Backsteine nicht für außen?

20.07.2005



Hallöle, wir haben in unserem Backsteinhaus ( Bj. ca. 1870 ) eine Innenwand abgebaut und würden die Steine gerne für Reparaturen der Fassade benutzen. Der Maurermeister meinte allerdings, daß diese Steine nicht für außen geeignet wären. Er meinte das beim Ranklopfen an den Stein zu hören, weil er nicht klingt, wie er klingen sollte. Klirrt irgendwie. Wie kann ich jetzt sicher rausfinden ob es so oder anders ist?

Danke für Eure Antworten.

Stefan aus Finsterwalde



backsteine



ICH PERSÖNLICH KENNE KEIN UNTERSCHIED AUßEN-IHNNEN
wenn die steine strark verwittert sind oder bruchig
dann neue verwenden.





Hallo,

der Unterschied besteht darin, ob der Ton des Steines gesintert ist oder nicht. Ton sintert bei Brenntemperaturen von über 1200 °C. Gesinterte Tonsteine ( Klinker, Feldbranntsteine ) sind wasserdicht! Andere bei niedrigeren Temperaturen gebrannte Ziegel saugen das Wasser auf. Ein anderer Test wäre es, den Stein kurz ins Wasser zu Tauchen. Ungesinterte Ziegel "sprudeln" d.h. sie machen Geräusche, da die Luft entweicht, wenn der Ziegel das Wasser aufnimmt. Mit freundlichem Gruß Mike



musikalischer Maurer



also wenn der Stein in seiner Festigkeit nicht gestört ist kann er ohne Probleme verarbeitet werden.
So könnte das z,b aussehen..siehe Bild..Steine wurden mit Luftkalkmörtel verfugt..

mfg Peter Schneider



Steine oder nicht Steine, das ist hier die Frage..............


Lehmwände und Hummeln

Hallo,
ich hab bei unserer Sanierung 2 mal den Handwerker gewechselt weil er nicht so wollte wie ich.
Unser Haus ist von 1838 und wir haben alle Steine wieder benutzt. Die besonders "ausgewaschen" waren, haben wir einfach nach innen gedreht. Und wir sind damit sehr zufrieden.
Originalton: "Er meinte das beim Ranklopfen an den Stein zu hören, weil er nicht klingt, wie er klingen sollte. Klirrt irgendwie."
Da würd ich wenig drauf geben.
Gruß
Helmut
Ps. das ist aber nur meine Meinung aus dem Gefühl, denn ich bin kein Fachmann



Tonziegel-Feldbrand



Hallo !

Der Test mit dem Wasser ist nicht schlecht. Feldbrand sprudelt nach meiner Erfahrung aber auch ein wenig. Tonziegel sind auch viel weicher, brechen wenn man mit dem Hammer draufschlägt, bei Feldbrand bricht eher der Hammer.
Das Problem mit der Wasseraufnahme ist der Frost, sind die Steine Schlagregen ausgesetzt und es friert, wird die Oberfläche der Tonziegeln abplatzen. Ich hab so eine Ecke an unserem Haus.

Viele Grüße, Karsten



Tja ...



... hier geht wohl ein bißchen durcheinander.

Erst mal zu den Feldbrennern: Diese wurden früher bei relativ tiefen Temperaturen gebrannt, zudem noch sehr unkontrolliert mit einem Spektrum zwischen ca. 300 und 600°C. Dieser haben ein sehr großes Wasseraufnahme-Vermögen, geben es aber auch sehr schnell wieder ab. Die Gefahr von Fristabplatzungen ist aber immer gegeben. Der Vorteil ist beim Fachwerkhaus, daß sie sehr diffusionsoffen sind und gut kapillar leitend sind.

Klinker sind an der Sintergrenze gebrannt (Schmelz-Sintern bei ca. 1.200 °C) und nicht oberhalb der Sintergrenze und sollten an und für sich beim Fachwerkhaus nicht eingesetzt werden, da sie fast dicht sind.

Selbstverständlich kann man auch am Klang eine Grob-Klassifizierung vornehmen. Ein Klinker klingt sehr viel höher als ein Feldbrenner und am Klang lassen sich auch Fehler erkennen. Einem erfahrenen Maurer könnte man da schon trauen.

Gruß aus BS



Umpf.....



Ich hab heute mal den enpfohlenen "Sprudeltest" gemacht. Ergebnis: Die Steine sprudeln wenn man sie ins Wasser steckt. Dabei ist es egal, ob sie aus dem Innern des Hauses stammen oder aus der Fassade. Vielleicht frage ich mal einen Sachverständigen im Maurerhandwerk. Aber, wie`s halt so is: viele Fachleute - viele Meinungen.

Ich dank erstmal für Eure Antworten. Stefan.



Rückfrage @ Bernd Fröhlich



Heißt das, dass der beschriebene Stein vermutlich ein Feldbranntstein ist? Heißt das, dass der Stein für die Aussenfassade geeignet ist?

Woher kommt der Name "Feldbranntstein"?

Interessierte Grüße





Hallo Uwe
Soweit ich mich erinnere wird auf einem Feld Erde (Lehm?)ausgehoben und aufgetürmt, ein Loch entsteht in dem die Steine mitsamt Brennmaterialien aufgeschichtet werden, so entsteht ein Brennofen, der dann angefeuert wird.
In diesem Erdloch entsteht dann die ungelichmäsige hohe Temperatur die den Ton brennt, durch das durchzüngeln der Flammen entsteht die für Feldbranntstein Charakteristische ungleichmäßige Färbung die oft von fast Schwarz bis Rot in einem einzelen Stein vorhanden ist, und das macht sie so schön, da ist keiner wie der andere.
Ich glaube das fast alle Backsteine sehr alter Häuser in unserer Region so oder ähnlich gebrannt wurden.
Soweit von mir als Laie, mein Bruder ist Keramiker und hat mir das vor Jahren mal kurz erklärt.
Gruß
Hartmut



Feldbrenner



Moin Uwe,

der Name Feldbrenner u.ä. kommt daher, daß die Ziegler früher ein Wandergewerbe hatten. Sie errchteten ihren Brennofen auf dem FELD neben der Baustelle - also "fliegende Bauten". Bei dieser Methode konnten keine sehr hohen Brenntemperaturen erreicht werden.

Diese Steine klingen beim Anklopfen weseentlich dumpfer als die heute gebräuchlichen, höher gebrannten Ziegel.

I.d.R. erkennt man das auch an einer stärkeren Porösität der Oberfläche.

Gruß aus BS

Bernd





Feldbranntsteine wurde früher direkt bei der Lehmkaute gebrannt, so sagte mir ein alter Mann in der Nachbarschaft. Daher der Name. Bei uns sind die Feldbranntsteine etwas flacher, etwa wie ein halber Backstein.

Grüße Annette



Dann habe ich auch noch



... ein paar Feldbranntsteine in der Scheune liegen. Nur mit dem Unterschied, daß diese sehr gleichmäßig hellrot sind. Also müssen diese wohl industriell hergestellt worden sein. Ein Ende des "Ziegelstein" ist nicht rechtwinklig, wie heute üblich, sondern mit einem Stumpfen Winkel geformt. Mit anderen Worten. Ein Ende hat eine kurze und eine länger Seite.

Was hat es mit solchen Steinen auf sich?

Habe in der gekauften Literatur noch nichts darüber gelesen.



Formsteine ...



... nimmt man zum Mauern von Bogen, Segmenten etc.



hart und weich



Hallo !

Ich habe gestern mit einem alten Maurer gesprochen, was es denn mit den verschiedenen Ziegeln auf sich hat. Die Feldbrandsteine wären die harten (Hammerprobe), ungleichmäßig schwarz-gelb-rot gefärbten mit Einschlüssen. Meistens auch sehr ungleichmäßig geformt, die schönsten wurden ausgesucht und damit außen das Sichtmauerwerk gemacht, die krummen kamen in die "zweite Reihe". Tonziegeln wären die gleichmäßig roten, die deutlich weicher sind und meistens schon brechen wenn man sie fallen lässt. Damit würden Innenwände oder die innere Reihe der Außenwände gemauert. Die harten wären Witterungs(Frost)fester als die weichen, Anschauungsmodell steht bei mir im Hof. Ich mach nacher mal ein Foto.

Liegt´s vielleicht nicht nur an der Brenntemperatur, sondern auch am Material ?

Viele Grüße,
Karsten



@Karsten



Dann sind es wohl Tonziegel. Die Ziegel sind sehr weich.

Ich habe 3 Stück davon verwendet um ein Loch im Schornstein zu verschließen. Ich hoffe der Ziegel wird nicht vom "Sott" zerfressen. Zumindest in den nächsten 50 Jahren nicht.



Material ?



Was soll denn der Material-Unterschied bei Feldbrennern und Tonziegeln sein?

Alle mauerziegel werden aus Ton gebrannt - alles andere ist Wortklauberei oder Unsinn.

Eins stimmt: je härter, desto frostsicherer.

Die Zusammensetzung des Materials spielt natürlich auch noch eine Rolle. Das ist aber für die Unterscheidung zwischen weichen Feldbrennern und harten Klinkern nicht maßgeblich.

