Mauerwerk aus Bruchsteinen sanieren

18.08.2006



Hallo!

Ich bin jetzt richtig froh, dass ich mal eine wichtige Frage loswerden darf.
Unser lothringisches Bauernhaus ist aus Bruchsteinen gebaut, hat aber schon aussen einen Putz als Fassade. Die frühere Scheune (in der schon jahrelang keine Tiere mehr waren), soll als Wohnraum umgebaut werden.
Auf die ganze Fassade, Haus und Scheune kommt jetzt eine Wärmedämmung, wegen 1. Energieeinsparung (das Haus liegt auf einer Höhe von 400 Metern, allein), 2. wegen des KfW-Kredites, 3. auf Anraten eines Energieberaters.
Innen soll Lehmputz auf die teilweise freigelegten Steine kommen, der Putz wurde überall abgeklopft.
In der Scheune haben wir nun die vordere Hauswand, die von aussen mit 15 cm gedämmt wird und in einer leichten Neigung bis 1,20 Meter unter der Strasse liegt. Da der untere Teil voller Salzkristalle ist, (hier war aber auch die Regenrinne kaputt und hat jahrelang Regenwasser an die Wand gespült), hat der Bauunternehmer zur aufwendigen und teuren Trockenlegung geraten. Horizontalsperre und "Trockenbohrungen".
Jetzt meine Frage: reicht es nicht einfach aus, wenn wir das Mauerwerk, d.h. die Bruchsteine freilegen? Die Wand ist ja von aussen mit 15 cm isoliert und ich stelle mir als Laie vor, dass die Feuchtigkeit irgendwie verdunsten muss und durch die Bruchsteine die Wand atmen könnte.
Ausserdem kommen Heizung und Ofen in diesen Raum, was bis jetzt noch nie der Fall war. Früher wurde doch auch nicht jedes alte Gemäuer trocken gelegt???
Ausserdem soll der Gewölbekeller ebenfalls trocken gelegt werden, da tritt die Feuchtigkeit aus den Bruchsteinen, richtet aber keinen Schaden an, sondern verdunstet.(Ebenfalls die kaputte Regenrinne an dieser Wand!)
Müssen wir das wirklich machen? Ersten schreckt mich die Chemie ab, die in diese Bohrlöcher kommt und zweitens die Kosten, die horrend sind.

Das macht mir wirklich Angst und Sorgen!

Über eine Antwort würde ich mich RIESIG freuen!



Es lohnt sich immer



für den Verarbeiter Injektionsverfahren oder Horizontalsperren zu verkaufen. Ich glaube aber, dass Deine Überlegungen in die richtige Richtung gehen. Einer meiner Kunden hat sich seine Wandheizung selber eingebaut und vergessen, die Leitungen, die durch seinen feuchten Keller gingen zu Isolieren. Der Keller ist jetzt wunderbar trocken und der Kunde nimmt gerne die etwas höheren Heizkosten in kauf. Bei einem Anderen waren 3(!) Energieberater. Die Dame an der Bank hat bei diesen 3 „Beratern“ so gravierende Mängel in der Berechnung festgestellt, dass der Antrag für die KFW so nicht durchgegangen wäre. Erst der 4. Berater hat ihn dann fundiert und dazu noch am preiswertesten beraten. Ich nehme an, dass Du hier von unseren Spezis genügend Ratschläge bekommst.
Gruß aus Dortmund
Harald Vidrik



Vorsicht beim Dämmen



Das dämmen von eventuell noch feuchten, versalzenen Wänden kann sich als sehr problematisch herausstellen, da durch die einseitige "Versiegelung" der Wand durch die Dämmung an der Innenseite verstärkt Salzausblühungen auftreten können.
Die angesprochene Außendämmung mit 15cm schafft theoretische einen guten Wärmedurchgangskoeffizienten der Wand, allerdings werden sich die Schwachpunkte - Wärmebrücken bei derartigen Maßnahmen verstärkt ausprägen (z.Bsp. Undichtigkeiten/unsaubere Anschlüsse in der Dampfbremse entlang Ortgang und Traufe, aber auch an schwächer gedämmten Fensterlaibungen, etc.).
Deshalb empfehle ich Ihnen für die geplante Maßnahme unbedingt eine durchdachte Detailplanung mit Lösung der Problempunkte erstellen zu lassen und die Ausführung fachlich begleiten zu lassen.
Ich weiß selbst aus meiner Erfahrung als Energieberater, dass der Berater oft nur zur Nachweiserstellung für die KFW-Unterlagen herangezogen wird, die aber nur grundsätzliche Maßnahmen enthalten. Die Erarbeitung der individuellen Detaillösungen ist aber eine zusätzlich Leistung, die vom Aufwand und den Kosten her in der Regel deutlich über den Nachweis für die KFW hinaus geht, aber gerade im inhomogenen Denkmalbereich unerläßlich ist.



Bruchsteinmauersanierung



Hallo!

Erstmal möchte ich mich für die Antworten bedanken. Zweitens habe ich im Forum viel über Sanierung und Trockenlegung von Bruchsteinmauern gelesen.
Ich bin jetzt zu folgendem Resultat gekommen: die Feuchte Mauer wurde jahrelang von oben von einer kaputten Regenrinne berieselt, was bestimmt nicht von Vorteil war:-(
Da das Haus, also auch diese Wand in einer Neigung liegt, fliesst das Wasser horizontal am Haus vorbei, Richtung Kanal, staut sich also nicht an der Fassade entlang. Ausserdem ist da nicht viel Erdreich, sondern der "Bürgersteig". Also wird höchstenfalls eine Drainage an dieser Wand entlang gemacht, die "Trockenbohrungen mit Injektion" werden erstmal nicht gemacht, sondern innen legen wir die Bruchsteine frei in der Höhe wo es feucht war. Aussen kommt ja von aussen die 15 cm Dämmung drauf. Dann wird die Heizung installiert und wir warten mal ab, was passiert.
Was ich jedoch nicht verstehe ist, dass der Bauunternehmer auch die Wände, die mitten im Raum stehen trockenlegen will. Dabei wird sowieso schon der ganze Boden in dieser früheren Scheune ausgekoffert (60 cm tief), Drainage gelegt, Folie, Dämmung usw. Wo soll dann das Wasser herkommen? Von unten in die Mauer rein?

Ich wohne bis jetzt auch in einem alten Haus, wo ein Zimmer direkt an der Aussenmauer liegt und der Garten bis an die Fassade kommt. Das Haus ist aus roten Eisenerzbruchsteinen gebaut und da ist keine Feuchtigkeit! Da wird doch einer schlau draus!

Vielleicht weiss einer einen Rat hierzu?