Dämmung Bruchsteingebäude

20.12.2018



Hallo Zusammen,

wie ich gesehen habe befasst sich dieses Forum hier hauptsächlich mit Fachwerkbauten aber vielleicht kann man uns hier doch weiterhelfen:

Wir planen eine alte Scheune umzubauen. Die Außenwände der Scheune sind aus ca. 40 - 50 cm breiten Bruchsteinen. Das Dach wurde vor ca. 10 Jahren neu gedeckt, die Sparren wurden dabei ebenfalls erneuert.

Wir stehen mit unserem Bauvorhaben noch vollkommen am Anfang und befassen uns gerade mit verschiedenen Arten und Möglichkeiten der Dämmung. Beide neigen wir zu ökologischen Varianten, da wir den Bruchstein ,atmen, lassen wollen - glaube so nennt man das :) . Durch unseren Architekt wurde vorgeschlagen von innen vor die Bruchsteine eine Bimswand zu mauern und diese dann wie wohl üblich mit Styropor abzudämmen - diese Variante begeistert uns allerdings beide nicht.

Deshalb unsere Frage:
Hat hier jemand Erfahrung mit Gutex Ultratherm Platten auf Bruchsteinen? Oder Zellulose Platten? Was könnt ihr mir darüber hinaus empfehlen?

Vielen Dank :)



Dämmung Bruchsteinwände



Für einen mineralischen Untergrund würde ich immer zuerst auch eine mineralische Dämmung wählen, z.B. Calcium-Silikat-Platten (KalSi-Platten), Porenbeton (Ytong Munltipor), Perlite/vulkanisches Blähgestein (Knauf TecTem oder als gefüllter Vormauerziegel (Poroton), Schaumglas (Foamglas) etc. Es sind aber auch organische Innendämmplatten möglich z.b. mit Holzfaserplatten (Steico/Pavadentro/Unger UdinReco-System).

Entscheidend für die Auswahl des Dämmstoffes ist primär die Einbausitaution (trockenes Mauerwerk), dann die erzielte Dämmwirkung z.B. für KfW-geförderte Maßnahmen, dann die Kosten, die Art der Verarbeitung und der Untergrundvorbereitung.

Alle Innendämmsysteme müssen hohlraumfrei, diffusionsoffen und kapillaraktiv wirksam auf die Wand gebracht werden. EIne Rücktrocknung des Kondensats muss möglich sein. Dampfbremsende/dampfsperrende Materialien (Folien, EPS, XPS) sind eher zu vermeiden oder müssen 100% dicht verarbeitet werden, was im (historischen) Bestand kaum möglich ist. Ggf. ist auch ein rechnerischen Nachweis der bauphysikalischen Schadensfreiheit zu führen (hygrothermische Simulationsberechnung)

Ich verwende bei einem aktuellen Bauvorhaben (Alte Dorfschule Mutscheid, Bruchsteingebäude mit Denkmalschutz) KalSi-PLatten und Holzfaserplatten.

Nebenfrage : Ist für den Umbau der Scheune eine ausreichende Fundamentierung nachgewiesen ?



Ja wir haben Erfahrungen damit,



so pauschal tue ich mich schwer was zu empfehlen.
Gerne beraten ich Sie unverbindlich bei uns im Ladengeschäft und stelle Ihnen gerne die verschiedenen Möglichkeiten mit Vor- und Nachteilen vor.

Viele Grüße aus Koblenz
Gerd Meurer



Eifelanregungen ohne Zertifizierungsgarantie:



Was für Steine sollen atmen? Bimssteine könnten genauso atmungsaktiv sein?
Welches Feuchterisiko?

Je nach Lage und Sonnenexposition wird man durch Wintergarten oder Glasfassade die Speichermasse nutzen können. Konrad Fischer (RIP) plus Turbo. Dies gilt auch für Entfeuchtung.

Fundamente vorausgesetzt könnte man eine Art von Kerndämmung rein mineralisch vornehmen:
https://schnuch-sb.de für Schalungssteine (vielleicht mit Bimsbetonfüllung)
https://www.agstein.de/produkte/ für 'Eifel-Perlit' (Blähort) gebunden

Persönlich bin ich ein Hanfbeton-/putz-Fan und eine Mischung von Hanfschäben (Tiereinstreu) mit Weisskalkhydrat ergibt ein Platten-Material, was begeistert. (Getestet 5 Jahre Bewitterung Wetterseite - Oberhalb der Spritzwasserzone perfekt.) Aber so etwas kann man ja nur verbauen, wo keiner hinschaut und es nur auf die Performance ankommt. Und es ist im Grunde nach Gebrauch Dünger. (In Frankreich wird mit HL/Tradical und 'Höllenblasmaschine' dickschichtig damit von innen isoliert. https://www.youtube.com/watch?v=6oPoL9zQ96U (Der Versuch mit Häcksler Hanfschäben auch für die Intonacatrice Tigre, den PutzSpritzTiger verwendbar zu machen steht noch aus, aber der Dämmputz von Hanffaser Uckermark funktioniert damit. https://www.hanffaser.de/uckermark/index.php/produkte/verputzhilfe )

