Brandschutzanstrich im Gebälk

29.09.2008



Während des zweiten Weltkrieges wurde das Gebälk im Dach mit einem Schutzanstrich versehen, der feuerhemmend sein sollte. Der Dachdecker meint, davon kämen die weißen Ausblühungen an den Balken. Weiß jemand, was damals so gestrichen wurde und wie sich das jetzt noch auswirken kann?



Brandschutz anno dazumal



Hab da auf die schnelle nur einen kleinen Beitrag gefunden.
aus Carl Koch, Grosses Malerhandbuch, 10. Auflage 1953 :
3.Die Feuerschutztechniken
Für diese Techniken kommen nur mineralische Farbstoffe und Bindemittel in Frage. Dabei werden die mit dem mineralischen Bindemittel (Wasserglas) gebundenen Farbstoffe nebst Zusatz von Asbest oder Kieselgur ein- oder auch zweimal auf den vor dem Feuer zu schützenden Holzuntergrund satt aufgetragen. Das Bild 277 zeigt die feuerschützende Wirkung eines mit Wasserglas gebundenen Anstrichs. Das Brett ist zur Hälfte auf der linken Seite zweimal mit einer Farbe, bestehend aus einem Teil Kreide, einem Teil Lithpone, einem halben Teil Asbestpulver und einer entsprechenden Menge Wasserglas, gestrichen. Das Brett wurde dann eine geraume Zeit über die eine große Hitze entwickelnde Gasflamme eines Gasherds gehalten. Wie ersichtlich, ist das Holz sogleich verkohlt und bei dem Versuch auch in Brand geraten. Die Feuerschutzfarbe auf der linken Seite hat der Hitze widerstanden.
Andere Imprägniermittel für Holz gegen Feuer sind Chlorkalzium, Eisenvitriol, Kupfervitriol und Chlorzink. Gardinen, Dekorationen und leichte Kleiderstoffe werden mit Lösungen von schwefelsaurem Ammonium, wolframsaurem Natrium, Borax, Bittersalz und Wasserglas imprägniert. Auch Cellonlacke wirken in gewissem Umfang feuerhemmend.



Von dem was damals so gestrichen wurde...



...hat dir Thomas ja einen kleinen "Abriss" gegeben.
Toller Beitrag übrigens, Thomas.

Allerdings sind da ja Dinge zu lesen, die zum Nachdenken "anregen".

Bleibt die Frage wie mit solchen Anstrichen umzugehen ist.
In alten Häusern könnten solche Materialien ja nicht ungewöhnlich sein.

Nachdenkliche Grüße
Martin



Ja-so war das damals



Hab noch einen Beitrag gefunden. Diesmal in "Öko" :-)
Albert Christ, Wie werde ich Malermeister, 1927:
Brandschutzfarben
Es handelt sich darum, auf entflammbare Gegenstände einen Anstrich aufzutragen, der selbst nicht entflammbar ist und die Hitze möglichst schwach weiterleitet. Kein organischer Stoff kann der Hitze widerstehen, ohne zerstört zu werden, so daß eine Brandschutzfarbe diese Zerstörung nicht verhindern kann. Lediglich die Entflammung ist unmöglich zu machen bzw. zu erschweren, so daß der Gegenstand ohne Flammenbildung verkohlt, also den Brand nicht weiter tragen kann. Zunächst sind alle unverbrennlichen Materialien, Ton, Wasserglasfarben, Kalk, alle Leim - und Kaseinfarben, entsprechend brandsichernd. Wenn es sich jedoch darum handelt, richtige Anstriche vom Standpunkt des Malers auszuführen, dann sind diese Materialien nicht ausreichend, aber für Bretter - und Lattenverschläge, Dachstühle usw. verwendbar.
In der Harzseife haben wir ein gutes Grundier - und Anstrichmittel. Wenn wir in einer Harzseifenlösung gut gewässertes Kasein auflösen, etwa auf 1 kg Seife 200 g Kasein, so können damit mehrere Anstriche bis zur Deckung gegeben werden. Die Farben müssen stets überfest sein, so daß mit Glaspapier nicht geschliffen werden kann, sondern nur mit feuchtem Lappen. Soll gemasert oder lasiert werden, dann ist der letzte Anstrich mit einem Firnislappen so mager abzureiben, daß nur ein ganz geringer Hauch darauf verbleibt; ist dieser trocken, erfolgt die Maserung oder Lasierung wieder mit dem gleichen Bindemittel. Mit reinem Seifen - oder Resinatlack, ohne oder mit ganz winzigem Ölgehalt wird zweimal lackiert. Bei weißen Anstrichen ist an Stelle der braunen Harzseife weiße Kernseife zu verwenden und der Kaseinzusatz zu erhöhen. Sobald diese Anstriche von einer Stichflamme getroffen werden, bilden sich sofort Blasen in denselben, mit harter fester Haut, die noch bei allmählicher Veraschung bestehen bleiben. Es stellt sich also von selbst eine Isolierschicht ein, welche die Entzündungshitze von dem brennbaren Stoff fernhält. Wenn man einer halbmatten Ölfarbe dicke Harzseifenlösung zurührt, dann wird diese Emulsion wasserunlöslich erhärten, kann also gewaschen werden, aber der Anstrich wird ebenso nur verkohlen und Blasen bilden, ohne zu entflammen.
Ordinäre Schutzanstriche sind bequem mit Rinderblut und Lehm auszuführen, doch muß ein Antiseptikum zugesetzt werden, damit das Blut nicht etwa bei feuchter Luft übel riecht. Wasserglas mit Asbestmehl ergibt ein Anstrichmittel, welches auch in großer Hitze nicht zerstört wird, doch genügt auch Schwerspat mit Wasserglas.



Analyse der ausgeblühten Substanz



Vielen Dank für die ausführlichen Informationen. Dass möglicherweise Asbest (in welcher Form auch immer) verwendet wurde, sehe ich als sehr kritisch an.
Gibt es Labors, wo ich eine Probe zum Analysieren der vorhandenen Substanzen einschicken kann?