Uraltes Bauernhaus kaufen

Hallo,

Zunächst einmal vorweg: ich habe euer Forum für meine Frage gewählt, weil ich den Eindruck habe, ihr seid die Einzigen, die meine Beweggründe nachvollziehen können und gleichzeitig auch wissen wovon sie sprechen.

Gestern bin ich durch Zufall über eine Kleinanzeige auf alten Krempel gestoßen, den ich mir zwecks Deko mal anschauen wollte.
Darauf hin landete ich in einem näher gelegenen Dorf bei drei jungen Brüdern, die quasi beim Kauf von Land zu ihrem Leidwesen ein uraltes Bauernhaus mit erworben haben.

Beim betreten der Deele schwante es mir schon und bestätigte sich später beim Durchstöbern der oberen Etage:
Er ist als wäre darin die Zeit vor rund 150Jahren stehen geblieben. Nahezu unangetastet befinden sich darin noch Möbel, Kleider etc.
Natürlich ist das Haus mit integrierten Ställen in desolatem Zustand. Das grossflächige Dach ist lückenhaft. Die Decke über den Schlafzimmer ist runtergekommen (darunter befinden sich noch im Orginal Zustand die Möbel nebst Waschschüssel auf der Komode).
Es ist aus baulicher Sicht wahrscheinlich eine Ruine.
Fakt ist:
Sie wollen es abreißen.
....und mir blutet das Herz. Scherzhaft meinte dann einer von den Jungs, ich könnte es ja haben, wenn ich's wollte...ja und da liegt jetzt genau mein Problem!

Was wäre wenn? Angenommen ich würd es nehmen? Einfach nur um es zu erhalten, nicht um darin zu wohnen. Einfach nur, damit es nicht abgerissen wird...es ist verrückt aber mich treibt die Frage um.
Hier auf dem Land ist es ja nicht unüblich, alte Häuser einfach stehen zu lassen...was spricht dagegen? Was ich damit machen will? Keine Ahnung...nach und nach reparieren? Ich bin nicht reich und kein Handwerker...alles spricht dagegen, es hat nicht mal ne schöne Lage oder ein gescheites Grundstück.

Was würdet ihr machen, wenn ihr es quasi geschenkt bekommt?

LG Anja


Anja Vogl | 14.05.17


Der Artikel 14 Grundgesetz (GG) gibt da der Liebhaberei soweit freie Hand.

Schwierig wird es nur wenn da was zusammenfällt und die Sache bauordnungsrechtlich virulent wird.

Auch an die öffentlichen Lasten denken, auch wenn diese moderat sein dürften.

Da muss man sehen wie weit die Liebe reicht.

Ansonsten hast du völlig recht, es wäre ja schade, wenn so ein unberührtes Artefakt einfach verschwindet.

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 14.05.17

Du willst also...


...ein Haus mit einem noch zu vermessendem (Teil)Grundstück kaufen. Der Wert des Hauses beträgt Null minus Abrisskosten. Wohnen willst Du da auch nicht.

Das Grundstück wird Dich dennoch Geld kosten. Nämlich dann, wenn der Grundstückswert höher als die Abrisskosten ist (davon ist auszugehen). Dann kommen noch sechsstellige Summen für den Erhalt dazu. Wohlgemerkt von etwas, das Du nicht brauchst. Das Grundstück ist auch nicht begeisternd.

Selber kannst Du offenbar nicht so viel machen, kannst aber auch nicht viel Geld 'reinstecken.

Fazit: Du bist schon pleite (Vermessungskosten, Grundstückskauf, Grunderwerbssteuer, Notar), bevor der erste Dachziegel erneuert wurde.

Ich beobachte hier seit Jahren die verrücktesten Enthusiasten dabei, sich ihren individuellen Wohntraum zu erfüllen. Das geht oft gut und mitunter auch schief.

In Deinem Falle möchte ich dringend abraten. Leiste Dir von einem Bruchteil des nicht verlorenen Geldes eine wunderschöne Urlaubsreise, dann hast Du diese ruinöse Idee vergessen. Oder suche Dir ein Haus, daß Deiner Mühe wert ist UND in dem Du wohnen willst. Alles andere wirst Du ziemlich bald bereuen.

Grundsätzlich: Alter ist kein Eigenwert (sagt der Museologe!). Nicht alles, was einfach nur alt ist, ist auch des Bewahrens wert. Ein Wert entsteht subjektiv durch familiäre Verbundenheit bzw. Tradition, oder objektiv durch besonders bewahrenswürdige Eigenschaften (Technik, Stil, regional typisch...) oder Historie (Goethe hauchte hier "Mehr Licht" :-)

Man muß auch loslassen können.