Natürlich hatten Feldbrenner aufgrund der nicht kontrollierbaren Brennvorgänge unterschiedliche Qualitäten und Färbungen. Schwarzfärbungen sind aber auch häufig bedingt durch das Brennmaterial => Ruß etc.



Material ?



Hi !

>>>>>>>>>
Was soll denn der Material-Unterschied bei Feldbrennern und Tonziegeln sein?

Genau das war ja meine Frage. Die Tonziegel sind vom Material sehr homogen und die mir als Feldbrand bekannten Dinger sind, wie schon bemerkt kunterbunt und auch schonmal mit ein paar Kieselsteinchen drin.
Ich dachte vielleicht das man für die Tonziegeln "sauberen" Ton aus einer Tongrube nahm und für Feldbrand einfach mal auf dem Feld gebuddelt hat.


Viele Grüße,
Karsten



Richtig !



Aber Brenntemperatur und Materialzusammensetzung sind unabhängig voneinander zu sehen.

Einige Dinge - Korngrößen etc. - sind auch historisch bedingt. Heute wird halt sauberer gesiebt. Auch bei historischen Putzen gab es Korngrößen bis 8 mm, heute i.d.R. bis 2 mm.

Feldbrenner bleiben aber trotz aller Material-Unterschiede weich gebtannte Ziegel - die heute leider, auch mit besserem Material nicht mehr hergestellt werden.

Wer solche Steine fürs Fachwerk hat, oder ergattern kann, sollte unbedingt zugreifen. Diffusionsoffenheit und kapillare Leitfähigkeit sind unübertroffen.

Liebe Grüße

Bernd



Weich und ganz weich.



Hallo !

Dann sind die Dinger, die ich bisher als Feldbrand angesehen habe, wohl eher Klinker ? Die sind nämlich erheblich härter als die gleichmäßig roten Tonziegeln. Lassen sich mit Hammer und Meißel ähnlich schlecht bearbeiten wie "guter" Beton oder Kalksandsteine.


Viele Grüße,
Karsten





@Bernd

wir haben schon 2 x 7cbm Mulden weggeschmissen...
*räusper*.

Keiner will das Zeugs haben...

Wenn Du Dir ne Basalt-Bruchsteinmauer (Trockenmauer) bauen willst, sag Bescheid, bevor ich das Zeugs wieder im Garten vergrabe... :-). Ich weiß schon nicht mehr, wohin mit den ganzen steinen...

Grüße Annette



Frostopfer



Hallo !

Hier wie versprochen das Foto. Die Wand war jahrelang vollkommen ungeschützt der Witterung ausgesetzt. Deutlich kann man die Auflösung der roten Tonziegeln sehen, die Reste kann man mit den bloßen Fingern rausholen. In der mittleren Reihe die wesentlich härteren schwarz-gelben Steine ohne Abplatzungen.


Viele Grüße,
Karsten



@Karsten



Nach dem Foto müßte es sich um Feldbrenner oder eine ähnliche Qualität handeln.

Derartige Farb- und Qualitäts-Unterschiede waren früher auch innerhalb einer Charge durchaus möglich. Immerhin konnten die Temperatur-Unterschiede in einzelnen Sektionen der damaligen einfachen Öfen 100°C und mehr betragen.

25% Totalausschuss waren damals keine Seltenheit. Hierzu wurde aber auch schon angeführt, daß früher nach Sortierung des Brandes minderwertige Qualitäten in der zweiten Reihe verbaut wurden.



@Annette



Danke für das Angebot. Habe leider keinen Platz mehr - und die Transportkosten wären auch nicht ohne.

Versuch's doch mal zusätzlich mit einer kostenlosen Kleinanzeige auf www.baurat.de

Liebe Grüße

Bernd





Hallo Bernd,

für diese Steine habe ich auch die Bezeichnung Feldbrand im Kopf. Aber wie gesagt, wenn Du meinst die wären weich gebrannt, dann fällt mir außer Granit nicht mehr viel ein was noch härter sein könnte.


Viele Grüße,
Karsten





Hallo Karsten,

dann schau Dir zusätzlich mal einen hartgebrannten Klinker an - und klopf mal drauf herum. Es ist ein viel spröderes Material.

Gruß aus BS

Bernd



Hallo Karsten,



hier nochmal ein Bild von von den verschiedensten
Steinen.
Vielleicht kann ein Fachmann ja die unterschiedlichen Brennarten an diesem Bild erklären.
Gruß
Helmut



Spröde



Hallo Bernd !

