Zurück zum Ursprung

06.07.2016



Liebe Fachwerkliebhaber,

wir stehen kurz vor dem Kauf einer 1750 erbauten denkmalgeschützten Fachwerkmobilien. Bei der Besichtigung sind mir einige Dinge aufgefallen, bei der ich unsicher bin und ihre Erfahrungswerte bräuchte.

Das Haus macht insgesamt einen guten Eindruck. Steht sehr gerade, Keller ist trocken, kein Schimmel, stabile und wenig angegriffene Balken.

Die Denkmalbehörde betitelte das Haus: Ein seltenes und gut erhaltenes Kniestockhaus.

1. Von außen stehen die Fachwerkfüllungen circa 2 cm vom Holz ab. Ist es möglich, dass die Felder einfach mit Styropor oder anderer Isolation beklebt worden? Sie wirken so symmetrisch.
Bei klopfen hören Sie sich Mittel bis gipsartig hol an.

2. Das Haus wurde in den sechziger Jahren saniert/misshandelt. Dabei hat man teilweise Dielen herausgerissen und Böden betoniert oder Estrich verlegt.
Müssen wir damit rechnen, dass auch die in den Wände mit Styropor oder ähnliches verunstaltet worden?

3. Gibt es Erfahrungen im Bereich der Förderung von Stiftungen oder dem Land?

Vielen Dank für Ihre Rückmeldung

Manuel Wenski


PS: Wir sind in das Haus verliebt, naiv, haben etwas Geld und können viel in Eigenleistung leisten.



Zum Ursprung ....



... zurückzukehren meint wahrscheinlich, in Ihrem Falle, das Haus in seinen ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen und all die Bausünden der vergangegenen Jahrzehnte zurückzubauen. Löblich und wahrscheinlich notwendig bis unvermeidbar.

" ... Wir sind in das Haus verliebt, naiv, haben etwas Geld und können viel in Eigenleistung leisten"

Das ist keine gute Ausgangssituation: Zu erwarten ist ein vielleicht äußerlich gut erhaltenes Fachwerkgebäude, das vor der Erfassung durch die Denkmalbehörde schon eventuell "kernsaniert" worden ist. In der Regel dann nicht fachwerkgerecht. Das Ausmaß der Sanierungsünden und der der damit verbundenen Substanzschädigungen zeigt sich dann eventuell erst nach dem Kauf, wenn die ersten Rückbauaktionen den eigentlichen Rohbau zeigen.

Wenn Sie dann nicht über bedeutende Geldmittel verfügen, endet Ihr blauäugiger Kauf im Fiasko. Sie sollten alles andere als objektverliebt und naiv sein, wenn Sie dieses Projekt starten und zu einem guten Ende bringen wollen:

Mein Rat: suchen Sie sich einen nachweislich kompetenten Gutachter (Architekt, Bauingenieur, Zimmerer-Fachwerk-Restaurator)und lassen Sie das Objekt in einem 2. Durchgang sehr detailliert prüfen. Die Begutachtung sollte mit einer realistischen Einschätzung des Erhaltungszustandes und des zu erwartenden Sanierungsaufwandes schließen.

Danach können Sie ebenfalls realistisch prüfen, ob Sie sich diesen Traum erfüllen können und wollen.

Zu den Eigenleistungen: die werden meistens gnadenlos in der Anfangseuphorie überschätzt. Eine solche Grundsanierung kann unter Umständen Jahre dauern und eine Ehe kosten (...schon erlebt ... nicht meine eigene...). Abgesehen davon müssen die Eigenleistungen auch fachkundigst geplant werden. Untrennbar mit dem Wollen sollte auch das Können und das Wissen verbunden sein. Dieser Zusammenhang wird auch zu Anfang oft + gerne übersehen.

Trotzdem gutes Gelingen !



Klingt sympathisch



Wir haben auch naiv und nach Gefühl ein Haus gekauft. Es war in gutem Zustand und die letzte größere Sanierung war in den 70ern. Jetzt nach fast 2 Jahren ist das Dach fast fertig neu belegt und die Wände wurden mit Holzweichfaser und Lehm begradigt und isoliert. Styropor ist unvermeidlich und wird so weit möglich ersetzt. Aber nicht einmal hinter den Styroportapeten konnten wir Schimmel finden. Neben viel Eigenleistung müssen auch die Handwerker bezahlt werden. Größere Posten sind nach meiner Erfahrung vor allem der Zimmermann, da jeder Fehler/Umbau in der Konstruktion überprüft werden muss. Auch das Dach würde ich nur von einem erfahrenen Zimmereibetrieb machen lassen. Eigenleistungen sind auch bei Installation, Heizung und Elektrik nur in geringen Rahmen möglich.

Wir waren nicht ganz unbedarft, und haben uns ohne Planer bisher ganz gut beholfen. Es geht, aber man darf den Planungsaufwand mit den Handwerkern nicht unterschätzen. Es kann bei manchen Handwerkern auch gut mal ein halbes Jahr oder Jahr Vorlauf sein bis tatsächlich ein Termin zu bekommen ist. Darüber muss man sich klar sein.

Ich würde es wieder so machen, aber unter Umständen sind manche Kosten höher, weil man nicht in der richtigen Reihenfolge arbeitet und man zwischen den einzelnen Gewerken viel Zeit einplanen muss.

Das Denkmalamt gibt bei uns nichts und ist höchstens für höhere Kosten verantwortlich da für dies und das ein Gutachten verlangt wird. Feuchteschutz, Schallschutz, Vorgabe von Materialien bedeuten höhere Kosten für die es nichts gibt. Wir haben KFW Denkmal Förderung und hoffen auf erhöhte steuerliche Abschreibung. Aber das kommt erst wenn das Haus fertig ist und das Denkmalamt die Abnahme der Maßnahme bestätigt. Also alles erstmal vorfinanzieren und dann ... vielleicht ... wird ein Teil des Geldes wieder über Steuern abgeschrieben. Aber vorerst muss es finanziert werden. Also auch da Vorsicht.

So einfach mal ein paar Gedanken aus der Praxis eines Ausführenden Nichtfachmanns ;-)

Viele Glück bei der Entscheidung.

Herbert