Salpeter ? auf der Lehmwand

30.05.2007



Gibt es ein Mittel dagegen? Die Wände sind ca 60 cm dick, sie sind innen ca 1 mtr hoch komplett feucht, weißer Belag und schwarze Flecken , teilweise fallen Teile des Putzes ab. Das Haus stand viele Jahre leer.Ich denke es ist Erdfeuchte. Horizontale Sperren dürften schwierig sein, das Haus hat wohl kein Fundament , der Boden ist auch gestampfter Lehm. Wenn mir jemand einen Tip hätte ( außer abreißen ) wäre ich dankbar.
Gruß
A. Kicksee



Vielleicht



Ein Freund von mir hatte auch ein ähnliches Problem. Wenn Du von aussen nicht vernünftig Abdichten kannst ( aussen trocken legen) und innen keine Horizontalsperre einbauen kannst, dann gibt es noch zwei mir belannte Möglichkeiten.

1.) Einpsritzsysteme. Sie sollen aber nur bis zu 5 Jahre halten.
2.) Ein elektrisches System, das wohl die Polarisierung umdreht und Wasser vom Haus begdrückt. Mein Freund hat das bei sich gemacht und der alte, echt nasse Keller ist seit zwei Jahren pulver trocken. Es ist wohl ein patentiertes System. Bei Interesse schreib mir an gudula.kuesters@gmx.de. Dann besorge ich Dir die Adresse.

Liebe Grüße
Gudula

An alle Fchleute- ich bin nur Laie und kann nur Erfahrungen wieder geben.



Feuchte Lehmwand



Liebe Andrea,
um Dir helfen zu können, braucht es schon ein paar genauere Angaben, auch Fotos können helfen.

Vorerst nur soviel:
Ist es wirklich eine Stampflehmwand oder nur eine innen mit Lehm verputzte Bruchsteinwand?
Wände, vor allem Lehmwände, wurden NIE auf den blanken Boden bzw. das Fundament gesetzt, sondern auf einen Sockel aus Werksteinmauerwerk, der als Abdichtung gegen aufsteigende Feuchte diente.
Nur wenn die Funktion dieses Sockels durch Überputzen mit Zementputz oder Auffüllen des Geländes überbrückt wird, wird das Mauerwerk feucht. Andere Ursachen können sein Kondenswasser im Inneren, hygrische Feuchte durch Salzbelastung in Folge von Fäkalien, (eine im ländlichen Bereich häufig auftretende Schadensursache) und Planschwasser durch undichte Dächer, Leitungen usw.
Wenn sich diese Feuchteeinträge akkumulieren (es geht mehr Wasser in die Wand als austrocknen kann), dann wird die Wand nass. Es bildet sich als oberer Abschluß ein weißer Rand.
Also:
Wichtig ist zuerst die Ermittlung der Ursache für die Durchfeuchtung.
Erst dann kann über Strategien zur Beseitigung nachgedacht werden.

Viele Grüße
Georg



Vielleicht



Hallo Gudula,
kannst Du mir mal die Adresse Schicken mit diesem elektrischen System. Bei der Flüssigkeit ist das Problem, das es ein Loch ohne Boden ist. Ein Bekannter hat das versucht, da gehen Tonnen rein da die Wände wohl doch große Hohlräume haben - oder es versickert im Erdreich. Nach 150 ltr bei der ersten Wand hat er aufgegeben. ( sein Haus ist immer noch naß ).
Es wäre schön von Dir zu hören
Liebe Grüße
Andrea



