Sanierungsfahrplan BAFA und Amortisationszeiten

Hallo Zusammen,

Ich freue mich sehr, dieses Forum gefunden zu haben und hoffe interessante Anregungen zu bekommen.

Wir haben ein Siedlungshaus aus den 40er gekauft und wollen es kernsanieren. Das Haus besteht aus einem klassischen eingeschossigen Siedlungshaus aus den 40er mit einem Anbau aus den spät 60er. Hier sind die Eckdaten

Haupthaus: Grundfläche 9,5mx7m. Außenwände: einschalig ca. 25cm, Holzfenster: mit Isoglas aus den 70er, Teilunterkellert, Kellersohle auf Erdreich, Haussohle aus Balkenlage mit Kriechkeller. Dach: Steildach mit Sparren (14cm tief), durchgehende Dachschalung. 1.OG ungedämmt. Spitzdach Gedämmt mit Glaswolle und Alukaschierung. Keine Dampfbremse. Heizung: Niedertemperatur-Heizkessel 2009, Öl-betrieben. Schornstein durchgesottet.

Anbau: Grundfläche 4x5m. Außenwände: zweischalig 30cm mit 4cm Styropor-Zwischendämmung. Fenster: Holz mit Isoglas (4x2m). Dach: Betonflachdach (Isolierung nicht bekannt), zZ undicht an der Fuge zum Haus.

Ein BAFA Energieberater hat in Rahmen einer „Vor Ort“ Beratung Sanierungsvorschläge gemacht. Damit würden den Energiebedarf von 361kWh/(m2a) (Klasse G) auf 86kWh/(m2a) (Klasse C) und den Primärenergiebedarf 401 kWh/(m2a) (Klasse H) auf 98 kWh/(m2a) (Klasse C) verbessern. Problematisch sind aber die Amortisationszeiten der Maßnahmen:
*Außendämmung 16cm WDVS: 22J.
*Fenstertausch: 40J.
*Dachdämmung: 70J (bei einer Lebensdauer von 30J)
*Fussbodendämmung: 40J (bei einer Lebensdauer von 30J)
*Neue Heizung: 38J (bei einer Lebensdauer von 20J)
*Einbau einer dezentralen Lüftung: 1100J (Eintausendeinhundertjahre bei einer Lebensdauer von 25J)

Ich habe von langen Amortisationszeiten gehört. Aber sowas? Diese widersprechen diese alles was ist zu Dämmung von schlechtgedämmten Häusern gelesen habe. Insbesondere bei alten Häuser sollte sich die Sanierung schnell amortisieren. Bspw in diese Studie wird errechnet, dass die energetische Sanierung eines Hauses aus den 60er in 5-12 Jahre, je nach Sanierungsstandard amortisiert(GDI Studie 2015 Seite 33: http://www.fiw-muenchen.de/media/pdf/wirtschaftlichkeit_daemmung_gdi_studie_2015_online.pdf).
Nun zur Frage… Sind die o.g. Zeiten realistisch oder hat sich der Energieberater 3x abgesichert?
An welche Anortisationszahlen sollte man sich eher orientiern?

Viele Grüße

Trala-la

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 13.01.17

Sanierungsfahrplan und Amortisation


Unabhängig von Amortisationsüberlegungen müßten substanzsichernde Maßnahmen zuerst erfolgen.

Wenn ohne Dämmung ein komfortables Wohnen nicht möglich ist oder Kondensat auftritt muß auch gedämmt werden.

Wenn Süd- oder Westfenster zu Überhitzung führen, oder kein Einbruchschutz gegeben ist oder es ständig durch undichte Fugen zieht muß auch etwas getan werden-unabhängig von der Amortisation.

Die Kosten können bei Eigenleistung, rationeller Konstruktion und günstigem Materialeinkauf drastisch reduziert werden.

Die Kosten hängen ohnehin auch vom gestalterischen und ökologischen Anspruch ab,
wobei ökologische Materialien auch günstiger als konventionelle sein können.

Wie sich Energiepreise entwickeln kann niemand vorhersagen-
davon hängen Amortisationsberechnungen auch wesentlich ab.

Welche Maßnahmen bautechnisch und energetisch sinnvoll sind müßte genau ermittelt und besprochen werden- pauschal läßt sich das nicht
sagen.

Andreas Teich

Dämmung


Die Nutzungsdauer einiger Bauteile wie z.B. Dämmung in Dach und Fußboden sind völlig aus der Luft gegriffen. Ich vermute das Ihr Energieberater diese Zahlen über ein Rechenprogramm erhalten hat als er ein paar Eckdaten Ihres Hauses hat durchlaufen lassen. So etwas ist eine gute Hilfe bei der Bewertung, mehr nicht. Ohne eigene Erfahrungen, Kenntnisse und seinem gesunden Menschenverstand sind solche Ergebnisse nichts wert. Erst die Interpretation durch einen Fachmann wird zu einer realistischen Einschätzung führen.
Der erste Fehler der bei solchen Berechnungen immer gemacht wird ist die Vernachlässigung der normalen bauteilbezogenen Modernisierungszyklen. Wenn ich den Außenputz ohnehin erneuern muß kann ich in dem Zusammenhang eine energetische Sanierung der Außenhülle einbeziehen. Ähnliches gilt für die Fenster und die Heizung.
Ich empfehle Ihnen den Energieberater zu wechseln.

http://ingenieurbüro-böttcher-asl.de/mediapool/88/885822/data/Waermedaemmung_ja-nein.pdf
Immer vorher Gehirn einschalten
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 14.01.17

andere Rechnung


Was ist das Haus mit dem aktuellen Zustand und Wohnkomfort wert vs. was wäre es mit einem zeitgemässen Wohnkomfort wert.

Ich hoffe natürlich, dass das Haus günstig genug war und damit preislich noch Luft für Verbesserungen hat.

Außenwände: einschalig ca. 25cm

In anderen Worten, schlecht gedämmt. WDVS oder andere Aussendämmung ratsam.

Holzfenster: mit Isoglas aus den 70er

Wenn man die nicht unbeträchtlichen Kosten für neues Streichen mitrechnet, sieht die Amortisation für neue Fenster anders aus. Am besten zeitgleich mit der Aussendämmung.

Haussohle aus Balkenlage mit Kriechkeller

Ist das irgendwie gedämmt ?

Dach: Steildach mit Sparren (14cm tief), durchgehende Dachschalung. 1.OG ungedämmt. Spitzdach Gedämmt mit Glaswolle und Alukaschierung. Keine Dampfbremse.

In anderen Worten, im Sommer wird man gebraten, und im Winter gut gekühlt.

Heizung: Niedertemperatur-Heizkessel 2009, Öl-betrieben.

Würde ich erst mal lassen.

Schornstein durchgesottet.

Metallrohr einziehen ? Wenn möglich so konzipieren dass man auch andere Heizsysteme (z.B. Pellets) damit betreiben kann.
Ich habe einen einfachen Geschmack - ich bin mit dem möglichen zufrieden. (frei nach Oscar Wilde)
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| 15.01.17

Sinnvolle Schritte für Sanierung


Erstmals vielen Dank für die Antworte. Ich werde euch frecher Weise unter dem Deckmantel der Internet-Lockerheit duzen. Ich hoffe, dass es OK ist.

@ Andreas:
Uns ist natürlich klar, dass Sanierungsmaßnahmen in erster Linie zur Erhalt der Bausubstanz notwendig sind... erst dann um die Reduktion des Energieverbrauch und Komforterhöhung. Uns war jedoch nicht klar wie wir die Prioritäten setzen sollten. Nachdem wir die Amortisationsdauer bekommen haben, ist es klar geworden: Komfort geht vor einer REINEN Energiekostenreduktion.

