Frage Kellerfeuchte:

19.06.2013



Eine Frage kommt selten allein.

Mein Keller (Bj. 1906) sieht folgendermaßen aus:

- Außenmauern 60 cm roter Bundsandstein mit Lehmputz, ca. 1,50 m unter Erdboden bis ca 70 cm über GOK. Danach zwei Lagen Ziegelstein, dann die Schwelle. Außenboden nicht bindig. Keine Fenster, Zwangsbelüftung durch außenloch.
- Innenmauern dito, aber hier und da mit Ziegelstein ausgebessert.
- Decke ist eine Kappendecke, ca. 220 cm hoch.
- im EG liegen die Balken auf Lagerhölzern 12x12, die teilweise ohne Bitumen auf den Ziegeln der Außenmauer liegen
- der Boden soll neu aufgebaut werden: Ausgleichsschicht, Folie, Beton, Katja, Estrich. Derzeit ist da noch ein Pumpsumpf mit drinnen, soll vielleicht ein Ausguss eingebaut werden.

Feuchte: Luftfeuchtigkeit auch mit Trockner derzeit bei > 75%. Wände und Boden feucht, aber nicht nass, wenig bis keine Salzausblühungen. Sicher auch Kondensfeuchte bei dem Wetter, aber einige Stellen an der unteren Außenwandkante sind durch das ganze Jahr feucht. Das Haus ist am Hang gebaut und nach dem schweren Regen der letzten Tage kam durch die Wand des Naschbarraumes ein Rinnsal.

Der Raum soll als Heiz- und Technikraum mit Pelletlager dienen, muss daher ziemlich trocken sein.

Jetzt bin ich hier unter dem Stichwort "Kellerwand" aus das so beworbene I-Bausystem des Forumsmitglieds Bromm gestoßen (www.isarbautenschutz.com), das die Kellerwand mit einer Folie als Feuchtebremse versieht. Dann könnte man eine leichte Dämmung zur Vermeidung des Kondensatausfalls an der kühlen Wand anbringen. Wenn es funktionerte, wäre das Problem mit dem Technikraum für eher geringes Geld gelöst. Zusätzlich überlege ich eine moderate solare Sommerheizung für eine trockenere Raumluft.

Mein Bauberater ist allerdings skeptisch. Er meint, dass erstens die Wand nicht verlässlich dicht zu kriegen sei, zweitens sich die Feuchtigkeit hinter der Folie stauen könne.

Was ist aus eurer Sicht von diesem I-Zeugs zu halten?

Danke für die Antworten.

András



Wärmeeintrag



Ich bin für gezielten Wärmeeintrag in die Kellerwände (Temperierung durch Heizrohr), um die Wandoberflächentemperatur zu heben (Vermeidung von Kondensatbildung).
Die Abdichtung von außen würde ich mit Ton machen (www.dernoton.de). Der Ton ist einfach vor die besengereinigte Kellerwand zu stampfen.
Ich denke, damit ist der Keller preiswert und dauerhaft trocken zu bekommen.

Gruß
Sascha



Ich möchte mich ...



... Ihrem Bauberater anschließen.

Den Vorschlag von Sascha finde ich da schon zielführender.

Im Übrigen hoffe ich, dass die "Katja" nicht Indiz dafür ist, dass es sich bei dem nicht näher bezeichneten Estrich um Gipsstrich handelt.
In Räumen wo mit Feuchte im Bodenbereich zu rechnen ist, ist Gipsestrich m. E. absolut fehl am Platz!


i. V. Dirk Meisinger



Kellerabdichtung



Erst mal zum Fußboden:
Besser ist es mit mineralischer Dichtschlämme zu arbeiten:
Planum/Ausgleich, Trennlage, 5-8 cm Beton, mineralische Dichtschlämme, 3-4 cm Verbundestrich. Die Kellerdecke sollte unterseitig gedämmt werden, hier empfehle ich Topdec- Deckenlammellen aufzukleben.
Zur Wand:
Bei nicht bindigem Boden gibt es zwei kritische Bereiche, den Sockel und die Aufstandsfläche Wand- Fundament.
Ich denke bei Ihnen reicht es schon den Sockelbereich (ca. 30 cm ober- und unterhalb der Geländeoberfläche) neu abzudichten. Das macht man mit einem mehrlagigen Putzsystem. Dann sollte eventuell anströmendes Tagwasser vom Haus weggeleitet oder oberirdisch gefangen (Entwässerungsmulde) und abgeleitet werden.

