Fensterabdichtungen beim FW und Mauerwerk Wände

23.03.2009



Wir wollen neue Türen- + Holzfenstern in unsere Altbau einbauen lassen und würden sehr gerne wissen, wie wir die fachgerecht im Bezug auf den alten Bestand Abdichten sollten.
Geht es hier nicht um eine Homogehnen Wandaufbau und die Vermeidung von plastischen Fugenmitteln etc?
Freue mich auf die Forum
OTW



Fenster einbauen



Hallo,

zur Abwechslung mach ich mal ein wenig Werbung, denn bis auf den Bauschaum, den Sie bitte weglassen, könnte der Text auch von mir sein: http://www.ege.de/uploads/dokumente/fenster_montage.pdf

Da sind die Grundzüge beschrieben. Andere Dinge aber nicht, denn es gibt 1001 Möglichkeit, richtig ein Fenster einzubauen, und genausoviele es falsch zu machen, auch wenn man sich an die Gebrauchsanleitung hält.

Ich nenn mal die wichtigsten Problempunkte:
1. Eine saubere lot- und fluchtgerechte Anschlagebene. Kompriband gleicht eben nicht alles aus ! Am einfachsten ist die Ebene aus einer Lage Sperrputz (hochhydr.Kalk mit Silbersandanteil)herstellbar. Muß man in Bruchstein bauen oder ist aus anderen gründen kein Anschlag hinzubekommen, sollte ein Stahlwinkel dreisietig umlaufend eingesetzt werden.

2. Die korrekte Befestigung im Mauerwerk und die sichere Auflast: Mit Fenster-Befestigungskrallen von Würth.
Vergessen Sie Bankeisen, durchschrauben und andere Formen der Fensterzerstörung !

3. Die schalldämmende und kapillaraktive Mittelebene der Fuge: Mit Stopfhanf gut in den Griff zu bekommen (als ersatz für den beliebten Bauschaum).

4. die richtige passende Fensterbank für den konkreten Einbaufall.

Gutes Gelingen





Guten Morgen Herr Beckmann,
Danke für den Antwort. Ich habe trotz allen weitere Fragen auf Ihren Antworten.
1. Lot- und Anschalgebene: Ist gut aber sollte ich nicht der Wandneigung anpassen oder doch lot bleiben?
2. Was meinen Sie mit eine "Lage Sperrputz". Meinen Sie hier beim Sandsteinmauen etc.?
3. Eine Anschlag beim FW und MW- Wänden ist nicht vorhandenen. Ist dies Schlecht? Schließlich denke ich beim NSS-Mauerwerk, dass die seitlichen Abdichtungen schwer wird?
4. Sie diesen "Fenster-Befestigungskrallen von Würth" zu empfehlen? wenn Ja wieso?
5. Sie meine acu, dass BAuschaum nicht das beste hier für seien? Aber die HAndwerkern schwören darauf? Wieso mögen Sie dies nicht?
6. Wie meinen Sie das, mit der passandes Fensterbank zu finden?
Freue mich auf Ihren Antwort
Ciao OTW





Guten Morgen,

zu1: Ich ziehe lotrechte Fenster vor, auch wegen der sonst entweder von selber auf- oder zuschlagenden Flügel.

zu2: Der Sperrputz ist ein Putzbett, das den Fensteranschlag egalisiert.

zu3: Beim Fachwerk ist kein Anschlag vorhanden, o.K., das liegt in der Natur des Fachwerks, dann kann man außen und innen verleisten;

zu4: Weil diese krallen speziell nur für diesen einen Zweck hergestellt werden und eine sichere und zwängungsfreie befestigung des Rahmens erlauben.

zu5: das habe ich mir gedacht. Handwerker lieben alles was fix geht. Und nach 5 jahren, wenn der Bauschaum zerbröselt, ist ja die Gewährleistung hin. Bauschaum bei Fachwerk ist ein Tabu !

zu6: Die richtige Fensterbank sollte Ihnen der Fensterbauer für den jeweiligen Anwendungsfall empfehlen.

