Neuer Fußboden auf alter Holzbalkendecke



Neuer Fußboden auf alter Holzbalkendecke

Hallo liebe Forengemeinde.

Wir sind im Besitz eines Fachwerk-Bauernhauses (EFH) mit Baujahr vor 1800. An diesem wird z.Zt. eine Außenwand erneuert (Neues, richtiges Fundament, dabei Beseitigung alter, vergammelter Balken und neue Ausmauerung der Fächer). Im ersten Obergeschoss soll nun auch der Fußboden in einem (Abstell-)Raum (ca. 2,5 * 3,5 m), der an diese Außenwand grenzt, erneuert werden aufgrund des allgemein schlechten Zustandes; konkreter Anlass ist die neue Ausmauerung der Fächer in der Wand. In diesem Raum ist momentan Estrich als Fußboden vorhanden, dieser weist aber viele große Risse auf, da sich die Wand im Laufe der Jahrhunderte und durch ein kaum vorhandenes Fundament doch ein paar Zentimeter bewegt hat. Die Decke ist entgegen dem, was das Internet als üblich bezeichnen würde folgendermaßen aufgebaut (ich hoffe man kann es auf dem Bild ein wenig erkennen):

- Deckenbalken ca. 20*20 cm
- quer darauf aufgelegte, dicht aneinander gelegte Hölzer (soweit man es erkennen kann halbrund, ca. 4 - 5 cm stark)
- darüber Lehm-Stroh-Gemisch (fest), auf den Hölzern ca. 5 - 6 cm auftragend
- darauf ca 3 cm dicker Estrich.

Im Raum sind insgesamt zwei Deckenbalken zu finden, diese verlaufen in Richtung der kleineren Länge (2,5 m). Der Abstand von Balken zu Balken bzw. Wand beträgt 110 - 130 cm.

Zusätzlich ist der Fußboden doch stark geneigt; von der einen Wand zur anderen gibt es auf den 2,5 Metern ein Gefälle von über 5 cm.

Mein Plan war es, dicke OSB-Platten oder einfache Dielen mit entsprechender Unterlattung als oberste Schicht zu verbauen, da es sich wie angesprochen doch nur um eine Abstellkammer handelt; nur eben sollte der Fußboden schon sein.

Die Frage wäre, ob und wieviel man von der vorhandenen Decke entfernen bzw. erneuern müsste bzw wie Ihr generell in diesem Fall vorgehen würdet.

Beste Grüße & Vielen Dank für die Antworten im Voraus

Johannes



Deckensanierung



"Die Decke ist entgegen dem, was das Internet als üblich bezeichnen würde..."
Ich weiß nicht was Sie im Internet gelesen haben aber das was Sie beschreiben ist der typische bzw. übliche Aufbau einer Holzbalkendecke (Einschubdecke).
Das statt Dielen ein dünner Estrich aufgetragen wurde ist in Lagerräumen, Dachböden usw. ebenfalls typisch. Hier ging es um Mäusesicherheit und Brandschutz.
Wenn sich Fachwerkwände senken hat das in der Regel mit verrottenden Grundschwellen zu tun die komprimiert werden, mit der Gründung eher nicht. Ich habe jedenfalls noch keinen Fall in meiner Praxis erlebt wo ein Streifenfundament absackte. So etwas passiert m.E. nur wenn Modernisierungswut der Besitzer im Spiel ist.
Falls der Raum als Abstellraum weiter genutzt wird sehe ich die Schieflage der Balken nicht als großes Problem an. Viel wichtiger ist der Zustand der Balkenköpfe, der sollte kontrolliert werden.
Die Füllung auf dem Einschub (das sind die halbrunden Hölzer) kann und sollte verbleiben. Den Estrich empfehle ich vorsichtig auszubauen.
Als Belag kann ein einfacher Dielenbelag aus gesäumtern Bretter (ca. 30 mm dick) oder ein Belag aus OSB- oder ESB- Platten ebenfalls ca. 30 mm dick aufgebracht werden.
Falls die Balkenoberseiten zu uneben sind, kann mann beideitig Bohlen gegen die Balkenflanken schrauben, die Höhe an den Flanken reicht dafür aus. Damit lässt sich falls erforderlich auch die Schieflage beseitigen.



Deckensanierung



Hallo Herr Böttcher, vielen Dank für ihre Antwort.

Ich habe mich wohl im vorigen Beitrag missverständlich ausgedrückt. Mit unüblich meinte ich die Ausführung der Decke, dass die Einschübe nicht zwischen den Balken zu finden sind sondern oben lose aufliegen und dort mit Lehm verstrichen sind. Im Bild vom ersten Beitrag sieht man an der geöffneten Stelle der Decke diese Einschübe; ca. an der Position der dort zu sehenden Stöße verläuft unterhalb der Deckenbalken, sodass zwischen der Oberkante der Lehmschicht und der Oberkante des Balkens ein Abstand von ca. 10 cm ist. Im jetzigen Zustand, auch ohne Estrich, kommt man somit ohne entfernen der Schüttung und der Einschübe nicht an die Balken heran, weder seitlich noch von oben.

Die Senkung bzw Verschiebung der Wand wird wohl wie Sie schrieben geschehen sein; hier ist allerdings durch eine neue Gründung wie oben angesprochen schon gehandelt worden. Fakt ist allerdings eine große Unebenheit des Fußbodens, die beseitigt werden soll; die Deckenbalken und Wände sollen hierfür aber nicht angetastet werden. Auch die Balkenköpfe wurden kontrolliert, Zustand und Auflage sind OK.

Auch die von Ihnen beschriebene Möglichkeit, seitliche Bohlen zum Niveauausgleich an die Balken zu montieren, habe ich schon in Erwägung gezogen, allerdings müssten man ja dazu auch an die Balken herankommen, was bedeutet, dass die Einschübe und somit wohl auch die Schüttung entfernt werden müssten, wenn ich mich nicht irre. Unterhalb der Einschübe, also zwischen den Deckenbalken, ist ein Hohlraum.

Wenn man nun diese Variante mit seitlich an den Deckenbalken befestigten Bohlen als "Unterlattung" wählt, würde sich ein Hohlraum unter Dielen/OSB-Platten ergeben, ist sowas unbedenklich im Blick auf Trittschalldämmung oder spielt dieses Thema hier gar keine Rolle? Auch scheint mir eine Stützbreite von über einem Meter doch sehr groß, ich würde dann noch eine engere Konterlattung vorsehen.

Ich kann mir vorstellen, so eine Ferndiagnose ist selten einfach,

Viele Grüße

Johannes



Deckenaufbau



Wie sieht die Decke von unten aus?
Kann man unter dem oben liegenden Einschub die untere Deckenbekleidung erkennen oder gibt es noch den eigentlichen Einschub?



Deckenaufbau



Nein, dort ist kein Einschub mehr zu erkennen, man sieht direkt die von unten an den Balken angebrachte Verkleidung. Um was es sich hier genau handelt, kann ich aber nicht sagen, ich denke es müsste so etwas wie eine stärkere Kartonplatte sein. Es lässt sich von unten zwischen den Balken mit der Hand relativ leicht elastisch verformen.



Holzbalkendecke



Da hat also schon mal jemand dranrumgebastelt.
Lassen wir die Eierei was mal war.
Der Aufbau der Decke richtet sich nach der Nutzung des Raumes oben. Wenn das eine Art Abstellraum bleibt genügt die von mir beschriebene einfache Variante mit Dielenbelag. Man kann dann zur besseren Reinigung noch einen einfachen, billigen textilen oder Kunststoffbelag aufbringen wenn das Zimmer innerhalb der warmen Zone liegt. Schallschutz ist für einen Abstellraum überflüssig.
Falls es Wohnraum werden soll:
Einschub samt Lehmverstrich raus
bei Bedarf auch die untere Deckenbekleidung ("Kartonplatte"? was auch immer das sei)demontieren
neuen Einschub auf Leisten einbauen (OSB oder Bretter auf Dachlatten)
Rieselschutz (Unterspannbahn)
Höhenausgleich mit Bohlen
Schüttung (können auch Betongehwegplatten 30 mm in etwas Sand sein)
Auffüllen mit Perlite bis OK Bohlen
GIFA- Trockenestrichplatten
Belag nach Wahl
Unten Gipskarton an Traglattung und Direktabhängern

https://www.knauf-integral.de/de/sortiment/gifafloor/bodensystem-auf-balkendecke/



Fußbodenhöhenausgleich



Wenn’s nur ein Abstellraum bleibt je nach Höhenanforderung:
Die obersten Lagen entfernen,
Auf tragfähigem Untergrund Schüttung, gebunden oder ungebunden, verteilen und nivellieren.

Dann schwimmend in den Fugen verleimte OSB- Platten verlegen.
Evt vorher Folie unterlegen, damit bei der Plattenverlegung die Schüttung nicht zwischen Nut und Feder kommt.
Um die Bildung eines Resonanzbodens zu vermeiden sollten Hohlräume direkt unter dem Bodenbelag generell vermieden werden.

Andreas Teich