Alte fleckige Holztüren aufbereiten




Hallo Leute,

mal eine Frage an Diejenigen, die sich mit der Aufarbeitung alter Holztüren auskennen.

Bisher bin ich zum Thema ... "Schmeiß die alten Türen weg" ... hart geblieben! Den Kampf gegen die alten Farbschichten konnte ich dank Heißluftföhn, Spachtel und Schleifer für mich entscheiden. An zwei ausgemusterten Türen hab ich jetzt mal im Schnelldurchgang versucht ein Farbmuster zu erstellen.

Die Türen sollten eigentlich nicht wieder deckend gestrichen werden. Abgesehen von der Bläue hat sich allerdings bei den in Kastanie (Auro 160-17)lasierten Teilen gezeigt, daß das Holz hinterher recht fleckig wirkt.

Auf dem vorher geschliffenen Holz sieht man relativ wenig.
Ich tippe auf alte Wasserflecken oder Verschmutzungen, die in das Holz gezogen sind. Evl. hat auch die alte bräunliche Grundierung ihre Spuren hinterlassen.

Vor Aufbringung der Lasur war das Holz unbehandelt. Der letzte Schliff war eine 120er Körnung. Auch hab ich bisher keinen Versuch unternommen die Oberfläche vor Aufbringung der Lasur nochmal mit Seifenlösung oder Spiritus abzuwaschen. Bringt das was? ... Sollte ich hier evl. vorher besser mit einem Grundieröl anfangen? ...
Würde eine zuvor aufgetragene hell (weiß) pigmentierte Lasur helfen die Fleckigkeit zu vermindern bzw. ganz zu verhindern? Was haltet Ihr von Bleichmitteln für Holz?

Danke schonmal für Eure Meinungen dazu!
Gruß aus Berlin



Typische Türgestaltung zwischen 1920 und 1940 --



-- derartige Türen wurden stets unter dem Gesichtspunkt angefertigt, grundsätzlich deckend gestrichen zu werden.
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Das Foto von den beiden "entkleideten" zeigt deutlich, daß

Diese niemals für einen lasierenden Anstrich gebaut wurden.
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Freilich wurde bei der Anfertigung der Türen seinerzeit auch angebläutes Holz verwendet, weil der Handwerker und sein Kunde sich einig waren, daß die Türen deckend gestrichen werden. -- Das war also kein Mangel sondern
damals sebstverständliche Normalität.

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Also : wieder deckend Streichen und die Füllungen nach Geschmack / Empfinden dezent Ton in Ton farblich absetzen.

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Beispiel : Rahmen weiß - Füllungen ein ganz helles grau ( Lichtgrau) --- Oder hellgrün mit Elfenbein ---
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So, jetzt noch einmal ganz deutlich : Alten Bauelementen wie Fenster und Türen eine Frischzellenkur durch einen lasierenden Anstrich verpassen zu wollen, ist einfach
schwachsinnig.
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Ende meiner Durchsage.



Alte Türen mit Holzlasur streichen



Hall Stephan,

die Holzauswahl von dem Tischler war für eine deckende Farbe ausgelegt. Offensichtlich wurde auch schon viel probiert. Insofern macht es wenig Sinn, nun eine lasierende Oberfläche zu erreichen die noch gut aussehen soll. Das geht evtl. mit recht kräftigen Farben - aber dennoch wird man die schlechte Holzqualität und Flecken sehen.

Der 120er Schliff ist für eine wasserlösliche Lasur recht grob. Aber das macht bei diesem Holz nun wirklich nichts mehr aus. Dennoch: Ein Gründlicher Schliff und ein folgender, gleichmäßiger Schleifaufbau vermeidet Flecken durch unterschiedliche Pigmentanreicherungen.

Eine ölhaltige Holzlasur oder ein Grundieröl würden die Flecken nur noch verstärken.

Ein Abwaschen mit Spiritus wird keine Lösung bringen. Mit einer kräftigen Seifenlösung könnte das Sinn machen, wenn Du mehr auf einer gelaugten Oberfläche aus bist.

Natürlich kannst Du noch jede Menge Aufwand betreiben - aber es ist ein gegenläufiges Vorhaben zu dem, was der ursprüngliche Verarbeiter im Sinn hatte: Einen deckenden Anstich.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Jupp ...



da war Meister Milling mit seiner Durchsage einen Tick schneller ... ;-)



Ja, Frank, --



-- es ist verdammt schwer, renovierungswütigen Laien eine
fachlich fundierte Antwort zu schreiben , ohne dabei gleichzeitig in mehrere Fettnäpfchen zu treten.

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Aber, was gesagt werden muß - muß gesagt werden !
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Dabei habe ich mich in meinem letzten Beitrag noch gar nicht über die - auf den Fotos erkennbare - Unterqualifikation des Tischlers geäußert, der die Türen seinerzeit angefertigt hat. -- Bei Rahmentüren , gestemmt oder gedübelt, MUSS das Kernholz IMMER zum Inneren des Rahmens zeigen, weil es deutlich weniger quillt und schwindet als das Splintholz. -- Dadurch, daß das Kernholz
viel weniger quillt und schwindet, bleiben die Eckverbindungen langfristig viel formstabiler und ihrer Bestimmung treu.
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Beste Grüße aus Saggsn nach Frangn
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Andreas





Hallo Meister Milling, hallo Frank,

danke vielmals für Eure klaren Worte! Tut die Frau nicht freuen, aber Sie hat schon Verhandlungsbereitschaft signalisiert.

Was die Ausrichtung des Kernholzes angeht werd ich das jetzt nach 90 Jahren wohl leider nicht mehr reklamieren können. War sicher der Lehrling gewesen! Und dann schnell Farbe drüber, damit's keiner merkt ... ;).

Wenn's mal klemmt, weiß ich woher's kommt.
Gruß aus Berlin,



Deckender Anstrich bei alten Türen



Die Standölfarben von Kreidezeit brauchen zwar etwas Zeit und Fleiß bei der Arbeit - aber sie würden recht gut zu den Türen passen.

Wünsche Viel Erfolg bei der Arbeit.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



holzsichtig



Hallo Stephan,
die beiden Fachleute Andreas und Frank haben zum früheren Erscheinungsbild schon alles sachkundig beschrieben.
Wenn Ihr Eure nun freigelegten Flächen dennoch so belassen wollt, dann kommt eben nur eine Lasur in Frage. Eventuell noch eine Bierlasur die farbig gut abgestimmt sein muß zur Fleckbehandlung. Aber solche Tipps möchte ich nur vor Ort empfehlen, wenn ich die Flächen mir persönlich angeschaut habe.

Als Gemälderestaurator würde ich störende Flecken einfach "weg"-retuschieren. Aber auch das will gelernt sein, es ist für Laien nicht zu ratsam.
Um der Geschichte des Hauses zu genügen würde ich sie wohl auch wieder Grundieren und lackieren.. Das muß nicht Reinweiß sein.