Dachstuhl mit EHS

20.12.2013 Olli



Hallo zusammen!

Ich war kurz davor einen Kaufvertrag für ein Haus Bj. 1933 zu unterschreiben. Da es mir doch sicherer erschien das Haus noch einmal mit einem SV (nicht spezieller SV für EHS) zu begucken fiel noch rechtzeitig auf, dass am Dachstuhl EHS vorhanden ist. Die Fäden haben sich auch schon schön ausgebreitet.:-(
Da Feuchtigkeit an einem defekten Kamin eintritt, ist hier wohl die Ursache zu sehen.
Der SV meinte, dass der Dachstuhl im betroffenen Bereich erneuert werden muss. Eben gem. den Vorschriften. Ferner müsste auch eine bertoffene Decke und Wand behandelt werden.
Die Fragen die sich mir stellen sind:
1. Welche Sicherheit hat man wenn, wie hier im Forum beschrieben, das Holz bis 1 Meter nach der letzten optisch befallenen Stelle ausgetauscht wird auf eine totale EHS-Freiheit im Holz?
2. Auch wenn die Arbeiten nach den entsprechenden Vorschriften ausgefüht werden, gibt es ein Restrisiko? Auf Nachfrage bei einem Dachdecker- und Zimmereibetrieb wurde mir gesagt das es am sinnvollsten ist den Dachstuh gleich komplett neu zu machen, da die Gefahr auf Rückkehr des EHS zu groß ist. Ob diese Aussage nun getätigt wurde um Geld zu verdienen kann ich nicht beurteilen.
3. Auf dem gesamten Dachboden (ungedämmt) fliegen ja nun die Sporen rum. Gibt es hier ein "Ansteckungsrisiko" der noch gesunden Hölzer?
4. Wie ich hier gelesen habe, muss bei einem Verkauf auch behandelter EHS angegeben werden, was sich negativ auf den Preis auswirkt. Gibt es da prozentuale Richtwerte?
5. Dem Verkäufer habe ich gesagt das ich noch Interesse am Haus habe, er aber für die EHS-Beseitigung aufkommen muss. Ist das wohl so ausreichend oder ist da noch ein Abschlag auf den Kaufpreis angemessen?
6. Kann man einem Zimmereibetrieb diese Arbeiten anvertrauen oder ist ein spezielles Unternehmen zu bevorzugen? Sollten die Arbeiten zwingend von einem SV überwacht werden?
7. Ist es vielleicht besser die Finger von der ganzen Sache zu lassen? (Würde ich aber wirklich nur ungern.)

Ich freue mich schon jetzt auf die Antworten und möchte mich vorab schon einmal bedanken!

Gruß

Olli



EHS



"1. Welche Sicherheit hat man wenn, wie hier im Forum beschrieben, das Holz bis 1 Meter nach der letzten optisch befallenen Stelle ausgetauscht wird auf eine totale EHS-Freiheit im Holz?"
Keine Sicherheit aber es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit wenn man gemäß WTA 6.3.1.4 und DIN 68 800 saniert hat, das der Schwamm nach der Ursachenbeseitigung auch nicht wieder auftritt. Im Leben ist nur eins Sicher und das ist der Tod.

"2. Auch wenn die Arbeiten nach den entsprechenden Vorschriften ausgefüht werden, gibt es ein Restrisiko? Auf Nachfrage bei einem Dachdecker- und Zimmereibetrieb wurde mir gesagt das es am sinnvollsten ist den Dachstuh gleich komplett neu zu machen, da die Gefahr auf Rückkehr des EHS zu groß ist. Ob diese Aussage nun getätigt wurde um Geld zu verdienen kann ich nicht beurteilen."
Eins mal vorne weg. Dachdecker und Zimmerleute sind nur selten für eine fachgerechte Sanierung zugelassen, da sie oft den entsprechenden Sachkundenachweis nicht haben. Des weiteren soll der Sanierungsumfang durch einen SV festgelegt werden, der im Regelfall auch nicht selber die Arbeiten ausführt. Das ist auch sinnvoll.
Jeder Dachdecker und Zimmermann sein Geld aber für einen kleinen Befall direkt das ganze Dach zu erneuern ist ggf. mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Aber den Umfang sollte hier eben ein Sachkundiger festlegen und nicht ein Forum.

