Freie Wassersättigung von alten Vollziegelsteinen (Schornsteinmauerwerk)

29.05.2013 Indium1



Hallo an alle Leser,

ich brauche dringend Informationen/Quellen über alte Vollziegelsteine (ca. 100 Jahre alt) die hartgebrannt wurden. Es geht sich hierbei um die freie Wassersättigung in Masse Prozent wenn ein Ziegel oder auch nur eine Probe davon vollständig in drucklosem Wasser gelagert wird. Hartgebrannte (gesinterte???) Ziegelsteine (auch Vormauerziegel genannt) nehmen nur sehr wenig Wasser auf, aber was ist das Maximum an Aufnahme? Zudem hätte ich gerne gewusst wenn diese zerstört sind bzw. nur eine Probe davon entnommen wird. Kann die Probe ein anderes Ergebnis bringen als ein vollständig intakter Ziegel?

Suchmaschinen haben mir leider nicht weitergeholfen oder ich habe die falschen Begriffe verwendet. Auch ist es mir nicht möglich einen Versuch zu starten da ich keine alten Ziegelsteine übrig habe!

Wäre nett von euch wenn Ihr mir ein paar Tipps oder Quellen geben könntet!!!

Vielen Dank und freundliche Grüße

Rolf aus Düsseldorf



Hallo Rolf



Zumindest mit alten hartbrandziegeln für den selbstversuch könnt ich dienen.

Grüße aus Solingen



Sättigungsfeuchte



Ich habe bei mir in den Unterlagen die Sättigungsfeuchte für Vollziegel mit einer Rohdichte von 1.750 kg/m³ gefunden, sie beträgt 0,29m³/m³ oder 290 Liter Wasser pro m³.
Allerdings ist das ein eher akademischer Wert, die Wasserkapazität (das ist die Menge Wasser die ein Baustoff kapillar und drucklos noch halten kann) beträgt für diesen Ziegel 0,18m³/m³.

Viele Grüße



Re: Hallo Rolf



Sehr geehrter Herr Linden,

vielen Dank für Ihre Antwort und das Angebot!!!

Habe gerade mit einem Bekannten telefoniert der ein Abrisshaus in seiner Nähe gefunden hat wo alte intakte Vollziegel rumliegen. Falls das nicht die richtigen Ziegel sein sollten, hoffe ich nochmals auf Sie zurückkommen zu dürfen?

Viele Grüße

Rolf aus Düsseldorf



@ Rolf



Ja sicher gerne, kein Problem!

Aber ich denke auch das die Angaben von Georg richtig sind.

Grüße Martin



Re: Sättigungsfeuchte



Sehr geehrter Herr Böttcher,

vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort!!!

Könnten Sie mir noch eine Frage beantworten?

Folgendes Szenario:

Altes Schornsteinmauerwerk (Baujahr ca. 1912) ohne Abdeckscheibe;
Laut Schornsteinfeger handelt es sich um hartgebrannte Ziegel im Verbund mit Mörtel;
Der Schornstein wurde vom Keller bis über Dach mit gleichen Materialien erbaut;
Am Sichtmauerwerk des Schornsteins, also über dem Dach, waren witterungsbedingte Schäden sichtbar (Fugen teilweise ausgebrochen / Ziegel aber absolut intakt);
Im Dachboden waren die Fugen ausgesandet, aber auch hier waren die Ziegel intakt;

Unterhalb des Dachbodens befindet sich ein Raum wo am tapezierten Kaminzug braune Feuchteflecken erschienen sind (in Deckenhöhe);
Das Sichtmauerwerk des Schornsteins wurde von daher mit Kunstschiefer verkleidet und der Kaminzug im Raum neu verputzt, tapeziert und weiß gestrichen;
Vor ein paar Monaten kamen wieder braune Feuchteflecken am Kaminzug an gleicher Stelle zum Vorschein;

Ein Sachverständiger machte daraufhin vom Inneren des Gebäudes eine gravimetrische Feuchtigkeitsbestimmung durch Darren und Sorption, die er im Labor untersuchen ließ. Das Dach hat er aber nicht betreten um am Schornstein nach Mängeln zu suchen;

Für diese Feuchtigkeitsbestimmung entnahm er nur kleine Proben von Tapete, Putz und Ziegel, nicht aber Proben von dem Fug- bzw. Mörtelmaterial. Um eine Probe vom Ziegel zu entnehmen musste Hammer und Meißel mehrfach eingesetzt werden, da beim ersten Schlag sich nichts tat.