@Georg:
Vielen Dank für den Link zur PDF-Datei. Du sprichst da von einem fiktiven kaum noch zu findendem Haus, welches über eine schlechte Dämmung, Überflüssige Schornsteinzüge usw. verfügt. Das Haus ist fast genau unseres. Dein Bericht bestätigt viele Vermutungen die wir hatten und vor allem, dass die reine Energiekostenreduzierung-getriebene Sanierung nicht sinnvoll ist. Danke schön!

@ yogumon:
Kriechkeller hat keine Dämmung nur Luftschicht
Schornstein ist laut Schornsteinfeger hin. Müsste neu gebaut werden. Alternative: Neue Heizung.
Dach und Außenwanddämmen ist budgetmäßig leider nicht drin. Ein von beide muss in ein paar Jahren gemacht werden.

Bei unserem Haus kann man von sehr schlechte Dämmung ausgehen. Der Energieberater ermittelte folgende U-Werte: Außenwand: 2,2 – Fenster: zwischen 3,7 und 5,2 – Haustür: 4,8 – Bodenplatte: 1,2 – Dach: 1,4

Sein Bericht nach müssten wir folgende Reihenfolge einhalten:
Fenster und Außentür >> Außenwände >> Fußboden >> Dach >> Heizung

Aufgrund des begrenzten Budgets, können wir nicht alle Maßnahmen auf einem Schlag realisieren. Wir werden sie nach und nach machen können. Auf einer Sanierungsmesse (gestern) haben wir uns mit zahlreiche Dachdecker, Fensterbauer sowie Lüftung- und Dämmspezialisten über die Sanierungsmöglichkeiten und Reihenfolge der Maßnahmen unterhalten. Wir konnten einen Plan erstellen und nun wollte ich in die Runde Fragen ob er aufgehen könnte.

Maßnahme vor Einzug

*Dachsanierung: Das OG und Spitzdach werden als Schlafzimmer benutzt. Somit hat das Dach prio ggü Außenwand. Zwischen- und Aufsparrendämmung. Zudem Dachüberstand als Vorbereitung für Außendämmung. Dämmung nach EnEV. Laut Dachdecker: Der Aufwand KfW-Standard zu erreichen, steht nicht in Relation zu den Kosten/Förderung.

*Neue Fenster: 3-Fach Verglasung. Laut Fensterbauer: Die zusätzlichen Kosten für KfW kann man sich über die Förderung nachholen.

*Neue Gasbrennwertheizung inkl. neue Heizkörper. Der Schornstein (4 Züge) ist vollständig bis in OG versottet. Um die aktuelle Niedertemperatur-Heizung von 2009 zu behalten müssten wir den Schornstein sanieren. Die Heizung müsste zudem in den Keller und der massive Schornstein außerdem steht im Weg. Die Kosten für den Umbau und Sanierung übertreffen die Neuanschaffung.

*Zentrale Lüftungssystem: Durch die Erneuerung der Fenster wird die Feuchtigkeit in das (noch) ungedämmte Außenwand kondensieren und zu Schimmelbildung führen. Ein konsequentes manuelles Lüften (mehrmals am Tag) wird wegen der Arbeitssituation schwierig/unmöglich. Da das Haus entkernt wird ist die Verlegung der Lüftungsröhre unproblematisch. Die Lüftung sorgt für Feuchtigkeitsregulierung und herausfiltern von Sporen.

*Fußboden: Irgendwelche Dämmplatten zwischen Estrich und Holzbodenbelag (unklar wie und was)

Erst in ein paar Jahren:
*Außendämmung: Wahrscheinlich Multipor o.ä.

*Fußboden von unten: Dämmung des Kriechkellers von unten.

Was meint ihr zu der Reihenfolge?
Könnte man so den Weg zu einer schritt Weise Sanierung bauen?

