Teilerneuerung Außenputz

23.02.2005



Hallo allerseits,

hier einige Fragen zum Außenputz unseres Hauses.

Die Situation:
Wir haben ein Klinkerhaus (und nur Fachwerkgiebel). Das Haus wurde vom Vorbesitzer neu verputzt (mit Zementputz), da die Klinkerfassade ihm wohl zu grün geworden war. Die Außenmauern haben einen "Versatz". D.h. Vom Fundament bis zur Höhe von 1,05 m ist die Mauer als 1,5-Stein darüber als 1-Stein-Mauer erstellt (alles mit Lehmmörtel). Wir sind gerade dabei eine Horizontalsperre (Bohrlochverfahren) einzubringen.

Nun fragen wir uns, ob die Mauern gut abtrocknen (und trocken bleiben) werden mit dem Zementputz außen. Und ob, falls der Putz besser runter sollte, es ausreicht, den Versatz neu zu verputzen. Und last but not least: Welcher Putz sollte genommen werden?

Ich hoffe die Situationsbeschreibung reicht für konkreten Rat und Tipps.

Beste Grüße

Isabel



Habe ich richtig verstanden?



Die Außenwand ist 24 cm dick, im Sockelbereich 36,5 cm jeweils + Putzstärke innen und außen?
Sind Dämmmaßnahmen geplant?
Neue Heizung?
Neue Fenster?
Andere bauliche Maßnahmen z.B. Dachgeschossausbau oder Dämmung der oberen Decke?
....



weitere Infos zur Situation



Außenputz ist relativ dünn: 0,5 cm.

Innen soll mit Lehm verputzt werden. Aufgrund der unregelmäßigen Mauerstruktur kommen wir sicherlich auf eine durchschnittliche Putzstärke von 1,5 cm.

Keine Dämmaßnahmen der Außenmauern im EG-Bereich. Aber das Dach und die Giebel werden komplett erneuert und natürlich entsprechend gedämmt.

Fenster werden neu gemacht: Holz statt Plastik.

Heizung: Zentralheizung - Die im Zuge der Sanierung abgenommenen Heizkörper Typ 21 sollen wieder installiert werden, die Leitungsrohre sollen umlaufend um die gesamte Außenwand verlegt werden.
Zusätzlich werden wir drei Kaminöfen (Küche, Wohnzimmer, Gaubenzimmer) aufstellen. Diese sollen möglichst viel Anteil am Gesamtwärmebedarf liefern.

Ist es jetzt einzuschätzen, ob der Zementputz außen runter sollte und ob ggf. eine Entfernung im Sockelbereich (Versatz) reicht?



Muß ein Zementputz erneuert werden?


Muß ein Zementputz erneuert werden?

Prinzipiell ist es sicher besser!

Hallo Isabell!

Allerdings sollte dann schon unterschieden werden ob der Putz eher geringe Anteile von Zement oder Trass enthält, also ein noch annehmbarer Kalkzementputz ist, oder ob er richtig fett ist.
Dann sollte er unbeding ab.

Für mich stellt sich allerding noch eine andere Frage. Wie soll die Gesamtgestaltung des Hauses werden.
Wenn der vorhandene Putz später nur übergestrichen werden soll, geht das nur wenn in den Mauern die Salzbelastung gering ist. Ansonsten fallen Dir fast alle beschichtende Farben (auch Silikat) wieder ab.

Wahrscheinlich ist es sinnvoll, im Zuge eines Gesamtkonzeptes den Putz des gesamten Hauses zu erneuern und dann mit einer Farbe im "System" zu streichen.
Das muß ja nicht gleich sein!
Ich favorisiere dabei einen anständigen Luftkalkmörtel mit freskal abgebundener Farbe. Muß auch nicht immer Gelb oder Rot sein.
Das sieht unglaublich schön aus, hält bei richtiger Verarbeitung ewig, und kost auch nich die Welt.

Zum Kalkmörtel mit frekaler Farbe hab ich mich vor kurzem ausgelassen, bei Interesse einfach mal in meinem Profil nachlesen!


Alles Gute von der Ostsee


Der Ingo


Habt Ihr wirklich schon mit der Injektionstrockenlegung gegonnen, ist da gar nichts mehr zu machen???!!!



Lösung für die nächsten 5 Jahre



Hallo Ingo,

ich suche nach einer Lösung, die den nächsten 5 Jahren standhält, einfach und preiswert sowie gut für unser Haus ist. So kam ich auf die Idee: Erstmal Sockel (insg. ca 48 qm) wieder atmen lassen und später (wenn wir wieder etwas Geld verdient haben) dann alles ganz neu und schön machen.

Vorgehen sollte dabei folgendes sein: Putz jetzt abschlagen (parallel zum Einbringen der Horizontalsperre), Haus bis August trocknen lassen, dann neuen Putz innen und außen.

Der Putz ist im übrigen nicht schadhaft (keine Risse, keine abgeplatzten Stellen). Auch die Farbe, die darüber gestrichen ist, haftet gut. Allerdings hat der Sockel grüne Flecken - kein Wunder, ist ja auch alles noch feucht.

Die Sache mit dem freskalen Putz gefällt mir SEHR, SEHR gut und ich habe schon fleissig die von Dir eingestellten Bildchen studiert. Meine Traumfarbe: dunkelrot! (Milchigweiß bis grau ist das Wetter bei uns oft genug). Leider wären insgesamt ca. 185 qm zu verputzen und daraus ergibt sich auch bei den von Dir an anderer Stelle genannten ca. 30 Euro/qm ein ganz hübsches Sümmchen. Aber ist ja ein lohnenswertes Sparziel. :-)

Danke für die Anregungen und beste Grüße

Isabel



Nicht vergessen,



bei einer Putzerneuerung über 20% der Fläche einer Gebäudeseite besteht die Verpflichtung zu dämmen. Da Dach, Giebel und Fenster so wie so gedämmt bzw. erneuert werden sollen empfehle ich ein entsprechendes Gesamtkonzept zu erstellen. Bei einer Kalkulation über das Gesamtgebäude kommt man häufig, vor allen Dingen wenn man günstige Heizsysteme wählt zu geringeren Dämmstoffstärken, wie bei einem Nachweis über einzelne Bauteile.



Konzept vorhanden - Geld nicht!



Lieber Fred Heim,

ja, natürlich gilt es, die Energiespraverordnung einzuhalten.

Und nochmal ja. Wir haben ein komplettes Sanierungskonzept. Auch hinreichend Vorschläge (3 Alternativen) für die Dämmung der Außenmauern. Alle Vorschläge kosten zwischen 25.000 und 30.000 Euro. Entschuldigung, aber können Sie sich vorstellen, dass das über unsere finanziellen Verhältnisse geht? (Wir haben schon ein komplett neues Dach, neue Fachwerkgiebel etc. etc. zu bestreiten!) Außerdem gibt es keinen Vorschlag, der die Außenmauern in der jetzigen Form erhält. Diese sind aber ein wichtiges Stilelement des Hauses (krumm und schief - und das ist gut so!). Klare Aussage: Wir befassen uns weiter mit dem Thema, aber gemacht wird erst etwas, wenn wir wieder Kohle haben.

Meine Frage ist daher immer noch: Macht es Sinn, aktuell den Sockel neu (z.B. mit Trasskalk) zu verputzen? Erhalte ich damit besser die Bausubstanz des Hauses? Werden die Wände besser trocknen/trocken bleiben?


Herzliche Grüße

Isabel



Man muß nicht jeden Unfug mitmachen, nur weil er gerade Vorschrift ist.



Hallo Fred!

Die Entscheidung ob gedämmt werden soll oder nicht dem Fakt zu überlassen, ob mehr oder weniger als 20 % der Fläche neu geputzt wird, ist doch der Sache bzw. dem Haus und seinen Bewohnern überhaupt nicht dienlich.


Hallo Isabel!

Wichtig ist, daß ein schlüssiges Konzept vorliegt. Dies spart sicher viel Geld.
Die Frage nach der Schlüssigkeit ist jedoch sicherlich streitbar.

Ein kluger, mittlerweile alter Mann schrieb einmal sinngemäß: "Wer das Erste richtig macht, bekommt das zweite und dritte geschenkt"

Das wichtigste ist für mich die richtige Heizung!
Einzig Strahlungswärme ist was einem Haus und seinen Bewohnern hilft gesund zu bleiben (bzw. zu werden)!
Dabei bekommt man dann das Zweite, die Bautrocklegung und
-haltung geschenkt. Auch ein neuer Putz wird mit Strahlungswärme ewig halten und das Mauerwerk samt Fachwerk bleibt trocken und gesund.
Nur am Rande möchte ich erwähnen, daß für mich die Heizleisten, dort speziell die von radia-therm erste Wahl sind!
Dämmaßnahmen mit leichten Baustoffen verbieten sich in diesem Zusammenhang Meineserachtens völlig.

Ein Lösungsvorschlag:
Wenn es noch nicht zu spät ist, unbedingt die Trockenlegung stoppen. Mit dem gesparten Geld kommt ihr bei den wirklich wichtigen Sachen viel weiter.
"Aufsteigende" Feuchtigkeit hat oft einfache Ursachen.
Wie Du schon geschrieben hast, ist der Mörtel im Sockelbereich grünlich-blau. Dies kenne ich von Zementsockeln.
In unserem Haus war auch bis auf einen halben Meter Höhe ein Putzsockel mit Zement gemauert. Die Feuchtigkeit stand genau 3 cm über dem Sockelabschluß.
Nach dem Abnehmen haben wir nicht gewartet, bis das Mauerwerk abgetrocknet war, sondern haben es gleich geputzt. Man sah dann durch den Kalkputz die Feuchtigkeit, Und man sah, wie die Feuchtigkeit jeden Tag um 1 bis 2 cm sank.
Mittlerweile haben wir ein pfurztrockenes Haus. Alle Außenwände sind in einem Top Zustand. Selbst die wieder verbauten Klosterformate die völlig versalzen, schon Zweit- oder Drittverwendung waren, und offensichtlich aus irgendwelchen Stallgebäuden stammten. Machen keine Schwierigkeiten. Der Kalkputz ermöglicht das Wandern der Salze je nach Wetterlage. Der Putz steht!

Also nochmal Quintessenz:
Geld von überflüssigen Maßnahmen für wirklich wichtige Dinge sparen.
Wenn das Haus geheizt ist, kann man es auch mal 3 bis 5 Jahr "offen" stehenlassen. Bis Geld oder auch Zeit da ist.
Im Übrigen, in einem der vorherigen Beiträge wurde auch gerade über einen Luftkalk geschrieben.
Wieviel kosten denn 20 Tonnen gewaschener Kies und eine Tonne Weißkalkhydrat? Ein Zentner Pigmente sind auch kein Vermögen!
Jetzt nur noch jemanden finden, der noch richtig Putzen kann!
Schwer, sehr schwer der letzte Punkt.
In Zeiten wo man es wirklich erwähnen muß, wenn einer mal sein Handwerk versteht.

Zum Bild: so ein Rot?

Der Ingo von Born!



Hilft weiter!



Lieber Ingo,

danke für die wirklich beim Weiterdenken (passt alles wirklich zusammen?) helfende Antwort.

Zur Trockenlegung (in Eigenleistung):
Wir haben nur die Wandflächen in Angriff genommen (Nord- und Ostseite, hier ist auch der umgebende Boden stets ziemlich feucht-matschig)), die trotz der Freilegung der Innenwände vor gut 1 Jahr nicht nachhaltig bis zum Boden abgetrocknet sind (gut festzustellen, auf welcher Höhe der Lehmmörtel wieder fest wird).

Und: Wir werden das Haus zwischendurch aus beruflichen Gründen auch mal 2-3 Monate ungeheizt (bzw. nur Frostwächter) allein lassen müssen.

Wir sind also schon über den Punkt weg, unhinterfragt Dinge zu tun, "weil man das haben muss" (in diesem Falle Horizontalsperre). :-)

Zum Thema Heizleisten:
Die Heizungsleitungen wollen wir gleich im richtigen Abstand legen lassen. Irgendwann kommt der Tag: Heizkörper raus, Heizleisten rein.

Und zu meiner Putzfrage:
Ich glaube, ich werde mal kleines ein Stück Sockel (Hintertür bis Hausecke) neu verputzen und schauen, ob sich das positiv auf die Mauerfeuchte auswirkt.

Und mit den schönen Bildern vom freskalen Putz werde ich mal meinen Mann "lecker machen". Es dürfte für mich übrigens noch röter, richtig dunkelrot sein. Bekommt man das hin (man kann ja wahrscheinlich nicht beliebige Mengen Pigmente unter den Putz mischen ohne dass die Qualität leidet...)?

Angeregte Grüße

Isabel



...



@Isabel Müskens
Auch ich finde das Geld nicht auf der Straße sonst würde unser Hausflur nicht so aussehen wie er es jetzt tut. Dass man nicht mal eben 25.000 € auf den Tisch legt um eine Wand zu verputzen ist auch klar.
Es ging mir nur darum mal eben auf eine bestehende Rechtssituation hinzuweisen. Natürlich gibt es hier auch alle möglichen und unmöglichen Ausnahmen, die man beantragen kann (z.B. auch, wenn eine Fassade erhaltenswert ist und eine nach EnEv erforderliche Maßnahme diesem nicht dienlich wäre). Über die Dauer von Baumaßnahmen steht hier nichts. Es ging mir also nicht darum, dass die Bauleute sofort alle Dinge erledigen müssen. Aber wenn an einer Stelle angefasst wird, dann eben auch richtig und wenn ein Konzept besteht, ist das doch prima, dass ist nämlich noch lange nicht bei jedem so.
Den Sockel diffusionsoffen zu verputzen halte ich für eine gute Sache. Je nach örtlicher Situation halte ich auch eine Bohrlochtränkung für eine gute Sache. Es kommt auf das Material und die örtliche Situation an.

@Ingo
Ich bin schon der Meinung, dass es sowohl dem Gebäude wie auch dem Bewohner hilft, wenn er die Rechtsgrundlagen kennt. Nur so ist zu verhindern, dass er sich vielleicht in eine Situation begibt die ihm hinterher nicht mehr so gut gefällt. Wer eine Rechtsgrundlage kennt, kann entsprechend handeln. Gut geplant hilft es dann nicht nur dem Gebäude und dem Bewohner sondern auch der Umwelt und den nachfolgenden Generationen.
Ich halte es nicht für gut, grundsätzlich von einer Horizontalsperre abzuraten. Das was bei dir gut funktioniert hat, kann an anderer Stelle ganz schön in die Hose gehen.
Deine Putze sehen im übrigen klasse aus!