"3. Auf dem gesamten Dachboden (ungedämmt) fliegen ja nun die Sporen rum. Gibt es hier ein "Ansteckungsrisiko" der noch gesunden Hölzer?"

Wenn die Ursache nicht beseitigt ist besteht immer ein Risiko. Die Sporen sind aber in der Umwelt immer vorhanden. Trotzdem ist Bestandteil der 68 800 das die schadhaften Teile fachgerecht und zügig entsorgt werden.

"4. Wie ich hier gelesen habe, muss bei einem Verkauf auch behandelter EHS angegeben werden, was sich negativ auf den Preis auswirkt. Gibt es da prozentuale Richtwerte?"
Die Preisreduzierung hängt mit dem Sanierungspreis zusammen. Viel mehr als den kann man wohl auch nicht reduzieren.

"5. Dem Verkäufer habe ich gesagt das ich noch Interesse am Haus habe, er aber für die EHS-Beseitigung aufkommen muss. Ist das wohl so ausreichend oder ist da noch ein Abschlag auf den Kaufpreis angemessen?"
Die Kosten des SV und eine angemessene Reduzierung für die Kosten udn den Aufwand, den du hast um die Sanierung durchführen zu lassen. Ich würde hier vielleicht 10 % des Sanierungspreises als Organisationskosten dazu schlagen.

"6. Kann man einem Zimmereibetrieb diese Arbeiten anvertrauen oder ist ein spezielles Unternehmen zu bevorzugen? Sollten die Arbeiten zwingend von einem SV überwacht werden?"
Siehe oben. Entsprechenden Sachkundenachweis ist sowohl von dem SV der den Umfang festlegt als auch von dem Sanierer zu verlangen und nachzuweisen.

"7. Ist es vielleicht besser die Finger von der ganzen Sache zu lassen? (Würde ich aber wirklich nur ungern.)"
Serpula lacrymans (EHS) ist ein holzzerstörender Pilz. Nicht mehr und nicht weniger. Sollte der Umfang des Befalls begrenzt sein, ist das sicher keine Sache, die man nicht in den Griff bekommen kann. Es gibt Sachen an einem Haus, die man aufwendiger oder gar nicht in den Griff bekommt. Von daher wäre ein Befall sicher ernst zu nehmen aber deswegen geht die Welt auch nicht unter.

Such dir einen SV mit Sachkundenachweis nach dem du mit dem Verkäufer gesprochen hast aber bevor du beim Notar warst und dann weißt du sicher mehr.



Vielen Dank



für die schnelle und ausführliche Antwort.

Kann man die Sanierungsvorgaben (WTA und DIN) irgendwo im Netz
runter laden?

Da die Ursache, undichter Kamin oder die Dacheindeckung um den Kamin herum, bekannt ist sollte man die Sache wohl in den Griff bekommen. Die Dacheindeckung würde in den nächsten Jahren ohnehin erneuert und dann sollte das Dach endgültig dicht sein.
Bis dahin wird nur der Boden gedämmt, so dass man bei regelmäßiger Kontrolle neue Beschädigungen direkt sehen kann.
Oder ist das zu einfach gedacht?



Runterladen



DIN und WTA merkblätter kann man nur kostenpflichtig erwerben. Du mußt die aber auch nicht auswendig lernen sondern im Prinzip nur die Sachkundenachweise verlangen und vorgelegt bekommen und bei der Auftragsvergabe eine entsprechende Sanierung nach WTA und DIN beauftragen.

Der SV wird die Ursachenforschung betreiben und dir dann auch alle weiteren Fragen gerne vor Ort beantworten. Der sieht dann ja auch die tatsächlichen Gegebenheiten und gibt dir sicher mehr Verlässlichkeit aber jeder hier an der Tastatur.