Viele Grüße,

Claudio

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 22.01.17

Wäre ein Neubau die Alternative???


Mal überlegen ob unter dem Strich ein Abbruch und Neubau nicht billiger ist und im Endergebnis ein besserer Wert dasteht (wenn es mal wieder verkauft werden soll)??

Ich habe ein Haus aus den 60gern mit Anbau aus den 70gern umgebaut. Hab mich gegen die Familie durchgesetzt, weil ich es aus emotionalen Gründen erhalten wollte.

Finanziell und arbeitsmäßig hätte ich bei einem Neubau nicht schlechter dagestanden.

Viel Erfolg wünscht
Heinz-Josef
Kleines Fachwerkdorf
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 23.01.17

Siedlungshaus 1940 Abriß???


Siedlungshaus 1940       Abriß???Ein Abriß wird wohl kaum in Frage kommen-
vor allem weil bei dabei sofort die Abrißkosten und zusätzlich Planungs- und Neubaukosten anfallen sowie ggf Mietzahlungen bis zur Fertigstellung.
Das wird nur in den allerseltensten Fällen Sinn machen allenfalls wenn die Standfestigkeit stark gefährdet ist, ein Gebäude sehr lange unbewohnt war, erhebliche sonstige Schäden, ggf Schadstoffbelastungen im Untergrund vorliegen etc.
Völlig vernachlässigte Fachwerkgebäude sind in der Hinsicht sicher gefährdeter als ein altes Ziegel- oder Natursteinbauwerk.

Wir bieten gerade ein genau so altes "Siedlungshaus in Glödnitz/Kärnten" an,(unter dem Stichwort findet man auch Bilder- Bj 1940, 120 qm/ 1405 qm, 95.000 €), da wird sicher niemand auf die Idee kommen es abzureißen- allerdings wurden vor 20 Jahren schon Sanierungsarbeiten vorgenommen und es hat 40 cm dicke Wände aus Schlackestein, die gut dämmen.
Die Bauausführung ist doch sehr regionsabhängig.
Hast du Fotos zum Vergleich von deinem Gebäude ?

Bei dir sind sicher zumindest die Wände, Decken, Dachkonstruktion etc noch langfristig verwendbar- Dämmung kann gut nachträglich angebracht werden. Für die Außendämmung gibt's ökologische Varianten mit denen auch kostengünstig Passivhausniveau erreicht werden kann und die sich
auch für Selbstbau eignen.
Fenster können ohnehin immer ausgetauscht werden, wenn entsprechende Voraussetzungen beachtet und die Einbindung in die Außendämmung geplant wird.
(der angegebene U-Wert deiner Fenster kann nur bei Einfachverglasung oder sehr schlechten Isoglasfenstern möglich sein)

Wenn vom Grundstück her die Möglichkeiten gegeben sind und bei guter Dämmung:
zur Beheizung Erdwärme überlegen, zB Stichwort 'Grabenkollektor' im www eingeben-ansonsten Bohrung.
Hierbei kann der Schornstein und Wasserspeicher entfallen und ggf Photovoltaik sinnvoll sein. Wärmeverteilung muß dabei geändert werden.
Wenn der Schornstein komplett saniert werden muß kann statt dessen ein Abriß des alten und Einbau eines neuen sinnvoller sein.
Evt ist der Einbau eines Fertigschornsteines möglich wie bei Neubauten. Es gibt auch solche mit integrierten Lüftungszügen für den Anschluß an die Gebäudelüftungsanlage.

Versuche doch die Heizölverbräuche der letzten Jahre zu ermitteln-
evt beim Lieferanten nachfragen. Die hängen auch sehr von den Heizgewohnheiten ab- trotzdem weichen reale Verbräuche häufig stark von den berechneten ab.
Dabei relativiert sich mancher Dämmaufwand, wenn dieser nicht auch technisch notwendig ist.