Feuchte Lehmwände



Hallo Georg,
leider weiss ich nicht, wie man hier Bilder schicken kann.
Könntest Du mir Deine e-mail Adresse bitte schicken? Meine Adresse: kicksee@gmx.de
die Wände sind aus Lehmziegeln mit Lehm vermauert. Fäkalien glaube ich nicht, das Haus hat kein WC - 10 mtr weg im Garten. Fundament ?? glaub ich nicht, der Giebel sackt ab und bricht nach hinten weg und ein Stützpfeiler auch. Es ist auch keine Steinschicht erkennbar.
Wenn man innen vom Putz runterholt, zerfällt das in der Hand zu feinem Sand. Außen fällt der Putz sowieso in großen Flächen ab. Ich habe letztes Jahr einen Versuch gestartet an der Nordseite mit Gewebe und richtigem Rauhputz, der fertige weisse. Den ersten Winter ist es schon mal drangeblieben - nur der war auch sehr mild, mal sehen was nächsten Winter passiert.
mfg
Andrea
P.S. nicht wundern hab neuen Nachnamen



Hallo Andrea,



herzlichen Glückwunsch zum neuen Namen! :-)

Was ich bisher so zu den Injektionen und den elektrischen Verfahren lesen konnte klingt nicht so sehr vertrauenswerweckend!

Von Gudula höre ich eigentlich das erste Mal einen Bericht, dass die elektrische Variante längerfristig funktioniert.
Gudula - hat der wirklich nur das gemacht oder ist evtl. ein Sanierputz anchließend drauf gekommen etc ...?

Zu Deiner Frage, Andrea:
Ich würde den schönen Lehmwänden nicht ihre Wirkung nehmen, indem ich sie chemisch versiegele oder sonst irgendwie abdichte. Es kann evtl. ganz hilfreich sein auf folgenden Seiten mal etwas zu stöbern:
http://www.isarbautenschutz.com
http://www.konrad-fischer-info.de

Die vertreten recht unterschiedliche Ansichten - aber so kommt man in das Thema.

Das entscheidende ist, dass man zweifelsfrei feststellt woher die Feuchtigkeit kommt. (Du glaubst nicht wieviel Feuchtigkeit einfach durch kondensieren entstehen kann.)
Erst dann ist es sinnvoll über Maßnahmen nachzudenken. Sonst ist es ein Glücksspiel! Aber das hat Georg Böttcher ja auch schon angemerkt.

Fragen sind z.B. wie viel wird gelüftet, wird geheizt, wie werden die Räume genutzt, wie hoch ist die Luftfeuchtigkeit,
ist die ganze Wand (1m hoch) betroffen oder nur einzelne Stellen, war es mal ein Stall, wie alt ist das Haus, Grundwasserspiegel, ist das Dach dicht, Wasserleitungen intakt, kommt sonst irgendwie von oben Wasser an die Wand, was ist außen drauf ...

Viele Fragen ... ergeben dann ein einschätzbares Bild. Ach so, Bilder kann nur einstellen, wenn man Forumsmitglied (kostenlos) ist.





Hallo Henning,
Ich habe mich jetzt angemeldet. Ich werde nachher mal versuchen ein Bild zu schicken. ( Vielleicht krieg ich es ja hin ). Der Putz löst sich innen wie außen von den Wänden. Die Feuchtigkeit ist ca 1 mtr. hoch aber man kann den Putz bis oben hin einfach so runterholen in fast jedem Zimmer. Das Problem haben alle alten Bauerhäuser da, auch wenn Du regelmäßig heizt und lüftest - auch wenn das Dach dicht ist. Es ist dann nur nicht so heftig. Es ist auch ganz sicher, diese Häuser haben keine Sperren auch kein Fundament aus Steinen. Diese Häuser sind mindestens 100 Jahre alt. Im Inneren sind richtige Ausblühungen. Ein Bekannter meint, dass der Salpeter schon in den Steinen ist, sozusagen mitgeliefert wird beim Rohbau??? Er hat mir Tonsteine gezeigt, die hat er vor einem Jahr vermauert, die sind ganz weiss angelaufen.
Es gibt auch keinen sauberen Sand/Kies zu kaufen, der Kies hat immer noch einen Lehmanteil.
Gruß Andrea



Salpeter auf Lehmwand



Hallo Andrea,
leider kann ich mit Deinen Angaben immer noch nicht zu einem einigermaßen sicheren Ergebnis kommen.
Worauf begründest Du Deine Behauptung, die Häuser haben kein Fundament und keine waagerechte Abdichtung?
Dein Versuch, auf die Wand "richtigen Rauhputz, der fertige weiße" zu bringen, wird die Vernässung auf jeden Fall noch beschleunigen.

