International Green Roof Congress: Rückschau

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Wie
entwickelt sich der Gründachmarkt weltweit? Welche Herausforderungen und welche
Risiken ergeben sich für die "grüne" Branche? Wer setzt in Zukunft die Standards
für die Dachbegrünungstechnik?



Diese Fragen standen im Mittelpunkt des "International Green
Roof Congress" am 14. und 15. September in Stuttgart-Nürtingen. 200
Kongressteilnehmer aus dem In- und Ausland nutzten die Gelegenheit, um sich aus
erster Hand über den aktuellen Stand der Dachbegrünung zu informieren. Die
letzten Jahre haben deutlich gezeigt, dass der internationale
Erfahrungsaustausch im Bereich der Umwelttechnik unverzichtbar ist. Sonst geht
wertvolle Zeit bei der Lösung der drängenden ökologischen und ökonomischen
Probleme verloren.



Den Veranstaltern des Kongresses (IGRA, DDV, BGL, ELCA, ZVDH,
FLL und B.A.U.M.) und dem Hauptsponsor ZinCo GmbH war es gelungen, ein Programm
zum Thema Dachbegrünung auf die Beine zu stellen, das in dieser Qualität und
Vielfalt noch nicht erreicht wurde. Experten aus Europa, Nordamerika und Asien
nahmen zu allen aktuellen Gründachthemen Stellung. Die Grundlage für den
intensiven Wissensaustausch wurde durch die Simultanübersetzung der Vorträge
gelegt. Denn aufgrund der Sprachbarrieren sind gerade die umfassenden
<img border="1" src="http://www.baulinks.de/webplugin/2004/i/1520-zinco1.jpg" align="right" hspace="3" vspace="3" alt="Gründach, Dachbegrünung, extensiv begrüntes Steildach, Flachdachbegrünung, Dachbegrünungsrichtlinien, Solarenergie, Wärmedämmung, Regenwassernutzung, Begrünung, Gründachforschung, Gründach-Architektur">Erkenntnisse
und Untersuchungen der deutschen Forschungsinstitute im Ausland kaum zugänglich.
Ausgangspunkt für die lebhaften Diskussionen rund ums "Grüne Dach" war denn auch
die internationale Standortbestimmung der Dachbegrünung in politischer,
ökologischer und technologischer Hinsicht.



Gründach-Innovationen



Wer auf dem Gründachmarkt der Zukunft erfolgreich sein will,
muss bereit sein, über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen. Dies zeigen die
wichtigen Gründach-Innovationen der letzten Jahre. Dachbegrünungen lassen sich
heute problemlos mit anderen zukunftsorientierten Technologien wie Solarenergie,
Wärmedämmung und Regenwassernutzung kombinieren.



Dies ist umso wichtiger, als die zukünftige Energie- und
Wasserversorgung ein Schlüsselproblem für Industrienationen und
Entwicklungsländer darstellt. "Synergieeffekte erkennen und nutzen" heißt
deshalb die Devise. Das große umwelt- und energiepolitische Potential der
Dachbegrünung wurde von Dr. Franz Alt (Solarexperte), Martin Oldeland (B.A.U.M.),
Dr. Bettina Menne (WHO, Italien) und Klaus W. König (Fachvereinigung Betriebs-
und Regenwassernutzung) vorgestellt.



Gründach-Politik



Städte und Gemeinden besitzen in Deutschland sehr vielfältige
Möglichkeiten, um Dachbegrünungen auf kommunaler Ebene zu fördern. Klaus-Jürgen
Evert (Garten- und Friedhofsamt, Stuttgart) stellte in diesem Zusammenhang das
Förderprogramm der Stadt Stuttgart vor. Bereits seit Mitte der 80er Jahre wird
hier eine Palette unterschiedlichster Instrumente (Festsetzung in
Bebauungsplänen, Gründach-Wettbewerbe, direkte finanzielle Zuschüsse, Begrünung
städtischer Gebäude) eingesetzt, um die Dachbegrünung in der Stadtentwicklung zu
etablieren.



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<img border="1" src="http://www.baulinks.de/webplugin/2004/i/1520-zinco2.jpg" vspace="2">

<span style="font-size: 10px">Erstes extensiv begrüntes Steildach in
Stuttgart. (Städtisches Bürogebäude). Auf der Nord- und Südseite haben sich
zwei völlig unterschiedliche Vegetationsstandorte gebildet (Foto: Evert).</span>
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So wurde z.B. im Industrie-Baugebiet "Weilerpark" (24 ha im
Nordwesten von Stuttgart) Flachdachbegrünung zwingend vorgeschrieben. Im
privaten Bereich wurden in den letzten Jahren 358 Projekte mit einer
Gesamtfläche von fast 50.000 m² gefördert. Im Ausland stecken umfassende
staatliche oder städtische Förderprogramme für Dachbegrünungen leider immer noch
in den Kinderschuhen. Dies wurde in den Vorträgen von Paolo Abram (A.I.VE.P.,
Italien) und James van Zee (Northern Virginia Regional Commission, USA)
deutlich.



Gründach-Visionen



Die Zukunft der Dachbegrünung ist eng mit der allgemeinen
wirtschaftlichen Entwicklung verbunden. Aber auch die Bevölkerungsstruktur
spielt eine bedeutende Rolle. Wenn der Siedlungsdruck durch die sinkenden
Geburtenzahlen weiter abnimmt und gleichzeitig durch die EU-Agrarreform große
landwirtschaftliche Flächen in Deutschland in Naturlandschaften umgewandelt
werden, müssen sich alle Naturschutzmassnahmen neu einsortieren. Erfolgsrezepte
für den Gründachmarkt der Zukunft lieferte Prof. Klaus Neumann (1.Vizepräsident
FLL) in seinem visionären Kongressbeitrag.