Wurde beim Kaufpreis der Sanierungsaufwand berücksichtigt und gab es ein Gutachten zu Wertermittlung?

Andreas Teich

Energieplanung


Wie ist der Energieberater auf diese - eher abschreckenden - u-Werte gekommen ? Für eine 24 cm Wand mit einem u-Wert von 2.2 bräuchte man Vollklinker, mit normalen Vollziegeln würde es schon besser aussehen. Auch alte Isolierfenster sollten besser dastehen. Er scheint auch die Kosten-Nutzen-Rechnung bei seiner Prioritätenliste zu vernachlässigen, z.B. auch wenn die Haustüre schlecht ist, rechnet sich der Ersatz unter Umständen nicht so schnell weil eine gute neue Tür teuer ist.

Muss das Haus am Schluss "konventionell" aussehen ? Wenn das Geld knapp ist, aber Zeit für Eigenleistung vorhanden ist, könnte man von aussen eine Dämmung auf der Basis von Holzflex zwischen einem Kreuzrost anbringen, davor Holzweichfaserplatten als Abschluss und eine hinterlüftete Holzschalung oder sonstige Fassade. Mit 8 cm Holzflex + 8 cm Holzflex + 4..6 cm Holzweichfaser bekommt man einen respektablen Dämmwert. Das würde aus meiner Sicht mehr bringen pro Euro als eine zentrale Lüftung.

Die Fenster werden in diesem Fall am besten aussen angeschlagen, damit keine Wärmebrücken entstehen. Das wäre auch eine Gelegenheit, dem Haus etwas mehr Licht zu geben - den normalen Mauerwerkanschlag braucht man so nicht mehr.

Beim Dach sollte man auch die Installationsebene unter den Sparren ausdämmen, z.B. Untersparrenfilz WLG 032. Eine Traglattung für die raumseitige Verkleidung braucht es sowieso, warum wertvolle cm verschwenden ?

Könnte man den Schornstein mit einem Stahlrohr noch "ein paar Jahre retten" ? Ansonsten kann man natürlich auch den alten Schornstein abbrechen, und durch einen neuen Systemschacht ersetzen.

Warum braucht es neue Heizkörper ?

Zur Planung bitte eine gute Bestandsaufnahme machen. Was sind die bestehenden Aufbauten und Flächen ? Dann kann man mit u-wert.net die Dämmwerte von Bestand und möglichen Aufbauten abschätzen, und die Heizlast / Jahresverbrauch abschätzen.
Ich habe einen einfachen Geschmack - ich bin mit dem möglichen zufrieden. (frei nach Oscar Wilde)
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 24.01.17

Der Energieberater


hatte anhand der Amortisationszeiten bestimmt ein Aha-Erlebnis und hat im direkten Anschluss sein Büro dichtgemacht.


Methusalem | 24.01.17


Vielen Dank für die rege und informative Diskussion! Ich sehe, dass ich im Forum richtig gelandet bin.

Ein Abriss kommt wie Andreas sagt, überhaupt nicht in Frage. Die Bausubstanz ist eigentlich in gutem Zustand. Nur energetisch gesehen ist viel zu tun. Zudem hat das alte Siedlungshaus ein schönes etwas, was Neubauten unsere Meinung nach nicht haben. Zudem ein Neubau wird bei den geplannten Sanierungskosten niemals günstiger sein. Der Zustand des Hauses wurde vom Architekt geprüft und eine Kostenaufstellung für die Sanierung gemacht. Ein richtiges Gutachten gab es nicht. Das Haus war preislich die Gegend entsprechend. Also kein Schnäppchen aber auch nicht teuer. Sanierungspolster wurde genug berechnet. Wir möchten aber nicht das ganze Geld in energetische Sanierung ausgeben, sondern wollen auch Komfort und shöne Ausstattung usw. haben. Was bringt ein Haus mit Außenhülle nach Passivhausstandard, dass innen als Dauerbaustelle aus Kostengründe bleiben muss? Aber nun zurück zur Thema.