Zumindest das Foto sagt einiges aus.
Zu sehen sind die von mir genannten Salzränder.
Putz und Farbe werden durch Salzausblühungen abgesprengt.
Ob das Salpeter ist, ist nicht erkennbar, kann auch jedes andere bauschädigende Salz sein.
Ich kann nicht erkennen, was für ein Anstrichsystem verwendet wurde, aber wenn es moderne dichte Farben sind, (" die richtigen weißen") kann auch das eine Ursache der Putzzerstörung sein.
In der Ecke sieht man einen dunklen Fleck wie von stehendem Wasser. Gibt es eine Erklärung für diese feuchte Stelle?
Haben alle Wände innen diesen weißen Rand in etwa der selben Höhe?
Wo läuft das Regenwasser vom Dach hin?
Wie sieht der Spritzwasserbereich aus?
Kann infolge der Geländeoberfläche Wasser zum Haus hin laufen?
Wie wurde das Haus früher genutzt?
Was sind Tonsteine?
Was hat der Kies in der Gegend mit dem Haus zu tun?

Viele Grüße
Georg Böttcher



Antwort für Georg



Hallo Georg,
alle Wände sehen so aus und schlimmer - aber nur von unten nach oben ca 1-1,50 mtr., von der Decke kommt keine Nässe.
Der Fußboden ist gestampfter Lehm, die Nässe drückt von unten hoch.
Das Haus liegt in keiner Kuhle, es kann sich kein Wasser ums Haus herum ansammeln.
Das Haus ist gemauert mit Lehmziegel und Lehm
Alle alten Häuser dort haben keine Sperre - das ist so und es ist sicher. Wenn man gräbt kommt Erde sonst nichts. Die Nässe drückt auch auf dem Fußboden zwischen den Fliesen hoch - die Fugen und Ränder der Fliesen sind immer naß ( für den Fßboden habe ich aber eine sehr gute Lösung das ist nicht das Problem )
Die Ungarn Streichen die Häuser mit Mesz, das ist eine durchlässige Kalkfarbe. Außen ist die Fassade nicht gestrichen.
Mein Versuchsfeld mit dem weißen Putz ist ca 0,5 qm groß - an der Außenwand. Das hat nichts mit dem Gesamtproblem zu tun . Es wäre evtl. eine Lösung, dass der Putz nicht mehr jedes Jahr herunterfällt sondern nur noch alle 3 Jahre ( grins ). Ich habe schon 5 alte Häuser restauriert und es sieht genauso aus wie Salpeter, genau dieselben Ausblühungen. Ich kann innen überall eine Mauer vorsetzen dann bin ich erst mal durch mit dem Thema, dann ist aber das Raumklima und die heiztechnischen Vorteile der dicken Lehmwand weg und das möchte ich genau nicht.
Du solltest nicht von normalen Häusern ausgehen wo es hier und dort mal ein bischen naß ist, oder von Kellern, wo evtl der Grundwasserspiegel zu hoch ist. Das sind richtige Lehmbauten und diese Lehmsteine und der Lehm saugen sich mit der Nässe aus dem Erdreich voll. In der ganzen Gegend ist Lehmboden, d.h. Regenwässer braucht sehr viel länger bis es versickert wie bei normaler Erde. Die Wände der Häuser sind wie trockene Schwämme die sich vollsaugen. Eine Drainage kann ein bischen helfen aber nicht wirklich, den unter der Wand ist nach wie vor genug nasse Fläche.
Die Frage ist, wie kann ich einen haltbaren Putz aufbringen, ohne die positiven Eigenschaften dieser Wände zu zerstören ( Wärmespeicher im Winter und im Sommer super kühl )und gleichzeitig den Salpeter wegkriegen.
Selbst wenn ich den ganzen Putz runterhole, ( bereits getestet ) und neu verputze dauert es ca 3 Monate dann fällt der neue Putz wieder runter und diese Ausblühungen sind wieder da. Die Ungarn sagen, das bereits der Kies ( der ja diesen Lehmanteil hat ) den man dann mit Zement mischt - Mörtel - bereits diese schädlichen Salze enthält. Ich weiss allerdings nicht ob diese Aussage korrekt ist.
Diese Häuser sind besser als alle Niederenergie-Häuser die es in Deutschland gibt. Deshalb wäre es schon spannend dieses Problem in Griff zu kriegen.
Gruß Andrea



