Kelleraußenwand: Vorgehen Trockenlegung

17.08.2012



Hallo Forengemeinde,

wir haben aufgrund eines Wasserrohrbruches (Fallrohre eingerechnet sogar mehrere) eine Kelleraußenwand freigelegt.

Nun steht natürlich die Überlegung der Sanierung an. Angedacht war, zunächst die Wand mit Kalkzementputz glatt zu ziehen, Dickbeschichtung anzubringen, Styrodur und Noppenbahn.

Nun habe ich aber schon diverse Meinungen verschiedener Fachleute gehört, die sich wie folgt streuen:

a) Durchführung wie oben angedacht
b) nur Noppenbahn abringen
c) gar nichts machen und einfach wieder zuschütten (erscheint mir als Laie allerdings wenig sinnvoll)

Da soll man mal schlau werden...

Bei der angedachten Durchführung kommt noch hinzu, dass zumindest ein Teilbereich des Kellers gegen das Erdreich verschalt wurde und somit sehr uneben ist. Kann man das überhaupt sinnvoll abdichten? Oder muss hier in entsprechender Stärke Putz aufgetragen werden, bis alles eben ist und dann die Beschichtung aufgebracht werden kann? (Foto hiervon habe ich angehängt).

Bin für jeden Tipp dankbar!



? Wandeigenschaften



Um welches Wandmaterial bzw. um welchen Wandaufbau handelt es sich? - Aus der Beschreibung würde ich mal auf Beton tippen. Wenn dem so sein sollte, wäre es in erster Linie wichtig zu wissen, welche Festigkeitsklasse er hat, ob er wasserundurchlässig eingestellt wurde und wie stark die Wand ist.



Beton



Ja, es ist eine Betonwand.

"welche Festigkeitsklasse er hat, ob er wasserundurchlässig eingestellt"

Hierzu habe ich keine Infos. Gebaut wurde der Keller meines Wissens 1954. Wasserundurchlässig scheint er mir nicht zu sein, da die Wände teilweise feucht waren.

Die Wand selbst ist ca. 40 cm dick.

Ganz vergessen die Option

d) Dichtschlämme aufbringen.



Schwierig zu beurteilen ...



... ist die Situation aus der Ferne und nur anhand nicht umfassender Informationen schon ein wenig.

Aber Eines würde ich von vornherein ausschließen: Die Variante mit der Dichtschlämme, denn Dichtschlämmen sind in der Regel nicht rissüberbrückend.

Sinnvoller erscheint mir dagegen eine Bitumen-Dickbeschichtung.
Bitumen-Dickbeschichtungen gibt es in verschiedenen Typen / Qualitäten. Sie sind rissüberbrückend und je nach Produkt sogar gegen drückendes Wasser einsetzbar.
Bezüglich der Anwendungsbereiche sowie der Verarbeitung sind in jedem Falle die Herstellerangaben maßgeblich.
Dementsprechend wäre auch auf die rauen Wandoberflächen zu reagieren.



Keller abdichten



Was für Maßnahmen erforderlich sind hängt in erster Linie von der zukünftigen Nutzung des Kellers ab.
Leider haben Sie mit dem Aufschachten die natürlich vorhandene Abdichtung der Kellerwand (bindiger, gewachsener Boden) zerstört.
WU- Beton liegt auf keinen Fall an, eher ein erdfeucht bis steifplastisch geschütteter/gestampfter B 16 bis max. B 25.
Mineralische Dichtschlämmen sind durchaus eine Option, es gibt sie auch mit flexibler, rissüberbrückender Einstellung.

Viele Grüße



Mit mineralischen Dichtschlämmen ...



... wäre ich im vorliegenden Fall äußerts vorsichtig, selbst wenn sie in 1- oder 2-komponentierer Art flexibel und rissüberbrückend sind.

So ist z. B. die von der BASF angebotene "DICHTSCHLÄMME - flexibel" m. W. nur auf Beton ab der Festigkeit B 25 (CS 20/25), Putz der MG III (CS III) und vollfugig mit Zementmörtel hergestelltem Mauerwerk aus Kalsandsteinen oder Mauerziegeln zugelassen.
Selbiges gilt im Übrigen auch für die Dichtschlämme "PCI Seccoral 2K Rapid".
Alle diese Randbedingungen sind hier wohl nicht gegeben.

Inwieweit es vergleichbare Produkte anderer Hersteller gibt, die auf dem hier vorhandenem Untergrund zugelassen sind, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis.

@ Herrn Böttcher: Für diesbezügliche Hinweise wäre ich Ihnen dankbar.

MfG

Annelie Meisinger



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"Was für Maßnahmen erforderlich sind hängt in erster Linie von der zukünftigen Nutzung des Kellers ab.
Leider haben Sie mit dem Aufschachten die natürlich vorhandene Abdichtung der Kellerwand (bindiger, gewachsener Boden) zerstört."

Der Keller soll ausschließlich als Stellplatz genutzt werden. Wohnräume machen hier keinen Sinn (u.a. Deckenhöhe zu gering, Raumaufteilung unpassend).

Das Entfernen des Bodens war unumgänglich, um an die defekten Abwasserrohre zu gelangen.



Mit etwas mehr Zeit ...



... habe ich mich nun doch noch mal etwas intensiver mit der Problematik auseinandergesetzt (man lernt schließlich nie aus).

Im Ergebnis bin ich jedoch wiederum zu der Überzeugung gelangt, dass eine Bitumendickbeschichtung im konkreten Fall zielführend sein kann, d. h. womöglich mit dem geringsten Aufwand, den geringsten Kosten und mit guten Erfolgsaussichten verbunden ist.

Eine m. E. umfassende Erläuterung zu Abdichtungen mit Dickbeschichtungen findet sich auf

http://www.bausachreuthe.de/artikel_kellerabdichtung_teil1.html

so dass ich mir unnötiges Geschreibsel an dieser Stelle sparen möchte.

Die Untergrundvorbehandlung, die Verarbeitung und der Schutz der Isolierung ist je nach Hersteller unterschiedlich, so dass ohne eine vorherige Auswahl / Festlegung an dieser Stelle von meiner Seite aus diesbezüglich leider nichts Weiteres gesagt werden kann.



Kellerabdichtung



In diesem Fall ist keine Dämmung der Wand erforderlich.
Ich vermute das hier jetzt nach der Freilegung der Wand kurzzeitig aufstauendes Sickerwasser vorliegen wird.
Das heißt Einbau einer senkrechten Abdichtung mit Wanddrän und Liniendrän am Wandfuß.
Als Abdichtung bieten sich drei Systeme an:
1. KMB
2. mineralische Dichtschlämme
Diese beiden Systeme haben ihre Vor- und Nachteile aber eines gemein: Sie eignen sich nicht für den Selbsteinbau.
Für ihre sichere Funktion ist der Einbau einer Dränung erforderlich; die ist ebenfalls nicht im Selbstbau auszuführen, kostenaufwändig und nicht wartungsfrei.

3. Tondichtung
Als drittes System bietet sich die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes wieder an: eine Abdichtung aus bindigem, undurchlässigem Boden (System Dernoton). Diese Abdichtung kann auch im Eigenbau aber unter fachlicher Anleitung realisiert werden.

Viele Grüße



Wenn es...



... vor dem Rohrbruch keine Feuchteprobleme gab im Keller, dann sind jetzt auch weitere Maßnahmen eigentlich überflüssig, davon gehe ich jetzt mal aus...

Wenn die Wand aber sowieso schon mal offen ist, dann macht es durchaus Sinn, sich dieser anzunehmen...

Irgendwelche Sperrschichten ohne Hinterlüftung sind unter diesem Hintergrund nicht sinnbehaftet, bleibt also die Noppenbahn...

Was ist eigentlich mit den anderen Wänden?

Gutes Gelingen & LG,
Sebastian Hausleithner



Kellerabdichtung



So einfach kann man sich das nicht machen. Trotz Rohrbruch gab es vorher eine Abdichtung, der zwischen Betonwand und Rohrgraben stehengebliebene natürlich gewachsene bindige Erdblock. Der ist jetzt abgeräumt.
Baugruben (das ist jetzt eine) werden üblicherweise mit nicht bindigem Material verfüllt und bei bindigem Material sind die Verdichtungsgrade eines gewachsenen Bodens kaum erreichbar.
Der Wandfuß des Kellers wird jetzt mit kurzzeitig aufstauendem Wasser beaufschlagt, die berühmte Noppenbahn verstärkt diesen Prozess noch.

Viele Grüße



Andere Wände



"Was ist eigentlich mit den anderen Wänden?"

Die sind ganz gut "in Schuss", was auf bestimmte bauliche Gründe zurückzuführen sein dürfte:

Die rückwärtige Kellerwand grenzt an einen Schuppen, so dass von dort zumindest kein Oberflächenwasser an der Wand versickert. Sie ist daher auch durchaus trocken.

Die auf dem Bild genau gegenüberliegende Kellerwand steht nahezu frei, da das Gelände auf der anderen Hausseite ca. 1,20 Meter tiefer liegt. Auch hier keinerlei Feuchtigkeitsprobleme. Zudem ist es die Südseite, die Wand wird also gerade jetzt im Sommer, immer gut durchgetrocknet.

Die Kellerwand zur Straße hin weist ebenfalls keine Feuchtigkeit auf. Bis auf die Stellen an den Fallrohren. Das Problem ist hier ebenfalls mindestens ein Rohrbruch an der Ableitung unter der Straße (mittels Video-Kanalinspektion war das deutlich zu sehen). Wir werden also die Ableitung des Fallrohres neu gestalten und dann dürfte auch dieses Problem gelöst sein. Die alte Ableitung wird stillgelegt.



"Trotz Rohrbruch gab es vorher eine Abdichtung, der zwischen Betonwand und Rohrgraben stehengebliebene natürlich gewachsene bindige Erdblock."

Nur im vorderen Bereich der Kellerwand. Ca. 50% waren komplett geschalt. Es handelt sich nur um ca. 3-4 Meter, die komplett gegen die Erde geschalt wurden.



Aber auch hier im Forum gehen die Meinungen bzgl. der möglichen Maßnahmen der freigelegten Kellerwand auseinander... 5 Experten, 5 Meinungen... ;) Und da soll man als Laie dann entscheiden. Schwierig...



Die Wahl ...



... der Abdichtung würde ich in erster Linie von der Beschaffenheit bzw. vom Zustand der Betonwand abhängig machen.

Wenn der Beton eine ausreichende Festigkeit aufweist, kommen m. E. prinzipiell die Abdichtungen
- kunstoffmodifizierte Bitumendickbeschichtung (KMB)
- 1- oder 2-komponentige, flexible mineralische Dichtschlämme (je nach örtlichen Feuchte-Randbedingungen)
- Tonabdichtung (z. B. DERNOTON)
in Frage.

Sollte der Beton nicht mindestens der Klasse C 20/25 (alte Bezeichnung B 25) entsprechen, dürfte die Variante mit der mineralischen, flexiblen Dichtschlämme von Vornherein ausfallen.

Die Entscheidung, ob folglich eine Bitumendickbeschichtung oder eine Tonabdichtung gewählt wird, würde ich dann u. a. davon abhängig machen, ob die Betonwand die Verdichtung des Tons - immerhin muss dieser auf eine 97-%ige Proctordichte gebracht werden - verkraftet. Dabei geht es nicht nur um die Bodenpressung, sondern auch um die mechanische Belastung. Ich denke, dass es sich einfach nicht vermeiden lässt, dass die Platte des Vibrationsstampfers in heftigen Kontakt mit der Wand kommt. - Ich denke, wer selbst so ein Gerät schon mal "gebändigt" hat, weiß, wovon ich rede.

Wenn für die Betonwand keine Gefahr durch das Verdichten bestehen sollte, ist die Tonabdichtung nach meinem Dafürhalten durchaus in die engere Wahl zu ziehen.
Den Vorteil sehe ich insbesondere darin, dass die Wand keiner intensiven Vorbehandlung unterzogen werden müsste. Auch wären raue Oberflächenpartien keine Problemzonen.

Es könnte also einen Versuch wert sein, mit Ton zu arbeiten.

Praktische eigene Erfahrungen mit Tonabdichtungen kann ich allerdings nicht beisteuern, wohl aber mit Bitumendickbeschichtungen.
Diese haben stets - natürchlich bei fachgerechtem Aufbringen - das gehalten, was sie versprochen haben. Und das auch ohne Drainage und sonstiges "Gedöns". - Wichtig ist halt nur, dass die Beschichtung vor mechanischen Beschädigungen geschützt wird.

Informationen zur Tonabdichtung von DERNOTON finden sich im Übrigen hier:

http://www.dernoton.de/downloads/ba/prospekt_ba.pdf