Worauf lässt diese Hof-Architektur schließen?

03.07.2012



Hallo an die Fachleute,

unser vor 4 Jahren erworbener Hof bzw. dessen Architektur gibt mir immer noch Rätsel auf. Er besteht neben dem Wohnhaus aus einem L-förmigen Stall-/Scheunengebäude. Laut einem Dorfchronisten soll der Hof (als herrschaftlicher Försterhof) um 1750 erbaut worden sein. Das merkwürdige daran: Die Außenseiten sind aus massiven Sandsteinmauern, die Hofseite in Fachwerk ausgeführt. Die Außenmauern weisen auch einige Art Schießscharten auf. Diese bzw. die Außenwände zeigen Richtung Süden (Wald) und Westen (Fluß/Furt). Das Wohnhaus (Hofseite Fachwerk, Außenmauern Sandstein) zeigen Richtung Osten (Berghang), Richtung Dorf ist der Hof offen (bzw. hier stand bis vor ca. 60 Jahren ein Fachwerk-Pferdestall). Merkwürdig auch, wie auf dem Foto zu sehen: Die Sandsteinmauer führt bis zum Hof und endet mit großen, sauber behauenen Sandsteinen. Warum hier auch dieses kleine Fenster ("Schießscharte")? Wäre es nicht einfacher gewesen, in der 2 Meter daneben liegenden Fachwerkwand ein Fester einzulassen, als in dieser dicken Sandsteinmauer (das große Tor ist erst in den letzten Jahren eingesetzt wurden, vorher war hier eine marode, geschlossene Fachwerkwand)? Auch merkwürdig, die großen sauber behauenen Sandstein-Quader und riesige Konsole als Dachauflager.

Ein Hobbyhistoriker schloss es daher nicht aus, dass der Hof Teil einer Festungs-/Burganlage war, die laut einiger Quellen wohl im 12. und/oder 15. Jahrhundert in dieser Umgebung bestand. Allerdings sind hier die letzten Spuren in Form einer Wallanlage und einzelner Mauerreste (sehr ähnlich zu den unsrigen) ca. 500 Meter entfernt. Möglicherweise wurden beim Abriss der Burg auch nur Baumaterial für unseren Hof entnommen.

Vielleicht hat jemand der Fachleute eine Erklärung zu diesem Hof-Stil oder vergleichbare Objekte?

Vielen Dank & Grüße
Sven



Ansicht von Westen



... dazu noch die Ansicht von Westen, mit einer zugemauerten und zwei offenen "Schießscharten".



Baustil



Ein Baustil ist hier nicht erkennbar.
Das ist normales dörfliches Bauen wie es vom 16. bis zum 19.Jhr. üblich war.
Dazu gehörte auch das ständige Wiederverwenden von Altmaterial, sei es aus der vorhandenen Altbebauung auf dem Hof oder von aufgelassenen Ruinen und Wüstungen im näheren Umfeld.
Der doppelte Kragstein rechts im Giebelmauerwerk sieht danach aus.
Schießscharten sind nicht erkennbar, nur die üblichen kleinen Luken bzw. Fenster.

viele Grüße



Stillos



Hallo Sven


Ich würde auch auf Recycling tippen. Der Kragstein ist beidseitig, also auch in der Wand, abgerundet. Wäre er für diese Wand gemacht, hätte der Bearbeiter sicher nicht die Wandinneenseite abgerundet. Die Fenster sind, sollten sie innen nicht breiter werden, einfache Lüftungslöcher/Fenster.
Vom Baustil her würde ich sagen: außen hui, innen pfui... sichtbare Dinge wurden auch früher gerne teuer, weniger sichtbare Dinge wie Hofseiten, billig erstellt. Man mußte nach außen ja was hermachen. Trotzdem kann die Anlage auch berechnend wehrhaft erstellt worden sein, früher haben die Nachbarn weniger geklagt, dafür eher mal zu Keule, Axt und Flinte gegriffen, um Meinungen auszutauschen...


Andreas



Danke,...



... das sind natürlich schlüssige Argumente. Besagter Hobbyhistoriker brachte mich auf die Spur, obwohl ich es selbst nicht so recht glauben mochte. Jetzt bin ich wieder etwas schlauer ;-)

Gruß Sven