Bodenaufbau unter Grundofen

Hallo liebes Forum,
ich plane den Umbau eines Nebengebäudes (ehemaliger Schweinestall, nicht unterkellert) zu Wohnraum. Das Haus ist Baujahr 1912, massiv Ziegel. Es gibt keine Bodenplatte, das Mauerwerk reicht gut 1m tief ins Erdreich. Bisheriger Bodenaufbau einfach Ziegel auf Erde, teilweise etwas Beton, teilweise Schlacke auf Erde und darauf eine dünne Estrichschicht. In den Innenräumen ist folgender Aufbau geplant (von unten nach oben):
Erdreich
Schotter (15-20cm) als kapillarbrechende Schicht
Sauberkeitsschicht
Betonplatte armiert 12cm
Abdichtung (Schweißbahnen) mit Anschluss an die Horizontalsperre
Styrodur 2x6cm (in der unteren Lage Versorgungsleitungen)
Folie
Estrich mit Fußbodenheizung (55mm)
Oberbelag Fliesen
Probleme mit Grundwasser gibt es nicht, sehr sandiger Boden.
Eine Horizontalsperre (Teerpappe) ist bereits im Mauerwerk und scheint auch noch intakt zu sein.
Es soll ein Grundofen gebaut werden, der in der Grundfläche ca. 1,60 x 0,90m sein wird und etwa 3 Tonnen wiegt. Ich möchte ihn ungern einfach so auf den Estrich stellen, der wird bestimmt brechen, so formstabil ist Styrodur auch nicht, oder? Jetzt scheinen mir zwei Alternativen möglich:
1. Bodenaufbau bleibt so, aber um den Ofen herum kommt eine Trennfuge in den Estrich
2. Nur im Bereich des Ofens ersetze ich Styrodur und Estrich durch entsprechend starke Schaumglasplatten und der Ofen wird direkt darauf gemauert.
Hat jemand Erfahrung mit so etwas oder eine Ahnung mit was für einer Lösung ich am besten beraten bin?

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 12.12.14

Der Bodenaufbau


macht prinzipiell Sinn. Sie sollten auf jeden Fall einen Statiker zu rate ziehen, zumal Sie für die Umnutzung des Schweinestalls zu Wohnraum eine Bauantrag benötigen.

Die Bodenplatte wird eher 15cm stark sein und sollte mit dem bestehenden Mauerwerk durch Auflager (Mauerwerkstaschen) verbunden werden. Die kapillarbrechende Schicht ist unnötig. Der Grundofen als beträchtliche Einzellast (das 8-fache der üblichen Lasten im Wohnungbau) muß einzeln fundamentiert werden. Schaumglas unterhalb des Ofens ist ggf. eine notwendige Alternative, wenn das Styrodur nach Produktdatenblatt für diese Belastungen nicht ausgelegt ist. Die Estrichfuge zwischen Bodenplattendämmunungen unterschiedlicher Komprimierbarkeit ist zweckmäßig. Wenn es sich bei den Versorgungsleitungen nur um Elektroleitungen handelt, mag das angehen. Wenn es Heizungsleitungen sind oder Entwässerungsleitungen, stellen sie Wärmebrücken dar.

Die Estrichstärke über der Fussbodenheizung (Bauart A oder B) muß der DIN 18560 entsprechen, eventuell sind 55mm zu wenig. Für die FuBoHzg sollten Sie eine Heizlastberechnung anfertigen lassen, sonst ist Ihr Wohngebäude ggf. nicht ausreichend heizbar. Die FuBoHzg ist generell nur bei einem relativ hochgedämmten Gebäude sinnvoll, etwa ab KfW 70 Standard, da sie sonst mit zu hohen Vorlauftemperaturen arbeiten müssen, die physiologisch unangenehm sind.

Grundsätzlich sind Ihre Überlegungen richtig. Sie brauchen jedoch die Mitwirkung eines Statikers und eines Architekten. Zudem sollte die Frage einer möglichen Salzbelastung des Mauerwerks (Stall, Tierfäkalien) geklärt werden, die in Zusammenhang mit der notwendigen Gebäudedämmung nach EnEv steht. Das bestehende MAuerwerk mag frostfrei gegründet sein (1m unter Geländeoberkante), es muß aber auch nachweislich ausreichend fundamentiert sein, auch hinsichtlich des Ausbaus und der zusätzlichen Lasten.
... den Dingen auf den Grund gehen ...
Mitglied der Fachwerk.de Community
pickartz architektur | | 12.12.14

Bodenaufbau


Vielen Dank für die Einschätzung. Es ist bereits ein Statiker involviert, die Umnutzung habe ich natürlich auch in Zusammenarbeit mit einem Architekten geplant, der Bauantrag ist auch schon genehmigt. Es scheint immer mehrere Wahrheiten in Bezug auf fast jedes Problem am Bau zu geben, daher bin ich immer dankbar für mehrere Meinungen von Fachleuten, um guten Gewissens eine Entscheidung treffen zu können. Mein Architekt hatte z.B. gesagt, Bodenplatte auf jeden Fall 20cm, mein Statiker sagt 12 reichen...
Jetzt konkret: Warum kann ich auf eine kapillarbrechende Schicht verzichten?
Warum brauche ich Auflager?
Wieso stellen Heizungsrohre auf der Rohdecke in der unteren Dämmlage verlegt Wärmebrücken dar? Die Rohre werden natürlich isoliert verlegt. Macht man das nicht so?
Es kommen im Prinzip keine zusätzlichen Lasten hinzu, Fundament sollte kein Problem darstellen, sonst hätte der Statiker schon was gesagt.
Es gibt sicherlich Styrodur, was die Last trägt, die Frage ist wohl eher die Stauchung, die dann nur im Bereich des Ofens auftritt und dadurch der Estrich brechen würde. Schaumglas wäre da absolut formstabil, oder irre ich mich?
Die Fußbodenheizung soll im Prinzip nicht heizen sondern nur temperieren, es wird durch den Ofen warm genug. Ist eher ein Luxusproblem, der Boden soll sich warm anfühlen, Holz kommt aber nicht in Frage (ich kenne meine Familie, der Raum hat Zugang zum Garten).
Die Estrichdicke war nur eine Einschätzung von mir, ich denke der Heizungsbauer wird mir in der Planung schon die erforderliche Dicke sagen.
Die Mauerbelastung ist teilweise vorhanden (Schweinehaltung), ich dachte aber, das gehört nicht zu diesem Thema. Da scheint es ja auch noch mehr Meinungen zu geben als bei jedem anderen Thema...
Bin für jeden brauchbaren Tipp dankbar!!

Mitglied der Fachwerk.de Community
| 12.12.14

Bodenaufbau-Bilder aus der Bilddatenbank: