Lehmputz aus Lehmboden selbst herstellen?

21.08.2005



Guten Morgen,
ich weiss nicht, ob das jetzt eine sehr dumme Frage ist: Wir haben hier in Rommerskirchen sehr lehmigen Boden (s. Foto). Ein Landwirt hat eine große Grube ausgehoben und würde uns einen Hänger voll Boden zur Verfügung stellen. Kann ich den als Grundlage für Lehmputz nehmen? Die trockenen Brocken sind wirklich steinhart. Allerdings enthält der Boden natürlich Steine und Unkrautsamen, etc.
Woran erkenne ich geeigneten Lehm?
Danke + freundliche Grüße
Annette



Lehmboden



Hallo, als Unterputz geht das unter Umständen schon. Wenn es kein Humus ist - keine organischen Bestandteile enthält, außerdem noch gut klebt, warum soll das nicht gehen? Die Aufbereitung ist natürlich ein Problem. Wenn Sie einweichen und gut durchkneten können, z.B. mit einer alten Bäckerei-Teigknetmaschine, dann wird das schon klappen. Evtl. etwas Sand und ordentlich Strohhäcksel dazu, dann bekommen Sie einen brauchbaren Unterputz. Wegen den Steinen würde ich für den Oberputz allerdings Fertigmischungen oder Lehmpulver empfehlen. Es gibt einige Bücher, in denen ist eine Baustellenprüfung für vorgefundenen Lehmboden beschrieben. Viel Erfolg, Johannes Prickarz



"Eignungsprüfung"



Ich habe mal ein paar einfache Prüfungen gemacht:
1. Den erdfeuchten Lehm geknetet und danach zu Kugeln gerollt. Geht gut, so ähnlich wie mit Knetmasse, lässt sich gut formen, bröckelt nicht und ist auch nicht klebrig wie Ton.
2. In trockenem Zustand sind Lehmklumpen kaum mit den Fingern zu zerdrücken, nur mit extremem Kraftaufwand.
3. Erdfeuchter Lehm zerschnitten mit einem scharfen Messer ist leicht glänzend, aber eher matt.
4. Organische Stoffe sind - soweit ich erkennen kann - nicht enthalten, der Geruch ist eher erdig, nicht nach Humus.
5. Die Struktur erscheint mir eher fein, kaum Steine, nicht grobsandig.

Ich hoffe, die Angaben helfen den Spezialisten unter euch weiter? Ich bezahle auch gerne jemanden hier aus der Gegend, den Lehm zu beurteilen und uns Tipps zur Verarbeitung zu geben.

LG
Annette



Prüfung des Grubenlehms!



Hallo Anette,

wenn Ihr die Eigenschaften und die Prüfung des Lehms selbst durchführen wollt, schick ich gerne die Anleitung rüber! Erstellt wurde sie von Alfred Beidatsch, habe auch selbst schon damit gearbeitet!

Probende Grüsse

Michael



Lehmputz aus Lehmboden selbst herstellen?



Hallo Anette, hallo Michael,

alles hochinteressant !
Anette hat mir praktisch die Frage geklaut .....
Könnte ich bitte diese "Selbstprüfungs-Beschreibung" auch von Euch bekommen ?

Befinde mich praktisch in einer ähnlichen Situation, möchte in meinem Neubau auf Kalksandstein aufputzen.
Zur Probe hab ich mal einen Pseudo-Lehmformstein hergestellt, das Zeug wird wunderbar knochig trocken !

Brauche aber eigentlich Putz und würde mich ebenfalls mit ca. 3 cm Stärke an den Selbstbau heranwagen.

Also, wär Euch dankbar für ne Rückinfo.

Gruß Jens





Hallo Michael, bin erst heute auf diese Seite gestoßen. Auch wir haben Lehmboden, aus dem vor 100 Jahren auch die Häuser gebaut wurden. Würden diesen Lehm gern für das Verputzen nehmen. Bevor wir uns daran wagen, wäre eine Prüfung des Lehm und seiner Eigenschaften notwendig. Könntest Du uns auch eine Selbstprüfungsbeschreibung von A. Beidatsch zumailen?



Eignungsprüfung



Hallo Anette, hallo Michael,
schade, dass ich diese Seite erst heute entdeckt habe ... wir haben die größten Lehmputzaktionen schon hinter uns (allerdings mit Lehmputzern), da nur drei Monate Renovierungszeit für ein 160 Jahre altes FWH zur Verfügung standen.
Trotzdem sind noch einige Ecken in Eigenleistung zu bewältigen und Lehm (den Originalen und auch Naturvorkommen) haben wir ausreichend auf unserem Grundstück vorhanden. Daher die unvermeidliche Frage nach der Eignungsprüfung, die auch wir gut gebrauchen könnten. Ich wäre sehr dankbar für eine Rückinfo..

Schöne Gruesse,
Melanie



nicht schlecht



WAS KAM RAUS BEI EUCH?

hab das gleiche problem



Eignungsprüfung Lehm



Euch hier in die Feldansprache von Böden nach DIN 4022
einzuweisen, würde zu weit gehen. Ich zitiere ersatzweise
Herrn Cointereaux:"...man erkennt die Güte eines Erdreichs zum Pise- Bau, wenn man Mühe hat, die Koth-Klumpen auf den Wegen mit den Fingern zu zerbröckeln" (in der o.g. DIN ist das der Trockenfestigkeitsversuch)
Mischt den vorhandenen Boden mit etwas Wasser an, riecht daran: Mineralboden sollte nach nichts riechen.Lasst ihn trocknen.
Falls ihr feinkörnigen Boden ohne Sandanteil habt,
prüft den Anteil von Ton und /oder Schluff im Boden:
nehmt eine nußgroße Feuchte Probe in die Hand und rollt kleine Würstchen daraus. Wenn das mehrmals hintereinander gelingt, habt ihr bindigen, stark tonhaltigen Boden.
Wenn das nicht gelingt, legt ein nußgroßes feuchtes, weiches Stück auf die Hand und schüttelt die Hand leicht. tritt an der Oberfläche der Probe Wasser aus, habt ihr stark schluffigen Boden.Wenn ihr gemischtkörnigen Boden (mit Sand- und Kiesanteilen) habt, macht den o.g. Trockenfestigkeitsversuch und/oder die folgende Probe
Nehmt mehrere mauerziegel (mindestens 3)und tragt auf jeden Stein ca. 1 cm Lehm mit der Kelle auf. Jeden Stein mit einer anderen Mischung: den ersten nur mit tonigem Boden, dann immer etwas mehr Sand dazu geben.
Ein paar Tage trocknen lassen.
Da, wo der Lehm als Scholle abgefallen ist- zu fett.
da, wo er gerissen ist, aber hält: gut, kann noch abgemagert werden.
Da, wo der Lehm hält, kaum Risse hat und fest ist, gut.
Da, wo der Lehm abbröselt und absandet, zu mager.
Gruß Georg