Viele Grüße



Das angesproche Rinnsal ...



... ,das mir jetzt erst beim nochmaligen Lesen aufgefallen ist, kann darauf hindeuten, dass Grund- bzw. Schichtenwasser durch das Mauerwerk dringt.

In unserem alten Gewölbekeller (knirsch gesetzte, gut behauene Kalksteine) ist dies auch der Fall. Bei den letzten Starkregen haben wir es sogar erlebt, dass im Bereich der unteren Lagerfugen richtige kleine Quellen sprudelten.
Die Bodenverhältnisse bei uns sind wohl allerdings etwas anders, d. h. wir haben hier plattige Kalksteinbänke und dazwischen gelagerte Tonschichten. Letzte führen temporär Schichtwasser.
Als kritisch hat sich in diesem Zusammenhang auch der vor zig Jahrzehnten mal eingebrachte Betonboden erwiesen. - Durch die Spannung des unter der Platte drückenden Wassers, tritt dies durch jede Ritze und jeden Spalt (insbesondere an den Rändern) nach oben aus.

Ich würde von daher empfehlen, zu untersuchen, wie die Natursteine gesetzt sind (in Lehm, Kalkmörtel o. ä.), wie die Gründung ausgeführt ist und ob es eine äußere Abdichtung (z. B. Ton) gibt.
In Abhängigkeit von den Untersuchungsergebnissen sollte dann alles Weitere konzipiert werden.

i. V. Dirk Meisinger



Rückschlüsse



Also zunächst einmal Danke für die zahlreichen Antworten. Aus ihnen ziehe ich folgende Rückschlüsse:

1. Nix I-Dingsda
2. Das mit der Sommerheizung ist nicht so falsch gedacht, dann werde ich wohl ein 3/4" Kupferrohr an den Sockeln entlangführen.
3. Die Abdichtung mit dem Stampfton phantasiere ich mir jetzt so zurecht, bitte bei Bedarf korrigieren: Putz entfernen, Schalung vor Außenwand mit ca. 5cm Wandabstand (womit?), Ton einstampfen, Schalung verputzen. Korrekt?
4. Der Bodenaufbau wird wie vorgeschlagen durchgeführt
5. Von der Erdgeschossseite wird der Boden mit 24cm Zellulose gedämmt. Ist da eine zusätzliche Dämmung der Decke kellerseitig noch erforderlich?
6. Von außen soll der behauene Sandstein sichtbar bleiben, ein Sockelputz fällt also flach. Könnte es so funktionieren: Unterhalb der Geländekante > 50 cm bituminieren, ansonsten Oberflächenwasser fortleiten durch nicht versiegelnde Pflasterung?
7. Die Konsequenzen des Beitrages von Herrn Meisinger sind mir noch unklar. Die Art der Fundamentgründung ist mir unbekannt, kein Ton. Möchte halt, wenn möglich, um eine Außendrainage herumkommen. Aber eine Bodenplatte (natürlich ohne Gips!!) werde ich bei der angestrebten Nutzung als Technikraum wohl schon brauchen.

Nochmal Danke. Wenn ich keinen Einspruch mehr höre, werde ich es so machen, wie oben beschrieben.

András



Zu Punkt 3:



Ich denke, der Ton sollte für die äußere Abdichtung genommen werden, also aufgraben, abkehren und Ton nach Hersteller- / Lieferantenvorgabe einbauen.

Und das mit der Deckendämmung würde ich mir auch noch gut überlegen: 1. Ob es überhaupt Sinn macht, eine Decke zwischen zwei beheizten Räumen zu dämmen und 2. wenn es Sinn machen sollte, wie dann die Dämmung ausgeführt wird (womit / auf welcher Seite, d.h. kalt- oder warmseitig / wie stark) und was das dann für Konsequenzen für den übrigen Deckenaufbau hat.

i. V.

Dirk Meisinger



Re: Zu Frage 3



Richtig, habe inzwischen auf der angegebenen Homepage nachgesehen, ist als 20cm starke Außenabdichtung gedacht.

Gruß

András