Das Endergebnis dieser Prüfung war, dass Feuchtigkeit nur in der Putzprobe vorgefunden wurde (Wassergehalt 9,7 M-%), wo hingegen der Ziegel keine Feuchtigkeit aufwies (Wassergehalt 0,0 M-%). Der Sachverständige meinte, dass diese Feuchtigkeit im Putz nicht vom Ziegel stammen könnte und durch den Putz zum Raum hin austrocknet, da in diesem Fall der Ziegel feuchter sein müsste als der Putz. Darüber hinaus sagt er, dass zum Zeitpunkt der Probeentnahme das "Ziegelmauerwerk" des Kaminzugs trocken war. Eine Feuchtigkeitsquelle, die zur Durchnässung führt, war nicht festzustellen.

Seltsamerweise werden die Feuchteflecken auf dem Kaminzug im Raum aber immer größer. Was mir auch komisch vorkommt ist das der Sachverständige das gesamte Ziegelmauerwerk für trocken befindet obwohl er nur Ziegelproben und nicht auch das dazugehörige Fugmaterial entnommen hat.

Ach ja, Dach ist absolut Dicht auch zum Schornstein hin und im Schornsteinbereich liegen keinerlei Wasserrohre!

Was halten Sie von dieser Geschichte (halbe Wand getestet, ganze Wand für trocken befunden sowie nicht nach weiteren Ursachen über dem Dach am Schornstein selbst gesucht)??? Könnten die Fugen der Verursacher sein???

Ups, dass waren ja gleich zwei Fragen! :-)


Viele Grüße

Rolf aus Düsseldorf



Berichtigung



@Herr Böttcher

Berichtigung eines Fehler im vorletzten Absatz!

Was halten Sie von dieser Geschichte (halbes Ziegelmauerwerk getestet, komplettes Ziegelmauerwerk für trocken befunden sowie nicht nach weiteren Ursachen über dem Dach am Schornstein gesucht)??? Könnten die Fugen der Verursacher sein???

Sorry!



Danke Martin



Danke Martin!!!

Grüße Rolf



Zur Schornsteinsituation,



würde mich mal interessieren was für eine Heizung(Gas/Oel ?) oder eventl. Lüftung an den Schornsteinzug/zügen angeschlossen sind.

Sie schreiben, der Schornstein ist ohne Abdeckscheibe.
Kann es da zwischen Kunstschiefer und gemauerten Schornstein oben reinregnen, oder meinen Sie mit Abdeckscheibe die leicht gewellten Edelstahl Schornsteinhauben?

Mit Grüßen
Danilo



Schornstein



Ist der Schornstein noch in Betrieb?
Wenn ja ist er verrohrt oder wird er klassisch genutzt?
Umgerechnet beträgt die o.g. Wasserkapazität 10,28 M%.

Viele Grüße



Sehr geehrter Herr Böttcher und hallo Danilo!!!



Sehr geehrter Herr Böttcher und hallo Danilo,

vielen Dank für Ihre Antworten!

Ich lege Ihre Fragen mal zusammen und Antworte wie folgt:

Die Mauerkrone des Schornsteins ist während der Verkleidungsmaßnahme mit einer Blechabdeckung versehen worden, sodass der kleine Spalt zwischen Verschieferung und Sichtmauerwerk verschlossen ist. Eine Schornsteinabdeckplatte (Meidinger Scheibe) oder einen Schornsteintopf gibt es nicht, der Kaminschacht ist also vollständig offen. Auch ist der Schornstein nicht verrohrt und seit ca. 40 Jahren nicht mehr in Betrieb (keine klassische Nutzung, keine Heizungsanlagen, Lüftungen oder Dunstabzüge). Auch gibt es keine Dachrinnen, Abwasser- oder Zuleitungssysteme in dieser Umgebung. Es kann also nur Niederschlagswasser (Hagel, Regen, Schnee) in den offenen Kaminschacht gelangen und an den Innenwänden herunterlaufen.

