Heizungseinbau in Fachwerkhaus 1760

01.09.2010



Hallo liebe Community,

wir haben ein Fachwerkhaus aus dem Jahre 1760 erworben. In diesem wurden die letzten 5 Jahre umfangreiche Modernisierungen durchgeführt (neue Fenster, Bad, Wasser, Strom, Dach gedeckt - aber keine Dämmung).

Was fehlt ist eine vernünftige Heizung, derzeit hängen in den Räumen einzelne Heizkörper (keine Nachtspeicher) - diese wurden auch im Jahre 2005 angeschafft - laut derzeitigen Besitzern waren Stromkosten von 300€ p.M. fällig (inklusive "Haushaltsstrom").

Bevor wir nun nächsten Jahr einziehen, überlegen wir ob wir eine Heizung einbauen lassen.

Zu den Gegebenheiten: Gasanschluss am Haus, kein Keller - nur ein kleiner "Heizraum" - ohne Schornstein. Bisher waren wir bei Hochtemperaturwärmepumpe und haben dafür auch ein Angebot bekommen in Höhe von ca. 20.000€, ein zweites Angebot wird sich wohl zwischen 25.000-30.000€ bewegen. Unser Limit liegt eher bei 20.000€.

Nun überlege ich, was Sinn macht, Gas oder Luftwärmepumpe - dabei habe ich eine Frage zur Kostenrechnung. Die Investition für LWP ist höher als für Gas - aber der monatliche Verbrauch auch?

Ich habe jetzt mit ca. 20.000kWh Bedarf gerechnet - kommt auch mit den derzeit 300€ hin. Bei einem Wirkungsgrad von 2,5 benötige ich noch ca. 8000kWh Strom - zu einem Preis von ca. 1.300€ p.a. - Gas dagegen würde mich 900€ kosten.

Sehe ich das richtig, das LWP mehr Investition und mehr Jahresverbrauch kostet - oder habe ich einen Fehler? Rechnet sich LWP dann nur in gut gedämmten Häusern?



Unter



"Lästermäulern" gilt die Luftwärmepumpe als "legitimer Nachfolger der Nachtspeicherheizung" ;-)).
Ein Wirkungsgrad von 2,5 hebt noch nicht einmal die Verluste beim Strom von der Erzeugung bis zur Nutzung auf, macht also aus ökoöogischer Sicht keinen Sinn. Wenn diese beiden Varianten zur Wahl stehen, plädiere ich für eine Gasbrennwerttherme, mit solarer Unterstützung, mindestens für das Brauchwasser.



Über



die Kostenrechnung bin ich erst darauf gekommen das LWP für uns wohl teurer kommt. Was ich mich aber frage, warum das so "modern" ist und auch oft verkauft wird?

Ich brauche halt Alternativen und da sehe ich Gas weit vorne, da am Haus - hier brauche ich aber noch den Schornstein.

Die Investition für WW-Heizkörper + Rohre habe ich sowieso.

Solar sieht schlecht aus, wegen Denkmalschutz und Kosten. Wie gesagt, 20.000€ ist angestrebt - das dann über KfW.



Wes´ Brot ich ess´, des` Lied ich sing....



Wir suchen auch gerade nach einem guten Konzept für die Zentralheizung.
Wenn man ohnehin am sanieren ist ist der fehlende Schornstein nicht unbedingt ein Hinderniss. Wir bauen jetzt einen selbst auf, Schiedel SIH, der Kostet laut Liste dm16cm, H=10m ~1800€ abzgl. Rabatt beim Baustoffhändler.
Verglichen mit den Mehrkosten, die eine WP (welcher Art auch immer) gegenüber einer Gastherme hat, ist das aber in vielen Fällen tragbar.
Bisher wollte mir auch noch jeder HB erzählen, dass bei der WP bis zur amortisation in 10-15Jahren keine Reparaturen anfallen. Vielleicht liege ich ja falsch, aber das glaube ich nicht.
Wir haben uns gegen die WP und für einen Holzvergaser mit kleinem Oelkessel als "Backup" entschieden, Gas haben wir leider nicht, dafür einen intakten Oeltank.

PS:
Wann amortiesieren sich eigentlich die hohen Investotionskosten einer WP, wenn diese nicht mehr über ein TSG betrieben werden können/dürfen?

Erhitzte Grüße
Michael



Eine Wärmepumpe...



... im Altbau macht nur Sinn wenn man mit niedrigen Temperaturen also einer Fußbodenheizung heizen kann.
Alles andere ist reine Energieverschwendung.
Wir haben unser Fachwerkhaus mit FBH und Heizkörper ausgerüstet und mit Gasbrennwerttherme beheizt.
Die Solaranlage macht nur das Brauchwasser warm.
Im Prinzip könnten wir und unsere FBH mit einer WP betreiben. Dabei käme aber nur eine Luft-Wasser-WP in Frage und die würde höchsten 50 Euro im Jahr weniger Strom kosten als die Gaskosten im Vergleich.
Wichtig ist bei eine Luft-Wasser-WP die Jahresarbeitszahl (JAZ). Die Hersteller geben aber leider immer nur die Arbeitszahl (COP) an. Die ist immer vergleichbar mit dem Bezinverbrauch eines Autos. Im Idealfall benötig das Auto auf der Autobahn mit Rückenwind nur 5 Liter. In Wirklichkeit benötigt es 7. So ist es auch mit der WP.
Im Idealfall ist die COP 3.3 und sonst 2.5 oder kleiner.
Bei sehr niedrigen Temperaturen benötig man sogar einen elektrischen Heizstab und der heizt dann 1 zu 1.

Gruß Tobias B.



Moin Peter,



eine Gasbrennwerttherme kann man auch kostengünstig in einer Ecke vom Dachboden unterbringen und brauch dann nur ein kurzes Stück doppelwandiges Rohr (wg. Verbrennungsluftansaugung) durchs Dach, statt Kamin.

Gruss, Boris



Ja,



das ist eine gute Idee, der Dachboden ist derzeit nicht ausgebaut und wird es auch in nächster Zeit nicht. Ich habe gestern noch Termine wegen Heizungsberatung ausgemacht. Im haustechnikdialog Forum wurde mir noch gesagt, ich soll unbedingt auf ein Zweirohrsystem achten. Aber dort hat man mir auch von einer LWP abgeraten.

So kommen wahrscheinlich noch ein paar Erdarbeiten dazu, um das Gas durch den Hof zu verlegen.



Problem,



machen dann aber die WW-Anschlüsse. Die befinden sich derzeit beim Boiler im EG, das müsste dann alles noch hochgezogen werden. Vom Gewicht her für den Tank müsste man auch schauen. Dann vielleicht doch lieber an den Schornstein.



Moin Peter,



ob du nun den Pufferspeicher ebenfalls auf den Dachboden verlegst oder die Leitungen runterziehst, kann dir nur jemand vor Ort sagen.

Da du für eine moderne Therme nur Kunstoffrohr brauchst, kost das auch nicht die Welt, aber vielleicht spielt ja auch der Raumgewinn eine Rolle.

Eine einfache Planskizze (einmal oben, einmal unten) hilft dir bei den Besprechungen und der Kostenschätzung auf jeden Fall weiter.

Gruss, Boris

P.S. Wir haben z.B. eine Kombination aus Gas/wassergeführtem Kaminofen und Solar....achte also drauf, dass du später möglichst einfach erweitern kannst, falls die Gaspreise mal ins uferlose steigen. Wenn du dann z.B. den Gasheizungskamin am einzig möglichen Platz für den Ofenkamin gelegt hast, ärgerst du dich.....