Denkmalschutz im Innenbereich




Hallo
ich interessiere mich für ein unter Denkmalschutz gestelltes Haus nähe Freiburg. Die lage würde mich schon sehr reizen aber der Denkmalschutz beeinträchtigt wohl das Umbauvorhaben sehr stark. Ich muss vorneweg sagen das ich noch nicht mit dem Zuständigen Beamten gesprochen habe und sich meine Infos nur auf die Aussagen des Verkäufers stützen.
Im Innenbereich des ersten Stocks sind die Vertäfelungen an der Wand und die alten Türen sowie der Treppenaufgang geschützt. Im oberen bereich auch wieder Vertäfelungen und Türen plus Dielenboden außerdem beträgt hier die Stockhöhe nur 1.95m.
Was meint Ihr darf ich folgende umbauten machen ??
Ich würden gerne die Stockhöhe oben auf mindestes 2.25m erhöhen und die türen auch micht mehr einsetzen da hier ja die Schlafzimmer und Kinderzimmer entsthehen sollen. Unten würde ich ja die Vertäfelungen vielleicht noch lassen und auch die eine oder andere Tür aber nicht alle und die Raumaufteilung oben und unten stelle ich mir auch anders vor.
Ich bin mir nicht sicher wie ich mit dem Denkmalamt umgehen soll. Der Verkäufer hatte schon einen Termin mit dem Denkmalamt da war ich aber nicht dabei. Kann ich da als möglicher Käufer meine Umbauwünsche äußern oder muss ich da zum Bauamt. Ich habe auch schon gelesen das man sich mit denen "Gut Stellen " soll da die ja am Längeren Hebel sitzen. Ich spiele aber auch mit dem Gedanken einfach einen Abbruchantrag zu stellen da das Haus nach meiner Einschätzung nicht benutzbar ist (da nur ein Holzherd und nur sehr alte Bäder vorhanden sind)und darauf zu hoffen das er wegen der Unwirtschaflichkeit der Sanierung im verhältnis zum Nutzen durchgeht. Ich will das Haus auf keinen Fall abreißen aber dann kann ich ja innen machen kann was ich will. Würde bedeuten ich kann da altes einsetzen wo ich will.

Wie ist euere Einschätzung dazu ?



warum



kaufen sie nicht einfach ein haus, was zu ihnen passt? und nicht eines, das sie sich erst schön-abreißen müssen?
da steht ein stück kulturelles erbe vor ihnen - welches nicht ihren persönlichen geschmack trifft, (was völlig legal ist, man muss nicht alles schön finden)und alles was ihnen einfällt, ist rücksichtsloser umgang.
die unwirtschaftlichkeit ist kein argument, denn sie wissen ja davon, ihre privatsache, ob sich das im Kaufpreis niederschlägt oder nicht. im übrigen werden sie genau aus diesem grund über steuerliche abschreibungsmöglichkeiten, die jedem anderen hausbesitzer verschlossen sind, subventioniert. ein Gebäude unter denkamlschutz ist per se unwirtschaftlich, eine festlegung, die der gestzgeber bereits getroffen hat.
und glauben sie allen ernstes, der Denkmalschutz läßt sich verarschen?



Nicht umsonst



werden Häuser unter Denkmalschutz gestellt. Sie sind historische Zeitzeugen. Wenn Sie sich für ein Denkmal entscheiden, sollten Sie sich auch mit den dazugehörigen Konsequenzen abfinden. Eine Veränderung der Raumhöhe ist eine Veränderung des Gebäudes und verändert den Charakter (des Gebäudes)!
Bei Ihren Vorstellungen sollten Sie vielleicht einen Neubau in Betracht ziehen. Er ist wahrscheinlich billiger und Sie können Ihre Wünsche ohne Bedenken realisieren.
Der Denkmalschutz ist auch dazu da, um alte Gebäude vor allzu Sanierungswütigen Käufern zu schützen.
Die Nutzbarkeit eines alten Hauses hängt nicht von der Heizungsanlage oder den sanitären Einrichtungen ab. Für diese Änderung bekommen Sie auf jeden Fall eine Genehmigung.
In unserem Haus waren ebenfalls nur Kohleöfen und die Toilette war auf dem Hof. Ein Bad gab es garnicht.
Es wird eine Wandheizung eingebaut, Heizquelle ist noch nicht klar, entweder Holzvergaser oder Wärmepumpe (kommt auf unsere Finanzen an).
Außerdem bauen wir in jedem Stockwerk ein Bad ein.
Die Raumhöhe beträgt im EG 2,20 m, im OG 1,95 m und wird auch so bleiben.

