Steinmauer aus Nachtspeicheröfen in Mietwohnung

Hallo

Ich bin Mieter in einer Wohnung in der früher Nachtspeicheröfen verbaut waren, diese wurden entfernt und vor meinem Einzug vom Vermieter entsorgt. Aber...
Laut Aussage der Vermieters wurde dies durch einen Fachmann gemacht, zerlegt und entsorgt. Die Asbest-Röhrchen und weiße Wolle wurde entsorgt und die Steine im Garten verbaut.

Es wurde eine Mauer errichtet, an der sich mein Sohn festhalten muss, um die Treppe zur Whg hinunter zu steigen (er ist erst 3 Jahre alt)

Angeblich seien die Steine NICHT giftig und der Fachmann würde diese Steine auf auf öffentlichen Plätzen wie zB einem Sportplatz als Randstein verwendet

Ich sorge mich sehr, der Vermieter stellt mich als paranoid da, ich solle doch ein Gutachten einholen...

Will auf meine Kosten nichts machen, weder Gutachter noch Mauer erneuern, denn es ist nur eine Mietwohnung und nicht mein Eigentum

Kann mir jemand helfen und mir sagen, ob es wirklich ungefährlich ist, wenn mein Sohn sich an der Mauer festhält, oder ob meine Sorgen berechtigt ist

Von wann die Nachtspeicheröfen waren, weiß ich nicht, kann also nicht sagen, welcher Norm sie entsprachen. Alle Informationen die ich habe, habe ich vom Vermieter.


Stefanie | 14.04.15

Ich


würde sagen die Sache ist ganz einfach. Sind die Steine asbestbelastet, ist der "Fachmann" rein rechtlich in des Teufels Küche. Wenn nicht, ist alles in Ordnung.

Mir erscheint es reichlich zweifelhaft, dass die Steine absolut nicht asbestbelastet sein sollen, aber zumindest über bisherige(!) Belastung würde ich mir bei Verwendung im Freien kein allzu großes Kopfzerbrechen machen. Eine Analyse scheint mir aber sinnvoll, alleine schon um einem potenziellen gefährlichen Pfuscher das Handwerk legen zu können.

Nachtrag: es ist die Rede von "Asbest-Röhrchen". Dabei dürfte es sich dann um die zweite Generation Nachtspeicheröfen handeln, bei denen nur mehr sehr eingeschränkt Asbest verwendet wurde. Daher erscheint mir eine Asbestbelastung der Steine wenig wahrscheinlich, ich kenne mich aber nicht gut genug aus, um sie kategorisch auszuschließen. Wie es mit an den Steinen haftenden lungengängigen Glaswollfasern aussieht weiß ich nicht. Allerdings halte ich auch hier die Gefährdung im Freien für weit geringer als in Innenräumen.
Des woa scho immer so!
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 14.04.15

Fachfirma prüfen:


dann sprech doch mal mir den Beamten vom Gewerbeamt, die reagieren schon, wenn da etwas im Argen liegt.
Das erste Haus baue man für einen Feind, das 2. für einen Freund und erst das 3. für sich selber !
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 14.04.15

Die Entsorgungsmethoden von Nachtspeicheröfen


und Asbest allgemein sind genau geregelt (Stichwort TRGS 519) und werden vom Gewerbeamt penibel überwacht. Natürlich wird nicht jede einzelne Baustelle besucht - aber es gibt eine Meldepflicht und die Kontrollen werden meiner Erfahrung nach konsequent durchgeführt.
Wenn der Fachmann also ein zugelassener Entsorger war, kann man prinzipiell schon mal davon ausgehen, daß er sich an die Regeln hält - es steht immerhin seine Lizenz auf dem Spiel. Im Konkreten kann natürlich immer Pfusch getrieben werden.

Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich berichten:
Nachtspeicheröfen sind zu 95% ganz normale und schwere Steine. Der Rest ist Metall, Dämmstoff, ein paar Heizdrähte und etwas Asbest. Asbest wird als Abstandshalter der Heizdrähte und zum Schutz der Regelelektrik vor der Wärme verwendet. Die eigentliche Menge ist recht gering.
Kritisch wird es jedoch weil sich die gefährlichen lungengängigen Fasern lösen und in der Umgebung nach Belieben verteilen können. Sie haften also an den Bauteiloberflächen im Ofen und wurden mit dem Gebläse im normalen Betrieb in alle Himmelsrichtungen im Raum verteilt.


Der Abruch des Ofens wird unter der Maßgabe gemacht, durch die mechanische Einwirkung keine zusätzlichen Fasern freizusetzen.
Dazu gibt es genau 3 Dinge.
1) Abschottung mit Unterdruck
2) Staubsauger
3) Bindemittel

Der Ofen wird i.d.R.vom Raum abgeschottet(Folienzelt) und das Zelt mit einem zugelassenen(!) Staubsauer unter Unterdruck gesetzt. So kann wärend des Abbruches kein Staub in den Aufstellraum freigesetzt werden. Bei der Demontage wird das Asbest und der kontaminierte Dämmstoff separiert und luftdicht verpackt. Alle anderen festen Materialien werden mittels Staubsauger penibelst von allem anhaftenden Staub befreit und optional mit einem Bindemittel besprüht welches evtl. anhaftenden Reststäube fest bindet. Die Steine sind hinterher garantiert sauberer als beim Einbau. Abwaschen mit Wasser gänge auch - die Sauerei will man aber nicht in der Stube haben. Alle Materialien werden durch eine Schleuse im Zelt nach aussen gereicht und der leere Arbeitsplatz (Ofen weg) nochmal penibel gereinigt. Der Arbeiter reinigt sich zum Schluß selber und lässt seinen Einwegschutzanzug im Zelt. Nachdem er es verlassen hat, wird das Zelt mittels Unterdruck zusammengesaugt und ebenfalls luftdicht eingepackt.
Zelt, Asbest und Dämmstoff werden auf der Sondermülldeponie entsorgt. Der Rest ist normaler Abfall - oder eben wieder Rohstoff. Die gereinigten Steine aus den Öfen werden meiner Erfahrung nach sehr gerne zur Weiterverwendung von den Besitzen behalten.

Asbestfasern sind mikroskopisch klein und nicht sichtbar. Sie sind sehr leicht flüchtig (Luftzug) und krallen sich nicht auf irgendwelchen Oberflächen fest wo sie dann womöglich ewig haften bleiben. Es gibt eine maximal zulässige Konzentration von Fasern in der Raumluft, welche von Prüfstellen gemessen werden kann. Oberflächenproben sind ebenfalls möglich. Das kostet halt ein paar Mark... Sie können gerne beim Gewerbeamt Ihre Befürchtungen äussern. Aber nur eine konkrete Messung kann hier Gewissheit bringen.

Ich würde mir eher mehr Sorgen z.B: über die Qualität des Kitaessen oder des Fleisches beim Discounter machen als über die Wiederverwendung der Steine.
anders als die anderen
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 15.04.15