt wieder eine Dielung. Bei der Nutzung des Bodens als Lager musst du aber darauf achten, dass die Dielenfläche überwiegend belüftet bleibt. D.h. der Boden sollte nicht vollflächig mit Kartons oder anderen Sachen vollgestellt werden. D.h. entweder nimmt man Regale oder auch Holzpaletten für das Lager im Dachboden.

Mineralwolle ist (wie alle?) Dämmstoffe übrigens offen für Wasserdampfdiffusion. D.h. Wasserdampf kann aus den Wohnräumen eindringen und bei Taupunktunterschreitung im Dämmstoff kondensieren.
Der wesentliche Unterschied in den Dämmstoffen besteht darin, ob sie anfallendes Kondenswasser über Kapillaren an die Oberläche des Dämmstoffs leiten können, so dass der Dämmstoff wieder trocknen kann. Das können i.d.R. alle Dämmstoffe, die aus irgend welchen Naturfasern bestehen. z.B. auch die hier genannten Zellulose und Hanf.

In der Luftebene unterhalb des Fehlbodens hilft die kapillare Leitfähigkeit den Dämmstoffen aber auch nicht, da die Ebene mitten in der Decke und von Holzschichten begrenzt ist und nicht richtig abtrocknen kann. Das sieht für eine kapillar leitfähige Dämmschicht direkt unterhalb der Bodendielung anders aus. In der wird im Winter zwar auch Tauwasser anfallen, aber das kann im Sommer über die Bodendielen wieder wegtrocknen. Von daher wäre Hanf meine Wahl, da der mit einem breiten Feuchtespektrum klar kommt ohne Schaden zu nehmen. Bei Zellulose weiß ich nicht, ab wann die klumpig wird und dann wahrscheinlich deutlich und dauerhaft an Dämmwirkung verliert. Man sollte ja vielleicht auch immer mal mit etwas mehr Wasser z.B. wegen eines defekten Dachziegels rechnen.

Wenn es jetzt schnell gehen muss, dann würde ich die Decke nach bewährtem Vorbild reparieren und die Dämmung der Decke vom Dachboden aus auf später verschieben.

Dämmung in der Decke in Verbindung mit der erforderlichen Dampfsperre ist ein Risiko und wahrscheinlich nicht auf Dauer angelegt.

Dämmung unter der Decke in der Abhängkonstruktion ist genau so wenig nachhaltig aber vielleicht etwas weniger risikobehaftet, da die ggf. feucht werdende Dämmung unterhalb der Decke liegt.



Ruhende Luftschicht ...



Frage mal an die Profis:

unter welchen Voraussetzungen habe ich eine "ruhende Luftschicht", die ich dämmtechnisch tatsächlich werten kann?

Ich habe mal gehört, dass bei jeder Luftschicht ab einer gewissen Aufbaudicke eine Eigenzirkulation zwischen Kalt- und Warmseite entsteht und es dadurch mit der "Ruhe" in dieser Luftschicht vorbei ist.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



@ Erwin



Danke für die ausführliche und sehr hilfreiche Erklärung! Auf die Idee mit der nachträglichen Dämmung von oben war ich noch gar nicht gekommen. Das Einfachste liegt manchmal so nah. Ich denke, so werden wir das dann machen. Das jetzige Vorhaben ist mir aufgrund Deiner Ausführung zu risikoreich.

Und ja, Deine Nannahme, dass die Balken rechtwinklig zur Decke verlaufen ist korrekt. Der kleine Höhenünterschied kommt daher, dass im einen Raum auf Schalbrettern geputzt wurde und im anderen auf dünnen Heraklith-Platten. Das habe ich aber auch erst gestern rausgefunden.