Gruß aus Dortmund
Harald Vidrik



Die erwähnten Details...



...machen den Charakter des Hauses aus. Sicherlich ist es manchmal ärgerlich und unverständlich, daß die Behörde auch zuweilen für die Innenräume Vorschriften macht - versuchen Sie aber besser erst 'mal, diese Besonderheiten in Ihre Planungen einzubeziehen.

Nicht jede Behördenentscheidung ist in Zement gegossen, über vieles läßt sich sachlich reden. Wenn Sie im Außenbereich besonders engagiert die Substanz erhalten, lassen sich vielleicht im Inneren Abstriche durchsetzen - eine zeitgemäße Nutzung darf der Denkmalschutz m.E. nicht verhindern. Türen lassen sich auch umsetzen, Vertäfelungen sind eine schöne Hanwerksarbeit und schützen die Wände. Und die Dielen, was spricht gegen sie? Und was gibt es für Alternativen? OSB und darauf Laminat? Nein Danke! Wenn die Gefahr besteht, daß meine Kinder später hinter vorgehaltener Hand über meinen "Baustil" spotten könnten ("Der bekloppte Alte hat die schönen Vertäfelungen 'rausgerissen"), sollte ich dem nicht Rechnung tragen?

Gehen Sie doch erst 'mal mit konkreten Plänen auf's Amt (lassen Sie sich dort auch einen Architekten empfehlen, mit dem die Behörde gut kann, das macht viel aus). Und dann berichten Sie doch hier darüber.

Gutes Gelingen

Thomas



werde es mal so machen



Danke für die Antworten.
Ich werde auf jeden Fall erst mal mit der Behörde reden und mir jetzt mal konkrete Vorstellungen machen wie ich mir den Umbau vorstellen könnte. Meine Freunde haben alle so Häuser von der Stange und das will ich halt nicht.
Vielleich sollte ich noch sagen das das Haus kein Fachwerkhaus oder ähnliches ist. Es sieht noch nicht mal alt aus da die Fasade in einem guten Zustand ist. Deshalb gibt es wohl auch für äußeren Dinge keinen Schutz.
Aber mit einer Stockhöhe von 1,95m Türen 1,75m und bei 1,85m Größe ist halt nicht so praktisch. Da kann ich ja noch nicht mal in der Dusche stehen und da ich halt nicht mehr im 18.Jahrhunder lebe sondern heute will ich halt auch einen gewissen Standart.
Klar kann man jetzt sagen "Dann bau halt ein neues Haus"

Wollt auch nur mal wissen ob jemand schon ähnliche Dinge mit dem Denkmalamt vereinbart hat damit man auch mal vergleichen kann was möglich ist.
Es ist an dem Haus auch so das im hinteren Bereich schon mal in den 60ern ein Anbau gemacht wurde und da kann man wohl machen was man will.
Ich hoffe halt ich kann die Denkmal geschützten Dinge auf einen Bereich konzentrieren und nicht da mal ein Stück und da ein Stück. Die Vertäfelungen sind schon ok und auch der Dielenboden. Die stehen hier auch nicht zur Diskussion.

