Balkenkopfsanierung mit Edelstahleinlage - Erfahrungen

22.05.2008



Hallo,
schöne Überraschung bei Frontsanierung. Etliche Balkenköpfe
sind weitgehend defekt und waren nur durch Balkenabschnitte "vertarnt" (Löcher sogar mit Zeitung gefüllt). Wegen Innen-und Außen-Denkmalschutz (Kassettendecken/Böden)
kommt Freilegung/Austausch nicht in Frage. Da nur Stichbalken von ca. 1m Länge ist die statische last nicht
besonders hoch.
Ich habe vor, 18mm Edelstahlstangen einzubringen um die
Scherkräfte gegebenfalls aufzufangen, da - leicht auszumessen - nur noch wenige cm Balkenauflage wirksam sind. Dazu Imprägnierung der Restsubstanz (nicht mehr aktiver Holzbock) mit Holzverfestiger durch
Einspritzen in dünne Bohrlöcher. Statisch wäre die Sache nach meiner Durchrechnung (Scherkräfte) dann O.K.
Hat jemand damit Erfahrungen?



Das hört sich nach...



Beta-Verfahren etwas modifiziert an.
Professionell gemacht ist das ganz schön teuer.
Im Prinzip aber für Sonderfälle und schwierige Kleinbereiche keine schlechte Lösung.
Problematisch sind an Außenwänden die manchmal entstehenden Wärmebrücken durch Metalleinbauteile und die veränderten bauphysikalischen Werte der verfestigten Holzbereiche.
Wenn die Stangen von außen eingebracht werden, sehe ich keine große Möglichkeit Wärmebrücken zu vermeiden, wenn die Fassade nicht anschließend gedämmt wird.
Warum Imprägnierung wenn der Hausbock (nicht Holzbock - den gibbet nur im Wald) sowieso nicht mehr aktiv ist?
Grüße aus Leipzig
Martin Malangeri



Ein weiteres Problem ist,



daß Stahleinlagen im bewitterten Holz das unvermeidliche Kondensat fangen. Drumherum kann dann das Holz über kurz oder lang etwas modern. Deswegen sind Holz-in-Holz-Reparaturen im Fassadenbereich von Fachwerk und Dachstuhl langfristig die bessere Variante.

Viel Erfolg!

Konrad Fischer



Danke für die Antworten!!! Das Problem Kondensat ...



hatte ich auch schon mit dem beteiligten örtlichen(sehr engagierten) Malermeister durchgesprochen, der meine handwerklichen Aktivitäten kritisch begleitet. Seiner Erfahrung nach wird diese Fassade durch Mutter Sonne dank der freien Lage (Marktplatz) gut "entdampft". Ich hoffe, daß die noch zu verlegende Fußleisten-Heizung diesen Prozeß noch unterstützt. Vergleichbare Fachwerkbauten desselben Jahrganges (1791) mit weniger günstigen Lagen waren seiner Aussage nach noch wesentlich
mehr beschädigt.
Ich weiß - das sind alles weiche Aussagen.

Gruß mit Bild



Echtes Beta verfahren



Guten Tag,
Martin hat bereits das Beta Verfahren erwähnt. Es handelt sich um Tragende Teile, da muss eine Sanierungsmethode gerechnet sein. Sie haben anscheinend ja den Schub aus Querkraft bereits ermittelt. Aber haben sie den Haftvberbund zwischen Stahlstange und Holz richtig erfasst usw.?. Das Beta Verfahren ist bauaufsichtlich zugelassen, nach den Statikvorgaben dafür kann man folglich eine Standsicherheitsnachweis führen. Die Wärmebrückenproblematik lässt sich im Beta Verfahren auch dadurch verringern, dass statt Stahl auch GFK Bewehrungsstäbe verbaut werden können. (Näheres regelt die Zulassung). Wenn man Angst davor hat, dass das Epoxidharz der Beta Prothese zu Konsensatausfall führt, ist vielleicht ohne große Beschädigungen beim Einbau eine Beta Holz-Holz Prothese möglich. Mein Fazit: Nicht selbst basten, sondern Fachmann für Betaverfahren hinzuziehen. Billig wird der Spass bestimmt nicht, aber Eigentum verpflichtet und wer billig repariert repariert zweimal. Mit freundlichen Grüßen Ulrich Arnold.



noch halten die Balkenköpfe - experimentell ca. 1kN/qm Verkehrslast aufgebracht



Vielen Dank für die Antwort! Bin den Hinweisen googelnd gefolgt.
In meinem Fall denke ich an eine vorbeugende Maßnahme, da
die Meinung der Fachleute "das hält noch weitere 30 Jahre" für mich nicht wirklich befriedigend ist.
Denn: das Fachwerk lebt!!! Der Bau senkt sich einseitig um gemittelt 1mm/Jahr (letzten 30 Jahre). Im ersten Bau-Jahr 1791 waren das sogar um ca. 20 cm -
wenn ich davon ausgehen kann, daß auch im 17. Jahrhundert
eine Mauer mit Wasserwaage erstellt wurde. Grund: eine Seite des Fundaments auf mittelalterlichem Schutthaufen (ca. 3m hoch). Das wurde dann beim Bau eines weiteren Geschosses 1792 ausgeglichen.



Warum denn so kompliziert?



Wenn ich mir das Foto so betrachte dann ist das gesamte Fachwerk überarbeitungsbedürftig.
Ich gehe davon aus dass im Laufe der Maßnahme nahezu alle Gefache geöffnet werden müssen.
Wenn nun die Gefache offen sind, was spricht gegen eine herkömmlich zimmermannsmäßige Reparatur in Holz?
Warum wollen Sie aufwendige Maßnahmen ergreifen mit Materialien die zum einen teuer und zum anderen in einem Fachwerkhaus eigendlich gar nichts zu suchen haben? Zumal der Denkmalschutz im Boot ist.
Stichbalken tragen den Fußboden und stabilisieren bzw halten den Giebel in der Richtung. Für den Lastabtrag des Giebels sind die Ausmauerungen zwischen den Stichbalken wichtiger als der Stichbalken an sich.
Gruß aus dem lippischen