Zusatz: Dieser Schornstein ist einwandig gemauert. Zwischen Kaminschacht und feuchten Innenputz liegen ca. 12 cm Fugenstrecke.

Ich tippe stark auf die innenliegenden Fugen die die eindringende Feuchtigkeit weiterleiten. Dennoch habe ich hier leichte Bedenken ob nicht auch dabei der Ziegel feucht sein müsste???

Fast vergessen: Geheizt wird zwar mit Gas aber die Abgase werden über ein komplett anderes Schornsteinsystem abgeleitet der ca. sechs Meter vom schadenursächlichen Schornstein entfernt steht. Beide Schornsteine haben somit nichts miteinander zu tun.


Viele Grüße

Rolf aus Düsseldorf



Schornstein



Wenn das so ist dann verhält sich dieser Schornstein im Winter wie eine gigantische Kühlrippe. Unterhalb des sicher gut belüfteten Dachbodens sind die Räume wärmer und die Temperatur höher. Der Schornstein kühlt aus, in seinem Zug kann kalte Winterluft regelrecht hineinfallen. Die kalte Oberfläche führt zu Kondensatausfall, deshalb der Feuchte Putz.
Übrigens: Die Gleichgewichtsfeuchte von Vollziegeln liegt etwa bei 1,5 Vol.-%, das entspricht bei meinem oben angegebenen Ziegel etwa 15 Liter Wasser pro m³.

Viele Grüße



Re: Schornstein



Sehr geehrter Herr Böttcher,

von dieser Seite habe ich es noch nicht betrachtet aber hätte das Feuchtigkeitsproblem nicht schon vor langer Zeit auftreten müssen? Wie schon angemerkt ist der Schornstein seit ca. 40 Jahren nicht mehr in Betrieb.

Viele Grüße

Rolf aus Düsseldorf



Schornstein



In den letzten Jahren gab es sicher bauliche Maßnahmen die den Status so wie er vor 40 Jahren war geändert haben. Neue, dichtschließende Fenster, eine andere Heizung, andere Nutzungsgewohnheiten- das reicht um solche Erscheinungen auszulösen.

Viele Grüße



Re: Schornstein



Also Fenster sind im Jahre 1980 ausgetauscht worden (normale Doppelverglasung), Heizung zuletzt im Jahre 1995. Meine Heizgewohnheiten haben sich nicht verändert (20 Grad im Winter). Auffällig ist ja auch das es sich nicht um gewöhnliche Feuchteflecken auf der neuen Tapete handelt sondern um gelb-braune Flecke. Das könnten teerähnliche Bestandteile sein die sich im früheren Betrieb im Inneren des Kamins abgelagert hatten. Selbstverständlich können sich diese Bestandteile in Kontakt mit Wasser (allgemeine Feuchtigkeit) lösen. Nur wie kommen diese Bestandteile dann in meinen Raum?

Darüberhinaus was kann man tun damit die Phänomen nicht mehr auftritt? Schornstein zuschütten, abbauen oder könnte ein regelrechter Verschluss des Kaminschachtes schon ausreichend sein???

Viele Grüße

Rolf aus Düsseldorf



Schornstein



Das was Sie schildern nennt man Versottung. Es dauert Jahre bis die Mischung aus Teerölen, anderen PAK und Wasser nach innen kapillar durchsickert. Was man dagegen tun kann?
Das ist eine schwierige Frage. Ich hatte so ein Problem noch nicht zu lösen, aber es gibt eine Menge Rezepte, angefangen von Sperranstrichen bis zu Kuhdung im Putz.
Bei umfassenden Sanierungen mit denen ich in der Regel zu tun habe empfehle ich den Abbruch von ungenutzten Schornsteinzügen bis in Höhe der oberen genutzten Ebene, das schafft Platz und beseitigt eine Schwachstelle in der Dachhaut. Der Rest kann stehenbleiben und findet als Installationsschacht Verwendung.

Viele Grüße



Wenn Sie



den Kaminzug oben verschließen, müsste das ausreichen und es ist erstmal die einfachste Variante.

Zu baulichen Veränderungen in den letzten 40 Jahren, wird es schon reichen, wenn am Schornstein irgendwelche Revisionsöffnungen bzw. Rohreinführungen verschlossen wurden und dem Kamin so der "Zug" genommen wurde.

Mit Grüßen
Danilo



Funktionsweise Kamin



Interessantes Thema, wir renovieren derzeit ebenfalls eine Etagenwohnung BJ 1905 mit 3 Kaminzügen. Einer davon ist auch noch in Benutzung. Beim Ausbessern des kaputten Putzes der sehr schlecht verschlossenen Ofenrohrlöcher wurde schon in 2 CM tiefe, also dort wo Mauersteinebene beginnt, Ruß sichtbar. Daher habe ich das Loch vollständig geöffnet und Materialgleich mit übrig gebliebenen Mauersteinen im Verband neu zugemauert und verputzt. Von der Aktion ein paar Fotos. Die Kontaktflächen der noch fest vermauerten Ziegel habe ich mit einer Drahtbürste von Ruß gereinigt. Der dabei abrieseldne Dreck wurde vom sehr starken Zug des Kamins (ca 22 Meter hoch, hier sind wir auf ca. 11 Meter Höhe) sofort eingesaugt. Es rieselte kaum etwas ins Zimmer.
Im keller ist eine Revisionsöffnung mit Stahltür vorhanden. Lediglich im Geschoss über uns wird noch ein Gasofen an dem Kamin betrieben.



Funktionsweise Kamin 2



Aufgefallen ist mir dabei, dass der Kaminzug oben keine Abdeckung hat. Es kann also wie bereits angesprochen, hineinregnen und hineinschneien oder eine Säule also frostig kalter Luft darin stehen. Ein Kaminkehrer meinte zu mir, dass in einem derartig langem Kaminzug immer ein Zug herrscht und der Feuchtigkeitseintrag durch Regen kaum die Menge erreichen könnte um darin Schäden zu verursachen. Eine Abdeckhaube auf dem Dach sei grundsätzlich baulich nicht nötig und nur etwas für beunruhigte Gemüter. Ich hab ihm das ersteinmal geglaubt, da unsere Kaminzüge auch unauffällig sind. Anbei ein Foto vom Innern, gen Himmel fotografiert. Man kann glaube auch gut sehen, wie die Wartung des Kaminkehreres den Dreck stets abgekratzt hat. dadurch sind auch die Fugen ca. 2 cm tief ausgekratzt.



@ bonotho,



der Kamin kann doch keine schließende Abdeckung haben , wenn in der Wohnung über Ihnen noch eine Gasheizung angeschlossen ist.?

Ihre Sanierungsmaßnahme finde ich dazu ganzschön mutig, in einen alten Schorntein, der noch 11m Höhe über Ihre Etage hat, ein solches großes Loch einzustemmen.

Mit Grüßen
Danilo



@ Danilo



Danke :) Aber wenn einem der Mist, mit dem das Loch verstopft war, freiwillig entgegen kam, ist die statische Frage für mich keine mehr. Man kann ja an den rußgeschwärzten Flanken des Lochs sehen, dass da kaum Kontakt war und daher auch keine statische Wirksamkeit gegeben war. Der Kaminzug steht außerdem nicht frei, sondern an einer tragenden Wand mit der er verzahnt ist. Über die Statik habe ich mir gar keine Gedanken gemacht, eher darüber dass einem nicht einfach eine Menge Dreck in den Raum geblasen werden würde. War aber nicht. Am Folgetag wurde wieder verschlossen:

Mit Abdeckung auf dem Kamin meine ich eigentlich eher ein Dächlein auf Stelzen, dass den Blick gen Himmel verhindert hatte. Der Rauch quillt dabei ja außen vorbei.



An alle die mir geholfen haben: DANKESCHÖN



Hallo Martin,
hallo Herr Böttcher,
hallo Danilo,
hallo bonotho,

verspätet möchte ich mich für die vielen Tipps die ich bekommen habe nochmals bedanken!

Ich wünsche allen ein schönes Wochenende!

Viele Grüße

Rolf aus Düsseldorf