Der Ölverbrauch können wir ermitteln. Der wird uns jedoch nicht weiter bringen, um den Zustand des Hauses zu ermitteln. Das komplette EG ist mit Styropor-Gipskarton von innen gedämmt. Das OG „Fleckenweise“ mit Glaswolle und das Spitzdach mit 6cm Steinwolle gedämmt (Zustand: Schlecht). Das ganze Zeugs kommt raus und somit wird der Energieverbrauch aus der Vergangenheit nicht mehr verwendbar.

Im Bauantrag habe ich gefunden, dass das Mauerwerk aus „Meurin-Vollblockstein 25cm“ gebaut wurde. Auf eine Anfrage, schrieb der Hersteller zurück: „Erfahrungsgemäß ist es aber bei diesem älteren Mauerwerk aus haufwerksporigem Leichtbeton hinreichend genau, die Angaben zur Wärmeleitfähigkeit in Abhängigkeit der Steinrohdichteklasse aus DIN 4108-4 zu entnehmen.“ Also zum Glück kein „Vollklinker“ mit 2,2 U-Wert! Wenn ich die Norm richtig verstehe haben wir im schlechtestem Fall einen U-Wert von 1,4 W/m2K (Link zur Norm steht unten). Habe ich die richtig interpretiert? Welcher Wert könnte der Stein wachrscheinlich haben?

Die neue Heizung benötigt laut Schornsteinfeger und Heizungsbauer keinen Schornstein, sondern lediglich ein doppelwandiges Rohr für Zu- und Abluft. Somit ist zum Glück das Abreißen des alten Schornsteins geklärt. Die Heizkörper sind ALLE unterschiedlich und laut Heizungsbauer in schlechtem Zustand und mit der neuen Heizung nicht technisch kompatibel.

@ Andreas: In deinem PDF schreibst du, dass die ersten cm Dämmung verhältnismässig die größten Ersparnisse bringen. Mach natürlich Sinn. Auf dieser Basis haben wir entschieden die Reihenfolge der Maßnahme angepasst. Wir werden weniger Dach dämmen (erstmals) dafür die Außenwand. So haben wir überall etwas gedämmt. Das Dach lässt sich gut in 2 Schritten machen.

• Dach: Nur Zwischensparrendämmung. Dachüberstand für die Außendämmung und Öffnung des abgerissenen Schornsteins flicken. Die Aufsparrendämmung und Neudeckung verschieben wir in die Zukunft. Insgesamt nur EnEv Standard.
• Außendämmung: Wird nun gemacht. Laut E-Berater sollte der Unterschied von EnEV zu KfW von der Förderung gedeckt sein. Mal gucken was die Angebote sagen.
• Fenster: 3x Verglasung
• Lüftung: nur Verlegung der Röhre, da die Decken und Böden offen sein werden. Gerät wird nachträglich eingebaut.
• Boden: Laut Nachbarin wurde der Kriechkeller zu betoniert. Unklar ist ob er mit Sand oder Schutt vorher gefüllt. Wenn ja einige cm PUR-Dämmung über dem Estrich.

Jetzt mache ich mich auf der Arbeit den U-Wert für die Außen und Dachdämmung zu rechnen und mich mit Dämmstoffe zu beschäftigen. Hierfür wäre sehr hilfreich, wenn jemand was zu den Steinen sagen könnte.

Danke nochmals für die Diskussion!