Am Dresdner Körnerweg steht ein zur Freude der Bewohner wunderschön saniertes altes Wohnhaus mit folgendem Spruch:

"Wer sein Geld verlieren will und weiß nicht wie, der baue alte Häuser aus oder spiele Lotterie"

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Dresden_Spruch_Fachwerkhaus_Loschwitz.JPG

So, daß war jetzt die volle Breitseite.

Ich kann Deine Beweggründe nachvollziehen ABER ich weiß auch, wovon ich spreche.

Viele Grüße

Thomas
Holz schwimmt immer oben
Mitglied der Fachwerk.de Community
Restauratio GmbH | | 14.05.17

Wo steht das Objekt?


Was passiert mit dem Inventar?
Krumm und schief hat was
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 14.05.17

Standort


Das Haus steht im Ortskern eines Dorfes in der Warburger Börde.
Das Inventar wurde inzwischen komplett ausgeräumt und verkauft oder entsorgt. Einiges davon an mich, leider lagen auch schon viele Sachen zerschlagen auf dem Trekker Anhänger.Morgen werde ich noch ein paar Sachen abholen.
Ich weiss zwar noch nicht wohin damit, aber ich kann es nicht mit ansehen, wie es weggeworfen wird.
Angeblich hat das Freillichtmuseum in Detmold keine Interesse gehabt. Man muss auch dazu sagen, dass die Möbel sehr schlicht sind. Also keine aufwendig gearbeiteten, sondern richtige, einfache, alte Bauernmöbel.Viele sind wurmstichig.
Vielleicht mache ich morgen mal Bilder.
Auf Google Maps sieht das Grundstück gar nicht so unattraktiv aus...es endet an einem größeren Bach.
Mein Gefühl sagt mir, dass es erhaltenswert wäre, allein die Bauweise und die Lage lassen darauf schließen, dass es sehr alt ist.
Ich Frage mich halt einfach, wie andere das machen...ich meine hier bei uns ist es sehr ländlich, viele Häuser stehen hier leer. Die Bauern stellen dann dort einfach nur ihre Maschinen unter...das kann ja dann nicht so teuer sein.oder?


Anja Vogl | 14.05.17


Wenn du schon so ein Grundstück an der Backe hast, kannst du ja auch nichts anderes machen.

Hier müsstest du es erst kaufen, mit den ganzen Nebenkosten.

Sicherungsmaßnahmen müsste man ja dann auch noch ergreifen um den weiteren Verfall zu stoppen. Da sollten wenigstens die Dächer in Ordnung sein.

Vielleicht besteht ja die Möglichkeit es unter Denkmalschutz zu stellen. Da könnte man einen Zuschuss beantragen. Und Investitionen für die Erhaltung wenigstens bei der Einkommensteuer abschreiben.

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 14.05.17

Genau deshalb...


"viele Häuser stehen hier leer."

Und die fallen offenbar noch nicht von alleine ein. Stehen trotzdem leer. Liebe Anja, das ist der Lauf der Dinge. Häuser sind vergänglich. Wenn sie keiner braucht, werden sie nicht erhalten.

Und wenn Du nicht im Lotto gewinnst, wird das Haus weiter verfallen, auch unter Deiner Obhut. Ist es Deine gleichfalls begrenzte Erdenzeit wert, Sie direkt oder indirekt über Dein erarbeitetes Geld zu verschwenden? Es geht ja nicht um ein Dach über Deinem Kopf, sondern um etwas, das nachhaltig keiner will.

Ich verdiene meine Brötchen mit denkmalpflegerischen Arbeiten und bin von deren Berechtigung aus ideeler und materieller Sicht überzeugt. Hier aber scheint mir nach Deiner Schilderung die rote Linie des Sinnvollen weit überschritten. Ein Hinweis auf herausragende denkmalpflegerisch wertvolle Eigenheiten des Objektes fehlt gleichfalls (Fotos?).

Und lasse Dir keine Flausen in den Kopf setzen. Die Denkmalbehörden verfügen nur über sehr begrenzte Mittel und werden diese am ehesten da einsetzen, wo ein "Juwel" saniert wird. Da gibt es nebenbei auch noch eine gute Presse.

Investitionen für die Erhaltung eines Denkmales kannst Du nur für den denkmalpflegerischen Mehraufwand steuerlich geltend machen. Also nicht z.B. für den Preis neuer Fenster, sondern nur für den Mehrpreis denkmalpflegerisch abgesegneter Detailausführungen.

Einen Kredit bekommst Du für ein derartiges Projekt wohl kaum.

Also, wenn Du das Geld nicht hast, das Haus zu Kaufen und nachhaltig zu sanieren (also nicht nur eine Plane über die Löcher im Dach nageln und beten, daß der nächste Herbssturm nicht das Lachen kriegt), vergiss es.

