Neue Deckenbalken (BSH) richtig bemessen

20.04.2021 FreiGeist


Liebes Forum,

ich bin weiterhin bei meinen Sanierungsarbeiten gut beschäftigt und muss jetzt Holz für die neue Holzdeckenkonstruktion bestellen.

Die Idee war, dass ich die Balkenköpfe etwa 15-20 Zentimeter in die Wände einlasse. Dabei habe ich Holzbalken, die auf einer Seite in eine Außenwand müssen und auf der anderen Seite in eine Innenwand.

Die anderen Holzbalken sind vollständig in Innenwänden aufgelagert.

Ich habe einen alten Beitrag von Georg Böttcher gefunden, darin rät er:

Zitat Anfang (https://www.fachwerk.de/fachwerkhaus/wissen/balken-holzbalken-99427.html):

Ingenieurbüro Georg Böttcher Georg Böttcher
Ich ergänze:
Überbemessen sind die Balken auf keinen Fall.
Bei der Länge und der Breite eher unterbemessen.
Beim Herstellen der Auflager bitte genügend Tiefe zum Einfädeln berücksichtigen und ca. 2 - 3 cm Luft nach allen Seiten lassen.
Als Auflager einen normalen Vollziegel quer einmauern, die wirksame Auflagertiefe sollte ca. 10 cm nicht übersteigen.
Falls das Mauerwerk dort zu marode ist, den Auflagerbereich großzügig neu aufmauern.
Als Höhenausgleich keinen Mörtel, sondern Hartholzplättchen verwenden.
Die Balkenköpfe vorbeugend fungizid behandeln, wenn nicht bereits geschehen.
Die Balken mit Hartholz- bzw. Kunststoffkeilen gegen Kippen und Verdrehen sichern.
Freigebliebene Zwischenräume winddicht mit Dämmmaterial ausstopfen.
Putzfuge als Kellenschnitt ausbilden oder verleisten.
Ich hoffe, die Balken wurde so gelagert, das sie die Ausgleichsfeuchte des Raumes annehmen konnten.
Das sie nicht durch unsachgemäße Lagerung verzogen sind, setze ich voraus.

Viele Grüße

Zitat Ende.

Meine Fragen:

1. Warum soll man die Balken keinesfalls überbemessen?

Ich habe mit einer Dauerbelastung von 400 KG Fixlast und 200 KG Verkehrlast gerechnet. (http://www.eurocode-statik-online.de/rechner_flaeche.php?eigenl=400&belast=200&schneel=0&weite=4&breite=12&hoehe=20&abstand=60&fkl=GL24c&nkl=1)

Bodenbeläge soll werden: Lewisplatten, Katja Sprint, Dämmung, Schrenzlage, Heizestrich, Fliesen

2. Warum sollen die Balkenköpfe höchsten 10 cm rein?

Dann liegen sie ja nur etwa einen halben Stein auf der tragenden Mauer auf.

3. Was meint er genau mit Dämmmaterial?

LG Freigeist



nicht Übermessen



damit meinte er nicht, dass man den Balken nicht zu Groß dimensionieren SOLL sondern, dass in dem Thread die gewählten Balken nicht zu groß bemessen sind.
Aber sollte bei so einem Vorhaben nicht vielleicht mal ein Statiker drüber gucken?
Da kommen ja noch so fragen wie Tragfähigkeit der Wände usw. auf (Lastdreieck). Das Ursprungshaus hatte ja wahrscheinlich nicht so schwere Decken.



Eieiei



Ein Mehrfamilienhaus mit 4 Wohneinheiten und selbst zusammengebastelte Statik mit Bruchstücken aus dem Archiv eines Internetforums und einem Gratis-Statik-Programm passt nicht zusammen.



Mittlerweile habe ich ja einen Architekten



Hej Community,

mittlerweile beschäftige ich ja auch einen Architekten, wie in einem anderen Beitrag geschrieben. Der sagte, dass Vorhaben sei statistisch in Ordnung, der Balkendurchmesser passend. Ich solle aber pro Seite eher 20 cm in die Wand einbringen.

Das wunderte mich, weil es Georg Böttcher eben anders darstellt.

Vielen Dank für Euren Input.

Freigeist



Bestand



Herr Böttcher hat sich ja auf ein bestimmtes Bauvorhaben bezogen.
Das kann sich bei Dir ganz anders darstellen.
Im Zweifelsfall würde ich mich am Bestand! orientieren.
Wie Marc oben schon darstellt, sind die Decken oft nicht nur "Fussböden", sondern können weitere statische Funktionen übernehmen.
In manchen Gebäuden sind die Balkenköpfe nicht nur "locker" gelagert (wie im Beispiel von Herrn Böttcher), sondern "fest" mit dem Mauerwerk verbunden.
Ein Statiker sollte sich das vorher ansehen.
Eventuell sparst du sogar Geld, wenn er Dir eine "schlankere" Lösung vorschlägt.

Gruß,

Mark



Womöglich



Womöglich meinte er mit "wirksame Auflagertiefe" das rechnerische Maß für die Statik. Dort wird zum Lichten Maß noch ein Stück von den Auflagern dazugerechnet. Sprich: Balken liegt rein optisch 20cm auf, davon 50% = 10cm für die Berechnung. Aber du merkst selber, alles nur Mutmaßungen über die Beiträge eines Verstorbenen. Einen Balken nur 10cm aufzulegen ist doch albern.



Deckenbalken dimensionieren



Als Eigengewicht der Holzbalkendecken mit Lewis-Platten und Zementestrich 400 kg/m2 anzunehmen ist übertrieben.
Zementestrich wiegt ca 20 kg/m2 je cm, bei 6 cm also 120 kg/m2.
Der restliche Aufbau ist auch nie schwerer.

Als Auflagerlänge für Balken werden im Holzbau üblicherweise 12 cm angenommen.

Wenn du die Balken zumindest einseitig nicht von oben einlegen könntest müßte das Mauerlochs bei dir schon über 40 cm tief sein.
Darauf achten, dass raumseitig unter dem Balken keine harte Zementmörtelauflage besteht-
zumindest nach oben abschrägen, da die Kante bei Belastung des Balkens sonst abbrechen könnte-
die Kante wird bei Belastung/Biegung als erstes belastet.