"Tadelakt"-ähnliche Oberfläche

So, noch eine Frage die hier hoffentlich keiner doof findet. Hab schon so einiges gesehen hier im Forum und im Netz über Tadelakt. Klingt ja echt gut dieser "Wunderputz". Aber für Experimente kaum bezahlbar. Hab aus dem Konkurs neben Tonpulver auch noch Sumpfkalk (Deutsche Ware), Marmormehl und so Sachen über. Hat eigentlich schon mal jemand Versuche mit Sumpfkalk,Marmormehl, Olivenölseife gemacht um sowas ähnliches wie Tadelakt zu erreichen? Nicht das ich mir jetzt die Mühe mache und groß rumexperimentiere, mit was wovon jeder Profi eh weiss dass es nichts wird. Ich mein ja nur, verseifen müsste unser Kalk doch auch, oder? Klar bestimmt nicht so toll wie der aus Marakesch, aber vielleicht ähnlich?

Danke
Hand
Vielleicht ist hier guter Rat teuer
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| 06.06.06

Geseiften Kalkputz


Hallo,
ich habe bei mir im Weinkeller so einen ähnlichen Versuch gemacht, indem ich Luftkalk mit grobem Marmormehl gemischt auf den Betonboden aufgespachtelt habe, nochmal mit einer Schicht Kalk überzogen und mit Olivenölseife auf Glanz geglättet habe. Das ganze habe ich jetzt seit ca. 5 Jahren drin, sieht immer noch fast aus wie am 1. Tag, allerdings lauf ich da auch nicht jeden Tag drüber. Vorher war der Betonboden regelmäßig dick mit Schimmelsporen überzogen, seit an den Wänden Luftkalkputz ist und der Boden mit dieser Kalkmasse gespachtelt ist, ist Ruhe. Beim Putzen von diesem Boden wird dieser auch nicht vom Wasser durchfeuchtet, sondern daß Wasser perlt genau wie beim Tadelakt in meinem Bad durch die Olivenseife ab. Ich habe jetzt auch ein paar kleinere Flächen im Außenbereich gemacht, wenn ich da nähere Ergebnisse habe gebe ich die auch gerne bekannt. Ich denke die Unterschiede zwischen Tadelakt und normalem Kalk liegen eher in der Unterschiedlichen Härte des Materials und der beständigkeit gegen dauernde Feuchtigkeit (zum Beispiel außen oder im Dauerfeuchtbereich)
Il Meglio Deve Ancora Venire
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Büttner Malerbetrieb GmbH | | 06.06.06

Rezeptur wäre interessant


... danke schon mal für den Erfahrungsbericht. Das klingt doch schon mal vielversprechend. Ich denke darüber nach, eine Schneckendusche zu bauen und mit "Tadelakt" made in Germany zu überziehen. Ihr Bericht hat mich ermutigt weiterzumachen. Können Sie mir ein paar Daten zur Rezeptur geben die Sie verwendet haben?

Ich habe schon versucht eine technische Analyse von Tadelakt zu erhalten. Aber das scheint nicht zu einfach. Wüsste man die Zusammensetzung, könnte man schon eher Schlüsse auf mögliche Unterschiede ziehen.

Haben Sie auch Olivenseife genommen?

Viele Grüße
Hans
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| 06.06.06

Rezeptur war in diesem Fall leider nur "Pi mal Daumen"


da ich eigentlich dachte, daß das ganze eh nicht funktionieren würde, was mir für den Raum aber ziemlich egal war, bei einem Bad wäre ich aber vorsichtiger. So grob war die Mischung für den Grundspachtel 3 Kellen Marmormehl(verschiedene Körnungen von ganz fein bis Gries) auf 1 Kelle Sumpfkalk (ca. ich habe dann noch weiter abgemagert, bis sich bei kleinen Probeflächen keine Risse mehr gezeigt haben), und ein Schuß Leinöl (Elastizität oder vielleicht auch Aberglaube). Für das Polieren habe ich dann auch Olivenseife verwendet. Bei Gelegenheit stelle ich mal ein Bild ein
Il Meglio Deve Ancora Venire
Mitglied der Fachwerk.de Community
Büttner Malerbetrieb GmbH | | 06.06.06

Da wäre auch noch...


der Umstand zu beachten das Tadelakt nicht aus reinem Kalziumcarbonat gewonnen wird sondern aus "minderwertigerem " Kalk mit tonigen Anteilen gewonnen wird, und dann nicht mit Wasserüberschuß gelöscht wird, sondern im Trockenlöschverfahren behandelt wird. Zu guter letzt spielt dann auch noch die Brenntemperatur und die Branddauer eine Rolle .

Im übrigen habe ich schon vor 10 Jahren mit Sumpfkalk und Weiszement plus diverse Zuschläge ähnlich dem Tadelakt wasserabweisende Oberflächen erzeugt. Heisst nicht umsonst Kalkpresstechnik;)
Weiß ist keine Farbe,sondern die Abwesenheit einer solchen
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WelschWalls int. | | 06.06.06

übrigens,


werde im August in Nürnberg tadlaktähnliche Oberfläche in Bad, an Wand und Boden mit Dracholin Cosmato herstellen .Bin da mal selber gespannt wie weit ich ans Original optisch ran komme!
Weiß ist keine Farbe,sondern die Abwesenheit einer solchen
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WelschWalls int. | | 06.06.06

Was waren dass denn für Additive...