Grüße vom Niederrhein



Abdichtung Anschlag



Alte Methoden: um 1920 wurden Fenster in ein frisches Mörtelbett aus Kalkmörtel mir Rosshaar gedrückt - das hielt aber auch nur bedingt, da die Mörtelfuge mit der Zeit bröselte.Außerdem war sie nie 100% Luftdicht. Als Maurer mußten wir den gemauerten Anschlag mit Kalkzementputz eben putzen (der Anschlag/Spiegel wurde eingelattet) und anschließend kamen die Fenstermonteure, die eine Dichtschnur aus "Stoffresten" auf dem Fenster annagelten, bevor Sie das Fenster montierten. Ich selber bevorzuge weiterhin einen geputzten Anschlag (WARUM SILBERSAND ??), an dem ich die Fenster mit Dichtband (WÜRTH; ILLMOD; BTI - da gibt es viele Anbieter) lotrecht ausrichte und befestige. Allerdings verwende ich Montageschrauben durch den Rahmen, die ich unter den Fensterbeschlägen weitestgehend verstecke. Die Montagekrallen sind zwar okay, aber nicht einfach zu handhaben, wenn die Montagefuge zu groß ist. Außerdem sind bei den jetzigen Leichtziegeln die normalen Dübel mit 8er Schraube nicht sicher, da beim Bohren die Kammern oft wegbrechen - auch wenn man das Bohrschlagwerk ausstellt. Der Rahmendübel hat hingegen eine ausreichende Länge und kein Kriechverhalten wie ein Kunststoffdübel.
Lot und waagerecht ist - wie bereits hier geschrieben, wegen dem Flügel wichtig, im Fachwerk kann aber auch eine Anpassung an die Fassade optisch gut sein - jedoch bringt das Einschränkungen bei der Nutzung des Flügel (fällt immer auf oder zu..)
Fenster im Fachwerk - wenn Sie an der vorderen Kante im Lichten stehen, sollte man diffusionsoffen nach außen abdichten, Holzleisten wären auch optisch passend, innen je nach Einrichtung Leisten mit Dichtband oder Silikon - aber da wird es hier sicher widersprüchliche Meinungen geben. Zumindest wäre hier die Montagekralle nicht angebracht, da sie ev. beim Fachwerk obenauf - also sichtbar bleibt. Außerdem sind da die Fenster relativ klein.
Setzt man sie hinter den Balken (als Anschalg wegen der gröeren Lichtaubeute (etwa 12 cm Lichtgewinn), dann kann man auch hier mit Dichtbändern arbeiten. Innen dann ebenso Latten/Bretter.
Die Tür im (massiven EG) auf alle Fälle hinreichend oft verschrauben. Hier würde ich auch Schaum verwenden (wegen dem zusätzlichen Halt - hat schon mal jemmand versucht, eine eingeschäumte Tür wieder auszubauen ?)Hier würde durch den Schaum weder dem Mauerwerk nur der lassierten Tür etwas nachteiliges geschehen.
Im übrigen zerfällt der Bauschaum nur sehr schnell unter Sonneneinwirkung. Ich selber habe Schaum ausgebaut, der nach über 15 Jahren noch 100% i.o. war.
Fazit: Die Abneigung gegen Schaum beruht nicht selten auf ein Vorurteil! Aber er ist auch kein Allheilmittel. Er hat auf dem Bau jedoch seine Berechtigung, man sollte aber Alternativen prüfen. Soweit zum Thema "Schaum".
Das ist meine persönlicher Vorschlag - es wird noch genügend Widersprüche oder Alternativen geben. Jedenfalls bin ich darauf gespannt, solang sie nicht altklug daherkommen....
MFG



Fensterbdichtungen



Hallo,

danke erst einmal für Ihren umfassenden Beitrag. Warum Silbersand? Weil der Nullkornanteil für Masse sorgt, die bei einem Sperrputz sehr erwünscht ist. Dadurch wird das wasserführende Porenvolumen reduziert.