Son bisschen Hausschwamm ist ja kein Problem :-)
Hausschwammsporen sind überall und in jedem Holz. Die befallenen Teile müssen raus (mehr als 1 Meter vom letzten sichtbaren Befall!) und dann ist eigentlich nur eines wichtig: Das Holz muss trocken bleiben und die Luft muss darum zirkulieren können.
Jedwede Art von Dämmung und schwupps, isser wieder da.
Und wenn im Dachstuhl der Schwamm ist, dann geht da nicht ausreichend Luft durch.

Wenn ich jetzt schreiben würde, dass Hausschwamm nicht an erdölhaltige Materialien (Teer, Dachvoranstrich, Altöl usw) rangeht, dann treten mir hier manche Leute wieder ins Kreuz. Schreibe ich deswegen besser nicht ;-)

Wenn der Schwamm im Mauerwerk ist, muss es ausgebrannt werden. Schwamm geht bei 60 Grad C kaputt. Das heisst, die komplette Wand muss durchgehend heiss gemacht werden.

Im Holz sieht man Schwammbefall nicht zwangsweise durch den weissen Pilz. Wenn Holz plötzlich aussen würfelig zerfällt, ist höchste Eile geboten. Dann siehts innen schon arg aus.



fröhliche Weihnachten...



wir hatten vor 4 Jahren das gleiche Scenario, nur hatten wir das Haus schon und die zusätzlichen Gelder nicht eingeplant... Ursache war auch ein durchgesottener Schornstein - auf gesamter Höhe! Ich würde also das Auge auch auf angrenzende Wände in den unteren Geschossen werfen!! Und wenn möglich auch in die Einschubdecken, die da so angrenzen. Bei uns war der Freund einfach mal 3 m durchs Trockene gekrabbelt, um sich dann am nächsten Balken gütlich zu tun.
Mein Tipp: Gut verhandeln, die 10 % zusätzlich sind auf jeden Fall eine gute Idee. Garantie gibts nicht, wir haben alles offen gelassen (keine Dämmung auf dem Dachboden, Bretter zum Abschrauben, um einmal im Jahr dahinter zu schauen...) Bis jetzt ist alles gut, da kommt auch nichts mehr. Das Schlimmste war im Nachhinein: Wir haben keinen zwei-zügigen Kamin nach dem Abriss des alten Schornsteins eingebaut, jetzt ärgern wir uns :)
Viel Glück - es ist nur ein Pilz...



Im neuen Jahr...



...werde ich mir die Sache mit einem Schimmelexperten ansehen. Dieser ist in unserer Gegend wohl nicht unbekannt und hat auch Referenzen vorzuweisen.
Mal sehen was dabei rauskommt. Ich denke wenn die Verkäuferin die Kosten der Sanierung trägt ist die Sache In Ordnung.

@Ulrike: Bin nur froh das wir das noch "kurz vor knapp" gemerkt haben. Es werden sicher noch genug nicht eingeplante Kosten auf uns zukommen... Der Schornstein dort ist auch durchgesottet. Keine Ahnung wie weit.



Der Gast im Dachstuhl



Lieber Olli

Ein "Schimmelexperte" ist nicht zwangsläufig ein Fachmann für Holz zerstörende Pilze. Bitte suche dir einen wirklichen "Holzschutzprofi" (Schädlingsbekämpfer sind dabei auch nur bedingt geeignet)
Ganz bestimmt kann dir dabei Forumsmitglied Uli Arnold (Bild rechts) helfen:

Planungs-/Gutachterbüro Arnold
Ulrich Arnold
Frohlinder Str. 50
44577 Castrop-Rauxel
Tel.: 02305-690304
Fax : 02305-690305
eMail: info@bauplanungsbuero-arnold.de
http://www.bauplanungsbuero-arnold.de


Die Stellungnahme von Kollege Mattonet ist doch eigentlich ausreichend, da fachlich sehr fundiert und nicht ergänzungsbedürftig.
Die Aussagen von Klaus holpern leider in einigen Punkten und in einigen sind sie schlichtweg nicht richtig oder unvollständig.

Mit besten Grüßen

L. Parisek