Über Gewölbekeller nicht dämmen

Hallo zusammen,

mag uns jemand einen Rat geben? Über unserem Gewölbekeller befindet sich ein Raum mit 4x5m (zukünftige Küche). Der alte muffige Estrich wurde von uns entfernt. Der neue Bodenaufbau (inkl. Fliesen) wäre im jetzigen Zustand 35 mm hoch. Keine Chance einer Wärmedämmung.

Theoretisch ist "Luft" nach unten: Über der Gewölbedecke am Scheitelpunkt haben wir 1,45m gemessen. Aufgefüllt mit Beton/grober Kies-Mischung. Unser Problem: eine Bewehrung des Bodens ist sichtbar, sie befindet sich also oben. Beim Betonboden +/-10 cm abzutragen, erscheint uns deshalb zu schwer und kompliziert.

Daher haben wir überlegt, ob sich zwangsläufig Schimmel oder Modergeruch am neuen Estrich oder auch beim Fliesenkleber bilden muss. Wie schätzt ihr das ein? Gibt es jemanden, der auch auf eine Dämmung über dem Gewölbekeller verzichtet hat?

Pauline

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 22.10.16

Man kann!


hydraulisch abgebundene Dämmaufbauten kann man ausführen.
Wir sollten mal telefonieren.

FG Udo
LEHM - natur am bau
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LehmHandWerk Udo Mühle | | 23.10.16

Fußbodenaufbau


http://www.wedi.de/anwendungsbereiche/bauplattenanwendungen-innen/bodenanwendungen/mineralische-untergruende/
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 23.10.16

Na klasse!!


Somit ist die Kappe nunmehr diffusionsdicht.
Bauphysik ist wichtig mit zu beachten.
Kapillare Nässe wird jetzt in die Umfassungswände ziehen und da zu aufsteigender Baufeuchte führen.
LEHM - natur am bau
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LehmHandWerk Udo Mühle | | 24.10.16

Kapillarität


Natürlich ist ein Fliesenboden diffusionsdicht, Udo.
Auch mit Deiner gebundenen Dämmschüttung denn die Fliesen sind`s.
Diffusions- und damit wasserdicht- das soll der Fußboden auch sein denn wer will schon letztlich den Grundwasserhorizont über seine Fußböden mit Hilfe von Heizenergie austrocknen, das ist Quatsch. Waagerechte Abdichtungen haben eine wichtige Funktion: Die Wohnräume trocken zu halten. Die Feuchte bleibt unten, da wo sie hingehört- auf die Erdfeuchte Seite des Bodens oder wie hier im Kellergewölbe.
Das befindet sich dann in einem stabilen Feuchtegleichgewicht, ist damit geschützt vor zu starker Austrocknung und, was noch schlimmer wäre, vor Schwankungen der Eigenfeuchte. Der Wechsel von feucht zu trocken zerstört Mauerwerk, nicht die (gleichbleibende) Feuchte an sich. An den Trocknungshorizonten kristallisieren Salze aus und zerstören Mauerwerk und Putz, nicht im Bereich darunter wo das Salz in Lösung ist.
Der etwas kindliche Glaube das sich die Kapillarität von Bauteilen ändert wenn benachbarte Bauteile abgedichtet werden bringt mich immer wieder zum Staunen.
Warum? Es stimmt nicht. Es wird keine kapillare Feuchte in die Mauern "gedrückt" wenn der Fußboden oder die Decke abgedichtet werden.
Wer mit Hilfe der Physik und der Werkstofftechnik in der Lage ist diese Erscheinung rechnerisch zu beweisen und versuchstechnisch nachzuvollziehen soll es versuchen.
Kapillarität, lieber Udo, ist eine materialtechnische Eigenschaft die sich von außen nicht beeinflussen lässt, nur durch Veränderung der Materialeigenschaften selber.
Weder das scheinbare Porenvolumen noch der Durchmesser der Kapillaren noch deren prozentuale Häufigkeit in Wand und Gewölbe ändern sich. Das einzige was sich eben ändert ist die Verdunstungsrate.
Kann sein das Du wie viele die Begriffe "Permeabilität" oder "Sorption" oder "Diffusion" mit Kapillarität verwechselst. Das kann passieren, ein wenig Nachlesen hilft da. Im Internet gibt es genug Beispiele. Pope hat dazu mal einen sehr schönen Link eingestellt:
https://www.unibw.de/werkstoffe/lehre/skripte/stoffkennwerte.pdf
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 25.10.16

Diffusionitis!