Und wenn Du doch etwas Geld hättest, stellt sich die Frage nach dem Sinn - und dem Gewissen. Statt des Versuches, etwas zu erhalten, daß keinem nützt, kannst Du mit einem Bruchteil dieses Geldes Wasser, Essen, Heilung oder Bildung an Menschen schenken, die noch nicht auf dem Weg nach Europa sind und mit ein wenig Hilfe in ihrer Heimat eine Chance auf ein einfaches, aber lebenswertes Leben haben könnten. Ein Brunnen wird in Äthiopien ab 300€ gebohrt, oder, für diesen Betrag als Mikrokredit kann sich eine Familie eine Existenz aufbauen statt auf Getreidesäcke als Almosen zu warten... oder zu verhungern.

In der Warburger Börde verfällt ein Haus (das offenbar Keiner will). Ca. alle 5 Sekunden stirbt weltweit ein Kind an einer miteinfachen Mitteln behandelbaren Krankheit oder schlicht und ergreifend am Hunger. Eins - Zwei - Drei...

Man kann es nicht ertragen, täglich an das Elend ein paar Flugstunden von uns entfernt zu denken. Aber wenigstens manchmal sollte man sich daran erinnern und etwas mehr machen als 3 Tränen beim Weihnachtsgottesdienst. Entschuldigung, daß ich diese Luxusdiskussion etwas erde. Ich bin mir des Abschwiffes und seines provokanten Inhaltes bewusst. Das gehört nicht hierher. Aber wenn auch nur ein Leser dessen der Stiftung seines Vertrauens 10€ schickt, hat sich das Ganze gelohnt. In Foren stand schon größerer Unsinn als die Bitte, auf leicht Verzichtbares zu verzichten, um Anderen ein existenziell unverzichtbares Minimum zu geben.

Einen schönen Sonntag wünscht

Thomas
Holz schwimmt immer oben
Mitglied der Fachwerk.de Community
Restauratio GmbH | | 14.05.17

Ich


Ichhabe auch sowas „an der Backe“! Und zwar ganz in deiner Nähe in Diemelstadt. Falls du noch ein paar Sachen retten kannst und weißt nich wohin damit, unser geplantes kleines Heimatmuseum hat noch Platz.
Wo genau ist das Haus? Würd ich mir gerne anschauen!

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 15.05.17

Danke Thomas,


Orangerie Schwimmbadich habe Deine Kommentare gern gelesen und kann sie nur unterstützen. Viele der hier seit Jahren tätigen Community-Mitglieder könnten Bücher über den ständigen Kampf zwischen Idealismus und Rationalität schreiben. Es gibt zweifellos Fälle, wo der Idealismus mit Geld, Kraft und Zeit siegt. In den meisten Fällen jedoch, wird der Idealismus von der Realität eingeholt.

Es ist wie Thomas schreibt: Wenn es später als Heim dienen soll, kann man vieles konkreter Überdenken. Der Erhalt als alleiniger Zweck kann, wenn überhaupt, nur durch übergeordnete Interessen und Trägern angegangen werden. Also Stiftungen, Kommunen, Vereine, ... .

Wenn Ihre Existenz sich nicht später dem Zustand dieser Immobilie angleichen soll, sollten Sie Abstand von diesem Projekt nehmen. So schade es auch ist.

Gruß
Hartmut
Alles unter Dach und Fach
Mitglied der Fachwerk.de Community
Fachwerk.de | | 15.05.17

Letztlich...


...schreibe ich aus eigener Anschauung. Ich bin vermutlich in einer etwas besseren Ausgangslage hinsichtlich Kenntnissen und Möglichkeiten, hatte einen schönen Fachwerkhof, der nicht am Zusammenfallen war, und habe mich trotzdem davon getrennt. Rein über das Scheckbuch war die Sanierung nicht machbar, und in Eigenleistung wäre ich über den Rest meiner Lebenszeit Sklave eines Bauernhofes gewesen. Vielleicht bin ich ja kein Kandelaber, sondern nur ein kleines Licht - aber dafür ward ich nicht geboren :-)

Wenn man nicht absehen kann, daß man eine Sache beenden kann, fängt man besser nicht an... Froschbiotope gibt es schon genug :-)

Echt passend der aktuelle Forumsspruch oben rechts auf der Seite: "Verantwortlich ist man nicht nur für das, was man tut, sondern auch für das, was man nicht tut. Laotse"

Grüße

Thomas
Holz schwimmt immer oben
Mitglied der Fachwerk.de Community
Restauratio GmbH | | 15.05.17

vielen Dank


für den in dieser Diskussion enthaltenen Geist;
und danke für diese Plattform , die trotz allen, manchmal nervigen, Auseinandersetzungen zu einer Institution geworden ist.
Hier wurde schon vielen geholfen und jetzt vermutlich der/dem Nächsten... :)
danke
Fragen, denken, entscheiden
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 15.05.17

Bauernhaus-Bilder aus der Bilddatenbank: