Kalkfarbe

28.02.2019



Hallo,
ich hab die Suchfunktion schon bemüht, aber nichts richtiges gefunden.
Wir haben unser Haus von innen neu Verputz mit Kalkputz (666 Hasit). Aufgezogen auf alten Kalkputz und mit Glättkelle geglättet -> rustikale Optik gefällt uns. Jetzt sollte der Kalkanstrich secco erfolgen.
Die Wand saugt sehr gut Wasser ... sollte man vornässen bis ein Wasserfilm drauf stehen bleibt oder reicht es, dass die Wand für ca. 30 Minuten feucht bleibt?
Wir hatten zuerst Kalkhydrat versucht. Ging ganz gut, die erste Testfläche hat gar nicht gekreidet (secco aufgetragen - gut vorgewässert und dann nachgewässert nach dem streichen), die anderen Wände dann haben aber hat leicht abgekreidet (glaube hier war nicht genügend vorgewässert).
Habe dann doch Sumpfkalk benutz ... Hier kreidet alles stark ab. ca. 2% Leinölfirnis beim 2. Anstrich.
Ich hatte nach dem Anstrich nochmal die Wand vorher und nachher stark nass gemacht (vielleicht zu nass?).

Wie geht man mit der Wand nun weiter vor? kann man über die kreidenden Wände streichen? Abkehren bis nichts mehr kreidet und dann überstreichen? oder muss man da nochmal nen Tiefengrund aufbringen? bringt nachwässern was?

Freue mich auf Ratschläge.





Es ist immer etwas schwierig auf individuelle Situationen aus der ferne ein optimiertes Vorgehen zu empfehlen.

Schon der der Begriff kreiden ist immer recht subjektiv. Also wenn es regelrecht abpudert dann ist was arg nicht in Ordnung. Soweit die Finger beim energischen Reiben nur Spuren davon tragen ist es weit weniger bedenklich.

Zumal wenn der Anstrich erst in magerer Stärke auf rauem Untergrund aufgebaut wurde. Hier ergibt sich zumeist erst nach mehrfacher Anstrichabfolge ein hinreichend mit dem Untergrund vernetzt und verfestigter Anstrichfilm. Es sollte sich somit alles noch mit weiteren Anstrichen "fixieren" lassen.

Bei Materialwahl, Verdünnung und Feuchteversorgung gehe ich häufig wie folgend vor und empfehle das auch weiter.

Ich verwende nach Möglichkeit mehrjährigen Sumpfkalk, qualitativ ist da der Marmorkalk aus Altmannstein eine Referenz. Hiervon fünf Jahre gelagertes Material. Wobei der gegenwärtig gelieferte Kalk bereits im Jahre 2012 gelöscht und gesumpft wurde. Preislich bekommt man das recht günstig in einem Gebinde ab 60 Liter, das kostet dann so um die 110 Euro (1,80 Euro / Liter bzw. 1,40 / Kilogramm). Um teure Transportkosten zu sparen versuche ich zumeist einen (Natur-) Baustoffhändler in der Nähe aufzutun, der das bevorratet.

Hiervon nehme ich das benötigte Kalkvolumen ab und rühre es zunächst mit einem Zehntel Wasser verdünnt vorsichtig glatt. In den so homogenisierten Kalkteig kann man dann die benötigten Zusatzstoffe geben.

Bewährt hat sich die Zugabe von Milcheiweiß (Kasein) , Stärkezucker und Porzellanerde (weißer Ton) aber insgesamt nur zu maximal 50 Promille (0,05 Prozent) bezogen auf den Kalkteig. Kasein kann auch als fettarme Milch (1,5 Prozent) dem Kalkteig zur Verdünnung bis maximal 0,15 Liter Milch auf 1 Liter Kalkteig.

Um die Deckfähigkeit und Füllwirkung zu erhöhen kann noch bis zu 10 Prozent Marmormehl (32 my, 0,032 mm) beigefügt werden, was auch die Offenporigkeit vom Anstich verbessert und auch die Carbonatisierung beschleunigt . Für Schlussanstriche verwende ich bis auf Zusätze und ggf. nur Kasein und farbige Pigmente. Auch Leinöl verwende ich nicht, insbesondere wenn schon Milcheiweiß mit zugegen wird. Zur "Festigung" kann dann dem Sumpfkalk noch 1,5 Prozent natürlicher hydraulischer Kalk (NHL) zugegeben werden.

Der Kalkteig wird dann kräftig (Bohrmaschine) mit Scheiben- oder Rondenrührer "gemixt" und danach anwendungsfertig verdünnt-

Verdünnt wird 1 : 6 mit Wasser für den Grundanstrich, hier kann dann auf ein Vornässen verzichtet werden, bestenfalls wird mit der Blumenspritze zur Staubbindung einmal "angenebelt". Bei wirklich stark und unterschiedlich saugenden Untergründen sollte ein "Vorseifen" jedoch immer auskömmlich sein. 2 Gramm Pflanzenölseife auf 1 Liter zunächst warmes Wasser lösen, abkühlen und satt streichen. Dann in die matte aber noch feuchte Fläche mit der Kalkfarbe streichen

Weitere Anstriche werden dann 1 : 5 bis 1: 4 fallend mit Wasser verdünnt. Das muss man je nach Untergrund etwas anpassen. Der Pinsel muss leicht über die Fläche "laufen" und Ansätze sollten nicht zu schnell antrocknen. Im Zweifel ist eine etwas stärkere Verdünnung eher besser. Die Sauffähigkeit steigt nochmals mit der Anstrichfolge bzw. der Schichtstärke vom Anstrich deutlich an. Hier könnte dann nochmals mit der Blumensprite vorm Anstrich "angenebelt" werden.

Wie gesagt ich streiche so selbst durchgetrocknete Lehmputze ohne Problem, was an Saugfähigkeit, neben Calciumsilikatplatten somit das stärkste ist was man an der Baustelle erwarten kann. Auf ein Nachfeuchten verzichte ich ganz zumal die Anstriche ja durch Folgeanstriche ohnehin wieder mit Feuchtigkeit versorgt werden.

Von Weisskalkhydrat nehme ich Abstand zum einen weil diese Kalk zumeist färbende (gelb, rosa, grau) Verunreinigungen enthalten oder im weil in Baumärkten zumeist die vom Hersteller empfohlene Lagerfrist (3-6 Monate) deutlich überschritten ist.



danke



Danke für die schnelle Antwort (inbesondere da ich mir Sie von dir gewünscht hatte, da deine anderen Beträge auch sehr Aussagekräftig waren).
Also werde ich es nochmal mit der Magermilch-Variante versuchen. Ich war mir nur unsicher, ob ich den Untergrund nun "versaut" habe, oder ob es möglich ist es durch weiteren Auftrag zu "retten" und weiter zu verfestigen.
Wie gesagt der sehr Feuchte Auftrag kreidet eben wie wenn man damals mal über die Tafel in der Schule mit den Händen gewischt hat ... alles weiß.
Als Sumpfkalk hab ich auch den Altmannsteiner Kalk bestellt (ca. 5 Jahre)... und war nun guter Hoffnung das nichts mehr kreidet und dann doch etwas erschrocken, dass es schlechter war als vorher.
In was für Abständen sollte man streichen? 24h? kann man auch 5 Tage pause machen und dann weiter streichen oder sollte man sowas vermeiden? sollte der Kalk direkt am nächsten Tag wischfest werden?

nochmals danke und viele Grüße





Wenn man recht stark verdünnt streicht braucht es halt schonmal fünf bis sechs je nach Untergrund, auf Lehm auch mal acht Anstriche bis es die einzeln nur lasierenden Farbauftrage eine hinreichende Deckung ergeben.

So das ich auf der Baustelle zumeist versuche zwei mal am Tag die Flächen zu streichen also früh und nachmittags so das vielleicht acht Stunden Abstand gegeben sind. Längere Trockenzeiten halte ich aber für unschädlich.

Wenn es trocken ist dann lieber etwas stärker verdünnen, man merkt es nach etwas Übung daran wie der Pinsel "läuft". Auf glatten Flächen hat man fast das Gefühl es "quietscht", dann stimmt alles.

Wischfest sollte die Sache frühestes nach 24 Stunden sein.

Mit dem Zusatz von fettarmer Milch sollte es aber unbedingt klappen.



Super



Mario,
danke für deine Antwort. Habe es so gemacht, wie von dir beschrieben, auch bei der Stark pudernden Wand hatte ich schon nach dem 1. Anstrich keine Probleme mehr. Vorwässern oder auch nachwässern war nicht mehr nötig alles fest.
Leider warte ich noch auf das Marmormehl, geht ja aber auch so.

Grüße und besten Dank für die schnelle, bestimmte und auch aussagekräftige Hilfe.
Flo