Warum kein Schaum: aus drei Hauptgründen
1. kann FCKW (verboten) enthalten, und es ist für die Bauleitung nicht kontrollierbar, welche Dose jetzt erlaubtes und welche verbotenes Treibgas enthält.
2. zerbröselt, aber eben jeder anders; kann man auch nicht kontrollieren
3. läßt gasförmiges Wasser (Dampf) rein, kondensiertes aber nicht wieder raus und schadet damit angrenzenden Holzbauteilen von Fenster und Fachwerk, Dämmwert nimmt ab.
4. nährt die Illusion, damit sei die Befestigung und die Dämmung gleichzeitig erledigt.

Wahr ist und bleibt: Schaum ist schnell.

Vorübergehend war Schaum daher nach VOB bei VOB-Verträgen verboten, mittlerweile hat die Lobby für Abhilfe gesorgt.
Nach WTA sollen kapillar leitfähige Dämmstoffe verwendet werden.

Grüße vom Niederrhein





Ich hab es glaub schon mal geschrieben...
Der Schaum war noch nie verboten. Es wurde lediglich 2005 nach VOB/C die Regelausführung in Mineralfaserdämmstoff angegeben. Demzufolge wäre der gute alte Stopfhanf dann auch zu dieser Zeit nicht mehr erlaubt gewesen...
Seit Ende 2006 wurde das richtigerweise wieder in "Dämmstoff" geändert.

Grüße,
Peter



Silbersand:



Warum den Anschlag denn so absperren, eigentlich hat der doch nur eine Dämmfunktion. Außerdem stellt er eine Abdichtungsebene dar (Schlagregen kommt nicht an die Fensterflanke). Für die Fenstermontage ist der Anschlag auch von Vorteil, man kann das Fenster schneller und besser ausrichten.
Würde der Sperrputz nicht sogar verhindern, das möglicherweise entstehende Kondensat durch das Mauerwerk aufgenommen werden kann. Es würde in der Fuge länger verbleiben.....???

Wenn WÜRTH; BTI oder HILTI FCK-haltigen Schaum noch verkaufen würden, na dann gute Nacht.
Das schaum zerbröselt, ist anzunehmen, aber zersetzt sich nicht alles: ich traue da dem Schaum mehr als PVC-Dübel. Habe aber auch schon zersetzte VKP-Bänder gesehen.
Auch ein Nagel rostet und kann nach wenigen Jahren sich auflösen - doch nimmt kaum einer V2A-Material....
Mit meinen Erfahrungen bei Schaum kann ich leben, aber bin auch für realistische Alternativen offen.


MFG und Danke für Ihre Erklärungen zum Sperrputz.



Herangehensweise


Fenstereinbau im historischen Gemäuer

Mehrere Wege sind möglich, doch sollten sie nicht so enden, wie im nebenstehende Foto.
Leider werden heute noch sehr viele Einbaufehler gemacht und das spricht sicherlich auch aus Ihrem Munde.
Es gibt also mehrere Möglichkeiten Bauteile (Fenster/Türen) fachgerecht einzusetzen.
Entweder mit Dichtbändern gegen Schlagwettersicherheit und trotzdem die mechanischen Befestigung mit Fensterdübeln.
Innenseitig sollten beim Fenster die Winddichtungsstreifen vorhanden sein, die ein luftdichtes Anbinden ans Bestandsmauerwerk sicher stellen.
Die Anputzmöglichkeiten sind dann ebenfalls sehr unterscheidlich. Entweder direkt ans Bauteil mit Mugenschnitt oder mit sogenannten APU-Profilen arbeiten.
Im Innenbereich kann direkt bis auf das Bauteil aufgeputz werden, was eine zusätzliche Dichtheit in diesem Bereich mit sich bringt.

Bei Türen ist ein einschäumen sicherlich die gängigste Variante, aber auch da gibt es Alternativen zum chemischen Produkt.
Verdeckte mechanische Verschraubung im Falz der Türrahmendichtung (bei Futtertüren natürlich!).
Dies hatte uns einmal ein sehr interessierter und handwerklich begabter Bauherr überstellt und gezeigt.
Bin heute noch dankbar für diesen Tipp.

Ein guter Ansprechpartner ist hier:

Schreinerei Peter Musch
pme
Espachstr. 1
88453 Erolzheim
Tel.: 0735491270
Fax : 0735491281
eMail: p.musch@t-online.de


Grüße Udo Mühle