Die Firma Meurer hat Hanfbaustoffe von www.hanffaser.de, wenn ich mich recht erinnere, und da ist interessant: https://www.hanffaser.de/uckermark/index.php/haeufige-fragen/lambda-wert



Ergänzung zu meiner Anfrage



Hallo Zusammen und vielen Dank für die Antworten :)

erstmal die ergänzenden Angaben zu unserem Gebäude:

Die Scheune ist mit ihren Bruchsteinmauern lediglich auf den Boden bzw. Dreck aufgesetzt. Ein richtiges Fundament existiert folglich nicht. Zudem ist die Scheune grundsätzlich vollkommen leer, im Inneren existiert lediglich das Holzständerwerk, auf dem das Dach aufliegt.
Da in der Scheune auch keine Decke existiert, war schon einmal angedacht mit einem Holzständerwerk von Innen zu arbeiten, auf dem man dann entsprechend eine Holzdecke einziehen kann....

Der Bestand des Bruchsteins weist einige Lücken bzw. sogar Löcher auf, die denke ich erstmal gefüllt werden müssen. Nach unserer Einschätzung ist das Bruchsteinwerk trocken.
Das Gebäude steht nicht unter Denkmalschutz.

Holzfaserplatten oder KalSi-Platten sind auch mittlerweile in unserer engeren Auswahl. In Bezug auf die Version mit einem Holzständerwerk wurde uns auch eine Einblasdämmung als Variante vorgestellt.
Eigentlich hatten wir geplant viel in Eigenleistung zu erbringen, was dann eigentlich die Einblasdämmung ausschließt.

Daher noch die ergänzenden Fragen:
Was ist in diesem Fall am einfachsten für Laien zu verarbeiten?
Wo liegen die preislichen Unterschiede in Abwägug zur Verarbeitung/ Anbringung ??
Hat einer Erfahrung mit dieser Einblasdämmung?

Welche Dämmung wäre mit einer Wandheizung am besten zu vereinbaren?

@Pickartzarchitektur

Ich glaube die alte Schule in der Mutscheid ist mir grunsätzlich vom Gebäude her sogar bekannt. Du sagst du verwendest sogar beide Materialen?



Entwurf und Sanierungskonzept



Ich glaube, die Frage des passenden Dämmmaterials ist anbhängig vom Gesamtkonzept für Umbau und Umnutzung und kann ohne diese Zusammenhänge nicht wirklich beantwortet werden. Wenn Eigenelstungen geplant sind, muss es auch dafür eine Detailplanung geben, die auf die Fähigkeiten und Kenntnisse der Ausführenden abgestimmt ist.

Der Beschreibung entnehme ich, das es noch kein Konzept für den Umbau gibt. Aus Erfahrung weiß ich um die bau- und planungsrechtlichen und auch die konstruktiven "Knackpunkte", die mit einem solchen Projekt verbunden sein können.

Vor 2 Wochen habe ich in einer ähnlichen Situation zum gleichen Thema in Bad Münstereifel-Mahlberg beraten (Umnutzung einer Scheune zu Wohnzwecken). Auch hier: fehlende Fundamentierung, mein Vorschlag der separaten Gründsung für den Ausbau (Haus im Haus), grenzständige Bebauung, Fragen des Brandschutzes, FRage nach der planungsrechtlichen Zulässigkeit des Bauvorhabens etc. Diese Punkte müssen im Vorentwurf gelöst werden. Später, im Entwurf bzw. in der Detailplanung wird dann z.B. das passende Dämmmaterial ausgesucht.

In Mutscheid habe ich beide Dämmmaterialien alternativ vorgeschlagen, auch aus Kostengründen. Entschieden ist noch nichts. Ich würde alternativ bei Ihnen auch eine Aussendämmung in Erwägung ziehen, wenn kein Denkmalschutz besteht. Sie hätten dann den Vorteil, die Bruchsteinwände innen steinsichtig bestehen zu lassen. Oder auch eventuell ein Mischkonzept aus beiden Dämmarten zu realisieren. Zu bevorzugen ist immer die Aussendämmung - auf der kalten Seite des Bauwerks. Die Innendämmung ist prinzipiell komplizierter, auch bauphysiklaisch. Wo steht denn Ihre Scheune ?



Innendämmung vs. Aussendämmung



Ich stimme meinem Vorredner absolut zu und möchte das noch um einen wichtigen Punkt ergänzen.

