Innendämmung bei Gefachen auf Regenseite mit Holzfaser

Hallo,

der Ausbau meiner (ehemaligen) Scheune geht voran, allerdings etwas langsam.

Die Gefache auf der Wetterseite der Scheune wurden vor über 10 Jahren mit 50mm Heraklith C zugemacht und verputzt.

Ich habe gar nichts gegen Heraklith - im Gegenteil, ich arbeite selbst seit längerer Zeit gerne damit. Allerdings haben die Gefache etwas Ritzen und sind auch nicht gedämmt. Die beiden Räume drinnen sind Bad und Küche.

Mein Plan war nun, die Ritzen mit Stopfhanf zuzumachen und dann von innen an die Heraklith-Platten entweder Homatherm, Thermohanf, Steico Flex oder eine sonstige Holzfaser-Platte in 60mm mit Claytec-Lehmkleber zu kleben. Innen wird dann mit Lehmputz verputzt.

Soweit okay oder gibt es Bedenken? Ich gehe davon aus, dass auch bei Schlagregen das Ganze wieder ordentlich trocknen kann, da alles diffusionsoffen ist und die Feuchte in beide Richtungen abgegeben werden kann.

Bevor ich allerdings die Platten für Innen bestelle, freue ich mich über Hinweise.

Danke und Gruß,
Micha
Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.
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| 14.10.16

Innendämmung


Ist das Heraklith außen verbaut?
Was für Füllungen sind in den Fächern?
Wieso gibt es "Ritzen"?
Wie sehen die aus, wo liegen die?
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 15.10.16


Hallo Herr Böttcher,

anbei zwei Fotos, eines von außen, eines von innen. Die Heraklith-Platten befinden sich zwischen den Balken, die das Gefache bilden. Weitere Füllungen gibt es dort nicht.

Der Putz, der von außen auf die Heraklith Platten (ich denke, es sind die 35er) aufgebracht wurde, scheint mir ein zementhaltiger Leichtputz zu sein. Schade, mir wäre hydraulischer Kalk oder Lehm lieber gewesen.

Die Ritzen (auf dem einen Bild als durchscheinendes Licht gut sichbar) rühren daher, dass die Heraklith Platten nicht exakt an den Balken anliegen.

Sinnvoll wäre es, das Ganze zu entfernen und die Gefache entweder mit Lehmsteinen oder gebrannten Steinen und Kalkmörtel auszumauern. Das lässt allerdings der Zeit- und der Kostenrahmen nicht zu. Da die ganze Konstruktion seit 13 Jahren so besteht (nicht von mir erstellt), gehe ich davon aus, dass ich auch damit noch 20 weitere Jahre zurecht komme.
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| 15.10.16


2. Bild
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| 15.10.16

Gefachausmauerung


Ungewöhnlicher Fall.
Normalerweise sollte Sichtfachwerk nur bei geringer Wetterbelastung ausgeführt werden. Da hier eine ungeheizte, gut gelüftete Scheune vorhanden ist kann sich nach dem Ausbau als Wohnraum die Feuchtebelastung der Wand radikal ändern. Das sollte beachtet werden.
Vorausgesetzt die Wetterexposition spielt hier keine Rolle schlage ich folgendes vor:
Die restliche Fläche in den Gefachen muß von innen mit einem schweren, schalldämmenden Material aufgefüllt werden. Was- das hängt von der zur Verfügung stehenden Breite ab. Möglich wären z.B.NF- Ziegel hochkant vermauert. Vorher die Lücken zwischen Heraklith und Holz mit Putzmörtel abspachteln, dann eine Holzleiste umlaufend an das Heraklith setzen. Die Ziegel werden mit Kalkzementmörtel vermauert und dabei bündig sowie hohlraumfrei an das Heraklith geklebt. Die Wand wird dann vollflächig mit armiertem Putz bekleidet.
Danach eine Innendämmung auf der Basis von Holzfaserdämmplatten oder Heraklith in Kombination mit einer Wandheizung einbauen.
Alternative:
Auf die ausgemauerte Wand Udireco von Unger Diffutherm aufbringen, darauf eine Wandheizung.
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 15.10.16


Hallo Herr Böttcher,

vielen Dank für die rasche Antwort. Ihr Hinweis auf die sich ändernden "klimatischen" Verhältnisse bei der Umnutzung haben mich nachdenken lassen. Bislang war die steife Platte im relativ flexiblen Fachwerk wohl kein Problem - innen wie außen herrschten gleiche Temperaturen und Luftfeuchtigkeit.

Da die zwei Zimmer aber gerade Küche und Bad werden, ist davon auszugehen, dass die steife, mit zementhaltigem Putz versehene Heraklith Platte den Bewegungen der Balken nicht nachfolgen wird. Zumal im Winter, wenn die Temperaturunterschiede groß sind.

Es wäre sicher das Beste, die Gefache auszuräumen und neu aufzubauen, aber wie bereits geschrieben, bekomme ich das nicht hin. Die Frage, die sich mir nun stellt ist, ob ich die innere Schicht aus Ziegeln (ich würde Lehmfaser-Ziegel nehmen), an die Heraklith Platten mechanisch koppeln soll. Ich befürchte, das könnte Risse geben. Mir schwebt eine "Gleitschicht", d.h. eine mechanische Trennung, die aber kapillar wirksam bleibt, vor, z.B. durch Jute-Gewebe. Hat das einmal jemand probiert?

Grüße,
Micha
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Mitglied der Fachwerk.de Community
| 15.10.16

Fachwerksanierung


Ihr Denkansatz ist falsch.
Die Heraklithplatte ist wie jede andere Ausmauerung Bewegungen unterworfen, deshalb ist die Fuge zum Holz nicht dicht zu bekommen. Ich glaube das Heraklith dabei noch flexibler ist als andere Wandbildner.
Darum geht es aber nicht, mit den offenen Fugen muß jeder der in einem Haus mit Sichtfachwerk lebt zurechtkommen. Deshalb schrieb ist etwas von Wetterexposition. Für eine Stelle wo der Wind pfeift und der Regen waagerecht gegen die Fassade trommelt ist Sichtfachwerk eben nicht geeignet.
Die Luftdichtigkeitsebene wird durch den Putz gesichert, die kapillaraktive Innendämmung für die Begrenzung des Wärmeabflusses und ein kontrolliertes Feuchtemanagement. Bei moderater Dämmung oder bei einer Wandheizung wird noch genügend Wärme durchgelassen um die Konstruktion rückzutrocknen, nicht nach innen sondern nach außen.
Wenn Sie ein Bad einbauen wollen empfehle ich Ihnen für die Außenwand im Spritzwasserbereich als Innendämmung Wediplatten hohlraumfrei auf den Putz zu kleben. Die sind diffusionsdicht und überfliesbar. Ein paar m² machen dem Fachwerk was den Feuchteaustausch betrifft nichts aus.
Eine Gleitschicht ist Gaga, Sie brauchen eine möglichst homogene wenn auch mehrschichtige Ausmauerung die in sich stabil ist.
Lehmfasersteine sind Spielerei, sie bringen keine Vorteile außer das sie feuchtegefährdet sind.
Bei Schlagregenbelastung werden Sie bald braune Ablaufspuren außen finden, das ist verflüssigter Ton oder Schluff der aus den Steinen gewaschen wird.
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Ingenieurbüro Georg Böttcher | | 15.10.16

Holzfaser-Bilder aus der Bilddatenbank: