Fußbodenaufbau über Gewölbekeller - Sind Betonfundamtstreifen sinnvoll oder schädlich ?

28.02.2008



Hallo,

ich möchte in einem alten Fachwerkhaus, das Stockwerk über dem Gewölbekeller (Tonnengewölbe, mit roten Bruchsandsteinen), das zur Zeit eher Kellercharakter hat in einen kleinen Tanz- und Partytraum umwandeln. Der Raum ist ca. 8 x 12 m lang. Die Hälfte des Raumes (parallel zum Scheitel des Gewölbes) wurde leider in den 60er Jahren mit einer ca. 15-20 cm dicken Beton- und Estrichplatte ausgegossen und trug über die Jahre hinweg einen 8000 Liter Heizöltank, der inzwischen entfernt ist. Der Bereich bleibt wie er leider ist.

Die andere Hälfte des Raumes (ca. noch etwa 4m breit) besteht aus dem ursprünglichen Lehmboden, wovon etwa die Hälfte (ca. 2m breit) noch über dem Gewölbe liegt, die andere Hälfte ist bereits untermauert (oder vermutlich zwischen den Mauern mit Schutt gefüllt??.

Die Wände des Raumes sind auf dieser Etage noch gemauert, teilweise aus gehauenen Quadern, zum Großteil aus Bruchsand. Die Fachwerkkonstruktion (mit 3 zusätzlichen Ebenen, davon 2 Dachebenen) beginnt erst ab der Balkendecke des Raumes aufwärts.

Meine Hauptfrage ist nun, wie ich den Fußboden auf dem jetzigen Lehmboden aufbaue.

Aus statischer Sicht dürfte es zunächst kein Problem geben:

Das darunterliegende Gewölbe ist bereits durch 2 sehr massive 60cm dicke Zwischenmauern (parallel zu den Schildmauern) unterstützt. Ein mit alten Gewölben vertrauter Statiker hat sich die Sache bereits angesehen und keine Bedenken geäußert. Er meinte, einfach mit Kies und "gebranntem" Sand den Niveauausgleich herstellen und dann mit Eichenbohlen und darauf befestigten Eichendielen den Fußboden einbringen. (Leider habe ich vergessen ihn nach den Vor- und Nachteilen seines Vorschlages zu fragen).

So ganz überzeugt bin ich davon allerdings nicht, da ich trotzdem nicht zu viel Gewicht ins Haus bringen will und aufgrund der etwas unzugänglichen Lage des Raumes mir vor der Materialbeschaffung etwas graut. Außerdem hätte ich gerne etwas Wärmedämmung nach unten.

Ich stelle mir daher eher folgende Lösung vor:

- Einige Beton(fundament)streifen einbringen (ca. 20 - 25 cm breit - ähnlich einer Balkendecke, quer zum Scheitel des Gewölbes, mit ca. 70 bis 80cm Abstand zwischen den Streifen), insbesondere an den Rand-/Wandbereichen und oberhalb der Stützmauern des Gewölbekellers. Davon verspreche ich mir leichteres "Abziehen" der Schüttung und vor allem zusätzliche Stabilität des Bodens, sowie bei Bedarf stabile Fundamente, falls mal vom darüberliegenden Teil des Hauses noch Unterstützung nach oben erforderlich werden sollte. Die Streifen würde ich parallel, direkt unter den sichtbaren Eichenbalken der Decke des Raumes ziehen.

- Die Bereiche zwischen den Betonstreifen mit zementgebundenem Blähton (maxit clay GB 308 4-8mm), haufwerksporig gemischt, direkt auf dem Lehmboden auffüllen.

- Auf Folien verzichte ich, um einen gewisse Diffusion zu ermöglichen. (Der darunterliegende Gewölbekeller ist nicht übermäßig feucht und von 3 Seiten über Kelleröffnungen belüftet)

- Darauf würde ich eine dünne Trittschalldämmung und OSB-Platten legen. Auch wenn's nicht stilgerecht ist, eignen sich Holzplatten halt am bestem als Tanzboden und sind vor allem auch leicht mal wieder zu erneuern). Falls ich vernüftige und erschwingliche Alternativen finde, käme auch ein "echter" Holzboden (Holzdielen, o.ä.)in Betracht.

Nun die eigentlichen Fragen:

1. Können die Betonstreifen schaden, sind sie aus Stabilitätsgründen sinnvoll oder eher unnötig? Holzbalken hat man ja früher auch oft auf's Gewölbe gelegt und darauf Dielen genagelt?

2. Falls die Betonstreifen unnötig sind und der Boden komplett mit Blähton aufgefüllt werden sollte, bleibt die Frage: Ist ein zementgebundener Blähton belastbar genug für einen solchen Zweck?

3. Ist es trotz des damit geschaffenen, ebenen Untergrundes notwendig/sinnvoll die Platten zusätzlich auf Kanthölzern zu befestigen und damit zu stabilisieren oder reicht es, sie einfach in Nut und Feder zu verleimen? Die Kanthölzer sind auf den Betonstreifen ja leicht und stabil aufzulegen. Höhe spielt in dem Raum (ca. 3,40m) keine Rolle

4. Gibt es noch andere sinnvolle Lösungen/Argumente ?

Vielen Dank für zielführende Antworten und Argumente.

Thomas R.





Statische Probleme scheint es ja nicht zu geben, wie auch der schwere Heizöltank gezeigt hat. Bei der Art der geplanten Nutzung, die einem Sonderbau schon ziemlich nahe kommt- auch wenn er "rein privat" genutzt wird, sollte aber die maximale Last schon feststehen. Also: Statiker peinlich genau befragen, weil das eine Frage von Leben oder Tod sein kann !
Aufgrund Ihrer Beschreibung würde ich mal eine Tragfähigkeit zwischen 5 und 10 kN pro Quadratmeter vermuten, das würde reichen.
Die Betonstreifen (also Querrippen) wenn ich Sie richtig verstehe, könnten konstruktiv Sinn machen, wenn sie auch wie Querrippen mit dem Gewölbe verbunden wären. Sind sie aber nicht, also : überflüssig, sie werden das Gewölbe nur belasten. Das, was Ihr Statiker vorgeschlagen hat, ist o.K., aber auch ich halte den Wärmedämmbeton für sinnvoller. Er läßt sich auch mit der Estrichmaschine per Schlauch überall hin befördern.
Nun zu Ihren fragen:
1. siehe oben
2. ja, Vorschlag: Thermozell 250 für Mischer, in 2 Lagen
einzubringen, sehr lange Trocknungszeit !
3. Traghölzer sind erforderlich wegen der notwendigen Unterlüftung, sie lassen den Boden auch angenehm schwingen, eben wie einen Tanzboden
4. die Lösungsmenge ist immer unendlich, es ist auch eine Preisfrage: Möglich ist z.B. ein professioneller Schwingboden für Turnhallen.

Grüße vom Niederrhein



Soweit



die Aufbauhöhe genügt, würde ich mit zementgebundenem Blähton eine ebene Fläche herstellen. Auf dieser eine Schweißbahn aufbringen, an der Wand hochgezogen bis zur UK der zukünftigen Dielung.

Die "gewisse Diffusion", was versprechen Sie sich davon? Aus Ihrem Partyraum wird keine Feuchte in den Keller diffundieren, und den Keller wollen Sie doch sicher nicht über den Fußboden des Partyraumes trocknen?

Auf der Absperrbahn kann eine Holzweichfaserplatte mit zwischengelegten Lagerhölzern verlegt werden, z.B. 50mm DOSER mit 48mm hohen Lagerhölzern dazwischen. Darauf die Dielung. Das ist ein einerseits sehr stabiler Aufbau, weil die Dielung vollflächig aufliegt, andererseits weich im Tritt, weil die Holzweichfaserplatte etwas nachgibt. Wenn Sie die Fläche mit einem Hartöl (ohne nennenswerte Wachsanteile) ölen, ist der Aufbau auf der Absperrbahn nach oben zu gut diffusionsoffen.

Grüße

Thomas





Vielen Dank für die Antworten und Vorschläge,

und bei Dietmar Beckmann noch ein extra Dankeschön für die Thermozell-Hinweise in diesem Forum. Ich kannte das Material vorher nicht und habe es vor zwei Jahren schonmal bei der Renovierung eines Fußbodens zur Zwischenfüllung der Balkenlage eingesetzt und war hellauf begeistert über die leichte Verarbeitbarkeit und das geringe Gewicht bei doch relativ guter Druckbelastbarkeit. Ich nehme das Material inzwischen immer mal wieder zum Füllen und Abdichten von irgendwelchen Löchern und Zwischenräumen, an denen ich mit herkömmmlichem Dämmstoff nicht beikomme bzw. ein "formbares" Material hilfreich ist.

Für das jetzige Vorhaben ist mir Blähton allerdings doch lieber, weil die Druckfestigkeit lt. Herstellerangabe mit 1,5 N/mm2 ja doch nochmal wesentlich höher zu sein scheint, als bei Thermozell und mir das im Zweifel wichtiger ist, als die Wärmedämmwirkung. Außerdem ist die Blähtonmischung nach meiner Kenntnis einiges günstiger zu bekommen, als Thermozell.


Meine Vorstellung von "gewisser Diffussion" kommt daher, dass ich gelesen habe, daß feuchtesperrende Folien bei einem Aufbau über Gewölbekeller nicht unbedingt angeraten sind (zumindest scheint es da kontroverse Meinungen zu geben), da sie z.B. eventuellen (als sinnvoll eingeschätzten) Feuchteausgleich verhindern. Beurteilen und begründen kann ich das nicht, da ich kein Fachmann bin. Falls ich hierbei auf dem Holzweg bin, lasse ich mich gerne eines Besseren belehren. Wozu braucht man denn die Schweißbahn oder eine Folie ? Kann sich dadurch nicht ein Feuchtigkeitsstau auf der Warmseite d.h. an der Folie unterhalb der Holzfaserplatten bilden, die ja sehr feuchtigkeitsempfindlich sind ?

Die Idee mit den Holzfaserplatten mit der etwas dämpfenden Wirkung gefällt mir jedenfalls auch gut und werde ich mir überlegen.

Nochmals Danke

Thomas