Immer noch dieselben Themen. Hier könnte man eine Ewigkeit wegsein, und sofort wieder einsteigen :-)

Grüße
Thomas
Holz schwimmt immer oben
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Restauratio GmbH | | 25.10.16

Was hat jetzt wieder


Diffusion mit Kapillarität zu tun lieber Udo?
In der Bauphysik doch wohl ehr nix.

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BAUST Bau & Sanierung Struve | | 25.10.16

Danke


für die Tips.

Udo, du meinst also den Beton ca 10 cm um die Metallbewehrung herum abtragen und da die gebundene Schüttung rein?

lg
Pauline

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 25.10.16

Fußbodenaufbau


Was Udo Ihnen empfielt weiß ich nicht, ich empfehle Ihnen die Stahlbetonplatte drinnenzulassen, eine 20 mm starke Wediplatte aufzukleben und dann zu fliesen.
Die ersten Zentimeter einer Dämmung sind die entscheidenden!
Schauen Sie Sich über meinen Link die Informationen zum System an, dort erfahren Sie mehr.
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 25.10.16

Ich


würde ja gerne mal ein Foto von der Bewehrung sehen.

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BAUST Bau & Sanierung Struve | | 25.10.16

Hier


HierBilder von der Bewehrung, wenn das Hochladen geklappt hat;-)

Ohne Dämmung führt es also zwangsläufig zu Schimmel/Modergeruch? Oder gibt es jemanden, der über seinem Gewölbe nicht gedämmt und keine Probleme hat?

lg
Pauline

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 26.10.16

ein letztes Bild


ein weiteres Bildhabe es leider nicht zusammen hochladen können.

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 26.10.16

Bewehrung


eher nicht, ich nenne das mal "Angsteisen"

Und nein, weder mit Schimmel- noch mit Modergeruch ist dort ohne Dämmung nicht zu rechnen, jedenfalls nicht solange der Aufbau mineralisch bleibt.

Mitglied der Fachwerk.de Community
BAUST Bau & Sanierung Struve | | 26.10.16

Gut


zu wissen! Danke!

Ja, das heißt: warme Küchenluft + kalter Boden = Kondensfeuchte, welche hier aber nicht zu Schimmel führt. Außer wir stellen Holzmöbel auf, oder verwenden Holzdielen oder Kork, richtig?

Warum der alte Estrich dann trotzdem nach Moder gerochen hat, liegt dann an dem Alter, oder? Ist mir noch nicht so schlüssig.

Pauline

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 28.10.16

Fußbodenaufbau


Ich weiß nicht was auf dem Estrich lag, aber versuchen Sie sich mal vorzustellen was für Verschmutzungen im Laufe der Nutzungsperiode auf/in den Fußbodenaufbau gekommen sind und rechnen Sie Wischwasser, Kondensat und Planschwasser mit dazu. Hohe Eigenfeuchte + organische Stoffe, was denken Sie ergibt das?
Entweder einen wasser- und damit dampfdichten Fußbodenbelag oder Sie müssen eben alles an Feuchte aus dem diffusions- und damit feuchteaufnahmefähigen Boden wieder durch Wärme austrocknen. Der Dreck bleibt trotzdem in den Baustoffporen, bereit beim nächsten Feuchteanfall vor sich hin zu gammeln.
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 31.10.16

Gewölbekeller-Bilder aus der Bilddatenbank: