Holzbock alt oder neu?




Halloechen, ich schlage mich nun mit mindestens 150 Jahre alten Eichenbalken herum, die ich woanders wieder einsetzen möchte. Aüsserlich sehen die super aus, haben aber ein paar dieser typischen Holzbocklöcher. Ich, als Perfektionist (:-)) gehe da natürlich sofort mit der Axt ran und finde was ich finden musste: bis zum Kernholz ist alles mit Kanälen durchsäht.Altes trockenes Puder, keine Larven. Was macht man da? Alles vorsichtshalber runterbeilen (eine Schweinearbeit, dann ist der Charme des alten Balkens eh weg) oder einfach darauf vertrauen, dass es wohl schon hundert Jahre her ist...? Übrigens, ist ein Beil das beste Tool für diese Arbeit (Splintholz entfernen)? grüsse, Torsten



Hausbock vielleicht weg - aber Statik noch da?



Jetzt wo es wieder ein wenig wärmer wird, kann man die Jungs manchmal auch wieder hören. Knipsen Sie mit zwei Fingernägeln aneienander vorbei und Sie haben das Geräusch, auf das Sie achten müssen, um die Fraßgeräusche des Hausbocks zu hören. Aaaber ganz leise sein, die bekommen das mit, wenn man sich nicht mucksmäuschenstill verhält. Mai bis Juli ist Schlupfzeit des Insektes. Vorher alles sauber machen, aussaugen, Fensterbänke und Dachluken säubern und auf frisches Fraßmehl achten, sowie auf Insekten, die in der Nähe der Fenster verenden.
Viel wichtiger als dies, ist aber vielleicht die Überprüfung der verbliebenen Restquerschnitte auf statische Gefährdung. Grüße aus Leipzig von



Hausbock: Mag nur Frisches



Hallo Torsten, mein Zimmermann hat mir erklärt, das Hausböcke nur in frischem Holz aktiv sind, wobei frisch max. 30 Jahre bedeutet. Der Bock ernährt sich von einem Holzbestandteil, der nach ca. 30 Jahren nicht mehr vorhanden ist. Frische Holzmehlspuren an altem Holz, die auch mich schon stark verunsichert haben, rühren z. B. daher, dass Holzwespen vorhandene alte Hausbock-Kanäle neu besiedeln und das darin befindliche alte Mehl dabei nach draußen befördern. Also: Wenn die Statik noch stimmt, sollte es kein Problem geben.



Die Literatur sagt was anderes!



30 Jahre reichen da nicht aus. Allgemein wird von 60-80 Jahren ausgegangen. Das Vorkommen von Lebendbefall geht stark zurück, jedoch ist ein lebender Befall in Einzelfällen auch über einen längeren Zeitraum möglich. Soweit mir bekannt, laufen momentan Feldforschungen an 250 Jahre alten Hölzern mit aktiven Hausbockbefall in Österreich. Tut mir leid, wenn dasmal wieder ein wenig nach Klugsch...er klingt, aber es sind einfach zuviele Fehlinfos unterwegs. Grüße



Abbeilen



Klar die beste Methode, (Hausbock geht nicht nur in den Splint) wenn allerdings nichts mehr übrigbleibt, auswechseln.



erstmal vielen Dank!



Danke sehr für die netten Nachrichten. Ich habe mich
fürs Abbeilen entschieden. Hier noch ein paar Fragen & Beobachtungen:

1) Richtig, Hausbock geht nicht nur in den Splint, ich habe auch schon Kernhölzer aus sehr alter Eiche gesehen, die einen schönen Frass hatten...

2) Meine neue Hypothese: der Hausbock geht aus
alterndem Holz raus (bzw nicht mehr rein) weil dies mehr und mehr durchhärtet, nicht weil keine
Nährstoffe mehr drin sind. Warum sage ich das: ich
habe von einem Bauern einige alte Eichenbalken (weit über 100 Jahre) abgekauft; alle Balken waren ok, bis auf einen, den der Bauer auf seinem Feld halb im Nassen liegen lassen hat (für ca 6 Monate). In diesem nassen Bereich habe ich dicke
fette Hausbocklarven (nicht sehr schön!) gefunden,
quietschlebendig: ergo, das Wasser hat das Holz
wieder aufgeweicht, der Bock konnte rein...

3) wenn ich das richtig verstehe, erkennt man den
Hausbock recht einfach: entweder sind Larven da
(und dann sieht man sie!!), oder eben nicht.