Stimmt, als spröde würde ich die Feldbrandsteine nicht bezeichnen, dann würden sie wohl auch leichter brechen.

viele Grüße,
Karsten



Mischung



Hallo Helmut,

auf der rechten Seite scheinen weich-gebrannte Ziegel verwendet worden zu sein. Es müssen nicht unbedingt Feldbrenner sein.

In der ehemaligen Türöffnung scheinen auch andere verbaut worden zu sein - gerade im Mittelteil. Es sieht aber nicht so aus, als seien es Klinker, die an der Sintergrenze gebrannt werden.

Hoffe aber nicht, daß es rechts gesandete, hartgebrannte Handstrichziegel sind ;-) Das würde ich Dir nicht zutrauen.

Grüße aus BS

Bernd



Aber aber..........



es sind ORIGINAL Handformsteine, nur die in der ehemaligen Türöffnung, sind noch nicht wieder in den Urzustand zurückgebaut worden.
Alle Steine sind von mir persönlich gesäubert, mit Handbürste und Wasserschlauch !!!!!! und die Innenseiten wurden nun nach außen gekehrt und wieder in Lehm eingemauert.
Im Bild unten siehste auch noch " Klosterformat " die ich aus einem alten Kuhstall von 17-hundert... bekommen habe.
Gruß
Helmut

Ps. Ich hab zur Zeit noch ca. 300 dieser und anderer weichgebrannter Steine liegen. ( Wenn jemand braucht....)





Bei uns gibt es diese roten Backsteine, die sind außen.
Die gelblich-bunten sind auf den Fußböden der Ställe und in so einem kleinen "Kabuff" unter der Scheune.

Das, was Helmut da hat, das bezeichnet man bei uns als Feldbranntsteine, die sind nicht so hoch.
Sehen eigentlich super aus. Ich hab mir ein paar aufgehoben für ein kleines Backhaus im Garten.

Tja, so ist es halt. Die einen schmeissens weg und der nächste hätts gerne gehabt.

Wir haben 2 Kamine eingerissen und noch eine ganze große Wand, die richtig tief und breit war. Die Backsteine waren sogar nur mit Sand/Lehm Gemisch vermauert, also nicht mal voller Mörtel...

schadeee...

Aber wo soll man das ganze Zeug lagern? Aus meinem Gemüsegarten ist der Basalt-Bruchsteinablageplatz geworden. Und man schleppt das Zeugs von der einen Stelle auf die andere (gehts Euch auch so?)



Also doch



@Helmut,

dann lag ich im Prinzip doch richtig. Die alten sehen ja wirklich noch super aus.

@Annette
Der Begriff Feldbrenner hat nichts mit dem Format zu tun. Die gab es früher - vor den überregionalen Normungsbestrebungen - in allen möglichen Formaten, auch individuellen. Ich habe in meiner Liste ca. 100 verschiedene, überreginal bekannte Formate.

Es gab früher allerdings eine Tendenz: Je weiter nördlich, desto kleinformatiger waren die Ziegel - weil sie im nördlicher Klima schlechter trockneten, hat man halt kleinere gebacken.

Gruß aus BS

Bernd



je nördlicher je kleiner ?????



@Bernd, da stimm ich Dir nicht ganz zu.

Denn was ist mit "Reichsformat" und "Klosterformat" ?
Meine Steine mit Reichsformat sind schon recht groß und die Klosterformat sind noch um jahrzehnte älter und noch erheblich größer.
Beide Formate stammen aus dieser "nördlichen" Gegend und sind keineswegs "klein".
Gruß
Helmut



Abend-füllend



Helmut, jetzt haben wir aber ein Thema zu fassen ...

Ich hatte vorhin bewußt von Tendenzen gesprochen, nicht von einer Art Regel etc.

Es gibt allein ca. 10 Formate, die sich Klosterformat nennen, tw. mit Längen über 30 cm.
Die alten bayrischen Formate liegen meistens über 30 cm Länge. Das kleinste mir bekannte Klosterformat hat eine Länge von 27 cm

Dagegen sind die holländischen Ijsselziegel mit 153 x 75 x 45 wahre Winzlinge.

Es lebe die Vielfalt ,-)

Bernd





Hallo Stefan,

ich wohne in Prieschka (Nähe Elstererda/Bad liebenwerda).
Ich finde es ganz gut, dass es noch andere Leute gibt, die sich für ältere Häuser interessieren. Ich habe ebenfalls vor in der nächsten Zeit ein altes Bauernhaus im Nachbarort zu kaufen, um dieses dann historisch und ökologisch zu sanieren. dies gehört ja auch beruflich zu meinen Hauptaufgaben (www.höb-lindner.de oder www.xn--hb-lindner-ecb.de) Zwecks Erfahrungsaustausch können wir ja in Verbindung treten.

Viele Grüße René