Gründach-Praxis



Aber auch praxisbezogene Themen kamen beim Kongress nicht zu
kurz. Den Qualität und Zuverlässigkeit sind die Garanten für den dauerhaften
Erfolg der Dachbegrünungsbranche.



Eines von vielen Highlights war deshalb der Vortrag des
Landschaftsarchitekten und Gründach-Sachverständigen Bernd W. Krupka, der neben
potentiellen Fehlerquellen bei der Installation, Wartung und Pflege von
Gründächern auch Tipps und Tricks vorstellte, um diese zu vermeiden.



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<img border="1" src="http://www.baulinks.de/webplugin/2004/i/1520-zinco3.jpg" vspace="2">

<span style="font-size: 10px">Misslungener Versuch einer
Trockenansaatbegrünung mit Sedumsprossen; einschichtige Extensivbegrünung
(Foto: Krupka)</span>
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Die umfangreichen Dachbegrünungsrichtlinien der
Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung und Landschaftsbau (FLL) sind das
Standard- und Regelwerk der Dachbegrünungspraxis in Deutschland. Welche Punkte
dabei besonders zu beachten sind, erläuterte Prof. Gilbert Lösken (Vorsitzender
des FLL-Arbeitskreises "Dachbegrünung").



Die große Beachtung, die die Richtlinienarbeit der FLL
mittlerweile auch im Ausland genießt, zeigte der rasende Absatz der
FLL-Dachbegrünungsrichtlinie, die anlässlich des Kongresses erstmals in der
aktuellen englischen Version zur Verfügung stand. Weitere hochkarätige
Referenten aus dem Bereich der Dachbegrünungstechnik waren Roland Appl
(Technischer Leiter, ZinCo GmbH), Kurt Michels (Dachdeckerschule Mayen) und
Hans-Jörg Kiesewetter (Fa. ProNatur, Metzingen).



Gründach-Forschung



Im internationalen Vergleich spielt die Gründachforschung in
Deutschland durch ihre lange Tradition eine herausragende Rolle. Trotzdem gibt
es keinen Grund sich auf den Lorbeeren von gestern auszuruhen. Neue
Begrünungstechniken und Anwendungsmöglichkeiten spielen neben der sich
abzeichnenden Klimaveränderung eine wichtige Schrittmacherrolle für die
Forschung. Vertreter der bekanntesten deutschen Gründach-Institute (Prof.
Stephan Roth-Kleyer, Geisenheim / Dipl. Ing. Martin Jauch, Weihenstephan / Prof.
Manfred Köhler, Neubrandenburg / LOR Tassilo Schwarz, Veitshöchheim) stellten
deshalb beim Kongress die neusten und wichtigsten Erkenntnisse aus den Bereichen
Substrate, Pflanzenauswahl und Wasserhalt von begrünten Dächern vor.



Dass die deutschen Erfahrungen aber nicht 1:1 auf andere Länder
übertragen sind, machte Dr. David Beattie (Pennsylvania State University, USA)
in seinem Vortrag deutlich. Fehlende staatliche Förderung, hohe
Investitionskosten, mangelhafte Materialstandards und eine Bauplanung bei der
Nachhaltigkeit und ökologische Kriterien bisher eher ein Schattendasein führen,
machen die USA zu einem besonderen Gründachmarkt.



Zudem spielen bei der Pflanzenauswahl für Dachbegrünungen die
lokalen klimatischen Bedingungen immer eine ganz besondere Rolle. So gestattet
z.B. das typische britische Inselklima (feuchte Sommer, warme Winter) die
Auswahl weniger trockenheitsresistenter Arten und ermöglicht dadurch neue
Bepflanzungsoptionen (Dr. Nigel Dunnett, Sheffield University, England).



Gründach-Architektur



Abgerundet wurde das aktuelle und informative Tagungsprogramm
durch die Vorstellung herausragender Praxisbeispiele aus dem Bereich der
internationalen Gründach-Architektur. Dazu gehörte neben dem DaimlerChrysler
Areal am Potsdamer Platz in Berlin natürlich auch das weltweit größte
Dachbegrünungsobjekt, die Finanzstadt Banco Santander in Spanien:



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<img border="1" src="http://www.baulinks.de/webplugin/2004/i/1520-zinco4.jpg" vspace="2">

<span style="font-size: 10px">Finanzstadt Banco de Santander, Madrid (Foto:
Barrio)</span>
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Auf mehr als 100.000 m² entstehen hier extensive Dachbegrünungen
und intensive Dachgärten. Neben der ökologischen Ausgleichsfunktion wird so
zusätzlich ein attraktives und motivierendes Umfeld für die Bankangestellten und
Besucher geschaffen. Auch in Holland, England, Dänemark, Japan, Singapore und
den USA ist die grüne Architektur mittlerweile auf dem Vormarsch. Die zunehmende
Verstädterung und Versiegelung ist ein globales Problem und Gründächer können
einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität in den urbanen
Zentren leisten.



Trotz des anstrengenden Tagungsprogramms mit 29 Fachvorträgen an
2 Tagen wurden die Diskussionen und Gespräche rund um das Thema Dachbegrünung
auch bei den abendlichen Get-Togethers fortgeführt. Ein weiteres Indiz für die
hohe Qualität der Veranstaltung und das große Interesse des internationalen
Publikums.



Zusätzliche Informationen zum Kongress, den Referenten sowie den
umfassenden Kongresstagungsband (Preis: 40 Euro, zzgl. Versandkosten) erhalten
Sie über das Kongressbüro in Nürtingen:
info@greenroofworld.com
.



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International Green Roof Congress
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