Lehmwände



Dann schlage ich vor, eine waagerechte Abdichtung im Mauersägeverfahren nachträglich einzubauen. Ohne Erdfeuchte auch kein Salztransport und damit keine Ausblühungen. Was mir schleierhaft ist, wie in holozänen bzw. pleistozänen Ablagerungen wasserlösliche Salze hineingelangen können, aber das spielt keine Rolle für die Problemlösung
Wie groß ist der Dachüberstand? Spritzwasser sollte auch vom Sockel ferngehalten werden, also unbedingt darauf achten oder spritzwasserbrechenden Streifen einbauen und Sockelbereich mit Kalk putzen, hier mit etwas Zement.
Auch für die Putzerneuerung schlage ich Kalkputz vor (nicht das weiße, fertig Zeugs aus dem Baumarkt), dazu Luftkalk verwenden!
Als Oberflächenbehandlung al fresco mit Kalkmilch schlämmen. Für innen genügt ein Lehmputz, allerdings den Lehm vorher mauken, falls er versalzen sein sollte.
Das die Sanierung erst nach Trocknung der Wände erfolgen sollte, versteht sich von selbst.

Viele Grüße
Georg



Für Georg



Hallo Georg, tausend Dank für die Ratschläge, ich werde versuchen, das alles so hinzukriegen.
Wie die Salze vor Urzeiten reingekommen sind, weiß ich nicht aber ist wohl so dort. Da ich nun nicht der große Lehm-Spezialist bin, kannst du mir bitte erläutern was mauken ist. Wenn ich es mache, möchte ich es richtig machen. Nochmals Danke
Gruß Andrea



Nachtrag



Hallo Georg, habe gerade mit meinem Mann über Deinen Denkanstoss gesprochen, es gibt evtl. doch eine Erklärung. Im Dorf sind sehr viele Thermalquellen. Viele Leute bohren nach Wasser und statt dessen kommt heißes Thermalwasser nach oben. Ob das Haus auf so einer Wasserader steht - oder eine in der Nähe ist?? Das könnte die Salze erklären. Nur so eine Idee
Gruß Andrea



Nachtrag



Zur Problematik des enormen Feuchteeintrages in Eure historische Lehmwandkonstruktionen kann auch eine weitere Ursache sein, daß um das Gebäude herum die Oberflächenbeschaffenheit sich dahingehend verändert hat bzw. wurde, daß so z.B. die Niveauhöhen jetzt höher liegen als vor 50 oder 100 Jahren, daß die Oberflächenversiegelung eine ganz andere geworden ist als früher usw.usw.
Haben gerade heute eine ähnliche Bausubstanz begutachten dürfen, wo auch historischer Lehgmquaderwandbestand noch existiert, aber über die letzten Jahre eben gerade diese benannten Sachverhalte vorzufinden sind.
Desweiteren aber auch komplett falsche Putzaufbauten, Dämmtapeten, Wandverkleidungen etc., die zu enormen Durchfeuchtungen bis hin zu extremen Mauerwerksausbrüchen in diesem speziellen Objekt mit führten.
Ich werde demnächst einmal dazu ein paar Foto's mit einstellen.

Grüße bis dahin

Udo Mühle