Herr Welsch?
Ich denke auch, dass man hier differenzieren sollte. Sicherlich macht es bei Leuten, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkit keine Folgeprobleme haben wollen Sinn, original Tadelakt zu verwenden. Ich bin da eher in einer experimentellen Phase und habe einfach Lust daran neue Dinge auszuprobieren. Ausserdem ärgert es mich, dass sich niemand daran macht die üblichen Dogmen zu widerlegen. Es gibt halt viele die Sagen dass geht NUR damit. Sicher, damit geht es bestimmt. Das heisst aber nicht dass es nicht auch anders gehen könnte. Und dann ist bei vielen Dingen einfach der Preis eine Frage. Wer kann sich schon einen Putz leisten, bei dem das Material für den Quadratmeter schon bald 30€ kostet? Ich kanns nicht. Also wird experimentiert. In der Hoffnung hier einige gleichgesinnte zu finden.

Viele Grüße
Hans
Vielleicht ist hier guter Rat teuer
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 08.06.06


Meines Wissens nach, ohne nun aktualisiert oder recherchiert zu haben, werden Sie „original Tadelakt“ im hiesigen Land wohl kaum erstehen können, eher weiterentwickelte und den Ansprüchen der hiesigen Baukultur Genüge tragende Produkte. Insofern ist ihre Behauptung hier mache sich niemand daran „übliche Dogmen zu widerlegen“ auch nicht wirklich richtig.

Das Wissen um die Materie ist nicht geheim. Dahinter steht wie bei vielem auch ein Verkaufsprinzip, mit nicht ganz unberechigtem Anspruch, da hier auch in diesem „heiklen“ Anwendungsbereich Qualitätssicherung, Forschung, Normierung und die Entwicklung eines gewährleistungsfähigen Produktes mit im Angebot enthalten sind.

Im arabischen Raum wird für Tadelakt im Grunde ein hydraulischer Kalk (mit speziellen, dem hiesigen Naturvorkommen entsprechenden Additiven, Hydraulen, Puzzolanen etc) als Bindemittel verwendet. Vorab werden bereits durch die handwerkliche Verarbeitung, nämlich Verpressung und Verdichtung wasserabweisende Eigenschaften „erzeugt“.

Den Effekt des eigentlichen Finishs könnten sie auch schon beobachten, wenn sie beispielsweise ihre Duschwanne mal ein paar Wochen nicht reinigen (Guter Vorschlag, gelle ?). Dann werden sich die Reste der Seifenlaugen mit dem im Wasser befindlichen Kalk per chemischer Reaktion zu einer relativ spröden, schwer zu entfernenden und höchst wasserabweisenden Schicht verbinden.

D.h. die Glätteseife (der auch von vorne herein Kalksinterwasser zugesetzt ist,) entwickelt mit der normalerweise unerwünschten Kalksinterschicht (bei noch zu streichenden Aussenfassanden bspsw. unbedingt zu entfernen) eine wasserabweisende Schicht. Wenn sie per Spachtel oder Stein noch geglättet wird, bietet sie auch keine Feinnischen für Schmutzablagerung.

Prinzipiell also leicht zu verstehen, ein Verfahren, dass ohnehin empirisch erarbeitet wurde (bloß über wie viele Generationen?? *g).

Wenn Sie noch ein wenig recherchieren, Folgeschäden selbst verantworten, die Möglichkeit besitzen, das behandelte Bauteil langfristig auf Feuchte zu überprüfen, dann mal viel Spaß beim Experimentieren. Ich denke, dat könnte klappen. Sie können die Ergebnisse ihrer Forschung ja auch hier veröffentlichen. Wäre gespannt. *g

MfG
carpe diem
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 08.06.06

Da haben Sie sicherlich nicht unrecht Herr Hoffmann,


natürlich ist es verständlich dass niemand aus Spaß an der Freude Gewerbetreibender sein will. Allerdings ist es für den Endverbraucher wie mich halt schwer nachzuvollziehen, dass ein Sack "Tadelakt" mit teilweise über 100€ gehandelt wird. In Zeiten des Euros zu leicht vergessen, aber das sind fast 200DM.

Wobei meine bisherigen Recherchen Ergeben haben, dass der in Marokko eingesetzte Tadelakt scheinbar reiner Brantkalk aus einem Abbaugebiet aus der Gegend um Marakesch ist.

Haben Sie hier weitergehende Informationen was die Zuschalgstoffe betrifft?

Forschung würde ich mein vorhaben nicht beschreiben. Sagen wir einfach Spaß am experimentieren.

Viele Grüße
Hans
Vielleicht ist hier guter Rat teuer
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| 08.06.06

warum so teuer?


Hallo Herr Moser sollten sie zufällig auf www.nativerooms.de recherchiert haben, sollten sie mal Frau Mayländer fragen was es für ein Drama ist ordinären marokkanischen Tadelakt aus Marrakesch nach Deutschland zu bringen. Da drehen sie hohl wer da alles auf der Strecke die Hand aufhält.
Weiß ist keine Farbe,sondern die Abwesenheit einer solchen
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WelschWalls int. | | 08.06.06

Mit dem handaufhalten haben Sie sicherlich nicht unrecht...


Vielleicht ist hier guter Rat teuer
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| 08.06.06

Mit dem handaufhalten haben Sie sicherlich nicht unrecht...


aber 5400€ für eine Tonne halte ich dann doch für übertrieben. Ich hab bekannte die mit Import-Export in Marokko zu tun haben. Ich werd mal ein bisserl recherchieren. Vielleicht kostet es ja wirklich so viel. Allerdings meine Zweifel bleiben so lange bis ich mich selber davon überzeugt habe.

Nun denn. Wenn es was neues gibt, werde ich berichten.

Gibts denn sonst niemanden hier, der schon mal Eigenversuche gemacht hat?

Viele Grüße
Hans
Vielleicht ist hier guter Rat teuer
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| 08.06.06

Tadelakt-Bilder aus der Bilddatenbank: