Vorgehensweise für Aufmauern einer alten Bruchsteinwand unter Stahlträger

28.04.2021 matschuen

Welchen Mörtel nutzen?

Hallo zusammen,

ich habe mich bereits durch verschiedene Threads gearbeitet. Wie so oft, bin ich mir allerdings immer noch etwas unsicher und habe mich daher zu diesem, meinem ersten Posting entschieden.

Zunächst ein paar Worte zum Hintergrund:

Ich habe (zusammen mit einem Zimmermann) vor Kurzem drei alte Holzträger einer Holzbalken-Decke in einem ehemaligen Stall durch einen Stahlträger ersetzt. Der Stahlträger ruht aktuell noch auf Sprießen. Die notwendigen Löcher in den Bruchsteinwänden (Bild der Wand im ersten Kommentar), sollen nun um den Stahlträger herum im Stil der Mauer aufgefüllt werden.

Die Mauer selbst soll im Anschluss gebürstet und gereinigt werden. Abschließend soll dann eine Art "Schlämmputz" aufgebracht werden. Ziel ist es, die (m.E. schöne) Struktur der Mauer sichtbar zu belassen.

Beim Öffnen der Löcher für den Stahlträger hat sich gezeigt, dass der alte Mörtel (die Wand ist ca. 200 Jahre alt) keine hohe Festigkeit mehr aufweist. Die Steine ließen sich von oben herab mit mittlerem Kraftaufwand "abnehmen". Der alte Mörtel hat eine weißliche Farbe mit einem teils groben Korn, ich vermute daher einen mageren Mörtel auf Kalk-Basis (siehe angehängtes Bild).

Wir würden nun gerne die Fehlstellen wieder mit Mörtel aufmauern, der für das Mauern unter einem Stahlträger geeignet ist.

Gleichzeitig wollen wir , dass "von Außen" die Mauer vom Fugenbild her optisch und haptisch vergleichbar zum Status Quo ist. Auch wenn wir als letzten Schritt mit einem Schlämmputz die gesamte Wand ohnehin noch einmal weiß einfärben wäre unsere Wunsch, dass unter dem Schlämmputz die Fugen trotzdem einheitlich sind.

Meine Idee war daher, die Fehlstellen mit einem Mörtel der Gruppe III(a) auf (Kalk)Zement Basis aufzumauern. Im Anschluss würde ich dann versuchen, einen Mörtel zu finden / herzustellen, der optisch dem alten Mörtel ähnlich ist (siehe Bild).

Meine Frage:
- Haltet ihr diese Vorgehensweise für eine sinnvolle Idee (Mauern mit Mörtel auf Zement Basis der MG III(a) und im Anschluss mit einem anderen Mörtel verfugen?
- Habt ihr eine Idee, wie ich einen Mörtel für das Verfugen herstellen könnte, der in etwa dem Mörtel im Bild im Anhang (und in den Kommentaren) entspricht?

Für ein paar Ratschläge wäre ich dankbar. Gerne bei Unklarheiten Rückfragen stellen.

Besten Dank vorab

Matze Schulte



Fugenbild der Wand


Fugenbild der Wand

Fugenbild der Wand



Detail


Detail

Detail



Punktbelastung?



Habe ich das richtig verstanden, Ihr habt drei Holzbalken gegen einen Stahlträger getauscht, der in der Mauer aufliegen soll?
Wir haben gerade alle Stahlträger einer "Sanierung" aus den 50er jahren wieder ausgebaut, da die Bruchsteinmauern die Punktbelastung gar nicht vertragen haben und sich von den Auflagern ausgehend große Risse gebildet haben, die teils bis zum Boden reichten und die Wand destabilisierten. Unter den Stahlträgern sind selbst die großen Bruchsteine geborsten. Im Bereich der Zementeinputzungen scherten auch die umliegenden Flächen weg. Wir mussten einen Stahlträger drinne lassen, der als Unterzug eingesetzt wurde - dieser liegt jetzt aber auf einem sehr langen Auflager aus Eiche in der Mauer, um den Druck besser zu verteilen.



Korrekt



Ja, das haben Sie korrekt verstanden. Allerdings: Zwei der drei Holzträger waren erst nachträglich als Unterstützung des verfaulten dritten Holzträgers eingebaut worden. Insgesamt sind die Lasten auch nicht hoch. Desweiteren ruhen auf der Mauer auch noch mehrere Stahlträger einer (ca. 100 Jahre alten) Beton-Kappendecke, ohne dass Risse erkennbar wären. Wir machen uns daher diesbezüglich keine Sorgen.

Noch ist es unter dem Stahlträger zudem frei. Zwischen der letzten Steinreihe und dem Träger werden wir mit einem geeigneten Mörtel verfüllen, so dass wir auch keine Punktbelastung haben werden, sonden sich die Last (wie bei einem Holzträger flächig auf dem Auflager verteilen wird.



Geeigneter Mörtel



ich bezweifle, dass es einen geeigneten Mörtel gibt, der aus der wirkenden Punktlast des aufliegenden Stahlträgerquerschnitts eine flächige Verteilung dieser Last auf das darunterliegende Mauerwerk vornehmen kann. Hier wird sich nur tatsächlich eine Lastverteilung über Balken oder Stahlplatte etc. anbieten.



Zurück zur eigentlichen Frage



Vielen Dank für die Beiträge bzgl des Auflagers. Ich werde sie entsprechend beherzigen.

Worum es mir in meinem Eingangsposting aber eigentlich geht, ist das Aufmauern bis zum Träger und wie ich einen Mörtel herstellen kann, der mit dem Originalmörtel vergleichbar ist.



Mörtelgruppen



ein Mörtel der Mörtelgruppe III ist ein Zementmörtel. Den Mörtel, den du angleichen willst, soll der zum Verfugen sein ? Da würde ich einen NHL 3,5 oder 5 mit Sand der passenden Körnung mischen.



Re: Vorgehensweise für Aufmauern einer alten Bruchsteinwand unter Stahlträger



Zum Vermauern der Bruchsteine reicht ein Kalkzementmörtel (MG II od. IIa) dicke aus. Denn es hat keinen Sinn wenn der Mörtel härter/druckfester ist als die Steine.
Wenn die Wand dick genug ist kannst du auch der Optik wegen innen und außen mit Bruchsteinen eine Art Schalung mauern und dazwischen ausbetonieren, damit die Last verteilt wird. Lege in den Beton unten zwei Baustahlstäbe nebeneinander rein und gut ist. Je nachdem wie viel Last das Auflager (auch evtl. zukünftig) ableiten soll, sollte es mind. 60 - 80 cm lang und ca. 12 -15 cm hoch sein. Falls die Wand nicht sehr dick und zu wenig Platz für das Auflager ist, kannst du die Bruchsteine in der Tiefe auf ca. 10 cm schneiden. So lassen sie sich noch recht gut vermauern, ohne zu arg aufeinander rum zu kippeln.
Zur Entkopplung des Stahlträgers (damit er sich "bewegen" kann, ohne das Wandgefüge zu zerreißen) kannst du ihn mit dünnen Dämmplatten "ummanteln", z. B. 10mm-Styrodurplatten, o. ä. rechts, links, oben, und an die Stirnseite und eine druckfeste Gummiplatte drunter kleben.
Und denke bitte auch an einen Rostschutzanstrich bevor du ihn einbaust.

Gruß,
KH