Claudio

Link zur Norm: http://www.bau-medien-zentrum.de/PrInFoO/downloads/KLuBWissensDatenbank/Kennwerte_nach_DIN_V_4108-4.pdf

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 25.01.17

Dämmung


Wenn das Erdgeschoss mit Rigitherm innen gedämmt wurde sollten Sie zuerst prüfen ob die Montage fachgerecht erfolgte. Das wäre das vollflächige Aufkleben der Platten auf den vorhandenen Innenputz, Laibungsdämmplatten an den Fenstern und Übergangsplatten an einbindenden Innenwänden und der Decke.
Wichtig ist das Anbringen, es dürfen keine Hohlräume hinter den Platten vorhanden sein die mit der Raumluft kommunizieren.
Diese Innendämmung empfehle ich Ihnen NICHT abzubrechen sondern bei Bedarf nachzuarbeiten. Das spart schon mal Geld. In Verbindung mit dem Wandmaterial halte ich die Dämmwirkung hinsichtlich der Wandflächentemperatur innen für ausreichend denn schon 20 mm PS als Kaschierung der GK bringen eine erhebliche Verbesserung der Dämmwirkung. Die Außendämmung fällt damit flach, das spart auch noch mal richtig viel Geld. Die paar m² Außenwandfläche bringen relativ wenig Einsparung an Heizenergie, selbst wenn Sie auf unter 0,24 herunterdämmen. Außerdem kriegen Sie bei diesem Sparrendach erhebliche konstruktive Probleme mit dem Dachüberstand, dazu bei den beiden kleinen Vordächern und dem Wintergarten und die Dachentwässerung müsste angepasst werden. Praktisch gesehen müsste das gesamte Dach neu gedeckt und das Tragwerk überarbeitet werden.
Der Putz sieht insgesamt noch gut aus, jedenfalls den Fotos nach zu urteilen, also warum mit WDVS überbauen.
Der Vorschlag zur Außendämmung ist eine typische Fehlberatung die sich wirtschaftlich nie trägt und erhebliche Kosten verursacht.
Ob der Schornstein neu aufgebaut werden muß bezweifle ich bei dem Baujahr. Er wird versottet sein, das heißt aber nicht abbrechen. Eine Verrohrung kostet nur einen Bruchteil(falls sie nicht schon erfolgt ist) und zieht keine Folgekosten nach sich da die Wohnräume unberührt bleiben. Die Versottung kann man bei der Renovierung der Räume so kaschieren das sie nicht stört.
Damit reduzieren sich die energetischen Maßnahmen auf folgenden Umfang:
Dämmung Dachschrägen neu,
Giebelwände Innendämmung mit Rigitherm,
neue Fenster und Türen (keine Dreifachverglasung erforderlich),
Dämmung EG Fußboden (wie- das geht nur nach Überprüfung vor Ort)
Heizung belassen, aufarbeiten (hydraulischer Abgleich, neue Umwälzpumpe, bei Bedarf neuer Speicher).
Vergessen Sie das mit der zentralen Lüftungsanlage, zu teuer in der Anschaffung und vor allem in der Wartung. In einen Altbau nur mit hohem Aufwand integrierbar. Billiger ist eine dezentrale raumweise Lüftung mit Wärmerückgewinnung in WZ, KiZ und SZ. Dafür werden kleine kompakte Geräte in die Wand oder den Fensterrahmen eingelassen. Zwangslüftung in Küche und Bad durch Ablufthaube und einfachen Wandlüfter ohne Wärmetauscher aber Zuluftöffnung im Bad.

Schönen Gruß an Ihren "Energieberater" und den geschäftstüchtigen Heizungsbauer.
Immer vorher Gehirn einschalten
Mitglied der Fachwerk.de Community
Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 25.01.17

Heizkörperwechsel


Hat Ihnen der Heizungsbauer genauer erklärt, warum die HK technisch nicht mit dem neuen Wärmeerzeuger (ich vermute Gasbrennwerttherme?) kompatibel sein sollen? Wie alt sind diese und gibt es ein Foto von einem? Der Tausch der HK würde den Auftrag ja um einiges vergrößern (aus Sicht des HB).
Leben ist das was passiert, während Du eifrig dabei bist andere Pläne zu machen. (J. Lennon)
Mitglied der Fachwerk.de Community
| 25.01.17