Mit der Innendämmung verlieren Sie die Wand als "Speicher". Das heißt: Sie erwärmen im Grunde nur noch die ungedämmten Innenwände (so vorhanden und speicherfähig) und vor allem die Raumluft. Fenster auf = Bude kalt usw.


Meine Meinung zu dem Thema:

Ich kann es nur immer wieder erwähnen: In meiner völlig ungedämmten Altbauwohnung (lediglich Holzfenster mit Isolierglas aus den 90er Jahren) mit 70m2 heize ich jetzt im Winter mit ca. 12kg Kohle am Tag - das entspricht ungefähr 3€ für das Heizmaterial. Ich heize einmal am Tag ein und habe selbst 24 h später noch mind. 19,5 ° C in der Wohnung und heize dann eben erneut an. Das funktioniert so bis ungefähr -5°, erst dann brauche ich etwas mehr Kohle.

Das mache ich lediglich mit EINEM modernen Kachelofen, der nicht mehr kann als zu brennen.

Meine Heißwasserbereitung mache ich über eine ältere Gastherme und brauche zusätzlich Gas und Strom für ca. 50€ / Monat.

Der Kachelofen wäre auch mit Holz nutzbar, das Geschleppe ist dann aber etwas mehr..

Bevor ich also bei einer solchen dicken Wand mit komplizierten und teuren Wärmedämmassnahmen anfange würde ich an Ihrer Stelle prüfen, ob man das Geld nicht lieber in ein sehr intelligentes und robustes Heizsystem steckt - Dämmung zum Erdreich hin oder im DG jetzt mal außen vorgelassen.

Kohleheizung ist natürlich für die Zukunft jetzt nicht so das ideale, wobei zumindest bisher die Preise bei Kohle sehr stabil sind im Vergleich zu anderen brennstoffen. Selbst Brennholz ist in manchen Regionen mittlerweile sündhaft teuer.

Heutzutage gibt es aber so viele Möglichkeiten Energie zu gewinnen (Solarthermie, Photovoltaik, Erdwärme usw usf) und diese zu nutzen (Wandheizung, Fussbodenheizungen usw) und auch zu speichern, dass ich das Augenmerk eher darauf legen würde, wie ich möglichst wenig Energie hinzukaufen muss bzw. möglichst viel selbst erzeugen und nutzen kann. Zusatzheizungen die Brennstoff benötigen würde ich immer so auslegen, dass ich möglichst verschiedene Brennstoffe nutzen kann. Eine reine Pelletheizung würde ich mir zum Beispiel niemals anschaffen. Letzter Punkt (Zusatzheizung) ist aber nur relevant, wenn diese auch häufig zum Einsatz kommen muss. In meinem Fall spielt der Gaspreis kaum eine Rolle, da ich sehr wenig Gas verbrauche. Trotzdem: zur größten Not (im Urlaubsfall, oder bei Krankheit) könnte ich mit der Therme auch die Wohnung heizen. Macht dann bei einer Woche Betrieb aber auch keinen nennenswerten Unterschied.

Das Gesetz schreibt meines Wissens nach keine Dämmung vor. Grundsätzlich sollten also auch andere Massnahmen durchaus dazu führen können. dass man trotzdem KFW Mittel einsetzen kann - so man das überhaupt will. Ich sehe da (noch) keine Vorteile.

Ums kurz zu fassen: Ich persönlich wiege einfach ab zwischen den Kosten der Dämmmassnahmen, des damit verbundenen Risikos und dem eventuell etwas höheren Energieverbrauchs, der meiner Meinung nach überhaupt keine Rolle spielt, wenn man die Energie vernünftig erzeugt. Kohle ist da natürlich nicht das Optimum, aber für mich und die aktuelle Situation (bin auch nur Mieter hier) die bezahlbarste und trotzdem sparsamste Variante - für das was ich auch habe dafür: nämlich abends wenn ich es brauche ein absolutes Wohlfühlklima.

Für mein eigenes Haus Strebe ich diese Vorgehensweise jedenfalls an.

Übrigens: Das Konzept würde ich als erstes entwickeln. Gerade bei größeren Objekten macht es Sinn das Objekt in Zonen einzuteilen - und sich im Winter dann vielleicht auch vernünftigerweise auf 2 oder 3 Zimmer einfach "zurückzuziehen" und sich dem Haus damit etwas anzupassen. Wird bei großen Schlössern, Bauernhöfen, Hotels usw. auch nicht anders gemacht und ich handhabe das selbst bei mir in der Wohnung so. Das Wohnzimmer wird nur bei Besuch oder Nutzung geheizt.


So. Ihr könnt mich für die Einstellung gerne steinigen. Ich erlebe aber derzeit auf den Baustellen so einen bescheuerten Dämmwahn, dass ich immer mehr Feind davon werde und auch werden muss. Im 70er Jahre Dünnwand-Haus mag das ja Sinn machen, aber im Altbau.... :-(