Ich habe auch schon viel hier und anders wo gelesen und manchmal habe ich das Gefühl das ein Architekt aus einer alten Burg innen eine Top moderne Designer Wohnung machen kann aber der Allgemeinbürger der den Charme eines Alten Hauses weitestgehend erhalten will dann der Willkür der Behörden unterliegt.
Was ich auch nicht ganz verstehe ist wie der Denkmalschutz den Erhalt der Sachen kontrolliert.
Die können doch nicht einfach in mein Schlafzimmer kommen und mal eben schauen ob die Tür noch die alte ist. Oder ?
Ich weis nicht ob es sich so anhört als ob ich nichts auf Denkmalschutz gebe. Das tue ich sehr wohl.
Ich fahre auch einen Oldtimer und da merke ich mit der aktuellen Feinstaub Diskussion wie sehr der Staat an der Erhaltung von Kulturdenkmälern interessiert ist :-(
Danke für euere Hilfe.



altes Haus...



bleibt altes Haus.
Als wir damals unser erstes Objekt fertig stellten, hatten wir etliche Diskussionen mit dem Denkmal-Amt. Ein Satz von mir aus der Zeit ist: ich will doch nicht im Museum wohnen!
Aber: je mehr man selbst sich mit der Materie auseinander setzt, je intensiver man sich damit befasst, um so mehr Respekt bekommt man vor den Altvorderen.
Heute sind wir mit Begeisterung am 2. Objekt - von vornherein mit Blick auf das alte (um es zu erhalten) und damit die nächsten Generationen auch noch ihre Freude daran haben dürfen. Das geht aber nur, wenn wir versuchen, alte ursprüngliche Arbeitstechniken zu erkennen und zu pflegen.

Wir haben hier Häuser, die haben Kriege, Hungersnöte, Generationen kommen und gehen sehen.

Es ist schade ums Objekt, wenn Sie sagen: ich kann mit 1,95 Deckenhöhe nicht leben.
Ich glaube, Sie sind besser beraten, sich ein Objekt zu suchen, welches ihren Vorstellungen entspricht - irgendwo findet sich schon ein Liebhaber, der das Haus so annimmt, wie es dasteht.



Daß Staat und Ämter



mitunter grauenvoll patzen, enthebt ja mich als Einzelnen nicht der Verantwortung.

Gerade hier in Dresden gibt es direkt neben in aller Welt bewunderter Architektur gebauten Wahnsinn. Die moderne Treppe am barocken Landhaus ist so ein Fall: nicht mal modern im Sinne eines konsequent umgesetzten neuen Gedankens, sondern einfach nur ein hässliches Gerüst (Bei einner Fluchttreppe kann man freilich auch sagen: "Form follows function" und die architektonische Umsetzung nackter Angst versuchen). Blättert ein wenig nach unten, dann findet Ihr das Foto. Ein monströses Architekturwerk (soll eine Haltestelle sein) mit Blickbeziehung zu Dresdener Zwinger und Schloß oder die unsägliche Waldschlößchenbrücke spielen in der selben Liga.

http://de.wikipedia.org/wiki/Treppe

ABER: Kann oder soll ich deshalb im eigenen Bereich genau so patzen?

Jetzt kommt Besuch. Soweit vorerst mit Grüßen

Thomas



ostwall



habe ich die neue haltestellenanlage am postplatz getauft. ich finde, das triffts irgendwie.
auf einer breiten straße in moskau wäre das ding gar nicht mal so schlecht.
ich stand da letztens im regen (ist ja die alte und trotz allem für-immer-heimat)und habe mich gefühlt, als wäre ich genau da: es war kalt und seelenlos ohne ende. gefühlte temperatur minus 20grad. ganz abgesehen davon, dass die proportionen mit der umgebenden Bebauung überhaupt nicht stimmen.
bei der waldschlösschenbrücke bin ich ein bißchen zwiegespalten, was mir aber nicht in den kopf will, ist, dass man nicht einen entwurf fertigbringt, der das zeug zum Denkmal von morgen hat. das blaue wunder war schließlich auch mal schrecklich modern. viel problematischer finde ich die gigantischen zu- und abwegungen, die für solche projekte heute geplant werden (müssen). Das Ergebnis ist dann nicht schiller- oder körnerplatz, die wenigstens das zeug zur städtischen ödnis haben, sondern eine betonwüste.