4) An Martin: das mit dem Knipsen werde ich versuchen, aber nur mit einem guten Gals Rotwein
auf der Terrasse, den Balken neben mir liegend
und die untergehend Sonne kontemplierend... :-)


gruesse aus dem Sueden
Torsten



Link zu Info über Holzschädlinge



Hier ergänzend noch ein Link zu einer umfassenden Darstellung der Thematik, in der auch der Zusammenhang mit der Holzfeuchtigkeit beschrieben wird: http://www.lignum.ch/deutsch/files/FP_PaLc14.pdf.



Link zu Info über Holzschädlinge



Hier ergänzend noch ein Link zu einer umfassenden Darstellung der Thematik, in der auch der Zusammenhang mit der Holzfeuchtigkeit beschrieben wird: http://www.lignum.ch/deutsch/files/FP_PaLc14.pdf.



Einen Fehler entdeckt und schon steigt die Spannung!



Hallo Torsten, habe ich mich doch zu sehr von Deiner Feststellung leiten lassen, das einen Hausbockbefall (volksmündl. auch Holzbock) gefunden hast und dabei völlig deine Holzart überlesen. Hausbock tritt in Laubhölzer nahezu nie auf, weil Laubholz für die Larve giftig ist(vergl. auch Kempe "Dokumentation Holzschädlinge" und Sutter "Holzschädlinge an Kulturgütern")! Es muß also ein anderer Schädling sein! Ein vergleichbares Schadbild, ähnliche Zerstörungskraft, aber im Laubholz tätig, schafft im verbauten Holz nur der Hesperophanes cinereus (ist im u. g. pdf-Dokument auch enthalten; übrigens tolle Bilder und guter Lesestoff, Bernfried). Dieser Lateiner tritt jedoch nur südlich des Tessins auf und ist in nördlichen Breitengraden eher nicht vorkömmlich. Mit Verlaub, Torsten, Deine These 2 ist gut gemeint aber leider widersprichst Du damit diversen Insektologen und Holzschutzfachleuten. Es ist das Eiweiss worauf die Hausbocklarve scharf ist. Deine, beim Bauern gefundenen Larven hätte ich ja gerne mal gesehen. Ich setze ein Pulle trockenen Rotkäppchen-Sekt gegen den Befund als Hausbocklarve. Es gibt noch etwa ein halbes Dutzend anderer, gängiger und holzzerstörender Bockkäferarten, die hierfür in Frage kämen. ALso erlaube mir mal ein paar Gegenfragen: 1. Es ist definitiv Eiche? 2. Sind die Austrittslöcher eher rund oder eher oval? 3. Sind die Fraßgänge fest verstopft oder liegt das Nagsel lose darin? 4. Wie groß ist der Durchmesser der Fraßgänge im Durchschnitt? Trotz alledem bleibt die Überprüfung der statischen Tragfähigkeit! Grüße



Geht es eigentlich...



um Dein Haus in Südfrankreich? (Mußte erstmal schauen ob Du das warst mit dem Hilfegesuch in der Urlaubergegend) Wenn ja, steigen die Chancen den Hesperophanes! Der macht sich nämlich nix aus dem Alter eines Holzes, die Käfer sind nachtaktiv und treten von Juni bis August auf, nach einer Verpuppung von 20-30 Tagen und 1-3 jährigem Larvenstadium.



Präzision:



1. 100% Eiche
2. Gänge Durchmesser bis 10mm, fest verstopft
3. Ausfluglöcher eher oval
4. Statische Tragfähigkeit: nachdem der Splint weg
ist, habe ich immer noch extrem stabiles (Hammertest; Axt) Kernholz. Ich mach mir also
keine Sorge.
5. Ich bin sicherlich südlich des Tessins, ca
50 km südlich von Toulouse.
6. Wenn meine These falsch ist (und das scheint sie wohl zu sein), dann muss man mir trotzdem
noch erklären, wieso ich diese Larven im 150 Jahre
alten Eichenpoller gefunden habe (eklige Kerlchen). Tut mir leid, ich habe eben auch diese
Wissenschaftlerdeformation (bin selbst Astrophysiker) immer Fragen zu stellen....

Vielen Dank in jedem Falle. Bin jetzt für 2 Wochen
auf Konferenz und freue mich dann anschliessend eure Ideen zu lesen.

Beste Gruesse
Torsten



Hesperophanes cinereus!



Ich erhöhe auf eine Kiste Rotkäppchen Sekt, trocken und setze auf meinen Lateiner: passt alles.
Unter folgender Adresse kann man sich den Jungen anschauen: http://www.koleopterologie.de/gallery/fhlso/hesperophanes-sericeus-foto-cymorek.html Torsten, wenn er Dir mal life oder tödlich verendet, aber noch intakt irgendwo begegnet, bitte zuschicken! Das würde ich mir auch was kosten lassen. Grüße aus dem bewölkt-regnerischen Sachsen